Land & Leute
Pfälzer Auswanderer: von Pennsylvania bis Kallstadt
Von der Großen Wanderung 1709 bis zu den Spuren in Kallstadt

Kurz gesagt
Seit dem frühen 18. Jahrhundert verließen Zehntausende Pfälzer ihre Heimat, die meisten zogen nach Nordamerika, besonders nach Pennsylvania. Auslöser waren Kriege, Missernten und Armut. Aus ihrem Dialekt entwickelte sich das Pennsylvaniadeutsche, und bis heute führen Spuren von Kallstadt bis in die USA.
Warum wanderten so viele Pfälzer aus?
Weil die Pfalz über Jahrhunderte Kriegsgebiet war und viele Familien keine Aussicht auf ein sicheres Auskommen hatten. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüsteten französische Truppen ab 1688 das Land, im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) folgten weitere Belastungen; die Geschichte dieser Zerstörungen steht auf der Seite Pfalz und Kurpfalz. Nach dem Erbfolgekrieg war die Pfalz zunächst Einwanderungsland, weil Kurfürsten Siedler anwarben, im 18. Jahrhundert wurde sie dann zur klassischen Auswanderungsregion.
Werber trugen das ihre bei. Der Quäker William Penn und sein Beauftragter Franz Daniel Pastorius machten die „Neue Welt“ in Südwestdeutschland bekannt, und Pfarrer Josua Kocherthal weckte mit Berichten das Interesse. Verlässliche Gesamtzahlen für das 18. Jahrhundert gibt es nicht; die Landesgeschichte nennt für die Jahre des Spanischen Erbfolgekriegs allein Zehntausende Pfälzer, die ihre Heimat verließen, vor allem Richtung Nordamerika und Preußen.
Für 1709 nennt die englischsprachige Forschung als zusätzlichen Auslöser das Versprechen der Krone, in Britisch-Amerika Land zu geben; Werber erzählten Bauern südlich von Frankfurt zudem von kostenloser Überfahrt. Die Gerüchte verbreiteten sich schnell und setzten Tausende Familien in Bewegung, die meist wenig besaßen.
Im 19. Jahrhundert verschärften Missernten die Lage, besonders nach den Hungerjahren 1816 und 1817. Die Massenauswanderung begann 1817 neu und dauerte bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts, nun vor allem in die Regionen im Nordosten der USA, wo bereits deutsche Gemeinden bestanden. Die Pfalz war damals bayerisch; zu den Rahmenbedingungen siehe die Seite zur bayerischen Pfalz.
Was sind die „Palatines“, und wohin gingen sie?
„Palatines“ ist der englische Sammelname für Auswanderer aus dem deutschen Südwesten, benannt nach der Pfalz (englisch Palatinate). Im Jahr 1709 zogen Tausende Pfälzer rheinabwärts nach Rotterdam, um von dort nach England und weiter in die Kolonien zu gelangen. Viele mussten in Lagern bei London lange auf die Weiterreise warten, und manche kehrten nach Deutschland zurück. Britische Akten verzeichnen für den Sommer 1709 insgesamt 13.146 Menschen, die vom Rhein oder aus Amsterdam nach England kamen; mehr als 3.500 von ihnen wurden zurückgeschickt, weil sie katholisch waren, oder reisten auf eigenen Wunsch zurück. Die Regierung wollte die Neuankömmlinge in den Kolonien ansiedeln, wo sie in New York Schiffsbedarf wie Teer und Pech herstellen sollten.
Eine kleine Gruppe von rund fünfzig Menschen unter Pfarrer Kocherthal siedelte 1708 oder 1709 bei Newburgh am Hudson River; 1710 kamen weitere 2.227 Menschen nach New York und wurden in Dörfern beiderseits des Hudson untergebracht. Als die staatliche Unterstützung 1712 endete, zogen viele weiter ins Schoharie-Tal, nach New Jersey oder nach Pennsylvania. Pennsylvania wurde damit nicht der erste, aber der dauerhafteste Zielort.
Der Begriff blieb lange in Gebrauch und wurde im Englischen zeitweise für alle deutschsprachigen Einwanderer verwendet, selbst für solche, die gar nicht aus der Pfalz stammten. Die wichtigste Zielregion im 18. Jahrhundert war Pennsylvania. Dort entstand das größte geschlossene deutschsprachige Siedlungsgebiet im kolonialen Amerika. Die Phase der Kolonialzeit endete 1776 mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.
Andere Wege führten nach Preußen, wo Kurpfälzer in den Jahren nach 1700 neue Heimat fanden. Die Auswanderung war also nicht nur ein transatlantisches Phänomen.
Wie entstand das Pennsylvaniadeutsche?
Aus den Mundarten der Auswanderer, wobei der pfälzische Dialekt die Grundlage bildete. Das Pennsylvaniadeutsche, englisch Pennsylvania Dutch, nach „Deitsch“ benannt, bewahrt viele Wörter, Lautungen und Redensarten, die in der Pfalz selbst bekannt sind. Wer die pfälzische Mundart kennt, erkennt etwa „Woi“ oder „Hiwwel“ wieder; zugleich kamen im Lauf der Zeit viele englische Wörter hinzu.
Eine Besonderheit ist die Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“, die als einzige pennsylvaniadeutsche Zeitung gilt und seit 1996 von Ober-Olm bei Mainz aus erscheint, gemeinsam mit einer Hochschule in Pennsylvania herausgegeben. Auch Bräuche und Sagen reisten mit. Der Fantasievogel Elwetritsche taucht um 1708 mit protestantischen Auswanderern in Pennsylvania auf, wo „Elbetritsche“ auf Scheunen angebracht wurden, um die Ernte zu schützen, und 1892 hieß dort sogar eine Zeitung „Es Elbetritsch“. Mehr zum Fabelwesen steht auf der Seite Elwetritsche.

Welche bekannten Familien stammen aus Kallstadt?
Aus dem Weindorf Kallstadt am Rand der Haardt wanderten im 19. Jahrhundert Familien aus, deren Nachkommen in den USA bekannt wurden. Der Vater des Firmengründers Henry John Heinz, Johann Heinrich Heinz (1811 bis 1891), stammte aus dem Ort und wanderte 1840 in die USA aus, ebenso stammten die Großeltern väterlicherseits des späteren US-Präsidenten Donald Trump, Friedrich und Elisabeth Trump. Mehr als diese Herkunft ist für eine Reiseseite nicht nötig: Der Ort wurde dadurch in den USA bekannt, ist aber vor allem ein Dorf mit Weinbau.
Die Ortsgeschichte hält fest, dass die Auswanderer aus Kallstadt nicht unbedingt die Ärmsten waren, sondern häufig ehrgeizige Menschen; der Ort hatte 1815 rund 680 Einwohner. Einen Spaziergang durch das Dorf beschreibt die Seite Kallstadt.
| Zeitraum | Ereignis | Hauptziele |
|---|---|---|
| ab 1688 | Pfälzischer Erbfolgekrieg, Verwüstung der Pfalz | Preußen, Nordamerika |
| 1709 | Große Pfälzer Wanderung über Rotterdam nach England | London, New York, Pennsylvania |
| 1717 bis 1732 | Mennonitische Siedler bringen die Mundart nach Pennsylvania | Pennsylvania |
| 1776 | Unabhängigkeit der USA beendet die koloniale Phase | – |
| 1817 bis etwa 1850 | zweite Massenauswanderung nach Missernten | Nordosten und Mittlerer Westen der USA |
Wie findet man Vorfahren und Spuren der Auswanderer?
Am besten über die Archive und Institute der Pfalz. Das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde des Bezirksverbands Pfalz in Kaiserslautern führt eine Auswandererkartei, die digitalisiert und im Netz zugänglich gemacht wird; sie wurde ab 1936 von der Heimatstelle Pfalz aufgebaut und enthält Hinweise zur Auswanderung vor allem in die USA. Den Zugang zur Datenbank und die aktuelle Form des Angebots prüfen Sie auf der Seite des Instituts oder beim Bezirksverband Pfalz.
Wer mit der Suche beginnt, sollte zuerst den Herkunftsort in Deutschland klären. Das gelingt oft über amerikanische Unterlagen, in denen der Ort der Familie genannt wird. Namen änderten sich in den USA häufig in Schreibweise und Aussprache; gesucht werden sollte deshalb unter mehreren Varianten. Für die Zeit vor der französischen Verwaltung ab 1798 sind Kirchenbücher die wichtigste Quelle, danach kommen Personenstandsregister hinzu; wo die Bücher einer Gemeinde heute liegen, kann das Landesarchiv Speyer sagen.
Für Unterlagen der Verwaltung kommt das Landesarchiv Speyer in Betracht, das Bestände der bayerischen Zeit ab 1816 verwahrt. Die Stadt Kaiserslautern zeigte im Theodor-Zink-Museum die Ausstellung „Aufbruch nach Amerika“ und gab dazu eine Begleitpublikation heraus; ein Überblick über Museen der Region steht auf der Seite Museen in der Pfalz. Eine Einordnung in die Landesgeschichte gibt die Seite zur Geschichte der Pfalz.
Häufige Fragen zu den Pfälzer Auswanderern
Wann wanderten die meisten Pfälzer aus?
In zwei großen Wellen: Die erste begann 1709 und lief bis zur Unabhängigkeit der USA 1776, die zweite setzte 1817 ein und dauerte bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwischen beiden Phasen ging die Auswanderung stark zurück.
Sprechen Nachkommen noch Pfälzisch?
In Pennsylvania lebt die Sprache als Pennsylvaniadeutsch weiter. Wie viele Menschen sie heute sprechen, ist eine Frage für die Sprachforschung in den USA; die Seite zum Pfälzischen beschreibt die Verwandtschaft.
Warum heißen sie „Pennsylvania Dutch“?
Das englische „Dutch“ geht hier auf „Deutsch“ zurück, nicht auf „Niederländisch“. Die Bezeichnung verweist auf die deutschsprachige Herkunft der Einwanderer, die aus der Pfalz und angrenzenden Regionen kamen.
Waren die Auswanderer alle arm?
Nein. Die Massenwanderung von 1709 bestand überwiegend aus armen Landarbeiterfamilien, doch im 19. Jahrhundert verließen auch Menschen mit Besitz und Ehrgeiz die Pfalz. Die Ortsgeschichte von Kallstadt hält ausdrücklich fest, dass dort nicht die Ärmsten gingen.
Was ist die Auswandererkartei?
Es ist eine Kartei zur Auswanderung aus der Pfalz, die das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern verwahrt. Sie geht auf die Heimatstelle Pfalz zurück, die 1936 mit dem Aufbau begann, und wird digitalisiert, damit Familienforscher sie leichter nutzen können.
Wo erfahre ich mehr über Kallstadt?
Die Gemeinde gehört zur Verbandsgemeinde Freinsheim; Hinweise zum Ort und zu Veranstaltungen veröffentlicht die Verbandsgemeinde.
Quellen: Bezirksverband Pfalz; Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde; Landesarchiv Speyer; Stadt Kaiserslautern; Auswanderungsportal Rheinland-Pfalz; KuLaDig: Elwetritsche in der Pfalz; Wikipedia: Kallstadt; Wikipedia: Kurpfalz. Stand: Oktober 2026.