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Keschde in der Küche: Esskastanien sammeln, rösten, kochen

Esskastanien vom Haardtrand sammeln, rösten und zu Suppe verarbeiten

Stand: · 7 Min. Lesezeit

Geröstete Esskastanien in einer Papiertüte auf Herbstlaub
Keschde Geröstete Keschde. Symbolbild

Kurz gesagt

Keschde sind Esskastanien, in der Pfalz ein Herbstklassiker: Die Früchte reifen im Oktober, man darf sie in geringen Mengen für den eigenen Bedarf sammeln, vor dem Rösten einritzen und bei 180 °C etwa 20 bis 25 Minuten backen. Aus gegarten Kastanien werden Suppe, Beilage zu Wild und Füllung im Saumagen.

Wo und wie darf man Keschde sammeln?

Man darf Keschde in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf aufsammeln; so regelt es § 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes für das Sammeln wild wachsender Früchte. Größere Mengen, etwa für den Verkauf, brauchen die Erlaubnis des Waldbesitzers und der Naturschutzbehörde. In Schutzgebieten, in denen Betretungsverbote gelten, ist das Sammeln tabu. Für Pfälzerwald und Haardtrand heißt das: Auf markierten Wegen bleiben, nur aufsammeln, was am Boden liegt, und im Zweifel beim Forstamt oder der Tourist-Information fragen.

Die Edelkastanie wächst in der Pfalz vor allem am Haardtrand, dem Streifen zwischen Weinbergen und Pfälzerwald. Nach der Darstellung der Pfalz.Touristik brachten die Römer die Baumart zusammen mit dem Wein in die Region; König Ludwig I. von Bayern ließ rund um die Villa Ludwigshöhe über 10.000 Bäume pflanzen, aus denen der größte Kastanienwald Deutschlands geworden sei. Die Baumart gilt als wärmeliebend und klimatolerant. Das Holz diente als Rebpfahl und Fassholz, die Blüten sind im Sommer eine Bienenweide.

Die Erntezeit beginnt, wenn die stacheligen Hüllen aufspringen, und reicht nach Wetterlage von Ende September bis in den November. Gesammelt wird am besten nach windigem Wetter oder Regen, wenn viele Früchte gefallen sind. Dicke Handschuhe und festes Schuhwerk helfen gegen die Stacheln. Die offiziellen Keschdewochen laufen 2026 vom 1. Oktober bis zum 15. November (Stand 29.10.2026). Beim Sammeln unterwegs hilft der Pälzer Keschdeweg, ein rund 60 Kilometer langer Wanderweg von Hauenstein nach Neustadt, den die Seite zum Pälzer Keschdeweg beschreibt.

Gusseiserne Röstpfanne mit Kastanienschalen, Messer und Leinentuch
Küche Röstpfanne und Messer. Symbolbild

Wie bereitet man Keschde zu: rösten oder kochen?

Beides gelingt; wichtig ist das Einritzen, damit die Schale nicht platzt. Die Keschde zunächst eine halbe bis eine ganze Stunde in kaltes Wasser legen, so empfiehlt es die Pfalz.Touristik. Dann mit einem scharfen Messer kreuzförmig einritzen und im Backofen bei 180 °C Ober- und Unterhitze etwa 20 bis 25 Minuten rösten, oder im Topf in kochendem Salzwasser 15 bis 20 Minuten garen. Nach dem Kochen das Wasser abgießen, die Früchte kalt abschrecken und sofort schälen, solange sie warm sind; abgekühlt klebt die braune Innenhaut fest an der Frucht.

Zum Mengenrechnen nennt die Pfalz.Touristik 200 bis 300 Gramm pro Person und weist darauf hin, dass aus 300 Gramm Keschde nach dem Schälen etwa 250 Gramm Fruchtfleisch bleiben. Wurmige Früchte erkennt man häufig an kleinen Bohrlöchern in der Schale. Eine verbreitete Prüfung ist das Wasserbad: Früchte, die schwimmen, sind innen oft hohl oder befallen und werden aussortiert.

Wer keine frischen Keschde hat, nimmt vorgegarte, vakuumverpackte Maronen aus dem Handel. Sie sind bereits geschält und für Suppe, Püree und Füllungen geeignet. Geschält und gekocht lassen sie sich einfrieren; frische, ungeschälte Keschde hält man kühl, luftig und trocken und verarbeitet sie innerhalb weniger Tage.

Welche Gerichte gibt es mit Keschde?

Das Spektrum reicht von der Suppe über die Beilage bis zum Gebäck. Die Pfalz.Touristik nennt unter anderem Keschdesuppe, Kastanien-Brioche-Schnecken und den Kastaniensaumagen. Dazu kommen Kastanienbrot, Rotweinkuchen mit Kastanien, Pralinen und eine glutenfreie Maronenkruste für Fleisch. Zu Wild und Braten werden Maronen im Ganzen als Beilage serviert, zusammen mit Rotkraut oder Rosenkohl.

Das folgende Rezept für Keschdesuppe liefert vier Portionen und ist an die Suppe der Pfalz.Touristik angelehnt. Zeit: 40 Minuten.

  • 400 g gegarte, geschälte Keschde
  • 1 mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
  • 20 g Butter
  • 50 ml trockener Weißwein
  • 700 ml Gemüsebrühe
  • 150 ml Sahne
  • Salz, weißer Pfeffer, Muskat, frischer oder getrockneter Majoran
  • zum Anrichten: einige gehackte Kastanienstücke oder Röstzwiebeln
  1. Die Zwiebel in der Butter glasig dünsten, ohne Farbe zu nehmen.
  2. Die Keschde zugeben, kurz mitdünsten, mit dem Wein ablöschen und einkochen lassen.
  3. Mit Brühe aufgießen und 20 Minuten leise kochen, bis die Kastanien sehr weich sind.
  4. Alles mit dem Stabmixer fein pürieren, bei Bedarf durch ein Sieb streichen. 100 ml Sahne zugeben und kurz aufkochen.
  5. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und Majoran abschmecken. In Tellern mit einem Löffel Sahne und den Kastanienstücken anrichten.

Als Beilage zu Wild gelingen glasierte Maronen in 10 Minuten: 300 g gegarte Keschde in 20 g Butter und einem Teelöffel Zucker schwenken, bis sie leicht karamellisieren, mit einem Schuss Brühe ablöschen und einkochen lassen. Eine herzhaftere Variante rührt gehackte Kastanien in die Füllung des Saumagens; wie das geht, erklärt der Beitrag zum Pfälzer Saumagen.

Was ist Kastaniensaumagen?

Kastaniensaumagen ist die herbstliche Abwandlung des Pfälzer Klassikers: Zur Füllung aus Hackfleisch, eingeweichten Semmeln, Zwiebeln, Eiern und Kartoffeln kommen gegarte, geschälte Kastanien, die der Masse eine leicht süßliche, nussige Note geben. Die Pfalz.Touristik führt ein Rezept, das etwa 125 Gramm Kastanien auf 500 Gramm Hackfleisch und 125 Gramm Kartoffeln setzt; gewürzt wird mit Salz, Pfeffer, Majoran und Petersilie. Serviert wird er mit Rotkraut oder Sauerkraut, wie es auch die Pfalz.Touristik für den Kastaniensaumagen beschreibt.

Viele Restaurants der Pfalz bieten ihn während der Keschdewochen an, daneben Gerichte wie Rumpsteaks mit Kastanienkruste oder Wildgerichte mit Maronenpüree. Wer das Rezept selbst zubereiten möchte, findet die Grundlagen, Garzeiten und Beilagen auf der Seite zum Saumagen. Wichtig bleibt: Die Kastanien vorher vollständig schälen und gar kochen, denn in der Füllung werden sie nicht mehr weich.

Wie lagert man Keschde, und was macht man mit dem Überschuss?

Frische Keschde sind wasserreich und halten sich nicht lange; die einfachste Konservierung ist das Einfrieren gegarter, geschälter Früchte in Portionsbeuteln. Wer größere Mengen gesammelt hat, kocht sie zu Kastanienpüree ein, das sich in Gläsern oder eingefroren aufbewahren lässt, und verarbeitet es für Suppen, Kuchen oder Füllungen.

Auch das Rösten über Glut oder im Ofen ist verbreitet. Wichtig ist, die Früchte immer einzuritzen, weil sie sonst mit einem Knall platzen können. Wer im Wald röstet, braucht Erlaubnis und beachtet die Waldbrandregeln, die in trockenen Zeiten Feuer im Wald untersagen. Überschüssige Keschde kann man auch an Bekannte weitergeben, denn in guten Erntejahren fallen mehr Früchte, als eine Familie braucht.

Wo wird die Keschde gefeiert?

Auf den Kastanienfesten und Keschdemärkten der Region, die im Oktober und November stattfinden. Das Programm reicht von Wanderungen durch die Kastanienwälder über Verkostungen bis zu Märkten mit Kastanienprodukten wie Honig, Likör und Gebäck. Eine Übersicht über die Feste liefert die Seite zu den Keschdefesten in der Pfalz; Termine ändern sich jährlich und sollten bei den Veranstaltern geprüft werden.

Zum Kosten und Mitnehmen gibt es die Produkte das ganze Jahr: Die Pfalz.Touristik führt Kastanienblütenhonig auf, der dunkel, kräftig und leicht bitter schmeckt, Kastanienlikör mit bis zu 25 Prozent Alkohol und einen kaum gesüßten Kastaniengeist, der im Holzfass reift. Kaufen kann man sie bei Hofläden, Imkereien und Brennereien der Region. Nach Angaben der Landesforsten liegt ein großer Teil der deutschen Edelkastanienbestände in den südpfälzischen Forstämtern; die Stadt Annweiler am Trifels ist ein guter Ausgangspunkt für Kastanienwanderungen.

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Häufige Fragen zu Keschde

Sind Keschde und Maronen dasselbe?

Beide Bezeichnungen meinen die Frucht der Edelkastanie. „Marone“ nennt man im Handel häufig besonders große, veredelte Sorten, „Keschde“ ist die pfälzische Mundart für die Esskastanie insgesamt.

Kann man Keschde roh essen?

Roh sind sie bitter und schwer verdaulich, deshalb werden sie gegart. Geröstet und kochend sind sie süßlich und mehlig.

Wie lange halten sich frische Keschde?

Kühl, trocken und luftig gelagert einige Tage bis zwei Wochen; danach trocknen sie aus oder schimmeln. Wer mehr gesammelt hat, kocht und schält sie und friert sie ein.

Welcher Wein passt zu Kastanien?

Zu Keschdesuppe und Maronengerichten passen Weißburgunder oder Grauburgunder, zu gerösteten Keschde der junge, süße Federweißer, der in der Saison überall angeboten wird. Rotwein zu Wild mit Maronen darf kräftig sein. Welche Sorten dazu gehören, beschreibt die Seite zu den Burgundersorten.

Gibt es Keschde auch ohne Wald, im Handel?

Ja, im Herbst in Supermärkten und auf Wochenmärkten, vorgegart ganzjährig in Dosen und Vakuumpackungen. Wer Pfälzer Ware sucht, fragt bei Hofläden und auf Kastanienmärkten nach, denn die Herkunft steht nicht immer auf dem Etikett.

Quellen: Pfalz.Touristik: Rezepte für die Kastanie; Pfalz.Touristik: Pfälzer Kastanien; Pfalz.Touristik: Kastanienprodukte; Bundesnaturschutzgesetz § 39 (Gesetze im Internet); Stadt Neustadt an der Weinstraße: Keschde-Broschüre 2025. Stand: Oktober 2026.