Burgen & Felsen
Burg Wilenstein bei Trippstadt: Geschichte und Reste der Doppelburg
Doppelburg auf dem Bergsporn über dem Moosalbtal

Kurz gesagt
Die Burgruine Wilenstein liegt auf einem Bergsporn über dem Tal der Moosalb bei Trippstadt. Sie entstand nach der Mitte des 12. Jahrhunderts, wurde 1333 zerstört und nach 1340 als geteilte Doppelburg neu gebaut. Erhalten sind unter anderem eine 25 Meter lange Schildmauer und ein runder Bergfried. Heute nutzt ein Schullandheim Teile der Anlage.
Wo liegt Burg Wilenstein und woher kommt der Name?
Die Burg liegt auf einem steil abfallenden Bergsporn über dem Tal der Moosalb, unweit von Trippstadt. Nach der Gemeinde Trippstadt liegt sie hoch über dem Karlstal. Der Name ist zweiteilig: Er besteht aus dem männlichen Rufnamen Wilo, einer Kurzform von Wilhelm, Willibald und ähnlichen Namen, und dem Wort „Stein“, das seit dem 12. Jahrhundert als Synonym für Burg gebräuchlich ist. Die Gemeinde datiert die Entstehung ins 12. Jahrhundert. Die Zufahrt führt am Trippstadter Freibad vorbei bis zum Parkplatz Wilensteinerhof unmittelbar bei der Burg.
Für Wanderer ist Wilenstein ein Ziel am Rand des Waldes: Die Seite Karlstalschlucht bei Trippstadt beschreibt die Schlucht, die Seite Trippstadt den Ort mit Schloss und Brunnenstollen. Im weiteren Zusammenhang der Pfälzer Burgen hilft die Seite Warum hat die Pfalz so viele Burgen?.
Wer gründete die Burg Wilenstein?
Lange galt die Burg als von Kaiser Friedrich I. errichtet und mit Reichsministerialen aus Kaiserslautern besetzt. Das gilt nach den Forschungen von Martin Dolch seit 1995 als überholt. Der erste nach der Burg benannte Ritter, Landolf von Wilenstein (1174), war kein Reichsministeriale, sondern ursprünglich ein Ministeriale (Untervogt) des Klosters Hornbach und erst später Lehnsmann der Grafen von Saarwerden. Das Grafengeschlecht besaß die ausgedehnten Forsten zwischen dem Aschbach und der oberen Moosalb, die seit dem 9. Jahrhundert der Abtei Hornbach gehört hatten und wohl mithilfe der Klostervogtei in saarwerdischen Besitz kamen. Dolch sieht daher mit der gebotenen Vorsicht in den Grafen von Saarwerden nach der Mitte des 12. Jahrhunderts die Gründer und Erbauer. Zum Kloster Hornbach siehe Klöster und Abteien in der Pfalz.
1207 ist ein Ritter Gerwin von Wilenstein belegt, 1237 ein Eberhard von Wilenstein. Im selben Jahr 1237 endete die ursprüngliche Zusammenarbeit der Wilensteiner mit dem Kloster: Abt und Konvent lösten das Dienstverhältnis, weil sie das Schultheißenamt nicht mehr Lehnsleuten der Grafen von Saarwerden überlassen wollten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestanden Verbindungen nach Kaiserslautern: 1219 war Landolfs Sohn, der Ritter Albero von Wilenstein, Burgmann auf der Reichsburg in Lautern und hatte Sitz und Stimme im dortigen Königsgericht. Die Stadt beschreibt die Seite Kaiserslautern.
Wie wurde die Burg 1333 zerstört?
Im 13. Jahrhundert gelangten Burg und Herrschaft auf dem Erbweg in den Gemeinschaftsbesitz der Herren von Daun und der Grafen von Homburg. Die neuen Anteilseigner nutzten die Erträge zum Nutzen ihrer Familien, was mehrfach zu Streit führte. 1323 erhielt Sophie von Daun anlässlich ihrer Heirat mit Gottfried III., dem Wildgrafen von Kirberg, Burg und Herrschaft als Mitgift; nach ihrem kinderlosen Tod um 1333 fiel beides an Gottfried. Im Herbst 1332 waren ungenannten „Burggemeinern“ Gewalttaten zum Schaden der Wormser Kirche zur Last gelegt worden. Erzbischof Balduin von Trier, Garant des linksrheinischen Landfriedens, nahm das zum Anlass, die Burg zu belagern und nach der Einnahme zu brechen. Eine Urkunde von 1333 nennt die Burg zerstört, eine von 1336 bezeichnet sie als ehemalige Burg.
Danach blieben Herrschaft und ruinierte Burg unter den Eignerfamilien umstritten. 1334 hielt der Wildgraf Gottfried das Gut mit Balduins Hilfe, doch zwang das Haus Daun-Oberstein im selben Jahr Gottfrieds Erben, alle Ansprüche aufzugeben. Zwei Jahre später wird letztmals ein Wilensteiner Ritter, Wirich, fassbar. Mit dessen Sohn Johann starb das Geschlecht 1372 aus.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1174 | Landolf von Wilenstein als erster nach der Burg benannter Ritter |
| 1237 | Kloster Hornbach löst das Dienstverhältnis zu den Wilensteinern |
| 1333 | Burg von Erzbischof Balduin von Trier belagert und gebrochen |
| nach 1340 | Neubau als zweigeteilte Anlage |
| 1481 | Pfalzgraf Philipp erwirbt das vordere Haus |
| um 1570 | beide Burgteile „zerbrochen und verbrennet“ |
| 1716 | Wilensteiner Lehen als Erblehen an Freiherr Ludwig Anton von Hacke |
| 1792 | Franzosen ziehen die Herrschaft als Nationalgut ein |
| 1950er Jahre | teilweiser Wiederaufbau als Schullandheim |
Wie sah die neue Doppelburg nach 1340 aus?
Nach 1340 errichteten die Herren von Daun-Oberstein, die sich mit den Grafen von Saarwerden verbündet hatten, anstelle der zerstörten Burg eine weit größere, zweigeteilte Anlage. Das „vordere“ Haus stand den Daunern zu, die „hintere“, deutlich abgegrenzte Burg gehörte den Grafen von Saarwerden, die sie lehnsweise an die Edelknechte Jakob und Johann von Flersheim gaben. Ein schmaler, grabenartiger Gang trennt beide Teile. 1348 schlossen die Flersheimer mit Wirich V. von Daun einen Burgfrieden; 1359 öffneten sie ihren Teil der Pfalzgrafschaft. Dabei wurde festgelegt, dass keiner „sinen thorn uber den andern buwen“ dürfe, also keinen Turm so bauen, dass er den anderen Teil gefährdet.
Im 14. Jahrhundert wurden Burg und Herrschaft zusehends zu Spekulationsobjekten: 1356 trug Emich II. von Daun sein vorderes Haus den Grafen von Leiningen zu Lehen auf, später wurde die Burg an den Kaiserslauterer Ratsherrn Ecke und dessen Sohn Dirolf verpfändet. Die Eigentumsverhältnisse waren oft undurchsichtig, die Bewohner wechselten ständig. 1410 klagten der Trierer Erzbischof und der Graf von Veldenz, das hintere Haus sei Stützpunkt von Wegelagerern geworden. 1411 zwang ein pfalzgräfliches Militärkontingent die Gemeiner zur kampflosen Übergabe, doch blieb das weitgehend folgenlos. 1412 mussten sie den nahen Lauberhof des Klosters Eußerthal zurückgeben, den sie sich widerrechtlich angeeignet hatten. 1464 hielt Hans von Flersheim der Ältere den Nürnberger Kaufmann Anton Baumgärtner und dessen Knecht auf dem Wilenstein fest; sein Lösegeld scheiterte, weil der Kaiserslauterer Amtmann und der Burggraf von Alzey ihn auf Anordnung des Pfalzgrafen festnahmen. 1481 erwarb Pfalzgraf Philipp das vordere Haus, das zuvor leiningisch gewesen war. Ein Vertrag von 1520 regelte die Streitigkeiten der Anteilseigner.

Was ist von der Burg Wilenstein erhalten?
Von der frühen, wohl Mitte des 12. Jahrhunderts errichteten, schmäleren Burg sind nur wenige Reste erhalten, vor allem der Stumpf eines ursprünglich zentralen runden Bergfrieds und Wohnbauteile. Der größere und sehenswertere Teil ist nach KuLaDig die vordere Daun-Falkensteinische Grafenburg. Beeindruckend ist die 25 Meter lange, aus glatten Quadern und Buckelquadern errichtete Schildmauer, die einst den angebauten Palas deckte. Der Hauptzugang liegt im südlichen Drittel, ähnlich wie bei der Wachtenburg, die die Seite Wachtenburg über Wachenheim beschreibt. Den Schwachpunkt, das spitzbogige Tor, schützte ein Gusserker; vor der Mauer liegt ein breiter, in den Felsen gearbeiteter Halsgraben. Eine Zugbrücke ist verschwunden. Im zweiten Obergeschoss des Palas fällt ein zweiteiliges, spitzbogiges Maßwerkfenster auf, das allgemein, aber ohne Beleg als Kapellenfenster gedeutet wird. Erwähnt ist 1496 auch eine Georgskapelle auf der Burg, deren Standort unbekannt ist.
Im Flersheimer „hinteren Haus“ steckt eine Besonderheit. Der Turmstumpf birgt das Untergeschoss eines runden Bergfrieds von fast acht Metern Durchmesser, der im pfälzischen Raum nur äußerst selten nachgewiesen wird. Die großformatigen Buckelquader mit Randschlag und Wolfslöchern weisen ihn als den ältesten Teil der Burg aus. Das ist bemerkenswert, weil dieser Turm nicht in der urkundlich als älter bezeichneten vorderen Burg steht, sondern im jüngeren Flersheimer Teil. Das Flersheimer Ritterhaus an der Südseite hat auf der Nordseite die unteren Steinreihen eines Vorgängerbaus des 12. Jahrhunderts, im Obergeschoss ein gekuppeltes Fenster mit Sitzbänken. Eine Unterburg auf einer vorgelagerten Terrasse wird vermutet. Der Vergleich mit anderen Anlagen gelingt auf der Seite Burg Nanstein über Landstuhl.
Wann ging die Burg unter und wie wird sie heute genutzt?
Um 1570 werden beide Burgteile als „zerbrochen und verbrennet“ bezeichnet, der vordere war 1560 noch bewohnt. Nach allgemeiner Ansicht, aber ohne urkundlichen Beleg, ging die Burg erst mit der Eroberung von Kaiserslautern 1635 zusammen mit den Dörfern Mölschbach und Trippstadt unter. 1664 hielt der kurpfälzische Landschreiber fest: „Willenstein ist ruinirt … Wohnt niemandt alldar.“ Die Herrschaft bestand dagegen weiter: Das kurpfälzische Wilensteiner Lehen kam 1716 auf Umwegen als Erblehen an den Freiherrn Ludwig Anton von Hacke, 1792 zogen die Franzosen die Herrschaft als Nationalgut ein.
In den 1950er Jahren wurde die Ruine, wie KuLaDig schreibt „wenig geglückt“, teilweise als Schullandheim wiederaufgebaut. Das nordöstliche Burgareal, die vordere Burg, beherbergt heute das Landschulheim. Eine Innenbesichtigung der vorderen Burg ist ohne Genehmigung des Besitzers nicht möglich, der hintere, Flersheimer Teil ist frei zugänglich. Im Sommer bildet der Burghof die Kulisse der Wilensteiner Burgkonzerte, wie die Gemeinde Trippstadt mitteilt. Die Termine veröffentlicht der Veranstalter.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
Weingut & Gästezimmer
Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.
Übernachten beim WinzerHotel & Ferienwohnung
Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.
Hotels in der PfalzCamping & Wohnmobil
Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
Camping in der Pfalz
Hotels in der Pfalz vergleichen Partnerlink zu reise.de
Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zu Burg Wilenstein
Wer baute die Burg Wilenstein?
Nach Martin Dolch wohl die Grafen von Saarwerden nach der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die ältere Annahme, Kaiser Friedrich I. habe sie errichtet, gilt seit 1995 als überholt.
Wann wurde die Burg zerstört?
1333 nahm Erzbischof Balduin von Trier die Burg ein und brach sie. Nach 1340 wurde sie als zweigeteilte Anlage wieder aufgebaut, um 1570 war sie erneut zerstört.
Kann man die Burg besichtigen?
Der hintere, Flersheimer Teil ist frei zugänglich. In die vordere Burg, die ein Schullandheim nutzt, kommt man nur mit Genehmigung des Besitzers.
Wie kommt man zur Burg?
Die Zufahrt führt an Trippstadts Freibad vorbei zum Parkplatz Wilensteinerhof direkt bei der Burg.
Gibt es Konzerte auf der Burg?
Ja, im Sommer finden die Wilensteiner Burgkonzerte im Burghof statt. Die aktuellen Termine nennt der Veranstalter.
Passend dazu: Im Falkensteiner Waldgebiet, das zur Burg gehörte, erhielt der Glasmacher Georg Greyner 1602 die Erlaubnis für eine Glashütte; mehr dazu: Verschwundene Orte im Pfälzerwald.
Passend dazu: Die Kirche der Herrschaft Wilenstein, deren Turm im Aschbachtal steht, stellt die Seite Kirchturm St. Blasius am Aschbacherhof vor.
Quellen: KuLaDig: Burgruine Wilenstein bei Trippstadt; Ortsgemeinde Trippstadt: Sehenswertes; KuLaDig: Ritterstein Johanniskreuz; Landesforsten Rheinland-Pfalz: Forstamt Johanniskreuz; Pfälzisches Burgenlexikon, Band 4.1 (Dolch/Ulrich/Barz 2007). Stand: Oktober 2026.