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Burgen & Felsen

Burgruine Neu-Wolfstein: Amtsburg über dem Lautertal

Kurpfälzische Amtsburg mit Ehrenmal im Lautertal

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am 1328 erwähnt · frei zugänglich

Hohe Bruchsteinmauer einer Burgruine am Rand einer kleinen Stadt im Tal, Hang mit Laubbäumen, Herbstlicht
Neu-Wolfstein Mauern der Burg über der Stadt. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Burgruine Neu-Wolfstein liegt auf einem 238 Meter hohen Ausläufer des Königsbergs am Westrand der Stadt Wolfstein. Die Burg entstand im frühen 14. Jahrhundert neben Alt-Wolfstein und war später kurpfälzische Amtsburg. Heute umschließen hohe Mauern ein Ehrenmal; die Ruine ist frei zugänglich und Station mehrerer Wanderwege.

Wie kommt man zur Burgruine Neu-Wolfstein?

Die Ruine liegt am Westrand von Wolfstein und ist frei zugänglich. Der heutige Eingang in der Schildmauer könnte an der Stelle eines älteren Tores liegen; der spätmittelalterliche Hauptzugang lag vermutlich im Zwingerbereich auf der weniger gefährdeten Südostseite. Von der Stadtmitte führt der markierte Weg an Neu-Wolfstein vorbei hinauf zur älteren Nachbarburg Alt-Wolfstein.

Bequem verbindet der Königsbach-Weg beide Burgen. Die Rundwanderung von 9,7 Kilometern beginnt am Rathausplatz Wolfstein, der Bahnhof ist etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt. Erste Station ist Neu-Wolfstein, danach folgen Alt-Wolfstein, die Dümmler Hütte als kurzer Rastplatz, die Blaue Halde, ein kleiner Waldweiher mit Rastplätzen, und das Hotel-Restaurant Reckweilerhof. Der Aufstieg beträgt 328 Höhenmeter, der höchste Punkt liegt bei 360 Metern, die Gehzeit bei gut drei Stunden. Ein Stück weit folgt man dem Pfälzer Höhenweg, dann den drei roten Rauten auf gelbem Grund. In der Stadtmitte gibt es kostenfreie Parkplätze, die Lautertalbahn fährt ab Kaiserslautern im Stundentakt nach Wolfstein. Die Anreise ohne Auto beschreibt die Seite Bus und Bahn. Etwa die Hälfte der Strecke sind Naturwege, ein Viertel schmale Pfade, der Rest Schotter und Asphalt; der Weg führt über Schotterhalden, vorbei an kleinen Höhlen und mit mehreren Aussichtspunkten auf das Pfälzer Bergland. Festes Schuhwerk, Wanderkarte und ausreichend Proviant gehören ins Gepäck, und wegen ungesicherter Felsen und Abgründe sind Trittsicherheit und teilweise Schwindelfreiheit nötig.

Wie ist die Burganlage aufgebaut?

Das Erscheinungsbild der frühesten Burg ist unbekannt. Die ältere Anlage war wohl das ummauerte Areal, in dem heute das Ehrenmal steht. Die heutige Westmauer ist der Rest einer Schildmauer; ein inzwischen verschütteter Halsgraben sicherte die gefährdete Westseite. Die übrigen Hangseiten schützten schwächere Mauern, an denen Wohn- und Wirtschaftsgebäude standen. An der Nordwestecke verstärkte vermutlich ein später errichteter rechteckiger Bau, eventuell ein Turm, die Befestigung.

Im Spätmittelalter war die Burg in die Stadtbefestigung eingebunden: Mauern und Flankierungstürme verbanden beides. Auf der Süd- und Teilen der Ostseite lag ein mehrfach abgewinkelter Zwinger mit Zinnen oder Schießscharten. Ein Ziehbrunnen in der Nähe der damaligen Kapelle wird im 18. Jahrhundert erwähnt.

Heute ist die Burgstelle ein flaches, nahezu rechteckiges Areal, das von mehrere Meter hohen, teils modern ergänzten Bruchsteinmauern umgeben ist. Die Südwestmauer ist außen etwa 15 Meter hoch. Im Nordteil steht das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege, gegenüber sind die Fundamente eines langgezogenen, dreigegliederten Gebäudes teilweise erkennbar. Die im Areal gelagerten Blidenkugeln stammen von den Ausgrabungen auf Alt-Wolfstein. Die Mauern der Spornanlage sind als Denkmalzone eingetragen.

Hohe verwitterte Bruchsteinmauer mit schmalem Eingangstor und Mauerwerk teils ergänzt, Efeu, Herbstlaub
Schildmauer Mauer mit Eingang. Symbolbild

Wann entstand Neu-Wolfstein?

Um 1275 ordnete König Rudolf von Habsburg an, bei Alt-Wolfstein eine Stadt zu gründen; 1319 untersagte eine Urkunde Graf Georg von Veldenz, den Gemeinern von Alt-Wolfstein eine neue Wehranlage im Umkreis einer halben Meile zu bauen. Damals war die Entscheidung für eine neue Burg offenbar bereits gefallen, strittig war nur ihr Standort. Die Errichtung fällt damit in das frühe 14. Jahrhundert.

Erstmals erwähnt wird die Burg 1328: Ritter Andreas von Oberstein erklärte sich als Burgmann von Neu-Wolfstein gegenüber dem Landvogt im Speyergau bereit, die Grenzen des Amtes Katzweiler zu achten. Die ältere Nachbarin, deren Geschichte die Seite Alt-Wolfstein erzählt, gehörte zunächst mehreren Burggemeinern, während Neu-Wolfstein über Pfandschaften an Reich, Veldenz und Kurpfalz fiel.

Wie wechselte die Burg im 14. Jahrhundert die Besitzer?

1322 verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer Land und Burg an König Johann von Böhmen, der sie an Graf Georg I. von Veldenz weiterverpfändete. 1332 ging die Reichspfandschaft Kaiserslautern und Wolfstein an Erzbischof Balduin von Trier, der 1336 versuchte, das Pfand einzulösen. Balduin hatte jedoch nur die Hälfte der Pfandsumme gezahlt und musste sich die Pfandschaft 1337 mit Graf Georg teilen; beide vereinbarten gemeinsame Gefälle und Baulast.

1346 verpflichtete sich König Karl IV., Burg Wolfstein auszulösen, 1351 wurde die trierische Burghälfte an Graf Heinrich II. von Veldenz unterverpfändet. 1354 befahl Karl IV. die Übergabe an den Burggrafen von Oppenheim, Pfandnehmer wurde Heinz zum Jungen. 1357 übertrug der Kaiser Kaiserslautern und Wolfstein an Pfalzgraf Ruprecht I.; am 4. Dezember erhöhte er die Pfandsumme um 3.500 Gulden. 1359 erhielt Heinz zum Jungen die Burg als Belohnung gegen 2.000 Gulden und musste die Hälfte der Pfandsumme für den Ausbau verwenden. Im Frühjahr 1361 löste Ruprecht I. die Burg für 5.000 Gulden aus.

Wie kam die Burg an die Kurpfalz?

1366 entzog Karl IV. Ruprecht I. die Reichspfandschaften, 1368 forderte König Wenzel ihre Herausgabe. 1372 waren Burgleute aus verschiedenen Adelsfamilien tätig. Am 27. Oktober 1377 erlaubte Karl IV. die Einlösung der Lehen und Pfandgüter; einen Tag später löste Ruprecht I. Burg und Ländereien für 5.000 Gulden ein. Noch 1377 belehnte er seinen Neffen Johann IV. von Sponheim mit der Burg und behielt sich das Öffnungsrecht vor. 1383 und 1389 bestätigte Wenzel den Besitz, die Grafen von Veldenz blieben im Besitz ihrer Burgsitze in Wolfstein und Lautern.

Nach dem Tod Johanns IV. 1413 stritten Sponheim und Kurpfalz um die Burg. 1419 entschied ein Schiedsspruch, dass sie den Sponheimern bleibt, bei fehlenden männlichen Erben aber an die Kurpfalz fällt. 1444 zog Ludwig IV. die Burg als heimgefallenes Lehen ein. 1446 sprach man den Erben, den Pfalzgrafen von Simmern-Zweibrücken, die Burgsesse zu Lautern und Neu-Wolfstein zu. Mehr zur Herrschaft erzählt die Seite Kurpfalz.

Schlichtes steinernes Ehrenmal im Innenhof eines ummauerten Burgareals, Rasen, hohe Bruchsteinmauern, Herbstlicht
Burgareal Innenhof der Burgstelle. Symbolbild

Wie wurde Neu-Wolfstein zur Amtsburg?

1452 wurde Simon Mauchenheimer Amtmann. 1465 verkaufte Pfalzgraf Friedrich I. Burg und Stadt Wolfstein für 2.000 Gulden mit Rückkaufsrecht an Michel Mosbach. 1470 wurde die Burg an Christina, die Witwe des Multhis, übergeben, dieser Vorgang aber nach Rückzahlung der 2.000 Gulden aufgehoben; Ludwig IV. verpfändete sie anschließend an Hans von Flörsheim. 1472 sicherte Friedrich I. zu, dass Neu-Wolfstein bei der Pfalzgrafschaft bleibe. 1490 belehnte Philipp seinen Vetter Alexander von Zweibrücken-Veldenz mit den Burglehen.

Im 16. Jahrhundert diente die Burg vor allem Verwaltungszwecken. Das kurpfälzische Reißbuch von 1504 verzeichnet nur eine karge Bewaffnung. 1549 erhielt Schweikhard von Sickingen Amt und Burg auf Lebenszeit; nach seinem Tod 1562 und dem seiner Frau 1566 fiel sie an die Kurpfalz zurück. Kurfürst Friedrich III. verpfändete sie 1566 für 10.500 Gulden auf 20 Jahre an Pfalzgraf Georg Hans I. von Veldenz, der sie an Nikolaus Seggmüller unterverpfändete. 1586 löste die Kurpfalz Amt und Burg wieder aus. 1577 war das Fürstentum Pfalz-Lautern gebildet worden, zu dem sie gehörte, 1592 fiel sie an die Kurlinie zurück. Verwaltet wurde sie zunächst von Friedrich von Eltz, ab 1602 von Georg von Rosenfeld.

Was änderte der Umbau ab 1609?

Der kurpfälzische Amtmann Georg von Rosenfeld ließ die Anlage ab 1609 über mehr als drei Jahre umfassend umbauen. Auf der Südostseite entstand ein achteckiger Erker mit welscher Haube, Tore lagen auf der Südost- und der Ostseite. Dieser Zustand ist auf dem Stich Merians festgehalten. Wie sich die Burgenlandschaft insgesamt wandelte, zeigt die Seite Burgengeschichte.

Wann wurde die Burg abgetragen?

Schäden im Dreißigjährigen Krieg sind nicht belegt, aber nicht auszuschließen. Fünf Jahre nach dem Westfälischen Frieden überließ Kurfürst Karl Ludwig die Burg Herzog Ludwig von Pfalz-Simmern; nach dessen Erlöschen 1673 kehrte sie an die Kurlinie zurück. 1677 blieb sie unbeschädigt. 1688 besetzten französische Soldaten die Burg und ließen sie vor dem Abzug teilweise abbrechen, 1695 stellten kurpfälzische Soldaten sie vereinfacht wieder her. Bis 1713 diente sie als Kaserne, dann wurde sie auf Befehl des französischen Marschalls Villar beschossen, eingenommen und kurzzeitig besetzt.

Ab 1720 nutzten Katholiken ein Gebäude als Kirche, bis 1775, und ein weiteres als Pfarrhaus, bis 1798. 1798 zogen die französischen Behörden die Ruine als Nationalgut ein, 1804 ging sie an die katholische Gemeinde zurück, 1881 fiel das Areal an das Königreich Bayern. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Anlage stark abgetragen; die talseitige Burgmauer reduzierte man auf etwa drei Meter, 1856 stürzte ein Teil ein. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Gemeinde die Reste zum Ehrenmal umgestalten, in den 1930er-Jahren wurde das Gelände eingeebnet.

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Häufige Fragen zur Burgruine Neu-Wolfstein

Ist Neu-Wolfstein frei zugänglich?

Ja, die Ruine am Westrand von Wolfstein ist frei zugänglich. Der Eingang liegt in der Schildmauer.

Was steht heute auf dem Burgareal?

Das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege. Dazu kommen Fundamentreste eines langgezogenen Gebäudes und Blidenkugeln von den Grabungen auf Alt-Wolfstein.

Wann wurde Neu-Wolfstein erstmals erwähnt?

1328, als Ritter Andreas von Oberstein als Burgmann auftrat. Gebaut wurde die Burg im frühen 14. Jahrhundert.

Wie lang ist der Königsbach-Weg?

9,7 Kilometer als Rundweg mit 328 Höhenmetern, Start und Ziel am Rathausplatz Wolfstein. Er verbindet beide Burgen.

Wer baute die Burg 1609 um?

Der kurpfälzische Amtmann Georg von Rosenfeld. Der Umbau dauerte mehr als drei Jahre und brachte unter anderem einen achteckigen Erker mit welscher Haube.

Quellen: KuLaDig: Burgruine Neu-Wolfstein am Königsberg; Pfalz.Touristik: Wolfstein, Königsbach-Weg. Stand: November 2026.