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Burgen & Felsen

Burg Neudahn bei Dahn: Felsenburg mit Zwillingsgeschützturm

Felsenburg mit Doppelgeschützturm aus dem 16. Jahrhundert

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am 1285 erwähnt · ganzjährig zugänglich

Burgruine aus rotem Sandstein auf einem Felsrücken mit hohem doppelten Rundturm, Herbstwald und ferne Hügel
Burg Neudahn Burgruine auf dem Kauert. Symbolbild

Kurz gesagt

Burg Neudahn steht auf dem Nordausläufer des Kauerts nordwestlich von Dahn. Das Bauwerk entstand im 13. Jahrhundert, 1285 wird es als „Burg Than“ greifbar. Zwischen den Ruinen im Dahner Felsenland sticht der rund 25 Meter hohe Zwillingsgeschützturm heraus. 1689 französisch zerstört, ist die Ruine ganzjährig zugänglich.

Wie kommt man zur Burg Neudahn?

Die Ruine liegt nordwestlich von Dahn auf dem Nordausläufer des Kauerts. Sie ist ganzjährig zugänglich; feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Auskünfte erteilt die Tourist-Information Dahner Felsenland in der Schulstraße 29 in Dahn, für die Burg selbst die Burgenverwaltung der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Drei markierte Wege führen heran: die Burg-Neudahn-Tour, der Dahner Rundwanderweg und der Felsenland Sagenweg.

Die Burg-Neudahn-Tour ist ein Premium-Spazierwanderweg von 5,3 Kilometern, für den man bei gemütlichem Tempo höchstens zweieinhalb Stunden braucht. Start und Ziel ist der Wanderparkplatz an der PWV-Hütte „Im Schneiderfeld“; markiert ist sie mit einer weißen Burg auf rotem Grund. Der Weg steigt zum Elwetritschefelsen mit weiter Aussicht auf, führt auf schmalen Pfaden zu den Felsgebilden Hexenpilz und Satansbrocken und erreicht dann die Ruine. Danach geht es durch das Felsentor, ein großes Loch im Fels, hinab ins Moosbachtal und am Naturschutzgebiet entlang an mehreren Seen vorbei zurück. Den Namen Elwetritsche erklärt die Seite Elwetritsche.

Der Dahner Rundwanderweg über 18,7 Kilometer führt am Burgenmassiv Alt-Dahn mit Grafendahn und Tanstein vorbei, der größten Burganlage der Pfalz, weiter über Römerfelsen und Jungfernsprung und dann an Satansbrocken und Hexenpilz zur Ruine Neudahn. Start und Ziel ist der Kurpark in Dahn. Nach Neudahn bietet der Abstieg ins Moosbachtal die Einkehr in der Dahner Hütte des Pfälzerwald-Vereins. Das Zeichen des Rundwegs ist für einen Euro in der Tourist-Information erhältlich. Der Aufstieg zur Burg gehört damit zu den Etappen, die sich gut mit den Felsen der Umgebung verbinden lassen, die auch die Seite Dahner Felsenpfad beschreibt.

Warum gibt es so viele Burgen bei Dahn?

Rund um Dahn stehen mehrere Burgen dicht beieinander: Altdahn, Grafendahn und Tanstein auf einem Felsmassiv, Neudahn auf dem Kauerts. Bis 1340 bezeichneten die Urkunden alle Burgen in und um Dahn unterschiedslos als „Burg Than“; erst ab diesem Jahr lassen sich Neudahn, Altdahn, Grafendahn und Tanstein klar auseinanderhalten. Das macht frühe Nennungen schwer zuzuordnen. Das Massiv aus drei Burgen beschreibt die Seite Dahner Burgen, die Landschaft die Seite Dahner Felsenland.

Wann und von wem wurde Neudahn gebaut?

Eine verbreitete Annahme führt den Bau auf Bischof Konrad IV. von Speyer aus dem Hause Dahn zurück, zwischen 1233 und 1236. Urkundlich ist das nicht zu belegen. Gesichert ist als Datum der Ersterwähnung das Jahr 1285: Damals überließ Wolfram II. von Dahn, der keine männlichen Erben hatte, die bereits bestehende Burg Than mit allem Zubehör seinen Schwägern Friedrich Vogt von Windstein und Anselm zu der Eichen als Unterlehen. Eigentlicher Oberlehnsherr von Burg, Gericht, Dörfern und Bauern war der Bischof von Speyer. Vielleicht baute schon Wolfram I., der zwischen 1259 und 1274 vorkommt, oder sein Sohn Wolfram II. die Burg. Zu welchem Zeitpunkt sie wirklich entstand, bleibt offen; das Gelände zeigt Mauerwerk des 13. Jahrhunderts.

Um 1340 verzeichnet das älteste Lehnbuch des Hochstifts Speyer, dass der auf Altdahn lebende Johann III. von Dahn auch Herr der ausdrücklich als Neudahn bezeichneten Burg auf dem Kauerts war. 1353 belehnte Bischof Gerhard ihn mit mehreren Burgen, darunter Neudahn. Nach 1365 teilten seine beiden Söhne das Erbe; Neudahn fiel an Heinrich IX., der die Neudahner Linie begründete. Weitere Zusammenhänge der Region zeigt die Seite Burgen im Wasgau.

Wie ging es mit den Herren von Dahn weiter?

Nach Heinrichs frühem Tod wurde Heinrich von Fleckenstein 1372 Vormund der unmündigen Söhne und räumte 1378 König Ruprecht I. das Öffnungsrecht ein. Johann VII., ein Sohn Heinrichs IX., wurde wegen Landfriedensbruchs angeklagt und verlor zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Burg. Der König ließ sie beschlagnahmen und bis 1403 vom kurpfälzischen Viztum Hanemann von Sickingen verwalten. Dann konnte die Familie zurückkehren, und der Bischof von Speyer belehnte sie 1403 erneut. Der Tod Heinrichs X. 1432 löste lange Erbstreitigkeiten aus, die nächste Belehnung folgte erst 1439. Auf Heinrich XI. folgten 1464 Nikolaus I. und 1488 Ulrich III.; nach dessen Tod 1508 gab es erneut Streit, der vier Jahre dauerte, bevor Christoph I. von Dahn die Burg erhielt.

Ungewöhnlich war 1552 der Besuch des französischen Königs Heinrich II., der auf einem Kriegszug auf Neudahn übernachtete; für die weitere Geschichte der Burg blieb das ohne Folgen. Bis 1560 blieb sie bei Christoph II. Nach seinem Tod bestimmte das Reichskammergericht 1561/62 Hans Jakob von Tanstein zum Vormund seiner vier unmündigen Kinder. 1567 belehnte Bischof Marquard von Speyer den ältesten Sohn Philipp II., 1571 wurde der Besitz neu geteilt, und Johann Christoph erhielt die Herrschaft Neudahn. Er war der Letzte, der die Burg bewohnte; 1587 wird er zuletzt erwähnt.

Hoher doppelter Rundturm aus glatten Quadern mit großen Geschützscharten und kleinen runden Schießscharten, Wald dahinter
Südseite Zwillingsgeschützturm. Symbolbild

Was geschah nach den Herren von Dahn?

Johanns Nachfolger waren 1589 bis 1593 Simon II. Wecker und dann Ludwig II., der in Burrweiler wohnte und die Burg Ende des 16. Jahrhunderts von einem Burgvogt verwalten ließ. Er war das letzte männliche Glied der weitverzweigten Familie von Dahn. Nach seinem Tod zog das Hochstift Speyer 1603 Neudahn als erledigtes Lehen ein und machte die Burg bis 1689 zum Sitz eines bischöflichen Amtskellers, eines Verwalters für Abgaben und Wirtschaft. Im Frühjahr 1622 besetzten mansfeldische Truppen die Burg im Dreißigjährigen Krieg vorübergehend. 1689 zerstörten französische Truppen sie im Pfälzischen Erbfolgekrieg weitgehend. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Von 1976 bis 1983 sicherte die rheinland-pfälzische Denkmalpflege die Ruine umfassend, 1977 räumte der Dahner Burgenverein auf. Die Ruine ist als Denkmalzone eingetragen.

Was ist von der Burg erhalten?

Neudahn umschloss ein äußerer Bering, der im Norden und Westen kaum noch zu erkennen ist und an der Hauptangriffsseite im Osten an die höher gelegene keilförmige Bastei anschloss. Die vielleicht schon im 13. Jahrhundert angelegte Ringmauer wurde im Spätmittelalter oder in der frühen Neuzeit mit Flankierungstürmen verstärkt. Einer steht ruinös in der Nordostecke; sein Sockel ist glatt gequadert, darüber zeigt das Mauerwerk Buckelquader mit Zangenlöchern. Ein zweiter Rundturm von rund sieben Metern Durchmesser deckte im Süden zusammen mit den Zwillingsgeschütztürmen den früheren Hauptzugang. Erhalten sind drei Schartenkammern und der Turmeingang.

Auffälligster Bau ist der etwa 25 Meter hohe Zwillingsgeschützturm an der Südseite des mächtigen Felsens: zwei unterschiedlich große Rundbauten mit einem Mitteltrakt, aus Glattquadern gemauert. Unten sitzen große Maulscharten mit „Schreckgesichtern“, darüber einfache Brillenscharten, im dritten Obergeschoss Brillenscharten mit Wulstrahmung. Die Schießscharten waren für Handfeuerwaffen gedacht, doch die Ausrichtung der Scharten zeigt: Der zu bestreichende Bereich im Vorfeld ist teils äußerst klein, und manche Scharten zielen ins Leere, sogenannte Scheinscharten. Die keilförmige Bastei im Osten, ein dreieckiges, hinten offenes Werk ähnlich einem Ravelin, hat drei Schlitzöffnungen für Hakenbüchsen dicht über dem Boden.

Diese Bauten gehören zum Umbau der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als man die Burg trotz vieler früherer Zerstörungen immer wieder aufgebaut und den militärischen Anforderungen der Zeit angepasst hat. Aus der mittelalterlichen Felsenburg wurde eine Anlage, die Pulverwaffen einsetzen konnte: Geschütztürme sichern den Zugang, die freistehende Bastei schützt die Angriffsseite, und die Scharten sitzen in gewölbten Kammern, in denen sich Schützen mit Handfeuerwaffen aufstellten. Der Zwillingsturm war weniger ein Wohnturm als ein Verteidigungsbau; die Wohnräume lagen im Palas auf dem Felsplateau und im rechteckigen Wohnhaus mit dem Treppenturm.

Auf dem Felsplateau in der vierten Ebene vermutet man die ältesten Bauten; hier haben nur im Westen und Süden Mauern des Originals überdauert. Im einst kreuzgewölbten Raum des „Palas“ sind zwei Fensternischen und Kaminreste erhalten. Ein Renaissance-Treppenturm erschließt die Obergeschosse eines rechteckigen Wohnhauses und das Plateau. An der Westseite fanden sich der Rest einer rechteckigen Tankzisterne und im unteren Bering ein heute verschütteter Brunnenschacht, der wohl mit einer gefassten Quelle am Nordwesthang zusammenhängt. Als Denkmal verzeichnet sind der Wohnbaurest der Oberburg aus dem 13. Jahrhundert, die Ringmauern der Unterburg mit zwei Flankierungstürmen, ein Wohnbau mit Treppenturm aus dem 15. und die Toranlage aus dem 16. Jahrhundert.

Pilzförmiger roter Sandsteinfelsen neben einem schmalen Waldweg mit Herbstlaub und Buchen
Burg-Neudahn-Tour Felsformation am Weg. Symbolbild

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Häufige Fragen zur Burg Neudahn

Ist die Burg Neudahn frei zugänglich?

Ja, die Ruine ist ganzjährig zugänglich. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht.

Wie lang ist die Burg-Neudahn-Tour?

5,3 Kilometer als Rundweg, bei gemütlichem Tempo höchstens zweieinhalb Stunden. Start ist der Wanderparkplatz an der PWV-Hütte „Im Schneiderfeld“.

Wann wurde Neudahn zerstört?

1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen. Wiederaufgebaut wurde die Burg nicht.

Was ist der Zwillingsgeschützturm?

Ein rund 25 Meter hoher Bau aus zwei Rundtürmen mit Verbindungstrakt, errichtet für Handfeuerwaffen. Er prägt die Südseite der Burg.

Wer wohnte zuletzt auf Neudahn?

Johann Christoph von Dahn, der 1587 zuletzt erwähnt wird. Danach ließen Verwalter die Burg betreuen, ab 1603 saß dort ein Amtskeller des Hochstifts Speyer.

Quellen: KuLaDig: Burgruine Neudahn bei Dahn; Pfalz.Touristik: Burgruine Neudahn; Dahner Felsenland: Burg-Neudahn-Tour. Stand: November 2026.