Burgen & Felsen
Burg Scharfenberg (Münz) bei Annweiler: Bergfried und Geschichte
Südlichste der drei Burgen über Annweiler mit 20 Meter hohem Bergfried

Kurz gesagt
Die Burgruine Scharfenberg, volkstümlich Münz genannt, steht über Annweiler am Trifels und ist die südlichste der drei Burgen Trifels, Anebos und Scharfenberg. Wahrzeichen ist der 20 Meter hohe Bergfried aus Buckelquadern. Die Burg ist seit 1154 belegt, wurde 1525 im Bauernkrieg niedergebrannt und bis Oktober 2024 saniert.
Wo liegt die Burg Scharfenberg und wie kommt man hin?
Die Ruine liegt über Annweiler am Trifels auf einem kegelförmigen Gipfel des Sonnenbergs. Trifels, Anebos und Scharfenberg stehen in einer Reihe von Nordwest nach Südost, Scharfenberg ist die südlichste. Die Anfahrt erfolgt über die Trifelsstraße; Parkplätze liegen am Windhof, an der Ahlmühle und „An den Schlossäckern“, von dort führen steile Pfade zur Burg, teils entlang der ehemaligen Wachtfelsen. Der Bahnhof Annweiler am Trifels liegt etwa 900 Meter vom Startpunkt des Annweilerer Burgenwegs entfernt. Die Stadt und ihre Umgebung stellt die Seite Annweiler am Trifels vor, den Hauptsitz der Staufer die Seite Burg Trifels.
Der Annweilerer Burgenweg ist ein ausgezeichneter Premiumweg mit dem Deutschen Wandersiegel. Er ist 7,7 Kilometer lang, braucht etwa 2 Stunden 30 Minuten und hat 398 Meter Aufstieg bei einem höchsten Punkt von 482 Metern und einem tiefsten von 199 Metern. Er beginnt am Wanderparkplatz P1 an der Markwardanlage in Annweiler und verbindet Windhof, Scharfenberg, den Fensterfelsen, Anebos, den Parkplatz Schlossäcker und den Trifels. Die Tour führt durch Laubwald und über schmale Pfade, stellenweise ist Trittsicherheit nötig, und einige Felsen sind nicht gesichert. Stand Oktober 2026 meldet die Seite eine Wegesperrung im Bereich der Tour. Einkehr bieten die Gaststätte Barbarossa am Parkplatz Schlossäcker, das Naturfreundehaus Annweiler und die Innenstadt. Die Burg Trifels ist im Dezember und Januar geschlossen. Zwischen Trifels und Annweiler gibt es Info- und Spielstationen, daher ist der Weg familienfreundlich; mit dem Kinderwagen ist er nicht begehbar, Hunde gehören an die Leine, und im Herbst kann Laub Unebenheiten verdecken. Mit dem Auto fährt man über die A 65, Ausfahrt Landau-Nord, und weiter auf der B 10 bis Annweiler. Weitere Burgwanderungen in der Pfalz sammelt die Seite Burgenwanderungen.
Was ist über die Gründung und die Herren von Scharfenberg bekannt?
Die Entstehung der Burg ist nicht überliefert. Die Erbauer nannten sich nach ihr und gehörten vermutlich zum Gefolge Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. 1154 erscheint Berthold I. erstmals als Zeuge in einer Königsurkunde, die Burg muss also früher bestanden haben. Seine Söhne waren Konrad, Berthold II. und Heinrich. 1219 gründete Heinrich eine Nebenlinie mit einer eigenen Burg, Scharfeneck. Mit Peter von Scharfenberg erlosch 1305 die Hauptlinie. 1334 erwarb das Kloster Weißenburg die Burg, die Reichslehen blieb.
Die Fürstenkriege 1459 bis 1462 und 1469 bis 1472 trafen auch Scharfenberg: Herzog Ludwig der Schwarze von Veldenz und Pfalz-Zweibrücken und Kurfürst Friedrich I., der Siegreiche, als Schirmvogt von Weißenburg stritten, die Burg war zeitweise unbewohnt und verfiel. 1500 übertrug der Abt von Weißenburg die Besitzrechte an Herzog Alexander von Pfalz-Zweibrücken. Ein vereinbarter Verkauf an Graf Löwenstein-Scharfeneck kam 1521 nur teilweise zustande, Bindersbach mit Waldanteilen ging an die Herrschaft Neuscharfeneck, die die Seite Neuscharfeneck bei Dernbach beschreibt. 1525 eroberten aufständische Bauern die Burg und brannten sie nieder, nachdem die Besatzung abgezogen war. Seitdem ist Scharfenberg eine Ruine.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1154 | Berthold I. von Scharfenberg erstmals als Zeuge genannt |
| 1219 | Heinrich gründet die Nebenlinie Scharfeneck |
| 1305 | mit Peter von Scharfenberg erlischt die Hauptlinie |
| 1334 | Kloster Weißenburg erwirbt die Burg |
| 1459 bis 1472 | Fürstenkriege, Burg zeitweise unbewohnt |
| 1500 | Besitzrechte an Pfalz-Zweibrücken |
| 1525 | im Bauernkrieg niedergebrannt |
| 1861 | umfangreiche Restaurierung |
| 2021 bis 2024 | Sanierung, abgeschlossen im Oktober 2024 |
Wer war Konrad von Scharfenberg?
Konrad, der älteste Sohn Bertholds I., war Reichsministeriale, später Bischof von Speyer und zusätzlich von Metz. Er beriet und vertrat als Gesandter fünf Könige: Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II. und Heinrich. Das Notarshandwerk lernte er in der Kanzlei Heinrichs VI., unter Philipp leitete er die königliche Kanzlei. Er war Zeuge der Ermordung Philipps und ließ die Reichskleinodien sichern und auf den Trifels bringen, um sie Otto IV. zu übergeben. Seine Geburt liegt vermutlich zwischen 1160 und 1165 auf Scharfenberg. Sein Grab befindet sich in der Königsgruft des Doms zu Speyer, den die Seite Speyerer Dom beschreibt.

Woher kommt der Name Münz?
Der Name Münz ist seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts volkstümlich belegt. Dass hier eine Münzprägestätte bestand, ist falsch; der Name geht wahrscheinlich auf das lateinische munitio zurück, das Befestigungswerk. Eine Karte von 1780 nennt den Felsen „Müntz“ und meint den befestigten Hasfelsen. Im 19. Jahrhundert wurde der Name auf die Burg übertragen. Der Spitzname ist historisch nicht belegt.
Wie ist der Bergfried gebaut?
Der Bergfried steht dicht an der nördlichen Felskante, hat einen quadratischen Grundriss mit unter 7 Metern Seitenlänge und ist heute etwa 20 Meter hoch, ursprünglich ein Geschoss höher. Der Eingang liegt in rund 10 Metern Höhe; die Außenseite ist mit Buckelquadern verkleidet. Im Inneren führt ein schmaler, mit Steinplatten gedeckter Gang zu einem tiefen Schacht von etwa 1 mal 1 Meter, der rund einen Meter über das Gangniveau hinausreicht; erst über eine Bodenöffnung erreicht man das Turmgemach. Dieses war durch eine Balkendecke in zwei Stockwerke geteilt, jedes mit einem schmalen Fenster. Ein Fluchtversuch aus dem Schacht hätte den Sturz in den Tod bedeutet. Eine Überlieferung des 19. Jahrhunderts nennt die Burg ein Gefängnis für bedeutende Gefangene. Abbildungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen den Turm deutlich höher.
Wie ist die übrige Burg aufgebaut?
Die Kernburg liegt auf dem dreieckigen Zentralfelsen, vermutlich dem ältesten Teil. Der Felsblock ist etwa 35 Meter lang und im Norden rund 12 Meter breit, eingeebnet zu einem kleinen Burghof. Westlich lehnten die Gebäude des Burgherrn und der engsten Dienstleute an, wohl zwei Wohnbauten mit mindestens einem Obergeschoss; heute sind nur noch Grundmauern erkennbar. Der Zugang war eine schmale, teils in den Fels gehauene Treppe an der Felswand bis zur Wachtstube im Felsinneren. In halber Höhe brach die Treppe hinter einer Pforte ab, die Lücke überbrückte vermutlich ein leicht entfernbares Holzgerüst. Hinter der Wachtstube knickt der Weg nach rechts ab; dieser Abschnitt war von außen nicht einsehbar, die Verteidiger konnten die Angreifer von innen beschießen. 1861 entstand ein steinernes Podest, das im Winter 1993/94 nach starken Regenfällen einstürzte; die heutige Treppe ist deutlich zu breit und entspricht nicht dem Original.
Der westliche Burghof bildet die tiefste Ebene, mit einer äußeren Ringmauer von Nord nach Süd, an die Wirtschaftsgebäude angelehnt waren. Unter Schutt aus dem Bauernkrieg wird ein verschütteter Brunnen vermutet. Die zweite Ebene liegt östlich des Zentralfelsens; dort ist der Stumpf eines Buckelquaderturms erhalten, der „Brunnenturm“ genannt wird. Die dritte Ebene ist die Zentralburg. Der Burgweg führt nördlich im Graben am Fels entlang, ein weiteres Tor lag an einer kleinen Felskammer. Das Tor der zweiten Ebene ist verschwunden. Die Ringmauer knickt mehrfach stumpf ab, wodurch tote Winkel entstanden; vorspringende Flankierungstürme sah man nicht vor. Wegen der Gipfellage fehlte der Geländevorteil, den Spornburgen mit Halsgraben und Schildmauer hatten. Die Bauform spricht für eine Datierung in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Was wurde zuletzt saniert?
1861 wurde die Burg umfassend restauriert, mit neuer Turmverkleidung, ausgeräumtem Turminneren und Tonnengewölbe. Am Bergfried besserte man 1960 aus. Von 2021 bis Oktober 2024 folgte die letzte Sanierung, vor allem im Turminneren; Auslöser waren Wasserschäden. Ausgrabungen legten weitere Mauer- und Fundamentreste frei, darunter ein Steingebäude an der Ringmauer, vermutlich kein Turm wegen der geringen Mauerstärke, und Mauerreste mit einer Inschrift. Eine Monografie von Pohlit, Reither und Schlieger (Lingenfeld 2022) trägt den Titel „Reichsburg Scharfenberg – die verkannte kleine Schwester des Trifels“. Ein 2024 gebautes Modell der Burg steht im Museum unterm Trifels in Annweiler. Auskünfte zur Burg erteilt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz über burgenlandschaft-pfalz.de. Die Ruine ist ein Kulturdenkmal und als Denkmalzone im Nachrichtlichen Verzeichnis (Stand Januar 2025) eingetragen; das Denkmalverzeichnis nennt die Gründung wohl im 11. Jahrhundert als Reichsburg zusammen mit dem Trifels.
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Häufige Fragen zur Burg Scharfenberg
Wie hoch ist der Bergfried?
Er ist rund 20 Meter hoch und hat einen quadratischen Grundriss mit unter 7 Metern Seitenlänge. Der Eingang liegt in etwa 10 Metern Höhe.
Wurde auf Scharfenberg Geld geprägt?
Nein. Der Name Münz geht wahrscheinlich auf das lateinische munitio für Befestigungswerk zurück.
Welche Wanderung führt zur Burg?
Der Annweilerer Burgenweg, ein 7,7 Kilometer langer Premiumweg ab der Markwardanlage in Annweiler, der Scharfenberg, Anebos und den Trifels verbindet.
Wann wurde die Burg zerstört?
1525, als aufständische Bauern sie im Bauernkrieg eroberten und niederbrannten.
Wurde die Burg zuletzt saniert?
Ja, von 2021 bis Oktober 2024, vor allem im Turminneren wegen Wasserschäden.
Quellen: KuLaDig: Burgruine Scharfenberg bei Annweiler am Trifels; Südliche Weinstraße: Burgruine Scharfenberg; Pfalz.Touristik: Annweilerer Burgenweg; Pfälzisches Burgenlexikon, Band 4.1 (Keddigkeit/Burkhart/Übel 2007). Stand: Oktober 2026.