Burgen & Felsen
Falkenburg bei Wilgartswiesen: Reichsburg auf der Felsbarre
Reichsburg auf einer 180 Meter langen Felsbarre

Kurz gesagt
Die Falkenburg bei Wilgartswiesen im Pfälzerwald war eine Reichsburg auf einer bis zu 20 Meter hohen und fast 180 Meter langen Felsbarre. 1246 erstmals erwähnt, später unter Leininger, Pfalzgrafen und Zweibrücker geteilt, sprengten sie im späten 17. Jahrhundert französische Truppen. Die Ruine ist ganzjährig zugänglich, der Aufstieg dauert etwa zehn Minuten.
Wie kommt man zur Falkenburg bei Wilgartswiesen?
Die Falkenburg liegt westlich von Wilgartswiesen auf dem Südteil einer Felsbarre auf dem Gipfel des Schloßbergs. Ausgangspunkt ist die Tiergartenstraße in Wilgartswiesen; von dort führt ein markierter Wanderweg nach einem kurzen, steilen Anstieg in etwa zehn Minuten zur Burg. Als Wanderparkplatz und Start für Touren dient die Falkenburghalle in der Tiergartenstraße 15. Die Ruine ist ganzjährig zugänglich, eine Auskunft gibt die Tourist-Information der Urlaubsregion Hauenstein.
Auch größere Touren führen an der Burg vorbei. Der Wilgartswieser Biosphären-Pfad, eine 7,5 Kilometer lange Rundtour, startet an der Falkenburghalle und steigt zur Ruine auf, die einen weiten Blick über den Wasgau öffnet. Gegenüber der Burg liegt die Deichenwand, ein Felsen mit Aussichtsplattform, von dem man die Falkenburg sieht; zu ihr führt ein mit Drahtseilen gesicherter Steig, den nur trittsichere Wanderer gehen sollten. Die Landschaft ringsum beschreiben die Seiten Wasgau und Pfälzer Waldpfad, die Nachbarburgen die Seite Burgen im Wasgau.
Wann und wozu entstand die Falkenburg?
Wie bei den meisten Burgen der Region sind Gründung und frühe Geschichte unbekannt. 1246 wird die wohl ältere Burg erstmals erwähnt, am Ende des 13. Jahrhunderts ein Reichsministeriale namens Werner mit seinen Brüdern, die sich ebenfalls nach der Burg nannten. Als Reichsburg diente sie als Verwaltungssitz und letztlich als Schutzburg des ausgedehnten Pirminsbezirks mit den Dörfern Wilgartswiesen, Hofstätten, Spirkelbach und Rinnthal sowie der nahen Reichsdörfer Godramstein, Siebeldingen und Birkweiler.
Wer besaß die Falkenburg im 14. Jahrhundert?
Im 14. Jahrhundert diente die Burg als Spekulationsobjekt. Angeblich setzte König Albrecht von Habsburg sie 1313 den Leiningern als Pfand ein, doch die Urkunde ist nicht mehr nachzuweisen. Sicher im Besitz der Leininger ist die Burg erst 1317: Die Brüder Friedrich V. und Jofried von Leiningen stellten damals die geplante Teilung der Reichspfandschaft bis zum Tod ihrer Mutter beziehungsweise Stiefmutter zurück. Burg und Herrschaft kamen später in den Alleinbesitz Jofrieds von Leiningen-Hardenburg. Die Stammburg der Grafen zeigt die Seite Hardenburg.
1330 verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer die Reichsburg für die hohe Summe von 6.000 Mark Silber an seine Neffen, die Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I. Geändert hat das wenig, denn die Pfalzgrafen zahlten die Pfandsumme aus Geldmangel nicht, und die Leininger behielten ihre Pfandrechte. Jofrieds Nachfolger Emich V. musste seinen Anteil mit den Raugrafen und den Herren von Lichtenberg teilen. 1379 wollte die Kurpfalz die Falkenburg und die Burg Guttenberg erwerben, hatte aber die geforderten 30.000 Gulden zur Ablösung der Reichspfandschaft nicht. Kurfürst Ruprecht verpfändete deshalb jeweils die Hälfte beider Burgen an die Leininger.
Beide Seiten verlehnten, verpfändeten oder öffneten ihre Anteile bei Bedarf, meist befristet. Die Leininger öffneten ihren Teil 1379 der Pfalzgrafschaft und überließen ihr ihn von 1382 bis 1385. 1386 folgten die Herren von Dürkheim, die Pfalzgrafen gaben 1388 Anteile an Wildgraf Georg von Kyrburg und 1392 an Hanemann von Sickingen. Zahlreiche Burgfriedensverträge der Grafschaft Leiningen mit der Kurpfalz stammen von 1364, 1379 und 1572.
Welche Rolle spielte Pfalz-Zweibrücken?
Nach 1410 übernahm das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken die Rechtsnachfolge des kurpfälzischen Anteils. 1427 entstand dabei eine detaillierte Bauaufnahme, die ein genaues Bild der Burg im 15. Jahrhundert liefert. 1504 und nach 1512 vertrieben Pfalz-Zweibrücken und die Kurpfalz gemeinsam die Leininger aus der Burg, weil Emich VII. im Landshuter Krieg und im Krieg gegen Kaiser Maximilian I. auf französischer Seite gestanden hatte. 1518 gaben sie die leiningischen Burg- und Herrschaftsanteile zurück.
Der Bauernkrieg 1525 ging an der Falkenburg vorbei, sie blieb bewohnt und bewirtschaftet. 1560 erbte Emich X. den leiningischen Anteil und begründete die Linie Leiningen-Falkenburg, 1612 fiel der Anteil an die Linie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg. Beide Grafenlinien wie auch die Zweibrücker wohnten nicht selbst auf der Burg, sondern setzten Verwaltungsbeamte ein. Burginventare um 1600 zeigen, dass sie nur noch notdürftig unterhalten und militärisch vernachlässigt war. Das Amt Falkenburg, das die Frankenweide verwaltete, wurde nach der Zerstörung nach Wilgartswiesen verlegt.
Wie endete die Falkenburg?
Im Dreißigjährigen Krieg spielte die Burg eine kleine Rolle. Schwedische Soldaten hatten sich 1632 in der Burg eingenistet und wurden von kaiserlichen Truppen vertrieben, die die Anlage danach als Stützpunkt nutzten. Erst 1648 erhielten die Besitzer die unzerstörte Burg zurück. Im Vorfeld des Pfälzischen Erbfolgekriegs machte die Kurpfalz 1677 ihr Öffnungsrecht von 1379 geltend und legte eine kleine Truppe in die Burg. Die wenigen, schlecht bewaffneten Soldaten konnten sich gegen französische Truppen nicht halten und überließen ihnen die Burg. Die Besatzer blieben nur kurz und zerstörten beim Abzug die Anlage. Aus den Ruinen holte man danach billiges Baumaterial. Das Verzeichnis der Kulturdenkmäler führt die Burg als Reichsburg, erwähnt 1246, erhalten sind der Felssockel des ehemaligen Bergfrieds und Reste der Wohnbauten.
Wie sah die Unterburg am Felsfuß aus?
Am Nordfuß der Felsbarre erstreckt sich eine ebenso lange, aber geländebedingt schmale Unterburg. Dazu kommen ein überbauter Felsen im Westen und ein tiefer liegender Vorsatzfelsen im Osten. Der ehemalige Hauptzugang erreicht die Burgstelle von Nordwesten und führt am Felsfuß über einen schmalen, in den Fels gehauenen Graben, dessen Ostwand mit Mauerwerk verblendet ist. Vom Tor und Torbau, die 1427 in einer Teilungsurkunde genannt werden, sind nur Türanschläge und Führungsnuten der Torbalken im Fels sichtbar. Östlich daneben wurden zwei Wasserbecken mit Zuläufen in den Fels geschrotet, wohl Viehtränken.
Am Fuß des fast 60 Meter langen Oberburgfelsens lehnten sich mehrere Gebäude an den abgearbeiteten Sandsteinfelsen. Der Teilungsvertrag von 1427 nennt den kleinen Stall, einen Pferdestall und das dreigeschossige Ritterhaus mit ebenerdig begehbarem Keller. Vom Ritterhaus führten eine abgegangene Treppe und ein Tor zum Vorsatzfelsen mit einer rechteckigen Zisterne. Vom wohl ältesten Fachwerkgebäude an der Nordseite, dem alten gehuse, haben sich nur die in den Fels gehauene Zugangstreppe und Teile eines Türgewändes erhalten. Zwischen Graben und Ritterhaus lag ein langer, schmaler Burghof, den auf der Nordseite eine weitgehend verschwundene Ringmauer begrenzte. Am Fuß der Südseite des Burgfelsens gibt es eine Felsenhöhle, die nicht nur natürlichen Ursprungs ist; ob sie zur Burg gehörte, ist nicht nachgewiesen.

Was blieb von der Oberburg?
Wie im Mittelalter erreicht man den Hauptzugang zur Oberburg über eine Treppe, heute aus Holz. Abarbeitungen und Pfostenlöcher im Fels zeigen, dass mindestens ein Tor den Aufgang sicherte. Am Treppenende, etwa 20 Meter über dem Fuß, liegt der eigentliche Eingang. Die Toranlage ist zum großen Teil aus dem Fels gemeißelt, teils mit Glattquadern gemauert und liegt unter dem überhängenden Felsplateau; eine Zugbrücke, die nicht mehr existiert, sicherte den Zugang zusätzlich. Die Steintreppe im Torbau knickt rechtwinklig nach Süden ab, führt an einer Wachstube vorbei und erreicht einen kleinen Hof auf dem Plateau, das 50 Meter lang und 11 Meter breit ist.
Westlich des Hofs liegt ein etwa 2,50 Meter hoher Felsklotz, der Standort des ursprünglich hölzernen, quadratischen Bergfrieds. Vom jüngeren Turm blieben nur karge Reste von Buckelquadermauerwerk; die Grundfläche beträgt 6,80 mal 7,20 Meter bei 1,80 Meter starken Mauern. Das Backhaus östlich des Turms ist fast vollständig verschwunden. Weiter westlich standen zwei Anlagen zur Wasserversorgung: eine geräumige, früher gedeckte Zisterne am Felsstock des Bergfrieds und der Burgbrunnen, der einst mehr als 80 Meter tief war. Brunnenhaus und Tretrad sind nicht erhalten, ebenso die Burgkapelle, die nach dem Teilungsvertrag von 1427 südlich des Brunnens zu suchen ist.
Im Osten der Oberburg standen Wohngebäude, von denen Fundamente im Fels Hinweise auf die ursprüngliche Größe geben. Zu ihnen zählte ein Felsenkeller an der Ostspitze, der eine Wendeltreppe mit den oberen Geschossen verband; Balkenauflager im Fels zeigen die Mehrgeschossigkeit. Eine zweite Felstreppe, die heute den Flaggenstock am Ostende erschließt, hatte wohl eine ähnliche Funktion. Der größte Teil des aufgehenden Mauerwerks im Osten stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Im Westfels gab es weitere Gebäude; ein hoch gelegener Eingang im Norden führte zu einem Felsspalt mit Treppe zum Felsplateau.
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Häufige Fragen zur Falkenburg
Ist die Falkenburg frei zugänglich?
Ja, die Ruine ist ganzjährig zugänglich. Der markierte Wanderweg beginnt an der Tiergartenstraße in Wilgartswiesen, der Anstieg dauert etwa zehn Minuten.
Wann wurde die Falkenburg zerstört?
Französische Truppen zerstörten die Burg im späten 17. Jahrhundert beim Abzug. Danach diente sie als Steinbruch für billiges Baumaterial.
Wem gehörte die Burg?
Sie war Reichsburg. Pfandrechte hielten die Grafen von Leiningen, die Pfalzgrafen bei Rhein und später das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, ab 1560 gab es die Leininger Linie Leiningen-Falkenburg.
Wie tief war der Burgbrunnen?
Mehr als 80 Meter. Vom Brunnen, einem Brunnenhaus mit Tretrad und von der Burgkapelle sind keine Reste erhalten.
Wo beginnt der Biosphären-Pfad?
An der Falkenburghalle in der Tiergartenstraße 15 in Wilgartswiesen. Die Rundtour ist 7,5 Kilometer lang und führt zur Ruine.
Passend dazu: Am Fuß der zerstörten Burg errichteten die Grafen von Leiningen das Schloss Neu-Falkenburg, das 1793 zerstört wurde: Verschwundene Orte im Pfälzerwald.
Quellen: KuLaDig: Burgruine Falkenburg bei Wilgartswiesen (Keddigkeit, Dreyer); Pfalz.Touristik: Reichsfeste Falkenburg; Pfalz.Touristik: Wilgartswieser Biosphären-Pfad; Pfalz.Touristik: Deichenwand. Stand: November 2026.