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Klosterkirche Eußerthal: Zisterzienserabtei im Pfälzerwald

Zisterzienserkirche als Rest einer staufischen Abtei

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am 1147 gegründet · 1561 aufgehoben

Spätromanische Kirche aus hellem Sandstein mit Vierungsturm und Chor in einem grünen Waldtal im Nebel
Klosterkirche Eußerthal Klosterkirche im Tal. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Klosterkirche St. Bernhard in Eußerthal bei Annweiler am Trifels ist der erhaltene Rest einer 1147 gegründeten Zisterzienserabtei. Von der spätromanischen Pfeilerbasilika stehen Chor, Vierung, ein Langhausjoch und vier Seitenkapellen. Ein Modell und Tafeln zeigen die Anlage im späten Mittelalter, die Kirche ist meist tagsüber geöffnet.

Wann ist die Klosterkirche Eußerthal geöffnet?

Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, die Kirche ist meist tagsüber geöffnet. Sie ist die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde und barrierefrei. Anschrift ist die Kirchstraße 16 in 76857 Eußerthal, Auskunft gibt das Pfarramt Annweiler (Pfarramt.Annweiler@bistum-speyer.de, Telefon 06346 98956680). In der Kirche steht ein Modell des Klosters, das die Anlage im späten Mittelalter zeigt, dazu Tafeln zur Geschichte der Klosterkirche.

Eußerthal liegt im östlichen Pfälzerwald, die Stadt Annweiler und die Burg Trifels sind nahe. Der Mönchsweg verbindet die Klosterkirche mit der Stadtkirche Annweiler und der Burg Trifels. Die Kirche liegt außerdem am Sternenweg, einem europäischen Pilgerprojekt entlang der Jakobswege. Mehr zu Pilgerwegen steht auf der Seite Pfälzer Jakobsweg.

Wer gründete das Kloster Eußerthal?

Das Kloster entstand 1147 als Tochter des lothringischen Klosters Weiler-Bettnach. Als Stifter gelten zwei Adelsfamilien: die Herren von Mörlheim aus dem südpfälzischen Umfeld und die Grafen von Lobdeburg-Auhausen aus Thüringen, die dem Orden den Gründungsbesitz stifteten. Papst Hadrian IV. bestätigte die Gründung 1158. Im Tal stand schon eine Kapelle des Bistums Speyer, die den Mönchen bis zur Vollendung der Klosterkirche als Gotteshaus diente.

Bald blühte das Kloster auf. Weitere Adlige machten Schenkungen, und die Zisterzienser erwarben Stadthöfe, etwa in Landau und Weißenburg. Acht Außenwirtschaftshöfe, die Grangien, entstanden an verschiedenen Orten der Pfalz und bildeten das Rückgrat der zisterziensischen Wirtschaft. Eußerthal gehörte unter den Staufern zu den bedeutendsten Klöstern im Reich; eine ähnliche Stellung hatten nur Wörschweiler im Saarland, Otterberg in Rheinland-Pfalz sowie Maulbronn und Bronnbach in Baden-Württemberg.

Warum schützten die Staufer das Kloster?

Kaiser Friedrich I. nahm das Kloster 1186 unter den Schutz des Reichs und betraute die Mönche mit der Hut der Reichskleinodien, die auf der nahen Burg Trifels lagen. Sein Sohn Kaiser Heinrich VI. erlaubte 1192 seinen Ministerialen ausdrücklich, Schenkungen an das Kloster zu machen, und stellte einen neuen königlichen Schutzbrief aus. 1233 wurde dem Kloster die Pfarrkirche der Stadt Annweiler übergeben. Dem Abt unterstanden zwei Frauenklöster: Heilsbruck in Edenkoben, dessen Vaterabt er war, und Kanskirchen in Albersweiler-St. Johann, wo er das geistliche Supremat über die Reuerinnen hatte.

1259 weihten die Mönche ihre eigene Klosterkirche ein. Die Forschung fragt allerdings, ob es sich um eine Neuweihe handelte und die Mönche länger als hundert Jahre ohne eigene Kirche waren. Als Bauzeit der erhaltenen Teile nennt das Denkmalverzeichnis die Zeit von etwa 1200 bis 1264.

Welche Rolle spielte Eußerthal im Pfälzerwald?

Klöster und Stifte prägten die Entstehung dauerhafter Siedlungen im Pfälzerwald. Sie lagen eher am Rand des Waldes als in seinem unerschlossenen Kern, erwarben großen Landbesitz und gründeten Wirtschaftshöfe, um die sich Siedlungen bildeten. Weiler und Höfe, die von Viehzucht, Ackerbau und Holzeinschlag lebten, entwickelten sich zu Dörfern. Eußerthal spielte im südöstlichen Pfälzerwald eine besondere Rolle: Als Dank für die Betreuung der Reichsinsignien auf dem Trifels erhielt das Kloster große Waldschenkungen. Dazu gehörte der Hermersbergerhof, eine der ältesten Siedlungen des Pfälzerwalds.

Der 1098 gegründete Zisterzienserorden erlebte im 12. Jahrhundert seine Blütezeit. Im Pfälzerwald entstanden im 12. und 13. Jahrhundert mehrere Zisterziensergründungen: Otterberg 1144, Ramsen 1146, Eußerthal 1147 oder 1148 und Rosenthal bei Kerzenheim 1241. Das Pfälzische Klosterlexikon nennt für die Pfalz fast 200 Anlagen, weshalb die Region als Klosterlandschaft gilt. Die älteren Benediktinerklöster der Gegend beschreibt die Seite Kloster Hornbach.

Wie verfiel das Kloster im 15. und 16. Jahrhundert?

Die Blüte überdauerte die Stauferzeit, im 15. Jahrhundert begann der allmähliche Niedergang. Die Kurfürsten von der Pfalz erhielten die Vogteirechte und damit großen Einfluss auf Wirtschaft und Politik des Klosters; zugleich ging die Bedeutung des Mönchtums in der Gesellschaft zurück. Die Zahl der Mönche und Laienbrüder sank, die Wirtschaftskraft ebenso. Bewahrt blieben wichtige Aufgaben: das Kloster war ein Ort der Bildung mit Schule und Bibliothek, das Hospital versorgte auch die Bewohner des im 16. Jahrhundert entstandenen Dorfes Eußerthal, und die Fischzucht der Mönche war bekannt.

Klöster galten nicht mehr als unverletzlich. In den Fehden der Kurpfalz wurde Eußerthal 1455 und 1460 militärisch eingenommen und verwüstet, 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg beschädigt. 1525 plünderten und zerstörten die Bauern des Lothringer Kolbenhaufens Kloster und Dorf, der Wiederaufbau war mühsam; 1552 ließ Abt Martin Zydel das Kloster wiedererrichten. Die Reformation beendete das Klosterleben: Um 1560 hob Kurfürst Friedrich III., der dem Calvinismus nahestand, das Kloster auf und zog die Güter ein. Die Güter wurden der Katholischen Geistlichen Güteradministration in Heidelberg unterstellt und der Pflege Eußerthal in Mörlheim zugeordnet, die den früheren Klosterbesitz bis zur Französischen Revolution verwaltete. Um 1580 zählte man in der Klosterumgebung 18 steuerpflichtige Dörfer. Zwischen 1624 und 1634 versuchten die Zisterzienser vergeblich, das Kloster wiederzugewinnen.

Wie wurde aus der Klosterkirche eine Pfarrkirche?

1702 richtete die Kurpfalz eine katholische Propstei ein. Von 1716 bis 1757 war Heinrich Wilhelm von Sickingen Propst von Eußerthal und ließ die ruinöse Klosterkirche so herrichten, dass er zwischen dem heute stehenden Teil und dem übrigen Langhaus eine Scheidewand einzog. Nach 1805 wurden die Klostergebäude innerhalb der Klostermauer abgetragen, 1820 brach man den Rest des ruinösen Langhauses ab. Seitdem steht von der großen Anlage nur noch der Teil der Klosterkirche, den man um die Mitte des 18. Jahrhunderts renovierte; er dient der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche.

Schlichter Innenraum einer romanischen Pfeilerbasilika mit Rundbögen, wuchtigen Pfeilern und frühgotischen Kreuzrippengewölben
Langhaus Pfeiler und Gewölbe. Symbolbild

Was ist von der Klosterkirche erhalten?

Erhalten sind Chor, Vierung und ein Langhausjoch sowie vier Seitenkapellen. Ursprünglich war die Kirche eine große dreischiffige Pfeilerbasilika, Chor und Querhaus blieben stehen, vom Langhaus nur das östliche Doppeljoch. Das Denkmalverzeichnis beschreibt sie als spätromanische Pfeilerbasilika in Quaderbauweise, mit teils spätgotisch veränderten Fenstern. Spätgotische Gewölbeansätze erinnern an Kreuzgang und Konventsbauten. Die Reste gelten als kunsthistorisches Kleinod des Sakralbaus am Übergang von der Romanik zur Gotik. Die Kirche zählt zur Klosterlandschaft der Zisterzienser in der PAMINA-Region.

Das Kirchengebäude steht als Kulturdenkmal im Verzeichnis des Landkreises Südliche Weinstraße. Zuerst im Jubiläumsjahr 1998 und zuletzt 2017 baute man ein Leitsystem auf, das den Besuchern die Klosteranlage nahebringt. Wer zur Kirche kommt, findet das Modell des Klosters im späten Mittelalter und Informationstafeln, die die Geschichte der Kirche beleuchten.

Was zeigt der Klosterweg in Eußerthal?

Der 2017 eingeweihte Klosterweg führt zu den Stätten, an denen die Mönche lebten. Im ehemaligen Klausurbereich zeigen Tafeln den Mönchstrakt mit den Schlafräumen, das Dormitorium, die Sakristei, den Kapitelsaal, das Armarium als Bücherschrank und das Parlatorium, den Sprechraum, in dem als einzigem Raum das Schweigegebot nicht galt. Dazu kommen das Kalefaktorium, die Stube, in der sich die Mönche aufwärmen konnten, Abtshaus und Hospital, Klostermühle und Klosterpforte sowie die Wirtschaftsbetriebe mit den Fischweihern der berühmten Forellenzucht. Eingestreut sind Hinweise zum Alltag der Mönche und der Konversen, der Laienbrüder, und zum Dorf, das um das Kloster wuchs.

Wie entstand das Dorf Eußerthal?

Eine dörfliche Siedlung wird im Bereich der Flur Zum Alten Kloster schon für das 12. Jahrhundert vermutet. Erste Erwähnungen des Ortsnamens stammen von 1152 als Uterstal und 1163 als Utrina Ualle. Der Name geht nicht auf den Eußerbach oder ein äußeres Tal zurück, sondern auf den Personennamen Ut-heri, ist also das Tal des Uter. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert wurde das Umland unter dem Einfluss des Klosters besiedelt. 1590 wird die Siedlung erstmals Dorf genannt, 1591 erhielt sie eine eigene Pfarrei.

Im 17. Jahrhundert besetzten 1632 schwedische Truppen den Ort, von 1637 bis 1645 österreichische. Von 1679 bis 1697 herrschten die Franzosen, bis der Friede von Rijswijk im Oktober 1697 den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete. Heinrich Wilhelm von Sickingen hatte das Dorf von 1716 bis 1757 als Lehen. 1797 kam Eußerthal erneut unter französische Herrschaft und gehörte zum Departement Donnersberg, ab 1798 bildete es mit Ramberg und Dernbach eine Mairie. 1816 fiel die Pfalz als Rheinkreis an Bayern, Eußerthal kam unter das Landkommissariat Bergzabern. Seit 1972 gehört der Ort zur Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels. Weitere Klöster der Pfalz beschreibt die Seite Klöster und Abteien.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zur Klosterkirche Eußerthal

Wann wurde das Kloster Eußerthal gegründet?

1147 als Tochter des lothringischen Klosters Weiler-Bettnach. Die Gründung bestätigte 1158 Papst Hadrian IV.

Warum steht nur ein Teil der Kirche?

Die Klostergebäude wurden nach 1805 abgetragen, 1820 brach man das ruinöse Langhaus ab. Erhalten blieb der Teil, den man um 1750 renovierte, er dient als Pfarrkirche.

Ist die Kirche barrierefrei?

Ja. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, meist ist sie tagsüber geöffnet.

Was zeigt das Modell in der Kirche?

Die Klosteranlage im späten Mittelalter. Tafeln ergänzen es mit der Geschichte der Kirche.

Wer bewachte die Reichskleinodien?

Kaiser Friedrich I. betraute 1186 die Mönche mit der Hut der Reichskleinodien, die auf dem Trifels lagen.

Quellen: KuLaDig: Klosterkirche Eußerthal (Übel, Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels); KuLaDig: Ortsgemeinde Eußerthal (Weber, Universität Koblenz-Landau); Pfalz.Touristik: Klosterkirche Eußerthal. Stand: November 2026.