Land & Leute
Die bayerische Pfalz 1816 bis 1946: vom Rheinkreis zum Regierungsbezirk
Vom Rheinkreis 1816 zum Land Rheinland-Pfalz 1946

Kurz gesagt
Von 1816 bis 1946 gehörte die Pfalz zum Königreich und später zum Freistaat Bayern, zuerst als Rheinkreis mit der Hauptstadt Speyer, ab 1838 unter dem Namen Pfalz. Sie behielt dabei französisches Recht und eine eigene Verwaltung, bis sie 1946 Teil des neuen Landes Rheinland-Pfalz wurde.
Wie kam die Pfalz 1816 zu Bayern?
Als Tauschobjekt auf dem Wiener Kongress. Nach dem Ende der französischen Herrschaft, unter der das linke Rheinufer von 1798 bis 1814 stand, wurde die Pfalz zunächst Österreich zugesprochen. Bayern hatte im Münchener Vertrag vom 14. April 1816 Gebiete wie Salzburg und das Innviertel an Österreich abgetreten, als Ausgleich erhielt es linksrheinische Landesteile. Sie hießen zunächst „Landestheile auf dem Überrheine“ und bald Rheinkreis.
Dieses Gebiet war neu zusammengesetzt. Es enthielt Teile der alten Kurpfalz, des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken, des Hochstifts Speyer und weiterer Herrschaften, die nie zusammengehört hatten. Bayern bemühte sich auch um die rechtsrheinische Kurpfalz mit Heidelberg und Mannheim, scheiterte aber; wie sich die Begriffe seither verschoben haben, beschreibt die Seite Pfalz und Kurpfalz. Als Hauptstadt wählte die bayerische Regierung Speyer, die vorher als Reichsstadt und Bischofssitz eine ganz andere Rolle gespielt hatte.
Der Landrat des Rheinkreises trat am 6. Dezember 1816 in Speyer zum ersten Mal zusammen. Dieses Gremium gilt als Vorläufer der heutigen Bezirkstage und damit auch des Bezirksverbands Pfalz, der bis heute als höherer Kommunalverband besteht. Eine genaue Zahl der Einwohner im Gründungsjahr schwankt je nach Quelle; häufig genannt werden etwa 430.000 Menschen auf rund 6.000 Quadratkilometern.
Warum hatte die bayerische Pfalz eine Sonderstellung?
Weil Bayern die Neuerungen der französischen Zeit beibehielt. In der Pfalz blieb die Grundherrschaft aufgehoben, was im rechtsrheinischen Bayern erst 1848 geschah, und es galt völlige Gewerbefreiheit. Verwaltung und Justiz waren bis auf die unterste Ebene getrennt. Das bürgerliche Recht blieb der Code civil, der in der Pfalz bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahr 1900 gültig war.
Auch die Verwaltung blieb eigenständig. Unter dem Kreis standen Landkommissariate, die ab 1818 gebildet wurden; Kallstadt zum Beispiel gehörte zum Landkommissariat Neustadt. Aus ihnen gingen später die Bezirksämter hervor, und 1938 wurden sie in Landkreise umbenannt. Der Name wechselte ebenfalls: Aus „Rheinkreis“ wurde 1837 oder 1838 die „Pfalz“ oder „Rheinpfalz“, die Quellen nennen als Stichtag teils 1837, teils den 1. Januar 1838.
Konfessionell war die Pfalz gemischt, mit evangelischer Mehrheit, einer starken katholischen Minderheit und einigen jüdischen Gemeinden; 1818 schlossen sich Lutheraner und Reformierte zur vereinigten protestantischen Kirche der Pfalz zusammen. Eine heutige pfälzische Identität, so beschreibt es die Landeskunde, entwickelte sich erst nachträglich mit Blick auf die Grenzen von 1815 und 1816.

Welche Rolle spielte die Pfalz in der Revolution von 1832 und 1849?
Sie wurde zum Zentrum der frühen Demokratiebewegung im Süden Deutschlands. Das Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 versammelte auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt nach vorsichtiger Schätzung zwischen 20.000 und 30.000 Menschen, die Pressefreiheit, Volkssouveränität und die nationale Einheit forderten. Zu den Organisatoren zählten Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der zuvor als Landkommissär in Homburg gearbeitet hatte; die Stadt erinnert dort mit dem Siebenpfeifferhaus an ihn.
Die bayerische Obrigkeit reagierte mit Verboten, Verfolgung und einer Stärkung der Truppen im Rheinkreis. Zum Ende der Revolution von 1848/49 beteiligte sich die Pfalz erneut an der Reichsverfassungskampagne; preußische Truppen beendeten den Aufstand im Sommer 1849. Der große Überblick der Landesgeschichte steht in der Geschichte der Pfalz.
Was hat König Ludwig I. in der Pfalz hinterlassen?
Das bekannteste Zeugnis ist die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben, die zwischen 1846 und 1852 als Sommersitz für König Ludwig I. von Bayern entstand. Die Villa Ludwigshöhe gehört heute dem Land und wird von der Generaldirektion Kulturelles Erbe verwaltet; Besichtigungszeiten finden Sie dort auf der offiziellen Seite der GDKE Rheinland-Pfalz. Auch Ludwigshafen, die einwohnerstärkste Stadt der Pfalz, trägt den Namen des Königs.
Der Hofarchitekt Friedrich von Gärtner entwarf die Villa; wenig später ließ auch Kronprinz Maximilian die Ruine des Hambacher Schlosses neugotisch zur Sommerresidenz ausbauen, weshalb der Volksmund bis heute von der „Maxburg“ spricht. Die Verbindung zwischen München und dem Rheinkreis zeigte sich ebenso in der Denkmalpflege: Der Speyerer Dom, die Grablege salischer Kaiser, wurde im 19. Jahrhundert unter bayerischer Herrschaft aufwendig wiederhergestellt.
Wie veränderte die Industrialisierung die Pfalz?
Mit Eisenbahn, Hafen und Chemie. Die Pfälzische Ludwigsbahn verband ab den 1840er Jahren das Rheinufer mit der Saarkohle und machte die Pfalz zur Durchgangsregion. Am Rhein entstand ab 1865 im bayerischen Ludwigshafen ein Chemiestandort, aus dem später die größte Industrieanlage der Region wuchs. Daneben prägten Schuhe in Pirmasens, Maschinen in Kaiserslautern und Frankenthal sowie der Weinbau das Wirtschaftsleben; die Industrialisierung beschränkte sich allerdings überwiegend auf einzelne Zentren wie Ludwigshafen, Kaiserslautern oder Pirmasens.
Zugleich blieb die Pfalz für viele Familien ein Auswanderungsland. Hungerjahre und Not trieben im 19. Jahrhundert Menschen nach Amerika, vor allem bis zur Jahrhundertmitte, wie die Seite zu den Pfälzer Auswanderern zeigt.
Wie endete die bayerische Pfalz?
In mehreren Stufen zwischen 1919 und 1946. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten französische Truppen die Pfalz bis 1930, die Zugehörigkeit zu Bayern blieb bestehen. Der Versailler Vertrag trennte 1919 die westlichen Teile ab, die zum neuen Saargebiet kamen und deren Name Saarpfalz bis heute im Saarland lebt; die Seite Saarpfalz und Bliesgau beschreibt sie. Zwischen November 1923 und Anfang 1924 kam es zu separatistischen Aufständen in mehreren Städten, die scheiterten.
Im Nationalsozialismus wurde die bayerische Verwaltung ausgehöhlt. Ab 1940 verwaltete zunächst ein Reichskommissar die Pfalz gemeinsam mit dem Saarland, ab 1941 als „Westmark“ auch mit Lothringen. Die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner zerstörte die jahrhundertealten Gemeinden; die Geschichte des mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Lebens in Speyer stellt die Seite Jüdisches Speyer dar.
Nach 1945 gehörte die Pfalz zur Französischen Besatzungszone. Die Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung gliederte sie 1946 dem neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz ein, zusammen mit Rheinhessen und Gebieten des früheren Preußens und Nassaus. Die Pfalz war danach zunächst ein eigener Regierungsbezirk mit Sitz in Neustadt, ab 1968 gemeinsam mit Rheinhessen, bis die Bezirksregierungen am 1. Januar 2000 aufgelöst wurden. Warum die Pfalz heute nicht mit dem ganzen Bundesland gleichzusetzen ist, erklärt die Seite Pfalz oder Rheinland-Pfalz?.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1816 | Rheinkreis kommt an Bayern, Hauptstadt Speyer |
| 1818 | Bildung der Landkommissariate |
| 1832 | Hambacher Fest |
| 1838 | Name Pfalz |
| 1846 bis 1852 | Bau der Villa Ludwigshöhe |
| 1900 | Ablösung des Code civil durch das BGB |
| 1919/1920 | Saarpfalz kommt zum Saargebiet |
| bis 1930 | französische Besatzung |
| 1946 | Eingliederung in Rheinland-Pfalz |
Was ist von der bayerischen Zeit geblieben?
Eine Reihe von Bauten, Namen und Einrichtungen. Wer auf die Spuren der Königszeit achtet, findet sie am Haardtrand ebenso wie am Rhein: die Villa Ludwigshöhe als klassizistische Sommervilla, das Hambacher Schloss in seiner neugotischen Gestalt, den Namen Ludwigshafen. Dazu kommen Straßen und Plätze, die in manchen Orten nach bayerischen Herrschern benannt wurden. Die Landesarchive und Museen der Pfalz bewahren die schriftlichen Zeugnisse.
Staatsrechtlich lebt das Erbe des Landrats von 1816 im Bezirksverband Pfalz weiter. Er hat sich aus den Einrichtungen entwickelt, die Frankreich 1800 mit dem Generalrat eingeführt hatte und die Bayern 1816 mit dem Landrat des Rheinkreises fortführte. Zu seinen Einrichtungen zählt das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, das sich mit Landesgeschichte, Auswanderung und Volkskunde befasst. Wer sich auf der Pfalz-Reise für diese Themen interessiert, kann sich dort über Veröffentlichungen informieren.
Häufige Fragen zur bayerischen Pfalz
Warum hat die Pfalz keinen bayerischen Dialekt?
Weil die Mundart rheinfränkisch ist und nicht bairisch. Die Zugehörigkeit zu Bayern veränderte die Sprache nicht; der Dialekt der Pfalz ist mit dem der Nachbarregionen am Rhein verwandt, wie die Seite zum Pfälzischen zeigt.
Was bedeutet Rheinkreis?
Der Begriff meint den Verwaltungsbezirk, den das Königreich Bayern 1816 aus seinen linksrheinischen Gebieten bildete. Ein Kreis war damals die oberste regionale Verwaltungsebene, vergleichbar mit einem späteren Regierungsbezirk.
Gehörte Mannheim zur bayerischen Pfalz?
Nein. Mannheim lag rechts des Rheins im Großherzogtum Baden und gehörte nie zum bayerischen Rheinkreis, auch wenn es früher Residenz der Kurfürsten war.
Gibt es Archive zur bayerischen Zeit?
Ja. Das Landesarchiv Speyer verwahrt den größten Teil der Unterlagen der bayerischen und später der rheinland-pfälzischen Verwaltung ab 1816 und ist die wichtigste Anlaufstelle für die Geschichte der Pfalz im 19. und 20. Jahrhundert.
Was ist der Bezirksverband Pfalz?
Er ist ein höherer Kommunalverband, dem die Städte und Landkreise der Pfalz angehören, und der einzige seiner Art in Rheinland-Pfalz. Seine Wurzeln reichen über den Landrat von 1816 bis zum französischen Generalrat von 1800 zurück; er verwaltet unter anderem kulturelle und soziale Einrichtungen.
Quellen: Landesarchiv Speyer; Bezirksverband Pfalz; GDKE Rheinland-Pfalz; Pfalz.Touristik; Wikipedia: Pfalz (Region); Wikipedia: Rheinkreis; Wikipedia: Saarpfalz. Stand: Oktober 2026.