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Burgen & Felsen

Warum hat die Pfalz so viele Burgen? Burgenbau von den Saliern bis heute

Burgenbau in der Pfalz von den Saliern bis zur Denkmalpflege

Stand: · 7 Min. Lesezeit

Nahaufnahme von Burgmauerwerk aus Buckelquadern aus rotem Sandstein mit Moos in den Fugen
Buckelquader Buckelquader: grob behauene Steine mit glattem Rand. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Pfälzer Burgen entstanden überwiegend zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert unter Saliern und Staufern, wurden im Spätmittelalter von vielen Herren ausgebaut und fielen im 16. und 17. Jahrhundert Bauernkrieg, Feuerwaffen und vor allem dem Pfälzischen Erbfolgekrieg zum Opfer. Im 19. und 20. Jahrhundert sicherten Vereine und das Land die Ruinen.

Welche Epochen prägten den Burgenbau in der Pfalz?

Der Burgenbau in der Pfalz folgt der Reichs- und Landesgeschichte vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Der Hub Burgen und Felsen der Pfalz nennt die Gründe für die Dichte der Anlagen kurz: Reichsgut, Kleinstaaterei, Buntsandstein, Kriege. Diese Seite zeichnet die Chronologie nach und nennt Beispiele, die Sie besuchen können. Die Zeitleiste zeigt die Stationen im Überblick.

EpocheMerkmalBeispiele
Salier, 11. Jh.Reichs- und Hausburgen, KlostergründungenKästenburg (Hambacher Schloss), Kloster Limburg, Madenburg, Trifels
Staufer, 12. und 13. Jh.Reichsburgen, Buckelquader, SchildmauernLandeck, Wachtenburg, Nanstein
Spätmittelalter, 14. und 15. Jh.Territorialherren, Teilung des Besitzes, Zwinger und VorwerkeLandeck, Nanstein, Lichtenberg
Feuerwaffenzeit, ab 1470Rondelle, Bollwerke, Umbau zu Festungen und SchlössernNanstein, Hardenburg
Bauernkrieg und Markgrafenkrieg, 1525 und 1552Brandschatzungen und ZerstörungenKästenburg, Madenburg, Landeck
Dreißigjähriger Krieg, 1618 bis 1648Besetzung, Verpfändung, wechselnde BesitzerMadenburg, Landeck, Hardenburg
Pfälzischer Erbfolgekrieg, 1688 bis 1697Sprengungen durch französische TruppenMadenburg, Wachtenburg, Nanstein, Hardenburg
19. JahrhundertRomantik, Wiederentdeckung, erste Sicherungen unter BayernTrifels, Rietburg, Villa Ludwigshöhe
20. Jahrhundert bis heuteWiederaufbau, Vereine, DenkmalpflegeLandeck, Hambacher Schloss, Wachtenburg, Lichtenberg

Wie entstanden die Burgen unter Saliern und Staufern?

Unter den Saliern, die aus dem Raum Worms und Speyer stammten und im 11. Jahrhundert das Reich beherrschten, entstanden Burgen und Klöster als Stützpunkte ihrer Macht. Die Stiftung Hambacher Schloss datiert die Kästenburg über Hambach auf das Jahr um 1000. Das Kloster Limburg bei Bad Dürkheim wurde 1025 zum Hauskloster der Salier umgebaut; der Speyerer Dom, den die Salier ebenfalls errichteten, wurde 1061 geweiht. Für den Trifels gibt die GDKE als Ursprung die Mitte des 11. Jahrhunderts an, die erste Urkunde nennt sie 1081, spätestens 1113 war er Reichsburg der salischen Könige. Die Madenburg bei Eschbach wird nach der Pfalz.Touristik 1076 als „Parthenopolis“ erstmals erwähnt.

Die Staufer übernahmen diese Burgen und bauten neue. 1125 vertraute der letzte salische Kaiser Heinrich V. die Reichskleinodien dem Staufer Friedrich II. von Schwaben auf dem Trifels an; bis Ende des 13. Jahrhunderts blieb die Burg immer wieder Heimstatt der Insignien und diente als Staatsgefängnis, am berühmtesten für Richard Löwenherz. Der Burgenforscher Holger Grönwald ordnet die staufische Bauwelle auf der Website des Förderkreises Wachtenburg in die Jahre 1140 bis 1268 ein. In dieser Zeit entstanden Anlagen wie die Landeck, deren Kernburg der Landeckverein um oder kurz vor 1200 ansetzt, oder der Bergfried der Wachtenburg nach 1193. Typisch ist das Mauerwerk aus Buckelquadern, bei dem die Vorderseite der Steine wulstig vorsteht.

Nahaufnahme einer Mauer aus Buckelquadern mit Randschlag, Flechten und feinen Rissen
Mauerwerk Bearbeitete Sandsteinquader in Seitenlicht. Symbolbild

Wem gehörten die Burgen im Spätmittelalter?

Mit dem Niedergang der Reichsmacht wechselten die Burgen im Spätmittelalter an Territorialherren: Bischöfe von Speyer, Pfalzgrafen bei Rhein, Grafen von Leiningen, Veldenz und Zweibrücken sowie Ritterfamilien. Die Madenburg etwa gehörte den Leiningern, Sickingern und Fleckensteinern, bevor sie 1516 Bischof Georg von Speyer als Pfalzgraf bei Rhein samt Dörfern kaufte. Die Kästenburg ging um 1100 an das Hochstift Speyer. Die Landeck teilten sich im 15. und 16. Jahrhundert drei Besitzer, Kurpfalz, die Grafen von Zweibrücken-Bitsch und das Hochstift Speyer, bis die Kurpfalz 1709 den speyerischen Teil kaufte.

Gemeinsamer Besitz war üblich. In einer Burggemeinschaft, in der Fachsprache Ganerbschaft, teilten mehrere Familien eine Burg und regelten die Nutzung in Burgfrieden; auf der Landeck sind solche Verträge von 1369, 1381, 1400 und 1405 überliefert, auf Nanstein bildete sich im 14. und 15. Jahrhundert eine solche Gemeinschaft. Die Burg Lichtenberg bei Kusel gehörte von 1214 bis 1444 den Grafen von Veldenz, danach dem Herzogtum Zweibrücken. Die vielen kleinen Herren erklären, warum so viele Burgen nebeneinander standen.

Wie veränderten Feuerwaffen und Kriege die Burgen?

Feuerwaffen machten hohe Mauern zum Risiko und zwangen die Burgherren zu Umbauten. Auf der Landeck entstand nach 1456 ein Vorwerk, das sich zum Aufstellen von Geschützen eignete. Die Wachtenburg wurde 1470 beschossen, als Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz sie in Besitz nahm. Franz von Sickingen baute seit 1518 die Burg Nanstein zu einer der frühesten Burgen der Pfalz um, die für den Kampf mit Feuerwaffen gerüstet waren; das große Rondell zählte zu den stärksten Geschütztürmen seiner Zeit. Die Hardenburg der Leininger wurde im 16. Jahrhundert zum „Festen Schloss“, einer Mischung aus Festung und Wohnschloss, ausgebaut. Dass der Umbau nicht half, zeigte 1523 die Belagerung von Nanstein.

Dazu kamen Kriege. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Kästenburg verwüstet, die Landeck ausgebrannt und die Madenburg ausgeplündert und abgebrannt. Im Zweiten Markgrafenkrieg zerstörte Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach 1552 laut Stiftung Hambacher Schloss die Kästenburg und die Madenburg. Das Kloster Limburg hatten die Leininger bereits 1504 niedergebrannt; nach der Reformation, mit dem Verbot des katholischen Gottesdienstes 1556 und dem Tod des letzten Abtes 1574, verfiel es endgültig. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Madenburg in rascher Abfolge von spanischen, österreichischen, schwedischen und französischen Truppen erobert, die Hardenburg dagegen überstand ihn.

Warum sind fast alle Burgen heute Ruinen?

Die meisten Ruinen gehen auf die Kriege Ludwigs XIV. im späten 17. Jahrhundert zurück. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurden Burgen zerstört, gesprengt oder niedergebrannt: Die Madenburg wurde nach der Pfalz.Touristik 1689 gesprengt, die Wachtenburg verlor 1689 durch eine Sprengung die Hälfte ihres Bergfrieds, die Kästenburg brannte 1688 nieder, Nanstein wurde 1689 endgültig zerstört, die Hardenburg 1690 besetzt und teilweise zerstört. Für die Landeck nennt die GDKE „vermutlich 1680“. Die Quellen schwanken, weshalb die Jahreszahlen je nach Burg abweichen; einheitlich ist nur der Rahmen der französischen Besetzungen und Kriege.

Nach den Kriegen kam der Steinraub. Der Trifels diente nach 1602 als Steinbruch, das Kloster Limburg nach 1650, die Hardenburg gab die französische Besatzungsverwaltung nach 1794 zur Gewinnung von Baumaterial frei. Von der Kästenburg wurden 1797 zahlreiche Bauteile in Neubauten der Umgebung verschleppt. Die Rietburg wird 1681 erstmals als Ruine erwähnt. Ruinen entstanden also nicht nur durch Zerstörung, sondern ebenso durch Vernachlässigung und Wiederverwendung der Steine.

Wie wurden die Ruinen wiederentdeckt und gesichert?

Nach 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern, und unter den bayerischen Königen begann die Wiederentdeckung der Burgen in der Romantik. Am Trifels gab es ab 1841 erste Sicherungsmaßnahmen; der Trifelsverein, 1866 gegründet, widmete sich dem Wiederaufbau. Die Stadt Dürkheim kaufte 1843 die Limburg und legte einen Landschaftsgarten an. Auf Nanstein begannen in den 1850er- und 1860er-Jahren Freilegungsarbeiten, ab 1869 wurde die Burg in Teilen renoviert. Der Dichter August Becker beschrieb 1857 die Landeck, 1881 entstand der Landeckverein; 1872 legte der Edenkobener Verschönerungsverein die Rietburg frei. König Ludwig I. ließ 1846 bis 1852 die Villa Ludwigshöhe errichten, und Kronprinz Maximilian wollte die Kästenburg 1844 als „Maxburg“ zur Sommerresidenz ausbauen, was nicht vollendet wurde.

Im 20. Jahrhundert folgten Wiederaufbau und Sicherung. Die Landeck wurde 1964 umfassend gesichert, die Lichtenberg seit 1895 schrittweise wiederhergestellt, zuletzt barrierefrei ausgebaut. 1976 entstand der Verein Aktion Limburg, 1984 der Förderkreis Wachtenburg, der seitdem über 120.000 Arbeitsstunden geleistet hat. Das Hambacher Schloss erhielt 1980 bis 1982 und zwischen 2004 und 2021 ein neues Gesicht. Heute betreuen die Direktion Burgen Schlösser Altertümer der GDKE die Landesburgen, etwa Trifels, Hardenburg und Nanstein, die Gemeinden, Kreise und Vereine die übrigen. Die allgemeine Geschichte der Region, in die sich der Burgenbau einfügt, fasst die Seite Geschichte der Pfalz zusammen.

Welche Epoche sehen Sie an welcher Burg?

Wer eine bestimmte Epoche sehen möchte, wählt die Burg nach dem Schwerpunkt. Die Tabelle ordnet die Burgen nach dem, was dort besonders gut zu erkennen ist.

Wenn Sie sehen möchtenDann besuchen Sie
salisches Kloster mit romanischer BasilikaKlosterruine Limburg
staufische Buckelquader und hohen BergfriedBurg Landeck, Wachtenburg
Reichsburg und ReichskleinodienReichsburg Trifels
größte Burganlage mit MuseenBurg Lichtenberg
Festung der FeuerwaffenzeitBurg Nanstein, Hardenburg
Wiederaufbau und DemokratiegeschichteHambacher Schloss
Sommerschloss des 19. JahrhundertsVilla Ludwigshöhe
Burg mit BergbahnRietburg

Unterkunft & Camping in der Pfalz

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Häufige Fragen zur Burgengeschichte der Pfalz

Wie viele Burgen gab es in der Pfalz?

Nach Angaben der Pfalz.Touristik standen einst rund 500 Burgen in der Pfalz. Eine genaue Zählung nennt die Quelle nicht; die Zahl ist eine Größenordnung. Heute sind viele dieser Burgen nur noch als Ruinen oder als Reste erhalten.

Warum zerstörten französische Truppen so viele Burgen?

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg besetzten und verwüsteten französische Truppen unter Ludwig XIV. die linksrheinische Pfalz. Viele Burgen wurden gesprengt oder niedergebrannt, andere nur beschädigt. Umfang und Datum unterscheiden sich von Burg zu Burg.

Was ist ein Buckelquader?

Ein Buckelquader ist ein Werkstein, dessen Vorderseite buckelartig hervortritt, während die Ränder glatt behauen sind. In der Pfalz ist er an staufischen Bauten wie der Landeck gut zu sehen.

Welche Burgen gehören dem Land?

Die Direktion Burgen Schlösser Altertümer der GDKE betreut unter anderem Trifels, Hardenburg, Nanstein, Landeck und die Villa Ludwigshöhe. Andere Burgen gehören Kreisen, Gemeinden, Stiftungen oder Privatleuten; die Burg Berwartstein ist in Privatbesitz.

Was bedeutet Ganerbschaft?

Eine Ganerbschaft ist eine Burggemeinschaft, in der mehrere Familien gemeinsam eine Burg besitzen. Sie regelten Nutzung, Wachdienst und Verteidigung in Burgfrieden. Für die Landeck und Nanstein sind solche Gemeinschaften belegt.

Quellen: Pfalz.Touristik: Burgen und Schlösser in der Pfalz; GDKE: Geschichte der Burg Trifels; Stiftung Hambacher Schloss: Baugeschichte; Landeckverein: Geschichte der Burg Landeck; Landkreis Kusel: Geschichte der Burg Lichtenberg; Wikipedia: Kloster Limburg, Wachtenburg. Stand: Oktober 2026.