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Burgen & Felsen

Burg Gräfenstein bei Merzalben: Stauferburg im Pfälzerwald

Gipfelburg mit siebeneckigem Bergfried über dem Hafertal

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am Ersterwähnung 1237 · Bergfried 17 m

Burgruine auf einem ovalen roten Sandsteinfelsen im Wald, darüber ein hoher siebeneckiger Bergfried
Burg Gräfenstein Bergfried über dem Wald. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Burgruine Gräfenstein steht bei Merzalben auf einem rund zwölf Meter hohen Buntsandsteinfelsen im Pfälzerwald. Sie entstand um 1200, wird 1237 erstmals genannt und brannte 1635 aus. Der siebeneckige Bergfried ist etwa 17 Meter hoch und besteigbar. Die Ruine ist ganzjährig frei zugänglich, der Eintritt kostet nichts.

Wie kommt man zur Burg Gräfenstein?

Am einfachsten erreicht man die Ruine vom Wanderparkplatz Schäferei nördlich der Burg: Von dort führt ein steiler Pfad in etwa zehn Minuten zum Burgfelsen. Die Burg liegt rund zwei Kilometer südöstlich der Ortsmitte von Merzalben, im Landkreis Südwestpfalz. Wer mit dem Auto kommt, fährt von Merzalben über die Hauptstraße (L 496) und die K 52; der Parkplatz ist kostenlos. Die Ruine ist ganzjährig frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben.

Am Fuß des Bergs im Hafertal liegt die Gräfensteinhütte des Pfälzerwald-Vereins Merzalben mit Außenterrasse und Kinderspielplatz; sie dient vielen Wanderungen als Ausgangspunkt. Die Gemeinde Merzalben beschreibt vier Wege in der Umgebung: den Merzalber Rundwanderweg mit 10,8 Kilometern, den Gräfensteinweg mit 7,0 Kilometern, den Luitpoldweg mit 3,2 Kilometern und den Alten Postweg mit 13,7 Kilometern. Der Gräfensteinweg und der Alte Postweg, der Merzalben mit Leimen verbindet, führen an der Burg vorbei. Der Luitpoldturm auf dem Weißenberg ist ein Aussichtsturm mit Rundumsicht; weitere Türme der Region stellt die Seite Aussichtstürme in der Pfalz vor. Vom Winschertsfelsen auf dem Vorderen Winschertkopf fällt der Blick auf die Burg.

Wer ließ die Burg bauen und wem gehörte sie?

Um 1200 ließen die Grafen von Saarbrücken die Gipfelburg errichten, möglicherweise als Ersatz für die von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zerstörte Burg Steinenschloss. Die Lage war strategisch: Hier stießen die Bistümer Speyer, Worms und Metz aneinander. Zur Grafschaft Gräfenstein gehörten Leimen, Merzalben, Münchweiler, Rodalben und die Gräfensteiner Wälder. Der Name der Wanderregion Gräfensteiner Land geht auf die Burg zurück. Zum Zusammenhang der Pfälzer Burgen und ihrer Bauherren siehe Warum hat die Pfalz so viele Burgen?.

1237 wird die Burg erstmals urkundlich genannt, in einer Teilungsurkunde der Grafen von Leiningen; Burg, Rodalben und Merzalben fielen an die Leininger. Ab 1317 wechselten die Besitzer immer wieder, es gab Teilungen, Belehnungen, Verpfändungen und Unterverpfändungen, die Burg diente zunehmend als beleihbare Immobilie. Ab 1345 verpfändeten die Leininger schrittweise Anteile an Miteigentümer. Bis 1367 erwarb Pfalzgraf Ruprecht I. rund sieben Achtel der Burg und sicherte sich das Vorkaufsrecht am restlichen Achtel. 1371 gab er die Burg als Mannlehen an seinen Neffen, Graf Johann III. von Sponheim. Die Sponheimer bauten weiter aus; 1381 wechselte die kirchliche Zugehörigkeit von Metz zu Worms.

JahrEreignis
um 1200Oberburg als Gipfelburg der Grafen von Saarbrücken
1237Ersterwähnung, Burg fällt an die Grafen von Leiningen
um 1250südliche Unterburg
1371Graf Johann III. von Sponheim erhält die Burg als Mannlehen
um 1375nördliche Unterburg, Zwinger und Toranlage
1423Graf Emich VI. von Leiningen-Hardenburg erhält die Burg als Pfand
1525im Bauernkrieg eingenommen und zerstört
um 1540Wiederaufbau, Palas ausgebaut, Treppenturm
1635im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt

Wie ging es nach 1393 weiter?

1393 übergab Sponheim die Burg an Burgmannen und Gemeiner, die sie bis 1420 behielten. Dann löste Sponheim sie mithilfe des Kurfürsten wieder ein und verpfändete sie noch im selben Jahr an seinen Vetter, Markgraf Bernhard von Baden. 1423 verpfändete Bernhard die Burg an seinen Schwiegersohn, Graf Emich VI. von Leiningen-Hardenburg. Die Grafen von Leiningen-Hardenburg besaßen sie bis 1535 und erweiterten vor allem die nördliche Unterburg sowie Zwinger und Toranlagen.

Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg eingenommen und zerstört. Ab etwa 1540 baute Pfalzgraf Ruprecht von Zweibrücken-Veldenz sie wieder auf, der sie nach dem Bauernkrieg erhalten hatte; mit seinem Tod 1544 endete der Wiederaufbau abrupt. Bis 1570 wechselten die Besitzer weiter, danach übernahm der Markgraf von Baden-Baden die Burg, nachdem die Sponheimer ausgestorben waren. 1594 und 1595 wurden Mauern verstärkt. Im Dreißigjährigen Krieg war die Anlage mehrfach besetzt; 1635 setzten kaiserliche Truppen sie versehentlich in Brand, ein Wiederaufbau fand nicht mehr statt. Von 1771 bis zur Französischen Revolution gehörte sie dem Markgrafen von Baden-Durlach; seit dem 19. Jahrhundert ist sie Staatseigentum.

Mauerreste einer Unterburg mit Grundmauern von Häusern und einer runden Zisterne mit Steinbrüstung im Wald
Unterburg Reste der Unterburg. Symbolbild

Wie ist die Oberburg gebaut?

Die Gesamtanlage ist rund 80 Meter lang und 60 Meter breit und gliedert sich in die Oberburg, eine südliche und eine nördliche Unterburg und eine Zwingeranlage. Die Oberburg steht auf einem etwa zwölf Meter hohen Sandsteinfelsen von 30 mal 25 Metern mit nahezu ovalem Grundriss. Sie ist der älteste Teil. Sie umfasst einen kleinen Burghof mit darunterliegendem Felsenkeller, eine Zisterne, den Palas an der Nordseite, einen Treppen- und Abortturm und im Süden den Bergfried. Eine umlaufende Ringmauer umschließt sie; an der Südseite besteht die Mantelmauer aus Buckelquadern.

Der Zugang war eng: Ursprünglich führte ein hölzerner Wehrgang zu einer Pforte, die ein Gusserker sicherte. Heute führt eine später errichtete Steintreppe an der Westseite hinauf. Zu Bergfried, Palas, Keller und Treppenturm gelangte man nur über diese Stelle. Der Palas war vermutlich ein dreigeschossiges Steingebäude mit Kamin und Abortturm. Um 1540 wurde er im Stil der Renaissance wiederaufgebaut und erweitert, mit Treppenturm und zusätzlichen Fenstern. Die Reste der Wohnbauten zeigen, wie dicht sich Wohnen, Verteidigung und Vorräte auf dem Felsen drängten.

Was macht den Bergfried besonders?

Der Bergfried ist etwa 17 Meter hoch und hat einen siebeneckigen Grundriss von rund 6 mal 7 Metern, der sich dem Gelände anpasst. Die Mantelmauer ist mindestens zwei Meter stark und geht direkt in den Burgfelsen über; sie ist rund neun Meter niedriger als der Turm und in der ursprünglichen Höhe erhalten. Auf ihr lief ein hölzerner Wehrgang. Der Turm hat keine Lichtschlitze oder Fenster und ist mit Buckelquadern verkleidet. Heute kann man ihn besteigen: Von der oberen Plattform reicht der Blick über den Pfälzerwald, der im Überblick auf der Seite Pfälzerwald beschrieben ist, und hinunter auf Merzalben.

Was ist von den Unterburgen und dem Zwinger erhalten?

Die südliche Unterburg stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie ist zweigeteilt und legt sich halbrund vor den Bergfried und die Mantelmauer im Süden und Westen. Ihre Ringmauer ist etwa zwei Meter dick. Von mindestens sieben Burgmannenhäusern sind die Grundmauern erhalten; die zweigeschossigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude hatten gemauerte Erdgeschosse mit Lichtschlitzen und Schießscharten, die Obergeschosse waren in Fachwerk errichtet, mit Fensternischen, Spitzbogenfenstern, Aborterkern und Kaminen. Eine zentrale Zisterne ist wiederhergestellt; sie trägt eine Steinbrüstung mit dem Wappen der Sponheimer. Insgesamt gab es drei Tankzisternen für Regenwasser in Ober- und Unterburg und zwei Quellen außerhalb der Anlage.

Die nördliche Unterburg ist jünger und stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Hier standen größere hölzerne Wirtschaftsgebäude und Stallungen; am Fuß der Ostseite der Oberburg wurde Ende des 15. Jahrhunderts ein rechteckiger Abortturm angebaut, dessen Abflussrinnen noch zu erkennen sind. Der Torturm ist rechteckig, zweigeschossig und rund zwölf Meter hoch, aus Buckelquadern gebaut und vermutlich im 15. Jahrhundert entstanden. Der Zwinger hat im Nordosten halbrunde Flankierungstürme mit Schlüssellochscharten, der Hauptzugang lag im Nordosten hinter einer äußeren Toranlage. In der südlichen Zwingermauer gibt es einen schmalen Durchlass, vermutlich eine Ausfallpforte.

Die Bauphasen lassen sich ablesen: um 1200 die Oberburg, um 1250 die südliche Unterburg, um 1375 die nördliche Unterburg mit Zwinger und Toranlage, um 1535 der Wiederaufbau mit Ausbau des Palas und Verstärkung der Ringmauer. Wer weitere Anlagen dieser Zeit vergleichen will, findet sie auf den Seiten Burg Wilenstein bei Trippstadt und Burgen im Wasgau.

Wie wurde die Ruine gesichert?

Nach 1635 diente die Ruine den umliegenden Dörfern als Steinbruch; 1782 wurde sogar Schatzgräberei genehmigt, die weitere Schäden verursachte. Erste Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen folgten 1909/1910 und 1936/1937, dann 1970/1971 und 1985/1987 mit Bauarchäologie und Mauerrekonstruktion. In den 1980er Jahren wurde eine Kelleranlage aus staufisch-gotischer Zeit freigelegt. Als Kulturdenkmal ist die Ruine nach dem Denkmalschutzgesetz Rheinland-Pfalz eingetragen und als Denkmalzone ausgewiesen. Im Volksmund heißt sie „Merzalber Schloss“. Regelmäßig finden Burgfeste mit mittelalterlichem Programm statt, und gewandete Burgführungen lassen sich über das Gräfensteiner Land buchen; Termine veröffentlichen die Veranstalter.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zur Burg Gräfenstein

Wie viel kostet der Eintritt zur Ruine?

Nichts. Die Burgruine ist ganzjährig frei zugänglich, auch der Wanderparkplatz nördlich der Ruine ist kostenlos.

Wie lange dauert der Aufstieg?

Vom Wanderparkplatz Schäferei sind es auf einem steilen Pfad rund zehn Minuten bis zur Burg.

Kann man den Bergfried besteigen?

Ja. Der siebeneckige, rund 17 Meter hohe Turm ist besteigbar und bietet von der oberen Plattform einen Rundblick über den Pfälzerwald.

Wer baute die Burg?

Die Grafen von Saarbrücken ließen sie um 1200 als Gipfelburg errichten. 1237 ging sie an die Grafen von Leiningen, später gehörten sie Sponheim, Baden und erneut Leiningen-Hardenburg.

Wann wurde die Burg zerstört?

Zweimal: 1525 im Bauernkrieg, danach folgte ein Wiederaufbau, und 1635 im Dreißigjährigen Krieg, als kaiserliche Truppen sie versehentlich in Brand setzten.

Passend dazu: Zur Herrschaft Gräfenstein gehörte ein Gebiet, in dem heute der Dreiherrenstein von 1657 steht; Näheres: Grenzsteine im Pfälzerwald. Das Jagdhäuschen am Weißenberg gehörte zur Gemarkung Gräfenstein: Forst, Jagd und Weide im Pfälzerwald.

Quellen: KuLaDig: Burg Gräfenstein bei Merzalben; Pfalz.Touristik: Burg Gräfenstein; Ortsgemeinde Merzalben: Wanderwege; Pfälzisches Burgenlexikon, Band 2 (Keddigkeit/Übel 2002). Stand: Oktober 2026.