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Land & Leute

Aschbacherhof bei Trippstadt: Kirchturm St. Blasius und die Herrschaft Wilenstein

18 Meter hoher Turm im Aschbachtal: Rest der Mittelpunktskirche von 1215, Grablege der Herrschaft Wilenstein, Ritterstein Nr. 137

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am Kirche 1215 · Turm 18 m

Wiesental mit Bach zwischen Laub- und Fichtenwald im Herbstnebel, rote Sandsteinblöcke am Wegrand
Pfälzerwald Wiesental im Pfälzerwald. Symbolbild

Kurz gesagt

Im Aschbachtal bei Trippstadt steht auf einem Sandhügel ein 18 Meter hoher mittelalterlicher Kirchturm: der Rest der Kirche St. Blasius, die 1215 erstmals urkundlich erwähnt wird und Mittelpunktskirche für Trippstadt, Stelzenberg, Mölschbach, Stüterhof, Langensohl und die Burg Wilenstein war. 1786 wurde die Kirche aufgegeben, nachdem das Dach des Kirchenschiffs eingestürzt war; der Turm überdauerte und steht seit 1989 unter Denkmalschutz.

Wo steht der Turm am Aschbacherhof?

Der Turm steht im Aschbachtal beim Aschbacherhof, einem früheren forstwirtschaftlichen Hof, auf dem Gebiet der Gemeinde Trippstadt im Pfälzerwald. Er erhebt sich auf einem Schwemmsandhügel, der sich in das Aschbachtal schiebt. Westlich davon liegt der Hof. Die Wiesen im Tal waren lange sumpfig und wurden zu Weihern für die Fischzucht aufgestaut, die noch 1835 auf Karten verzeichnet waren. Den Ort Trippstadt mit seinem Schloss stellt die Seite Trippstadt vor, das Gebirge ringsum die Seite Pfälzerwald.

Die Lage in einem abgelegenen Seitental täuscht über die einstige Bedeutung hinweg. Hier stand der Mittelpunkt eines weiten Kirchspiels, zu dem Dörfer, Höfe und eine Burg gehörten.

Warum war St. Blasius die Mittelpunktskirche der Herrschaft Wilenstein?

Die Kirche war Mittelpunktskirche für Trippstadt, Stelzenberg, Mölschbach, den Stüterhof (ehemals Hilsberg), Langensohl und die Burg Wilenstein. Sie gehörte bis ins 14. Jahrhundert zur Herrschaft Wilenstein und diente als deren Grablege; kirchlich gehörte sie zum Bistum Worms. Die Burg Wilenstein liegt etwa vier Kilometer von der Kirche entfernt.

Der Kirchenpatron Blasius zählt zu den 14 Nothelfern. In Süddeutschland wurde er seit dem Ende des 9. Jahrhunderts auch als Schutzpatron der Wildtiere verehrt. Grabungsfunde von 1897 belegen eine deutlich ältere Nutzung des Ortes: Zwei Steinsärge werden ins 10. Jahrhundert datiert.

Was war die Herrschaft Wilenstein?

Der Name Wilenstein verbindet den Rufnamen Wilo mit „Stein“, das seit dem 12. Jahrhundert als Wort für Burg diente. Erster Namensträger ist Ritter Landolf von Wilenstein, der 1174 urkundlich erscheint. Er war zunächst Untervogt des Klosters Hornbach und später Lehnsmann der Grafen von Saarwerden. Die Grafen von Saarwerden errichteten die Burg nach der Mitte des 12. Jahrhunderts. Im 13. Jahrhundert gelangten Burg und Herrschaft auf dem Erbweg an die Herren von Daun und die Grafen von Homburg. Die Burg beschreibt die Seite Burg Wilenstein.

Die Herren von Wilenstein sind in den Urkunden gut zu verfolgen: 1207 wird Gerwin von Wilenstein genannt, 1219 ist Albero von Wilenstein Burgmann auf der Reichsburg Kaiserslautern. 1237 lösten Abt und Konvent von Hornbach das Dienstverhältnis mit den Herren von Wilenstein. 1336 ist Wirich von Wilenstein letztmals belegt, 1372 erlosch das Geschlecht mit Johann von Wilenstein. Die Kirche im Aschbachtal war der kirchliche Mittelpunkt der Herrschaft und ihre Grablege.

1323 erhielt Sophie von Daun die Herrschaft als Mitgift bei ihrer Heirat mit Gottfried III., Wildgraf von Kirberg. Gegen die Burggemeiner gab es 1332 Vorwürfe wegen Gewalttaten gegen die Wormser Kirche; Erzbischof Balduin von Trier belagerte die Burg und brach sie, 1333 wird sie als zerstört bezeichnet. Nach 1340 entstand eine größere, zweigeteilte Anlage mit einem vorderen Haus der Daun und einem hinteren Haus der Saarwerden. 1481 erwarb Pfalzgraf Philipp das vordere Haus, das ein pfalzgräfliches Lehen wurde. 1348 schlossen die Flersheimer und Wirich V. von Daun einen Burgfrieden, 1359 öffneten die Flersheimer ihren Burgteil der Pfalzgrafschaft, und 1411 erzwangen pfalzgräfliche Truppen die Übergabe des hinteren Hauses. 1664 vermerkte der kurpfälzische Landschreiber die Burg als ruiniert und unbewohnt. 1716 ging das kurpfälzische Wilensteiner Lehen als Erblehen an Freiherr Ludwig Anton von Hacke, und 1792 zogen die Franzosen die gesamte Herrschaft als Nationalgut ein.

Im 15. Jahrhundert prägten Streitigkeiten die Doppelburg. 1410 klagten der Trierer Erzbischof und der Graf von Veldenz über Wegelagerer im hinteren Haus, und 1412 mussten die Burggemeiner den Lauberhof an das Kloster Eußerthal zurückgeben und Entschädigung leisten. 1464 überfiel Hans von Flersheim den Nürnberger Kaufmann Anton Baumgärtner und wurde auf Anordnung Pfalzgraf Friedrichs I. festgenommen; 1467 wurde der Burgfrieden bekräftigt. 1496 ist eine Georgskapelle im Burgareal erwähnt. 1546 plante Johannes von Daun, die vordere Burg als Witwensitz für seine Frau Ursula zu nutzen, 1560 war der vordere Teil noch bewohnt. Die Geschichte des Klosters Eußerthal erzählt die Seite Kloster Eußerthal.

Stiller Weiher mit Schilf zwischen feuchten Wiesen und Buchen- und Fichtenhängen im Morgennebel
Weiher Weiher im Waldtal. Symbolbild

Wie ist der Turm gebaut?

Der Turm hat eine fast quadratische Grundfläche von etwa 6,45 mal 5,80 Metern und ist rund 18 Meter hoch. Er besteht aus unverputztem Sandstein der Region. Die Steine sind glatt, ohne Buckel oder Randschlag, und tragen Zangenlöcher; Hebezangen wurden ab etwa 1200 verwendet. Das Mauerwerk ist teils über einen Meter dick und zweischalig, der Zwischenraum ist mit kleinen Steinen und Ziegelbruch gefüllt.

Drei nach oben niedrigere Geschosse sind durch schmale Gesimse getrennt, darüber folgt ein dreieckiger Giebel mit Satteldach. Im obersten Geschoss sitzen drei Rundbogenfenster unterschiedlicher Größe, im mittleren Geschoss kleine Öffnungen und ein gotisches Spitzbogenfenster. Das Erdgeschoss trägt ein Tonnengewölbe in Ost-West-Richtung. Der Chor war etwa quadratisch mit 4,80 Metern Seitenlänge und schloss gerade ab, ohne Apsis; an der Südwand sind Reste einer Sitzbank erhalten. Der Chorbogen ist zugemauert. Das Kirchenschiff lag südlich beziehungsweise westlich des Turms und war nach einer Vermessung von 1890 etwa 6,30 Meter breit und 20 Meter lang. Der Holzdachstuhl ist neuzeitlich, der historische ist eingestürzt.

Der Turm gehört in die Zeit um 1160. Gotische Umbauten, darunter der Einbau von Fenstern, veränderten den romanischen Bau.

Welche Zeichen und Fratzen trägt das Mauerwerk?

Die steinernen Endplatten des Giebels zeigen flache Tierköpfe oder Fratzen. Nach mittelalterlichem Verständnis sollten solche Darstellungen böse Geister von Öffnungen wie Türen, Fenstern und Dach abhalten. Auf dem nördlichen Dach ist ein Bischofsstab eingemeißelt; die Kirche gehörte zum Bistum Worms. Im Mauerwerk der Nordseite sitzt ein Stein mit Alpha und Omega und zwei kopfstehenden Großbuchstaben, der auf einen christlichen Ursprung deutet. An der Westseite zeigt ein Stein Stab und Flöte, die Darstellung wird als antike Spolie gedeutet und auch als Hinweis auf den Guten Hirten verstanden.

Mit Stab und Flöte verbindet sich die Sage vom „Fräulein vom Wilenstein“ und einem Schäfer, die auf ein Märchen zurückgeht, das Friedrich Maler Müller 1775 in seinen „Idyllen“ veröffentlichte. In der Sage ließ der Vater die Kirche zur Erinnerung an seine Tochter und den Schäfer errichten. Die Sage entstand viele Jahrhunderte nach dem Bau.

Wie endete die Nutzung der Kirche?

Ab 1550 wurden in der bis dahin katholischen Kirche lutherische Gottesdienste gehalten. 1719 gelangte sie in den Besitz des Freiherrn Ludwig Anton von Hacke, der den Pfarrsitz nach Trippstadt verlegte. 1744 fand nur noch einmal im Jahr, zu Johannis am 21. Juni, ein Gottesdienst statt, und der Taufstein wurde nach Trippstadt gebracht. 1786 wurde die Kirche nicht mehr genutzt, nachdem das Dach des Kirchenschiffs eingestürzt war. 1808 wurde sie während der Säkularisation mit dem gesamten Grundbesitz versteigert. Das Kirchenschiff verfiel weiter und diente als Steinbruch. 1816 fand das letzte Begräbnis auf dem Friedhof statt.

Der Friedhof umgab die Kirche im Süden und Osten. Ein früherer Besitzer grub große Teile des Sandhügels ab, um den Sand zu verkaufen; dabei verschwand der alte Friedhof vollständig. Ein Beinhaus, das noch 1897 beschrieben wurde, ist ebenfalls verschwunden. Ein Ritterstein mit der Nummer 137 ist an der Westseite eingemauert; seine Inschrift erinnert an den Wechsel der Kirche von katholisch zu lutherisch. Die Rittersteine sind nach Karl Albrecht von Ritter benannt, dem Gründungsvorsitzenden des Pfälzerwald-Vereins; mehr dazu steht auf der Seite Rittersteine im Pfälzerwald.

Sandiger Hang am Waldrand mit Birken, Herbstlaub und roten Buntsandsteinblöcken
Buntsandstein Buntsandstein am Waldrand. Symbolbild

Welche Grabplatten und Funde gibt es?

An der Südseite des Turms ist ein Epitaph von 1620 eingelassen, eine rechteckige Platte mit Rundbogen und zwei Herzen, datiert auf den 23. Februar 1620. Die lateinische Inschrift gilt Johannes Heinrich Schlachter, Schaffner von Hohenecken. Die Platte war zerbrochen. Eine zweite, quadratische Platte von etwa 80 Zentimetern Seitenlänge trägt keine Inschrift, aber einen Hammer.

1897 wurden in Chornähe zwei Steinsärge freigelegt. Der erste ist 2,24 Meter lang, hat eine Kopfnische und ein eingeritztes Vortragekreuz und befindet sich seit 1897 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Der zweite ist 2,18 Meter lang und besitzt ein Steinkissen. Gefunden wurde außerdem ein Altarfragment, ein Stein mit einer rechteckigen Vertiefung, die mit einem Deckel verschlossen werden konnte. Die Geschichte der verschwundenen Orte im Wald erzählt die Seite Verschwundene Orte im Pfälzerwald.

Wer rettete den Turm?

1955 war der Turm eine Ruine: Das Dach war eingebrochen, die Giebelwände fehlten teils. Der Kaiserslauterer Architekt Dipl.-Ing. H. Loch erwarb ihn und restaurierte ihn. Dach und Mauerwerk wurden instandgesetzt, der Turm wurde begehbar gemacht, das äußere Erscheinungsbild blieb weitgehend erhalten. Seit 1989 steht er als gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal nach § 8 des Denkmalschutzgesetzes Rheinland-Pfalz unter Schutz. Der Turm ist in Privatbesitz. Seit 2016 gehört er zum europäischen Pilgerwegenetz; eine Pilgermuschel und eine Informationstafel weisen darauf hin.

Häufige Fragen zum Kirchturm am Aschbacherhof

Wie alt ist die Kirche St. Blasius am Aschbacherhof?

Sie wird 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Der Turm gehört in die Zeit um 1160.

Wann wurde die Kirche aufgegeben?

1786, nachdem das Dach des Kirchenschiffs eingestürzt war. Das letzte Begräbnis auf dem Friedhof fand 1816 statt.

Wie hoch ist der Turm?

Rund 18 Meter, bei einer Grundfläche von etwa 6,45 mal 5,80 Metern.

Wer rettete den Turm vor dem Verfall?

Der Kaiserslauterer Architekt Dipl.-Ing. H. Loch erwarb die Ruine 1955 und stellte Dach und Mauerwerk wieder her.

Wofür steht der Ritterstein Nr. 137?

Seine Inschrift erinnert an den Wechsel der Kirche von katholisch zu lutherisch.

Welche Orte gehörten zum Kirchspiel?

Trippstadt, Stelzenberg, Mölschbach, der Stüterhof, Langensohl und die Burg Wilenstein.

Quellen: KuLaDig: Kirchturm der ehemaligen Kirche St. Blasius am Aschbacherhof; KuLaDig: Ritterstein „Kath-Dann-Luth Kirche 12-18 Jhdt.“; KuLaDig: Burgruine Wilenstein bei Trippstadt. Stand: November 2026.