Burgen & Felsen
Burg Lemberg im Pfälzerwald: Renaissanceschloss und Ruppertstein
Zweibrücker Burg mit Renaissanceschloss und dem Außenwerk Ruppertstein

Kurz gesagt
Die Burg Lemberg thront auf einer 456 Meter hohen Bergspitze über dem gleichnamigen Dorf im Südwesten des Pfälzerwalds. Graf Heinrich von Zweibrücken erwarb den Berg 1198; später war die Burg Renaissanceschloss und Residenz. Zerstört 1689, ist sie heute frei zugänglich mit gewölbtem Keller, Bergfriedstumpf und einem unvollendeten Brunnenstollen.
Wo liegt die Burg Lemberg und wie kommt man hin?
Die Burg liegt auf einer Erhebung am Ortsrand von Lemberg im Landkreis Südwestpfalz, ganz in der Nähe von Pirmasens. Die Wegbeschreibung innerhalb des Ortes ist unkompliziert; Parkplätze sind in ausreichender Zahl vorhanden, nur das letzte Stück legt man zu Fuß zurück. Der Burgberg war schon in keltischer und römischer Zeit besiedelt, bevor die Grafen von Zweibrücken ihn für den Burgenbau erwarben.
Die Burg erstreckt sich auf zwei Ebenen. Ein fast dreieckiges Felsareal trägt die Unterburg; in dessen Mitte erhebt sich ein ebenfalls fast dreieckiger Aufsatzfelsen von rund 60 Metern Länge, bis zu 40 Metern Breite und sieben bis zwölf Metern Höhe. Unterhalb dieses Burgfelsens verlief der äußere Mauerring, der mit Ausnahme der Nordostseite nur noch rudimentär sichtbar ist. Die Ruine ist frei zugänglich und Ausgangspunkt des Graf-Heinrich-Wegs, eines Premiumwanderwegs, der zum Ruppertstein führt.
Wie entstand die Burg Lemberg?
Am 9. Januar 1198 tauschte der Abt des Klosters Hornbach mit Graf Heinrich von Zweibrücken Güter und übergab ihm dabei zwei Berge: den "Gutinberg", mit dem späteren Lemberg identisch, und den "Ruprehtisberc" bei Ruppertsweiler. Der Graf erwarb sie mit der Absicht, Burgen zu errichten. Zum Kloster siehe die Seite Kloster Hornbach.
Die Burg selbst ("castro Leenberc") wird erstmals 1230 erwähnt; sie muss also zwischen 1198 und 1230 entstanden sein. Von 1247 bis 1294 treten häufig Ministeriale der Grafen von Zweibrücken auf, die sich nach der Burg nannten. 1269 belehnte Herzog Friedrich II. von Lothringen den Grafen Heinrich II. von Zweibrücken mit der Hälfte von Lemberg, woraus sich eine gemeinsame Herrschaft von Lothringen und Zweibrücken entwickelte.
Bei der ersten Gütertrennung der Brüder Eberhard und Walram von Zweibrücken fiel Lemberg 1295 an Eberhard. Das erwies sich als Vorteil: Zwei Jahre später erhielt er im Gebietstausch die angrenzende Burg und Herrschaft Bitsch und verfügte damit über ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet. Er nannte sich fortan Graf von Zweibrücken, Herr zu Bitsch. Seine Söhne Eberhard II. und Simon blieben im Besitz der Burg und des größten Teils des Amtes Lemberg, trugen es 1334 aber zusammen mit den Gerichten Pirmasens und Eischweiler dem Trierer Erzbischof Balduin als Lehen auf.
Wie wurde Lemberg im Spätmittelalter genutzt?
Die Grafenfamilie nutzte Burg und Amt zunehmend als Spekulationsobjekt, das man bei Bedarf verpfändete, verkaufte oder zur Witwenversorgung einsetzte. So diente Lemberg 1400 der Margarethe von Finstingen, Witwe des Grafen Hanemann von Zweibrücken-Bitsch, als Wittum und 1409 Hanemanns Ehefrau Imagina von Öttingen. 1358 und 1367 öffneten die Brüder Hanemann und Simon Wecker von Zweibrücken-Bitsch dem Pfalzgrafen neben anderen Burgen auch Lemberg. Ein Wittumsbrief von 1366 über 4.000 kleine Gulden macht deutlich, dass nicht nur das Erzbistum Trier, sondern auch der Herzog von Lothringen Lehensherr war; beide Rechte blieben bis ins 15. Jahrhundert bestehen.
Nach dem Tod des Grafen Friedrich von Zweibrücken-Bitsch teilten seine vier Söhne die Herrschaft. Lemberg ging an den Sohn Friedrich und später an Graf Reinhard, der die Anlage ab 1502 aufwendig modernisierte. 1519 verweigerten seine Amtleute kurzzeitig den Beamten des Herzogs von Lothringen den Zutritt, was aber Episode blieb. Vom Bauernkrieg 1525 war die Burg nicht betroffen. Nach Reinhards Tod 1532 übernahmen seine Kinder Simon Wecker und Jakob die unbeschädigte Burg gemeinsam.

Wann wurde Lemberg zum Renaissanceschloss?
Nach der Grafschaftsteilung von 1533/34 erhielt Graf Jakob die Burg. Er ließ sie bis 1566 zum wehrhaften, feuerwaffentauglichen Renaissanceschloss umgestalten. 1536 feierte er seine Hochzeit mit Katharina von Hohenstein in Lemberg, und spätestens seit 1541 nutzte er die Anlage als Hauptresidenz. Südöstlich des Bergfrieds sind Reste der Wendeltreppe erhalten, die "Schnecke" hieß; sie erschloss einen großen, abgewinkelten Schlosstrakt der Renaissance.
Der erbenlose Tod des Grafen Jakob 1570 löste langanhaltende Besitzstreitigkeiten aus, die Lothringen in seinem Sinne nutzte. Nacheinander belehnte man Philipp V. von Hanau-Lichtenberg, Philipp I. von Leiningen-Westerburg sowie die Gräfinnen Elisabeth und Agatha mit Schloss und Herrschaft Bitsch und der halben Burg Lemberg. Als der reformationsfreundliche Philipp V. das Kloster Stürzelbronn besetzte, geriet er mit dem katholischen Herzog Karl III. von Lothringen in Konflikt. Im Juli 1572 besetzte der Herzog die Burgen Bitsch und Lemberg. Die juristischen Auseinandersetzungen vor dem Reichskammergericht blieben erfolglos; erst 1598 kam es zu einem Vergleich, und die Lothringer zogen Ende 1599 ab, mit allen Geschützen.
Der Erbstreit endete mit dem Friedensvertrag von 1606: Lothringen verzichtete auf Burg und Amt Lemberg, Graf Johann Reinhard I. von Hanau-Lichtenberg auf Herrschaft und Schloss Bitsch. Die Burg hatte während der Besetzung schwer gelitten, und der Graf setzte erhebliche Mittel zur Wiederherstellung ein. Das Ergebnis war respektabel: 1626 wurde der Wert der Burg mit mehr als 29.000 Gulden beziffert. Ein Inventar des gleichen Jahres zählt allein in der Oberburg 33 Räume auf, darunter eine Amts- und eine Verhörstube, dazu zwei Dachstuben und einen Keller.
Wie ging die Burg Lemberg unter?
Im Herbst 1634 nahmen österreichische Reichstruppen Quartier in der Burg. Das erwies sich rasch als Ausplünderung der Feste und der zugehörigen Dörfer, bis die Soldaten 1635 abzogen. Es sollte schlimmer kommen: 1636 erreichten kaiserliche Truppen Lemberg, plünderten die Burg und äscherten sie ein. Noch 1641 war der Zustand mehr als erbärmlich. Die endgültige Zerstörung erfolgte im Pfälzischen Erbfolgekrieg: Im Herbst 1689 ließ der französische General Montclar die erhaltenen Bauten schleifen und einebnen.
Schon im 17. Jahrhundert diente die Ruine der Bevölkerung der umliegenden Dörfer als Steinbruch; mit offizieller Erlaubnis lieferte sie 1646 Baumaterial für den Neubau der Lemberger Kirche. 1761 erlaubte Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt den Abbruch der Ruine. Zum Nationalgut erklärt, wurde die Burg 1813 erstmals versteigert; weitere Besitzwechsel folgten in bayerischer Zeit.
Was ist von der Burg Lemberg erhalten?
Den Hauptzugang zur Unterburg bildet im Nordosten eine Torgasse mit drei hintereinander gestaffelten, gleich breiten und gut gesicherten Doppeltoranlagen. Auf das unterste, jüngste Tor und den gegenüberliegenden halbrund vorspringenden Flankierungsturm folgt eine weitere, vor 1670 erneuerte Anlage mit einem Wagentor von etwa 2,50 Metern Breite, Graben und Zugbrücke sowie einem schmalen Manntor. Auch das obere, dritte Tor ist ähnlich gegliedert: Fahrtor und östlich daneben ein recht gut erhaltenes, tonnengewölbtes Manntor.
Bergseitig des oberen Tors erstreckt sich ein trapezförmiges Gebäude, die ehemalige Schmiede. Seine Rückwand ist teilweise mit den Fundamentmauern eines dahinterliegenden größeren Gebäudes identisch. Es birgt einen gut erhaltenen, mehr als drei Meter hohen, tonnengewölbten Keller von etwa 84 Quadratmetern. An der Ostspitze, auf dem äußersten Ende des Hauptfelsens, stand die freistehende Burgkapelle, eine gotische Saalkirche. Erhalten sind die Fundamente und wenige Lagen Mauerwerk. Der Hauptzugang lag im Westen und führte in einen rechteckigen, kreuzrippengewölbten Raum von etwa 8 mal 11 Metern; im Osten schloss sich ein gewölbter Rechteckchor an. Im Chor sind 14 Kindergräber nachgewiesen.
Die Wehrmauer der Oberburg ist nur im Südwesten auf etwa 14 Metern erhalten. Auffällig sind die fast zwei Meter starken Mauerreste eines massiven Bergfrieds mit 7 mal 7,60 Metern Seitenlänge am Südwestrand des Plateaus. Bemerkenswert ist, dass nicht nur die äußere Schale, sondern auch die Turminnenseiten sorgfältig bearbeitete Buckelquader aufweisen. Unmittelbar südlich lag am Fuß des Bergfrieds eine Filterzisterne.

Wie versorgte sich die Burg mit Wasser?
Die Wasserversorgung gewährleisteten ein Brunnen und vier Zisternen. Am südwestlichen Ende und am Nordostrand des Oberburgfelsens ist je eine Trichterzisterne nachgewiesen. Für das Trinkwasser waren zwei Filterzisternen wichtiger: eine, die später der Renaissancebau überdeckte, und eine zweite im Südosten des Oberburgfelsens. Im Nordwesten der Oberburg trieb man zusätzlich einen Brunnenschacht in den Sandstein. Trotz mehrfacher Vertiefung des Schachts gelang die angestrebte Wasserversorgung nicht.
Man entschloss sich deshalb zu einer ergänzenden Maßnahme, dem Bau eines nicht vollständig fertiggestellten Wasserzuleitungssystems. Ein Zuleitungsstollen, von der Bergflanke herangeführt, trifft auf den Brunnenschacht; unweit seines Eingangs zweigt ein 13 Meter langer Querstollen ab, der das reichlich vorkommende Sickerwasser sammeln und dem Zuleitungsgang zuführen sollte. Der Brunnenschacht hätte so als tiefe Schachtzisterne dienen können, doch das Projekt blieb unvollendet.
Das Areal des Renaissancetrakts ist heute teilweise vom neuen Besucherzentrum überbaut. Eine Denkmalzone schützt die Ruine: Der Eintrag verzeichnet das Mauerstück der Oberen Burg, Reste der Ringmauer und eines runden Torturms, den tonnengewölbten Keller der Unteren Burg und den Brunnenstollen.
Was ist der Ruppertstein und wie erreicht man ihn?
Der Ruppertstein liegt rund zwei Kilometer östlich von Ruppertsweiler in Gipfellage auf dem nordöstlichen Ausläufer des Hummelbergs. Vom Parkplatz südöstlich des Ortes führt ein ausgeschilderter Fußweg mit rotem Dreieck zur frei zugänglichen Ruine; ab der Burg Lemberg erreicht man ihn über den Graf-Heinrich-Weg, einen Premiumweg. Der ursprüngliche Bergname "Ruprehtisberc" ist älter als die Burg; für die Ruine setzte sich später der Name Ruppertstein durch, im Volksmund Ruppertsfelsen. In der Denkmalliste steht der Ruppertstein als Vorburg zur Lemburg aus dem 12. und 13. Jahrhundert, erhalten sind Mauerreste und eine Zisterne.
Die zweigeteilte Burg wurde auf und um eine fünfteilige Felsgruppe aus Buntsandstein errichtet. Die Oberburg lag auf dem östlichen Felsplateau, die Unterburg am nördlichen und östlichen Felsfuß. Auf der Südseite fällt das Gelände rasch steil ins Tal ab, dort war keine Bebauung möglich. Eine in Plänen des späten 19. Jahrhunderts erkennbare Quadermauer mit einer schalenturmartigen Ausbuchtung ist oberirdisch verschwunden. Am Nordrand des Hauptfelsens ist eine beschädigte, aus dem Gestein gehauene Viehtränke erhalten.
Besonders anschaulich ist der Aufgang zur Oberburg. Die heutige Sandsteintreppe ersetzt eine hölzerne: Im Fels eingearbeitete Kanäle von zwei vorkragenden Balken zeigen, dass sie anders geneigt und breiter war und ein hölzernes Podest trug. Die senkrechten Felswände sind glatt abgearbeitet und tragen Spuren einer Aufzugsvorrichtung. Der Weg führt durch einen kurzen, flachbogig aus dem Felsen gehauenen Gang. Riegellöcher belegen ein Tor am unteren Ende, am oberen Ende sicherte eine falltürartige rechteckige Klappe den Zugang; geöffnet ließ sie sich in der Felswand feststellen. Danach steigt eine in den Fels gehauene Treppe in einem nach oben offenen Schacht mit senkrechten Wänden bis zur Plattform.

Auf der Plattform steht kein aufgehendes Mauerwerk mehr. Fundamentrillen an der West- und Nordkante und eine Türschwelle im Fundamentverlauf weisen auf ein größeres Gebäude, nahe dem Nordrand liegt eine weitgehend verschüttete Zisterne, im Ostteil eine rechteckige Keller- oder Speichergrube. Das gänzliche Fehlen von aufgehendem Mauerwerk und von Versturzmaterial am Felsfuß deutet auf einen planmäßigen Abbruch der Ruine hin. Um 1900 machte man den Felsen mit einer Steintreppe zugänglich; die Verbandsgemeinde Pirmasens-Land sanierte sie 2007. Von der Plattform reicht der Blick zum Trifels und auf die Berge der Holzlandgemeinden Leimen und Clausen mit Ruppertsweiler im Vordergrund.
Zur Geschichte: Der Burgenbau steht im Zusammenhang mit der hochmittelalterlichen Ostgrenze des zweibrückischen Territoriums. Anders als bei den meisten pfälzischen Burgen kennt man den Gründungsvorgang, denn er geht auf den Tausch vom 9. Januar 1198 zurück; die Anlage entstand in der Folgezeit auf dem Buntsandsteinfelsen, der den Burgberg noch heute dominiert. Über die weitere Geschichte ist nichts bekannt, auch Burgmannen sind nicht überliefert. In einer Lehnsurkunde von 1275, mit der Hugo von Finstingen unter anderem Ruppertsweiler als zweibrückisches Lehen besaß, bleibt die Burg unerwähnt, ebenso 1391 in der Beschreibung des Burgfriedensbezirks von Lemberg, obwohl dessen Grenze direkt an ihr vorbeiführt. Ofenkachelreste des 15. Jahrhunderts belegen aber, dass die Burg damals noch genutzt wurde. Aufgegeben oder zerstört wurde sie demnach frühestens im Spätmittelalter. Die Seite Burgenwanderungen bündelt weitere Touren, Pfälzerwald ordnet die Landschaft ein.
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Häufige Fragen zur Burg Lemberg
Ist die Burg Lemberg frei zugänglich?
Ja, die Burgruine ist frei zugänglich. Im Dorf stehen Parkplätze bereit, das letzte Stück zur Burg geht man zu Fuß.
Seit wann gibt es die Burg Lemberg?
Graf Heinrich von Zweibrücken erwarb den Berg 1198 vom Kloster Hornbach, um Burgen zu bauen. 1230 wird die Burg erstmals erwähnt, errichtet wurde sie also zwischen diesen beiden Jahren.
Wer zerstörte die Burg Lemberg?
1636 plünderten und äscherten kaiserliche Truppen sie ein. Die endgültige Zerstörung erfolgte 1689, als französische Truppen unter General Montclar die Reste schleiften.
Was ist die Besonderheit der Burg?
Ein unvollendetes Wasserzuleitungssystem mit Stollen, der auf den Brunnenschacht trifft. Das Projekt, den Schacht als tiefe Zisterne zu nutzen, wurde nie fertig.
Wie kommt man zum Ruppertstein?
Über den Graf-Heinrich-Weg ab der Burg Lemberg. Der Ruppertstein liegt bei Ruppertsweiler und war ein Außenwerk der Lemburg.
Quellen: KuLaDig: Burgruine Lemberg; Pfalz.Touristik: Burgruine Lemberg; Pfalz.Touristik: Ruppertstein. Stand: November 2026.