Burgen & Felsen
Burg Lindelbrunn bei Vorderweidenthal: Saalbau und Aussicht
Ganerbenburg mit staufischem Saalbau über dem Wasgau

Kurz gesagt
Die Burgruine Lindelbrunn liegt bei Vorderweidenthal auf einem Felsgipfel von rund 440 Metern im Wasgau. Sie entstand vermutlich im 12. Jahrhundert, war bis ins 16. Jahrhundert eine Ganerbenburg und wurde 1525 im Bauernkrieg niedergebrannt. Erhalten ist unter anderem der Saalbau mit drei Doppelfenstern. Zugang ganzjährig, rund 15 bis 20 Minuten Aufstieg.
Wo liegt die Burg Lindelbrunn und wie kommt man hin?
Die Ruine liegt rund drei Kilometer von Vorderweidenthal entfernt im Landkreis Südliche Weinstraße, zwischen Bad Bergzabern und Pirmasens, auf einem kegelförmigen Berg, dem Schlossberg. Vom Forsthaus Lindelbrunn am Fuß des Bergs führt ein Weg in etwa 15 bis 20 Minuten bergauf zur Burg. Neben dem Forsthaus steht das Cramerhaus, ein Ausflugslokal, das früher der Pfälzerwald-Verein betrieb; es ist von Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr geöffnet. Die Ruine ist jederzeit zugänglich. Bei gutem Wetter reicht der Blick rundum, bis zum Trifels.
Der Name hängt wahrscheinlich mit einem Burgbrunnen zusammen, neben dem eine große, blühende Linde stand. Lindelbrunn gehört zu den Felsenburgen des Wasgaus, die auf der Seite Burgen im Wasgau im Überblick vorgestellt werden; die Landschaft selbst beschreibt die Seite Wasgau. Wer mehrere Burgen an einem Tag besuchen will, findet Anregungen auf der Seite Burgenwanderungen.
Wer besaß die Burg Lindelbrunn?
Die Gründung fällt wohl ins 12. Jahrhundert, die erhaltenen Überreste gehören ins zweite Viertel des 13. Jahrhunderts. Als Ministeriale, die sich nach der Burg nannten, sind urkundlich belegt: Dieter von Lindelbrunn, um 1252 erwähnt und 1273 gestorben, sowie weitere Familienmitglieder 1268 und 1271, darunter Merkelin, der 1292 noch lebte. Vor 1317 kam die Burg an die Grafen von Leiningen; bei der Teilung 1317/18 fiel sie an Graf Jofried. 1353 bestätigte König Karl IV. die Belehnung.
Bis ins 16. Jahrhundert war Lindelbrunn eine Ganerbenburg, also eine Burg mit mehreren Miteigentümern: Mehrere Parteien teilten sie sich, darunter die Grafen von Leiningen und von Zweibrücken-Bitsch sowie niederadlige Pfandnehmer. Dieses Gemeinschaftseigentum musste geregelt werden. 1398 und 1407 schlossen Emich VII. von Leiningen-Hardenburg und Hanemann II. von Zweibrücken-Bitsch einen Burgfrieden, 1428 folgte ein erweiterter Burgfrieden mit Simon von Mühlhofen als Burggrafen. Solche Verträge legten fest, wie die Miteigentümer Bau, Verteidigung und Nutzung der Burg gemeinsam regelten. Die Burg stand mehrfach im Mittelpunkt von Konflikten: 1441 wurde sie sieben Wochen lang belagert, 1448 bis 1450 kam es zu Auseinandersetzungen und zur Eroberung durch die Leininger, 1460/61 war sie am Konflikt zwischen der Pfalz und Zweibrücken beteiligt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| um 1252 | Dieter von Lindelbrunn erwähnt (gestorben 1273) |
| vor 1317 | Burg im Besitz der Grafen von Leiningen |
| 1353 | König Karl IV. bestätigt die Belehnung |
| 1381 | Nikolauskapelle erstmals erwähnt |
| 1441 | sieben Wochen Belagerung |
| 1476 | Erbordnung der Zweibrücken-Bitscher Erben |
| 1525 | Zerstörung im Bauernkrieg |
| 1570 | Anteil der Zweibrücken-Bitscher geht an die Leininger |
| 1963 | Ruine geht in Landesbesitz über |
| 1979 bis 1981 | Sanierung von Kapelle, Palas und Ringmauern |
Wie endete die Burg im Bauernkrieg?
Im Bauernkrieg eroberte 1525 der Kleeburger Kolbenhaufen die Burg, plünderte sie und brannte sie nieder. Ein Wiederaufbau unterblieb. Vorausgegangen waren Streitigkeiten unter den Besitzern: 1476 hatten die Zweibrücken-Bitscher Erben eine Erbordnung aufgestellt, 1483 scheiterte eine Klage vor dem kurpfälzischen Hofgericht. 1536 lagen die Anteile bei drei Söhnen Emichs VIII., 1539 gingen sie an Hans Heinrich von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg, und 1570 fiel der Anteil der Zweibrücken-Bitscher an die Leininger. Den Zeitraum der Burg im Rahmen der Pfälzer Geschichte ordnet die Seite Warum hat die Pfalz so viele Burgen? ein.

Wie ist die Burg angelegt?
Die Kernanlage nimmt das Gipfelplateau fast vollständig ein. Es ist ungefähr ein gleichschenkliges Dreieck mit Seitenlängen von etwa 60, 55 und 70 Metern. Eine kleinere Unterburg lag am Fuß der rund 60 Meter langen südwestlichen und der fast gleich langen südöstlichen Felsfront; sie ist heute weitgehend abgegangen. Der heutige Zugang an der Nordwestecke folgt dem ursprünglichen Burgweg. Fundamentrillen im Fels sind die letzten Reste einer Toranlage. Am Fuß der südwestlichen Felswand liegt ein verschütteter Brunnen, der in den Fels geschnitten war; Spuren im Buntsandstein deuten auf ein Brunnenhaus mit Dach.
Besonders ist die Felsenpforte: eine hoch gelegene, rechteckige, vergitterte Öffnung in der Felswand unter einem vorspringenden Felsstück. Von dort führt eine in den Sandstein geschrotete Treppe ins Innere, Balkenlöcher davor weisen auf einen hölzernen Aufgang hin. Sie ist wohl der älteste Zugang. An der Nordspitze lag in einer Spitzkehre ein zweites Tor mit einem knapp sechs Meter breiten Torzwinger dahinter. Ein rampenartiger, im unteren Teil in den Fels gehauener Weg führt zum inneren Tor, von dem nur Torschwelle, Balkenlöcher und Verriegelungsspuren erhalten sind. Dass die Burg eine Felsenburg ist, erklärt die Seite Burgen und Felsen.
Was ist am Saalbau und an der Kapelle zu sehen?
Der Saalbau im Südwesten, meist um 1200 datiert, ist der bedeutendste Teil. Seine Außenwände sind etwa 2,50 Meter stark, das Mauerwerk zeigt Buckelquader und einen Sockel. Erhalten sind drei große Doppelfenster mit Maßwerk und Seitensitzen; die Wand zählt zu den bedeutendsten Beispielen staufischer Baukunst an Burgen. Der Saal ist innen rund 21 Meter lang und 6 Meter breit und hat damit über 125 Quadratmeter Grundfläche. Ein zweites Stockwerk ist abgegangen und war vermutlich ähnlich gestaltet. Im Inneren sind Reste eines Kamins und Auflagersteine für Balken zu erkennen.
Südlich des Tores liegen die teilweise restaurierten Fundamente der Nikolauskapelle, einer fast quadratischen Kapelle mit rechteckiger Apsis, die um 1200 vermutet wird; erstmals erwähnt wird sie 1381. Vom Sockel, der Torschwelle und der Fassadengliederung mit Lisenen sind Teile erhalten. Nördlich schließt ein etwa 22 Meter langer und 5 Meter breiter Wohnbau mit mindestens zwei Geschossen an, jedes mit Aborterker. Im Erdgeschoss sind nur die beiden östlichen Fenstergewände original; das westliche Fenster wurde um 1970 erneuert. Vom östlichen Wohnbau steht noch die zweigeschossige Außenwand, an der Schmalseite ist das Rudiment einer Heizungsanlage zu sehen, und vor der Nordostecke lag eine kleine Filterzisterne, deren Zuläufe im Boden sichtbar sind. Der Keller des Ostwohnbaus war ursprünglich von Osten zugänglich; dieser Zugang wurde später vermauert und verschüttet. Der westlich anschließende, nicht unterkellerte Raum zeigt in der Nordwand zwei attische Basen ohne Säulenschäfte, hier wird eine Hauskapelle als Vorgänger der Nikolauskapelle vermutet. Funktion und Aussehen des östlich anschließenden Gebäudes sind unbekannt, ebenso die Bauten unter dem Schutt auf dem höchsten Teil der Oberburg. Mehrere Räume sind in den Fels gehauen, darunter ein kellerartiger Bereich. Das Mauerwerk des Nordbaus zur Hofseite ist fast vollständig verloren. Ein Bergfried fehlt; ein Turmrest mit Buckelquaderverkleidung stand um 1900 westlich des inneren Tores.
Welche Wanderung führt über Lindelbrunn?
Lindelbrunn ist Start und Ziel des Wasgau-Felsenwegs. Der Rundweg ist als schwer eingestuft, hat 20,8 Kilometer Länge, 625 Meter Auf- und Abstieg und braucht rund 6 Stunden 45 Minuten. Er beginnt an der Burgruine oder am Naturparkplatz in Vorderweidenthal und verbindet die Sandsteinfelsen des Wasgaus. Die Stationen in der Reihenfolge: Burgruine Lindelbrunn, Hahnenhof, Oberschlettenbach mit seinem Dorfbrunnen, der freistehende Felsturm Haselstein, in dem Falken und Uhus brüten, der Löffelsberg bei Busenberg, Buhlstein und Buhlsteinpfeiler, Vorderweidenthal und schließlich der Rödelstein als letzte Felsformation vor der Rückkehr zur Burg. Der Weg ist nach Vosegus benannt, dem keltischen Gott der Berge und Wälder. Einkehr bieten das Cramerhaus am Start und die Bühlhofschänke in Oberschlettenbach etwa auf halber Strecke; das Cramerhaus bietet außerdem Übernachtungen an.
Wer weniger gehen möchte, kombiniert den Aufstieg zur Burg mit einer kürzeren Runde. Die Region um Dahn und Busenberg mit weiteren Felsen und Burgen stellt die Seite Dahner Felsenland vor; Hinweise zur Wegmarkierung gibt die Seite Wegmarkierungen und Wanderkarten.
Was wurde saniert und wem gehört die Ruine?
Seit 1963 gehört die Ruine dem Land Rheinland-Pfalz. Von 1979 bis 1981 wurden Kapelle, Palas und Ringmauern umfassend saniert; der nördliche Teil des Geländes blieb unberührt. Aufräumarbeiten um 1970 legten den Kellerzugang frei und entfernten Schutt. Manche Restaurierungen haben das ursprüngliche Bild teilweise verändert. Die Ruine ist ein Kulturdenkmal nach dem rheinland-pfälzischen Denkmalschutzgesetz und im Nachrichtlichen Verzeichnis der Denkmäler (Stand Januar 2025) als Denkmalzone eingetragen.
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Häufige Fragen zur Burg Lindelbrunn
Ist die Burgruine Lindelbrunn frei zugänglich?
Ja, die Ruine ist jederzeit zugänglich. Vom Forsthaus Lindelbrunn am Fuß des Bergs läuft man etwa 15 bis 20 Minuten bergauf.
Wann wurde die Burg zerstört?
1525 im Bauernkrieg: Der Kleeburger Kolbenhaufen eroberte, plünderte und verbrannte sie. Sie wurde nicht wieder aufgebaut.
Was ist das Besondere am Saalbau?
Er stammt aus der Zeit um 1200, ist innen rund 21 mal 6 Meter groß und hat drei große Doppelfenster mit Maßwerk und Seitensitzen, ein seltenes Beispiel staufischer Burgenbaukunst.
Wem gehört die Ruine?
Seit 1963 dem Land Rheinland-Pfalz.
Gab es einen Bergfried?
Nein, ein Hauptturm fehlt. Ein Turmrest mit Buckelquaderverkleidung stand um 1900 westlich des inneren Tores.
Wie lang ist der Wasgau-Felsenweg?
20,8 Kilometer mit je 625 Metern Auf- und Abstieg. Er ist als schwer eingestuft und braucht rund 6 Stunden 45 Minuten; Start und Ziel ist Lindelbrunn oder der Naturparkplatz in Vorderweidenthal.
Quellen: KuLaDig: Burgruine Lindelbrunn bei Vorderweidenthal; Südpfalz-Tourismus: Burgruine Lindelbrunn; Pfalz.Touristik: Burgruine Lindelbrunn; Südliche Weinstraße: Wasgau-Felsenweg; Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3 (Keddigkeit/Übel 2005). Stand: Oktober 2026.