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Burgen & Felsen

Burgruine Neukastel bei Leinsweiler: Reichsburg über der Weinstraße

Reichsburg am Taleingang zum Trifels, heute Felsen mit Aussicht

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am 1123 erwähnt · jederzeit zugänglich

Burgruine auf einem hohen Felsen über einem Weindorf, Treppen führen zur Aussichtsplattform, Weinberge im Herbst
Burg Neukastel Felsen der Burg Neukastel. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Burgruine Neukastel liegt auf einem Felsen oberhalb von Leinsweiler an der Südlichen Weinstraße. Die Reichsburg wurde im frühen 12. Jahrhundert zum Schutz des Taleingangs zur Burg Trifels angelegt, später kurpfälzisch und zweibrückisch. Erhalten sind Felsen, Fundamentbetten und Gräben; die Ruine ist jederzeit zugänglich.

Wie kommt man zur Burgruine Neukastel?

Die Ruine erreicht man vom Dorf Leinsweiler über den Parkplatz am Slevogthof auf einem steilen, ausgeschilderten Weg. Man betritt das Burgareal heute wie früher über einen vorgelagerten Erdwall. Dahinter zieht sich an der Hauptangriffsseite von Nordost nach Südwest der Halsgraben hin, teils verschüttet, aus dem Fels gemeißelt und auf der Burgseite aufgemauert. In seiner Mitte erkennt man den Rest eines Steinsockels, auf dem einst eine Brücke auflag; Mitte des 16. Jahrhunderts wird sie im Zusammenhang mit einem Kräutergarten erwähnt. Die Ruine ist jederzeit frei zugänglich; Treppen führen auf den Felsen hinauf.

Eine Pförtnerstube auf der Nordostseite markierte den Zutritt zur Unterburg. Hier begannen und endeten der langgestreckte, ovale Bering und der später vorgelegte Zwinger. An der Nordseite des Felsens führte ein durch Tore gesicherter Aufgang zur Plattform der Oberburg, dem Standort von Bergfried und Palas; später ersetzte ihn ein Treppenturm. Heute bietet die Aussichtsplattform auf dem Felsen einen weiten Blick auf Leinsweiler, die Madenburg und das Rebenmeer der Südlichen Weinstraße. Schon die Burg hatte freie Sicht auf die Rheinebene und Sichtkontakt zu mehreren Burgen im Umfeld der Reichsburg Trifels, etwa Burg Scharfenberg und Neuscharfeneck.

Als Wanderziel liegt Neukastel an der Leinsweiler Burgen-Tour, einer Rundtour von 13 Kilometern. Sie startet an der Sonnenberghalle in Leinsweiler, führt in das Biosphärenreservat Pfälzerwald und über die Ruinen Scharfenberg und Anebos zur Reichsburg Trifels. Auf dem Rückweg bietet der Aussichtspunkt Wettereck den Blick auf die drei Burgen Trifels, Anebos und Münz, bevor Neukastel die vierte Burg der Runde ist. Der Aufstieg summiert sich auf 554 Höhenmeter, die Gehzeit beträgt rund viereinhalb Stunden, markiert ist der Weg rot mit der Burg Trifels. Der Abstieg vom Burgfelsen führt am Slevogthof vorbei, wo der Impressionist Max Slevogt Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und malte, und über Serpentinen an der Martinskirche vorbei zurück ins Dorf. Mehr Rundwege bündelt die Seite Burgenwanderungen.

Was ist von der Burg Neukastel erhalten?

Die Burg war zweigeteilt. Den frei stehenden, 20 Meter hohen Burgfelsen umgab die Unterburg mit einem Umfang von rund 120 mal 40 Metern; auf dem Felsen selbst saß die Oberburg. Der Felsen misst unten etwa 40 mal 20 Meter, oben nur 25 mal 6 Meter. Von den Gebäuden der Unterburg sind außer einer Felskammer, einer Treppe und wenigen Fundamentrillen keine sichtbaren Spuren geblieben. Die Ringmauer ist nur auf der Südseite als etwa 20 Meter langes Rudiment erhalten, und zwar als Füllmauerwerk: Die bearbeiteten Quader der Außenschale wurden abgetragen. Eine in den Fels geschrotete Fundamentgründung auf der Ostseite zeigt, dass der Bering rund 1,5 Meter stark war.

Balkenlöcher in unterschiedlicher Höhe verraten, dass sich in einer ersten Bauphase Gebäude an die Felswand lehnten. Weiter unten finden sich Halterungen zum Anbinden von Tieren, dort lagen also Stallungen. Sechs auffallend große Balkenlöcher an der Südseite deuten auf ein mehrstöckiges Steinhaus hin. Diese älteren Bauten wurden später abgebrochen und als randständige Gebäude entlang der Ringmauer neu errichtet; ein Plan aus dem frühen 17. Jahrhundert gibt sie wieder. Nur das Fundament des sogenannten alten Kellerhauses ist teilweise noch zu erkennen.

Der Aufgang zur Oberburg blieb über die Jahrhunderte am selben Platz. Zuerst führte wohl eine Holzrampe zur ersten von 23 Stufen einer etwa ein Meter breiten Treppe, die am Felsen entlang zum Plateau stieg. Die Rampe, rund zwei Meter hoch, ersetzte später ein runder Treppenturm, der 1624 „Schneck“ genannt wird. Drei Windungen zur Aufnahme hölzerner Stufen sind erhalten. Unweit davon liegt der spitzbogige Eingang zu einem unvollendeten Felsenkeller: Eine Stützsäule mit Basis und Kapitell blieb unfertig und sollte die Decke eines wohl doppelt so großen Raumes tragen. Daneben erkennt man eine trichterförmige Vertiefung, den Rest eines später angelegten Ziehbrunnens mit Brunnenhaus.

Der Bergfried stand auf einem etwas tiefer gelegenen Absatz an der nordwestlichen Angriffsseite. Er deckte die Wohnbauten der Oberburg ebenso wie Wall, Graben, Brücke und Zwinger. Mit etwa 13 Metern äußerer Breite war er so mächtig, dass die Burg keine Schildmauer brauchte. Der geländebedingt schwach fünfeckige Turm hatte eine Mauerstärke von rund 1,70 Metern; die zweischalige Mauer trug außen Buckelquader mit Randschlag. Auf der Südseite wurden Sockel und fünf untere Quaderreihen freigelegt. Die Innenfläche von rund 130 Quadratmetern lässt bei drei Geschossen an einen Wohnturm denken, wozu Funde von Ofenkacheln im Turminneren passen.

Felswand aus rotem Sandstein mit Balkenlöchern und einer eingehauenen Treppe, darunter ein aus dem Fels gemeißelter Graben, Moos und Herbstlaub
Unterburg Balkenlöcher und Felsgraben. Symbolbild

Auf halber Höhe des Oberburgfelsens führen etwa ein Meter breite Bankette aus dem Sandstein rund um den Fels. Sie dienten als Fundament für aufgehendes Mauerwerk, mit dem man die Grundfläche des Plateaus vergrößerte, und gehören zu einer späteren Umbauphase. Auf dem Plateau selbst nahm ein langgestrecktes, zweigeteiltes Gebäude von 20 mal 7 Metern den ganzen Südteil ein. Dort sind das in der frühen Neuzeit erwähnte Fürstengemach, die Frauenzimmerkammer und die Essstube zu suchen. Im Untergeschoss am Nordende des Palas lag eine Zisterne.

Eine Burgkapelle ist im 13. Jahrhundert zumindest nicht ausgeschlossen, denn Messbücher, ein Kelch und ein Messgewand werden damals erwähnt. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wird mehrfach eine Kapelle mit Glocke genannt; ihr Standort ist unbekannt. Für das Wasser sorgten neben dem jüngeren Brunnen in der Unterburg die Zisterne der Oberburg und die nahe Quelle Kaltenbrunn.

Wann entstand die Reichsburg Neukastel?

Die frühe Geschichte ist unbekannt, vor allem das Baujahr. Fest steht, dass sich 1123 mit Heinrich von Neukastel ein Adliger nachweisen lässt, der sich offenbar nach der Burg nannte. Otto und Berenger von Neukastel stehen 1156 und 1176 in den Zeugenlisten kaiserlicher Urkunden, was ihren Status als Reichsministeriale belegt. Neukastel ist damit schon in dieser Zeit als Reichsburg anzusprechen. Sie sicherte den Taleingang zur Reichsburg Trifels, auf der die Reichskleinodien lagen, und liegt wenige Kilometer von ihr entfernt. Mehr zur Nachbarin erzählt die Seite Burg Trifels.

Zugleich blühte das Ministerialengeschlecht. Ludwig (1198 bis 1209) erscheint häufig im Umfeld König Philipps von Schwaben, Balduin (1209 bis 1249) wirkte bei König Heinrich (VII.), und Heinrich (1237 bis 1276) war zuletzt Dompräbendar in Speyer. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts endete die Zugehörigkeit der Herren von Neukastel zu ihrer Burg: 1246 weilte König Konrad IV. auf dem Trifels, und Isengard, die Frau des abwesenden Reichstruchsessen Philipp I. von Falkenstein, übergab ihm zusammen mit den Reichskleinodien unter anderem die Burg Neukastel.

1252 und 1255 nannte sich Ludwig von Schüpf nach der Burg, dessen Familie rechts des Rheins beheimatet war. Der Zugriff fiel ihm als Landvogt im Speyergau leichter. Burg und Amt blieben lange zusammen: Am Ende des 13. Jahrhunderts stritten Graf Friedrich IV. von Leiningen und sein Sohn Friedrich V. mit Heinrich von Banacker um Rechte, darunter die Speyerer Landvogtei und Neukastel, und ein Schiedsgericht entschied, beides künftig als Einheit zu sehen. 1310 berief König Heinrich VII. Graf Georg von Veldenz zum Landvogt im Speyergau. Er knüpfte die Amtsübergabe an eine Bauverpflichtung: Der Graf musste binnen eineinhalb Jahren 1.200 Pfund Heller an den beiden Reichsburgen Trifels und Neukastel verbauen.

Wie kam Neukastel an die Pfalzgrafen?

1330 verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer beide Nachbarburgen mit weiteren Objekten für 6.000 Mark Silber an die Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I., die als Landvögte im Speyergau amtierten. Das führte schrittweise zum Verlust des Reichsburgstatus. Die Pfalzgrafen bewohnten die Anlagen nicht; die Geschäfte erledigte der kurpfälzische Viztum mit Sitz in Neustadt. Eine Erbteilung brachte das Reichspfand 1353 an Kurfürst Ruprecht I.

Die Kurpfalz gab Neukastel in der Folge als Lehen an Gefolgsleute, vor allem Konrad und später Kunz Landschad von Steinach sowie Schweikhard und später Hanemann von Sickingen. Die Lehnsnehmer hatten Pflichten übernommen: 1403 und 1407 wurde gebaut. Für einen Zwinger wurden 400 Gulden aufgewendet, später unter Hanemann von Sickingen weitere 100 Gulden. Mehr über die Landschaft jener Zeit erzählt die Seite Kurpfalz.

Welche Rolle spielte Neukastel unter Pfalz-Zweibrücken?

1410 teilten die Söhne König Ruprechts die pfälzischen Kurlande. Neukastel und Trifels fielen Herzog Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken zu, und damit endete auch rechtlich der Status der Reichsburg. Man richtete das Amt Neukastel ein. Pfalzgraf Kaspar von Pfalz-Zweibrücken machte die Burg zum Witwensitz seiner Frau Amalie von Brandenburg. 1479, zwei Jahre vor ihrem Tod, lebten dort drei Ritter, darunter der Landschreiber, drei Reisige, der Keller, eine Küchenmagd und ein Pförtner, dazu Bedienstete von auswärts.

Im Bauernkrieg 1525 war auch Neukastel betroffen; ob die Burg geplündert und zerstört oder nur besetzt wurde, bleibt offen. Bald darauf ließ Herzog Ludwig II. die Unterburg mit einem feuerwaffentauglichen Rondell verstärken. 1558 stellte Pfalz-Zweibrücken Trifels und Neukastel unter gemeinsame Aufsicht, Dienstsitz des Haupt- und Hausmanns war Neukastel; erste Hauptleute waren Niclas von Harracorte und Georg Wiechmann. Schon um 1579 verlegte man den Oberamtssitz nach Bergzabern, die Burg war nur noch eine nachgeordnete Kellerei.

Der letzte Aufschwung war ein Plan: Das Testament Herzog Johanns I. von 1591 wies Schloss und Amt Neukastel seinem jüngsten Sohn Johann Casimir zu. Er wollte die Burg ausbauen und als Residenz nutzen, doch der Zustand war desolat. 1606 sollte sie instand gesetzt werden, was misslang; 1611 blieb sie unbewohnbar. Ob Johann Casimir die notdürftig hergerichtete Anlage je nutzte, ist ungewiss. Ab 1618 wohnte der Pfalzgraf auf Schloss Kleeburg. Eine Bestandsaufnahme der Gebäude von etwa 1620 zeugt von weiteren Umbauplänen, die sein Wegzug nach Schweden 1622 beendete.

Blick von einer Felsplattform über Weinberge und ein Dorf in die weite Rheinebene, im Dunst ferne Burgruinen auf Hügeln
Oberburg Aussicht von der Plattform. Symbolbild

Wie ging die Burg Neukastel unter?

Im Dreißigjährigen Krieg blieb die Burg zunächst verschont, nach Kriegsende aber war sie weitgehend ruiniert. Man stellte nur die Ringmauer und ein Gebäude als Wohnung des herzoglichen Amtskellers wieder her. Französische Truppen zerstörten Neukastel schließlich endgültig, sodass die Kellerei nach Bergzabern verlegt werden musste. Die aufgelassene Ruine diente als willkommener Steinbruch: Bewohner der umliegenden Dörfer trugen die Reste ab, sodass sie schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen der heutigen glich.

Heute ist die Ruine als Denkmalzone eingetragen. Die Spuren der Bearbeitung im Fels sind bemerkenswert, die Mauerreste gering. Wer auf dem Felsen steht, erkennt dennoch die Lage der Burg: Sie sah auf die Rheinebene und hielt Verbindung zu den Reichsburgen im Hinterland. Zur Einordnung hilft die Seite Burgengeschichte.

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Häufige Fragen zur Burgruine Neukastel

Ist die Burgruine Neukastel frei zugänglich?

Ja, die Ruine ist jederzeit zugänglich. Treppen führen auf den Felsen, die Aussichtsplattform bietet einen weiten Blick auf Leinsweiler und die Weinberge.

Wie lang ist die Leinsweiler Burgen-Tour?

13 Kilometer mit 554 Höhenmetern, rund viereinhalb Stunden. Sie verbindet Scharfenberg, Anebos, Trifels und Neukastel; Start und Ziel ist die Sonnenberghalle in Leinsweiler.

Seit wann gibt es Neukastel?

Das Baujahr ist unbekannt. 1123 ist mit Heinrich von Neukastel ein Adliger belegt, der sich nach der Burg nannte; im 12. Jahrhundert war sie bereits Reichsburg.

Wer wohnte zuletzt auf Neukastel?

Zuletzt der herzogliche Amtskeller in einem wiederhergestellten Gebäude. Residenzpläne für Johann Casimir von Pfalz-Zweibrücken scheiterten, schon 1611 war die Burg unbewohnbar.

Was hat Neukastel mit dem Slevogthof zu tun?

Der Slevogthof liegt unterhalb der Ruine, der Parkplatz dort ist Ausgangspunkt des Aufstiegs. Der Impressionist Max Slevogt lebte und malte dort Anfang des 20. Jahrhunderts.

Quellen: KuLaDig: Burgruine Neukastel bei Leinsweiler; Pfalz.Touristik: Burgruine Neukastel; Südliche Weinstraße: Leinsweiler Burgen-Tour. Stand: November 2026.