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Burgen & Felsen

Burg Neuscharfeneck bei Dernbach: Schildmauer und Sage

Eine der größten Burgruinen der Pfalz mit mächtiger Schildmauer

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am Schildmauer rund 60 m lang · rund 500 m Höhe

Riesige Schildmauer aus Buckelquadern auf einem bewaldeten Höhenrücken mit tief eingeschnittenem Felsgraben davor
Neuscharfeneck Schildmauer mit Halsgraben. Symbolbild

Kurz gesagt

Neuscharfeneck bei Dernbach ist eine der größten Burgruinen der Pfalz: rund 150 Meter lang, mit einer 60 Meter langen und etwa 20 Meter hohen Schildmauer. Sie entstand im 13. Jahrhundert, wurde 1525 und im Dreißigjährigen Krieg zerstört und liegt auf rund 500 Metern im Flemlinger Wald. Stand Oktober 2026 ist sie wegen Instandhaltung geschlossen.

Kann man Neuscharfeneck besichtigen und wie kommt man hin?

Stand Oktober 2026 ist die Ruine wegen Instandhaltung geschlossen und nur von außen zu besichtigen. Die Burg ist ohnehin nur zu Fuß erreichbar, eine Zufahrt mit dem Auto gibt es nicht. Vom Wanderparkplatz am Ortsausgang von Dernbach läuft man den rot-weißen Markierungen des Pfälzerwald-Vereins oder dem Pfälzer Weinsteig bergauf zum Dernbacher Haus und zur Landauer Hütte und weiter auf dem Weinsteig zur Ruine; das dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Ebenso lange braucht man vom Waldparkplatz Drei Buchen hinter Ramberg. Von Landau aus fährt man über die B 10 Richtung Annweiler und nimmt die Ausfahrt Dernbach/Ramberg.

Die Ruine liegt rund einen Kilometer Luftlinie östlich von Ramberg und Dernbach im Flemlinger Wald. Zu den Nachbarburgen gehören die Ramburg, 1,8 Kilometer Luftlinie nordwestlich, die Burg Meistersel, 2,3 Kilometer nördlich, und die Reste der älteren Burg Altscharfeneck, drei Kilometer südöstlich. Eine Rundwanderung durch alle drei bekannten Ruinen beschreibt die Seite Ramburg bei Ramberg; den Fernwanderweg Pfälzer Weinsteig stellt die Seite Pfälzer Weinsteig vor. Auch Einkehr gibt es unterwegs: die Landauer Hütte unterhalb der Burg und das Waldhaus Drei Buchen sind teils nur am Wochenende geöffnet.

Wer baute Neuscharfeneck?

Die erste Bauphase fällt in den Anfang des 13. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteten die Herren von Scharfeneck die Burg als Familiensitz der Seitenlinie Scharfeneck-Metz; Johann von Scharfeneck-Metz ist der erste bekannte Vertreter. Ein genaues Gründungsdatum ist nicht belegt. 1382 wird eine „Nuwenburg“ in einer Grenzbeschreibung erwähnt, die man mit Neuscharfeneck gleichsetzt. Bis ins späte 15. Jahrhundert nannte man Alt- und Neuscharfeneck oft gemeinsam „Scharfeneck“, was die Zuordnung der Urkunden erschwert.

Im frühen 14. Jahrhundert wurden Teile der Burg an die Herren von Kirrweiler und an das Hochstift Speyer verpfändet. 1363 trug Heinrich III. von Scharfeneck die Burg der Kurpfalz zu Lehen auf und erhielt sie als Mannlehen zurück; die Scharfenecker wurden damit Dienst- und Lehensleute der Pfalzgrafen, die sich das Öffnungsrecht sicherten. Als die Linie Scharfeneck-Metz 1416 ausstarb, fiel die Burg an die Kurpfalz, die sie erneut als Lehen vergab. 1469 löste Pfalzgraf Friedrich I., der Siegreiche, die Burg wieder ein und begründete die Herrschaft Scharfeneck neu. Die Kurpfalz im Überblick stellt die Seite Kurpfalz dar.

JahrEreignis
13. JahrhundertBau durch die Herren von Scharfeneck
1363Burg wird der Kurpfalz zu Lehen aufgetragen
1416Linie Scharfeneck-Metz erlischt, Burg fällt an die Kurpfalz
1469Pfalzgraf Friedrich I. löst die Burg ein
bis 1472Ausbau zur Festungs- und Residenzanlage
1525im Bauernkrieg erobert und niedergebrannt
1577Burgordnung unter Graf Heinrich
1622/23erste Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg
1633/34Schweden besetzen die Burg und versuchen sie zu sprengen
1820Burg fällt als Steinbruch an die Gemeinde Flemlingen
1971Gründung des Scharfeneck-Vereins

Warum gehörte die Burg zu den modernsten ihrer Zeit?

Bis 1472 baute Friedrich I. die Burg zu einer modernen Festungs- und Residenzanlage aus; sie gehörte damals zu den modernsten Burgen im süddeutschen Raum. Nach seinem Tod 1476 übernahm sein Sohn Ludwig I. die Herrschaft und begründete die Linie Löwenstein-Scharfeneck; ab 1492 nennt er sich Graf von Löwenstein am Neckar. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg erobert und in Brand gesetzt, bis 1530 aber wiederaufgebaut und erweitert. Mitte des 16. Jahrhunderts war sie eine der größten Burgen der Region und dauerhaft bewohnt. Unter Graf Heinrich regelte 1577 eine Burgordnung das Zusammenleben der Bewohner; bis 1580 folgten weitere Ausbauten, vermutlich mit prächtiger Ausstattung der Wohnräume.

Der Dreißigjährige Krieg beendete diese Zeit: 1622/23 wurde die Burg erstmals zerstört und danach nicht mehr als Wohnburg genutzt. 1633/34 hielt eine schwedische Besatzung sie kurzzeitig und versuchte, sie vollständig zu sprengen. Danach verfiel sie; die umliegenden Dörfer holten sich Steine, und 1820 fiel die Ruine als Steinbruch an die Gemeinde Flemlingen. Wie die Pfalz zu so vielen Burgen kam und wie sie verfielen, erläutert die Seite Warum hat die Pfalz so viele Burgen?.

Felsgraben und Torturmruine einer großen Burg im Wald mit Moos auf den Steinen
Halsgraben Halsgraben und Torturm. Symbolbild

Was macht die Schildmauer so besonders?

Die Schildmauer schützt die Ostseite, die Hauptangriffsseite, gegen den Höhenkamm. Sie wurde im 13. Jahrhundert angelegt und im 15. Jahrhundert stark ausgebaut und verstärkt, besonders auf der Nord- und Südseite. Im Mittelteil gibt es rondellartige, angeschrägte Anbauten. Heute ist sie rund 60 Meter lang, etwa 20 Meter hoch und bis zu 12 Meter stark. Im Inneren liegen Kammern, Kasematten und Gänge, darunter eine Verbindung zum Palas, dazu drei Öffnungen zum Halsgraben und ein Kellerraum unter dessen Niveau. Die Mauer war mit Kanonen und Geschützplattformen bewehrt und zählt zu den größten ihrer Art in Südwestdeutschland. Zusammen mit dem Halsgraben riegelt sie die Burg vom Berg ab: Der Graben wurde aus dem Fels geschrotet, im 13. Jahrhundert angelegt und im 15. Jahrhundert auf etwa 22 Meter verbreitert.

Wie ist die Gesamtanlage aufgebaut?

Die Burg ist ein langgestrecktes Dreieck: rund 150 Meter lang und an der Schildmauer bis zu 60 Meter breit. Sie besteht aus einer rechteckigen Hauptburg mit Ober- und Unterburg, der Schildmauer im Osten, einer Vorburg im Westen und einer umlaufenden Ringmauer mit Wehrgang. Seitlich sichern steile Hänge. Die Oberburg auf dem Zentralfelsen ist etwa 30 Meter lang, 7 Meter breit und 10 Meter hoch; der Zugang führte über einen höher gelegenen Toreingang von Norden. Von ihr ist kaum Originalsubstanz erhalten, weil sie im Spätmittelalter fast vollständig abgetragen wurde.

Die Unterburg liegt südlich und nördlich des Zentralfelsens, mit einem äußeren Burghof im Süden und einem inneren im Norden sowie Zwingeranlagen. Im 15. Jahrhundert entstand der dreigeschossige Palas an der Nordseite des inneren Hofs: Im Erdgeschoss lagen Küche, Burgvogtwohnung, Archiv und Wachstube, im ersten Obergeschoss Rittersaal und Saalstube, im zweiten die Wohn- und Schlafräume des Burgherrn. An der Nordseite sitzen zwei nebeneinanderliegende Standerker. Die trapezförmige Vorburg im Westen diente überwiegend der Wirtschaft; in der Nordwestecke stand ein dreigeschossiges Stallgebäude mit Geschützen im Erdgeschoss und Schießscharten in den Obergeschossen. Der Hauptzugang lag im Westen, geschützt durch einen runden Flankierungsturm.

Wie versorgte sich die Burg mit Wasser?

Im 13. Jahrhundert gab es einen Brunnenschacht im Zentralfelsen und vier stichbogig überwölbte Zisternenbecken im inneren Hof, die an den Felsfuß gehauen waren und Regenwasser von den Dächern auffingen; sie dienten als Wasserbecken, Viehtränke und teils als Fischbecken. Im 15. Jahrhundert wurde der Brunnenschacht zur Brunnenstube umgebaut. Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine rechteckige Brunnenstele aus Sandstein hinzu, etwa 1,5 Meter hoch. Eine rund zwei Kilometer lange Ton- und Deichelleitung führte Quellwasser von der höher gelegenen Roßbergquelle heran; danach gab man den Brunnenschacht auf.

Wer erhält die Ruine?

Erste Erhaltungsmaßnahmen leistete in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Gleisweilerer Verschönerungsverein mit Aufräumarbeiten. 1888 entstand eine Treppe zum Torturm der Vorburg. Seit 1971 kümmert sich der Scharfeneck-Verein um Erhalt und Renovierung. Erhalten sind Reste der Vorburg mit dem Torturm und einem Stück der Südmauer der Torgasse, die Ringmauer, Teile der Oberburg, die Außenmauer des Südzwingers, Teile des Palas einschließlich des „Kapellenerkers“ nördlich des Zentralfelsens und die verhältnismäßig gut erhaltene Schildmauer. Als Kulturdenkmal ist die Ruine als Denkmalzone eingetragen.

Welche Sage erzählt man über Neuscharfeneck?

Die Sage vom „Einaug von Scharfeneck“ handelt von einem bösen Schlossherrn, der Bauern, Kaufleute und Geistliche bedrückte. Er begehrte die Frau des Ritters von Ramberg und beauftragte einen Knecht, den Ritter zu töten. Ein erster Anschlag mit einem Pfeil schlug fehl, beim zweiten auf der Ramburg tötete der Knecht im falschen Zimmer versehentlich seinen eigenen Herrn. Der Geist des Ritters spukt der Sage nach 700 Jahre auf der Burg und in Dernbach. Ein Versuch, ihn zu erlösen, scheiterte, als ein dunkles Untier einen Pottaschesieder vertrieb, der mit einer goldenen Rose eine schwarze Kiste öffnen sollte.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zu Neuscharfeneck

Ist Neuscharfeneck geöffnet?

Stand Oktober 2026 nicht: Die Ruine ist wegen Instandhaltung geschlossen und nur von außen zu besichtigen.

Wie lange dauert der Weg zur Burg?

Von Dernbach oder vom Waldparkplatz Drei Buchen jeweils etwa 45 bis 60 Minuten zu Fuß.

Wie groß ist die Schildmauer?

Rund 60 Meter lang, etwa 20 Meter hoch und bis zu 12 Meter stark. Sie gehört zu den größten ihrer Art in Südwestdeutschland.

Wer kümmert sich um die Ruine?

Der Scharfeneck-Verein, der 1971 gegründet wurde. Die Burg selbst gehört zur Gemarkung Flemlingen.

Was ist der Unterschied zu Altscharfeneck?

Altscharfeneck bei Frankweiler ist die ältere Burg. Neuscharfeneck entstand später; bis ins späte 15. Jahrhundert wurden beide oft einfach „Scharfeneck“ genannt.

Quellen: KuLaDig: Burgruine Neuscharfeneck bei Dernbach; Südliche Weinstraße: Burgruine Neuscharfeneck; Südliche Weinstraße: Ramberg, Drei Burgen Weg; Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3 (Keddigkeit/Übel 2005). Stand: Oktober 2026.