Feste & Kulinarik
Deidesheimer Geißbockversteigerung: ein Brauch aus dem Mittelalter
Geschichte, Ablauf und Besuch am Pfingstdienstag

Kurz gesagt
Die Deidesheimer Geißbockversteigerung findet jeden Pfingstdienstag statt: Die Stadt Lambrecht liefert einen Geißbock als Gegenleistung für alte Weiderechte im Deidesheimer Wald, und um 18 Uhr fällt auf dem Marktplatz der Hammer. Der Brauch ist seit 1534 urkundlich belegt, die Rechte reichen nach der Überlieferung bis 1404; seit 2025 ist er Immaterielles Kulturerbe.
Was ist die Deidesheimer Geißbockversteigerung?
Die Geißbockversteigerung ist ein jährlicher Brauch an Pfingsten, bei dem die Stadt Lambrecht der Stadt Deidesheim einen Geißbock übergibt, der anschließend vor dem Historischen Rathaus versteigert wird. Der Höhepunkt ist der Pfingstdienstag: Am frühen Morgen marschiert eine Gruppe von Lambrecht durch den Pfälzerwald nach Deidesheim, am Nachmittag läuft ein Festprogramm, und um 18 Uhr fällt der Hammer.
Der Brauch gilt als Ausgleich für ein altes Recht: Nach der Überlieferung durften Lambrecht und sein Kloster Vieh im Deidesheimer Wald weiden und lieferten dafür jedes Jahr einen wohlgehörnten, gesunden Geißbock. Heute gehören zum Fest Kolpingkapelle, Stadtsoldaten, Küferschlag und ein Schätzwettbewerb.
Lambrecht liegt im Pfälzerwald im Landkreis Bad Dürkheim, Deidesheim an der Deutschen Weinstraße; zwischen beiden Orten liegt der Waldgürtel der Haardt, durch den der Geißbockmarsch am Pfingstdienstag führt.
Woher kommt der Brauch, und wie alt ist er?
Die Quellen nennen zwei Anfänge: 1404 und 1534. Die Weiderechte der Lambrechter im Deidesheimer Wald sind nach einer Darstellung der Lokalpresse erstmals 1404 belegt; als Gegenleistung sollte ein wohlgehörnter Geißbock geliefert werden. Urkundlich nachweisbar ist die jährliche Lieferung nach anderen Angaben seit 1534. Dass beide Zahlen nebeneinander stehen, liegt an der Quellenlage. Im Jahr 2026 wurde nach dem Programm der Veranstalter der 623. Geißbock übergeben; rechnerisch passt das zu einem Beginn im Jahr 1404.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1404 | erste belegte Weiderechte im Deidesheimer Wald (Überlieferung, Lokalpresse) |
| 1534 | jährliche Bocklieferung urkundlich belegt; Streit um den Zustand des Bocks |
| 1685, 1749/50, 1768 | weitere Auseinandersetzungen um die Lieferung |
| 1808 | Napoleon I. bestätigt die Rechte; der Bock muss „wohlgehörnt“ sein |
| 1851 bis 1857 | Prozess vor dem Appellationsgericht Zweibrücken, Lambrecht muss fehlende Böcke nachliefern |
| 1858 | acht Böcke werden versteigert |
| 2025 | Aufnahme ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes |
Alte Rituale lassen sich nur aus Berichten erschließen. So wurde der Bock früher bei Sonnenaufgang an einen Ring am Rathaus gebunden, und der Überbringer erhielt nach der Lokalpresse Käsebrot und zwei Maß Wein. Dass es in den 1850er-Jahren über Jahre einen Rechtsstreit gab, zeigt, wie ernst die Gemeinden die Lieferung nahmen. Heute sind Streitigkeiten selten; der Bock wird nach der Lokalpresse bei der Übergabe noch immer auf seine „Attribute“ geprüft.

Wie läuft der Pfingstdienstag ab?
Der Tag folgt einem festen Programm, das die Stadt Deidesheim und Presseberichte für 2026 so beschreiben:
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| 5.30 Uhr | Start des Geißbockmarsches in Lambrecht, Friedrich-Ebert-Platz, durch den Pfälzerwald |
| 8 Uhr | Begrüßung im Mühltal durch Waldschütz und Stadtsoldaten |
| 10 Uhr | Empfang an der Stadtgrenze von Deidesheim |
| 15 Uhr | Standkonzert der Kolpingkapelle am Historischen Rathaus |
| 15.45 Uhr | Folkloreprogramm mit Küferschlag, Fassschlüpfen und Stadtgericht |
| 17.45 Uhr | Beginn der Versteigerung |
| 18 Uhr | letzter Glockenschlag, Hammerschlag, Bekanntgabe des Käufers |
| 18.30 Uhr | Ziehung der Gewinner im Schätzwettbewerb |
Der Küferschlag und das Fassschlüpfen sind Bräuche der Küfer, der Fassmacher; beim Fassschlüpfen sind Schulkinder die Akteure, wie die Stadt schreibt. Den Programmpunkt Stadtgericht verbindet die Lokalpresse mit der Zeit, als der Pfingstdienstag in Deidesheim Gerichtstag und zugleich der höchste Feiertag der Stadt war. Zum Programm gehören nach der Stadt auch der Männergesangverein und eine Trachtentanzgruppe.
Der Schätzwettbewerb gehört zum Fest: Besucher raten den Preis, der bei der Versteigerung erzielt wird, und die Karten gibt es in der Tourist-Information und am Festtag im Geißbock-Shop im Historischen Rathaus; unter den Preisen sind ein Hotelwochenende, ein Restaurantgutschein und Geißbock-Pakete.
Was bietet Deidesheim außerdem an Pfingsten?
Das Festprogramm beginnt schon vor dem Pfingstdienstag. 2026 gab es am Freitag eine Pfingsteröffnung der Kolpingkapelle mit Geißbockcafé und Ausstellungen, am Samstag eine Stadtführung um 10.30 Uhr und die Achtelmeile im Schlosspark mit Winzern der Winechanges ab 14 Uhr, am Sonntag eine Sonderführung „Bock-Geschichte und bockige Geschichten“ um 15 Uhr, am Montag ein Serenadenkonzert im Schlosspark. In Lambrecht findet in diesen Tagen der Heimatabend statt, bei dem der Bock dem jüngsten Brautpaar der Stadt übergeben wird; die Presse nennt dafür 2026 den Pfingstsonntag, die Stadt Deidesheim spricht vom Freitag vor Pfingsten.
Nach den Angaben der Stadt trägt der Bock stets den Namen des Bräutigams. Das Brautpaar übergibt ihn feierlich, und er wird am Pfingstdienstag von Lambrecht nach Deidesheim begleitet. Die Themenführungen beginnen am Geißbockbrunnen am Stadtplatz. Über die Stadt selbst, ihre Weingüter und Gassen informiert die Seite Deidesheim.
Wie besucht man die Versteigerung am besten?
Am besten mit der Bahn: Der Bahnhof Deidesheim liegt nahe am Festgelände, und die Stadt empfiehlt wegen knapper Parkplätze die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln; in Teilen der Stadt gelten digitale Parkgebühren. Hunde sollten nach der Empfehlung der Stadt zu Hause bleiben. Den jeweils aktuellen Programmablauf veröffentlicht die Tourist-Information; Zeiten und Reihenfolge können sich von Jahr zu Jahr leicht ändern, deshalb gelten die Uhrzeiten dieser Seite als Stand 2026.
Der Termin 2027 steht nicht ausdrücklich fest: Die Stadt nennt nur „Pfingsten“. Pfingstsonntag 2027 ist der 16. Mai, der Pfingstdienstag damit rechnerisch der 18. Mai 2027; verbindlich ist das erst mit der offiziellen Ankündigung der Stadt (Stand 29.10.2026). Andere Feste der Region sammelt der Weinfest-Kalender; zum Brauchtum der Region insgesamt siehe Kultur in der Pfalz.
Wie plant man den Tag in Deidesheim?
Wer das ganze Fest sehen möchte, teilt den Pfingstdienstag in drei Abschnitte. Am Vormittag lohnt der Empfang des Bocks an der Stadtgrenze um 10 Uhr. Mittags gibt es nach der Stadt eine Pause im Bühnenprogramm, die sich für einen Rundgang oder eine Einkehr eignet; um 13 Uhr beginnt eine Themenführung, Treffpunkt ist der Geißbockbrunnen am Stadtplatz. Am Nachmittag folgen Standkonzert und Folkloreprogramm vor dem Historischen Rathaus, bevor um 17.45 Uhr die Versteigerung beginnt.
Der Weg des Geißbocks führt durch den Pfälzerwald; der Geißbockmarsch beginnt um 5.30 Uhr in Lambrecht; ob und wie sich Gäste ihm anschließen können, nennt die Stadt nicht, hier hilft eine Nachfrage bei der Tourist-Information. Für Anreise und Rückfahrt ohne Auto finden Sie Hinweise auf der Seite Mit Bus und Bahn durch die Pfalz. Pfingsten ist ein Feiertagswochenende, deshalb sollten Sie Übernachtungen frühzeitig planen; die Seite Übernachten in der Pfalz zeigt die Möglichkeiten im Überblick.
Wie steht es um Kulturerbe und Tierwohl?
Seit 2025 gehört die Geißbocktradition zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Die Aufnahme wurde nach Presseberichten am 26. März 2025 von der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben; die Bewerbung hatten der Verkehrsverein Lambrecht und die Heimatfreunde Deidesheim eingereicht. Weitere Informationen zum Verzeichnis gibt die Deutsche UNESCO-Kommission.
Zum Tierwohl berichten Zeitungen, dass der Bock aus Tierschutzgründen mit einem Fahrzeug gebracht werden soll und nur das letzte Stück läuft; eine amtliche Stellungnahme oder Regeln des Veranstalters dazu fanden sich in den hier ausgewerteten Quellen nicht. Auf der Seite der Stadt steht zum Thema nichts. Wer Bedenken hat, kann die Veranstalter fragen.
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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zur Geißbockversteigerung
Wer ersteigert den Geißbock, und was passiert mit dem Tier danach?
Den Zuschlag bekommt der Höchstbietende, der den Preis bar am Tisch des Bürgermeisters zahlt und eine Urkunde erhält. Was danach mit dem Tier geschieht, regeln Käufer und Veranstalter; Einem Zeitungsbericht zufolge blieb der Bock in einem Jahr in der Stadt, beim Gastwirt, der ihn ersteigert hatte. Genaue Regeln nennt die Stadt nicht.
Fiel die Versteigerung schon einmal aus?
Ja. 2020 wurde sie wegen der Corona-Pandemie abgesagt, und auch 2021 fiel sie nach Presseberichten aus. Sonst gilt der Brauch als nahezu lückenlos.
Warum heißt der Bock nach dem Bräutigam?
Die Stadt Deidesheim schreibt, dass der Geißbock stets den Namen des Bräutigams trägt, dem er beim Heimatabend in Lambrecht übergeben wird. Warum das so ist, erklärt die Stadt nicht; es verbindet den Brauch mit dem jüngsten Brautpaar des Ortes.
Muss ich Eintritt zahlen?
Für das Fest auf dem Marktplatz nennt die Stadt keinen Eintritt. Karten gibt es für den Schätzwettbewerb und für einzelne Veranstaltungen im Rahmenprogramm; Preise und Verkaufsstellen finden Sie bei der Tourist-Information Deidesheim.
Quellen: Urlaubsregion Deidesheim: Geißbocktradition und historische Geißbockversteigerung; Urlaubsregion Deidesheim: Veranstaltungen; Deutsche UNESCO-Kommission: Immaterielles Kulturerbe; Wochenblatt-Reporter: Geißbockversteigerung Deidesheim 2026 und „Deidesheimer Geißbock: Eine jahrhundertealte Tradition voller Streit und Geschichte“; Rheinpfalz: Berichte zur Aufnahme ins Immaterielle Kulturerbe; Kuladig: Landeskunde-Eintrag Geißbocktradition. Stand: Oktober 2026.