Land & Leute
Bildstöcke in Maikammer und Alsterweiler: von 1699 bis zum Urbansstock
Winzer als Stifter: Bildstöcke in den Gewannen von Maikammer und Alsterweiler vom Barock bis 1956

Kurz gesagt
Bildstöcke sind schlanke Pfeiler mit einer Nische für ein Heiligenbild, die Winzer als Dank für eine Genesung, eine Heimkehr oder eine gerettete Ernte in die Weinberge stellten. In Maikammer und Alsterweiler stehen Beispiele aus mehr als 250 Jahren: der älteste von 1699, der Urbansstock im mittleren Weinsper, Bildstöcke von 1817 und 1820 sowie Stücke der Nachkriegszeit aus Terrazzo.
Was ist ein Bildstock, und wie unterscheidet er sich von einem Kreuz?
Ein Bildstock ist ein Kleindenkmal aus Stein, das meistens aus drei Teilen besteht: einem massiven Sockel, einer Stele, dem Schaft, und einem tabernakelartigen Aufsatz mit einer Nische. In der Nische steht oder hängt ein Bild, eine Figur oder eine Keramik. Der Bildstock ist eine Betsäule, vor der Vorbeigehende innehalten und ein kurzes Gebet sprechen. Ein Flurkreuz trägt dagegen einen Gekreuzigten und steht frei im Feld; wie diese Kreuze in denselben Weinbergen aussehen, zeigt die Seite Flurkreuze in Maikammer und Alsterweiler.
Die Stifter waren Winzer, Küfer, Gutsbesitzer und Familien, die Dank sagten: für die Genesung einer Frau, für die Rückkehr eines Sohnes aus dem Krieg, für einen glimpflich verlaufenen Unfall. Dieses Muster zieht sich vom Barock bis in die Nachkriegszeit. Die Orte lassen sich in den Gewannen finden, die ihre Namen aus dem Mittelhochdeutschen tragen. Wie solche Flurnamen im Wald entstanden, erklärt die Seite Flurnamen im Pfälzerwald; die Gemeinde stellt die Seite Maikammer vor.
Welcher Bildstock in Maikammer ist der älteste?
Dem Jahr nach ist es der Bildstock im Immengarten an der Ecke Immengarten und Blumenstraße. Er wurde 1699 errichtet. Der Bildstock aus rotem Sandstein ist 2,20 Meter hoch, Sockel und Stele sind mit einer Eisenklammer verbunden. Das Kopfteil hat die Form eines geschweiften Kielbogens, wie sie die Gotik kennt. In der Nische steht eine hölzerne Maria, die das Jesuskind schützend an sich drückt; noch 1972 befand sich dort ein Muttergottesbild.
Auf der Stele stehen die Zeichen „1699 HMK“ und darunter ein Metzgerzeichen. Ein Schlussstein am Hinterhaus der Weinstraße 24 in Maikammer trägt dieselben Initialen. Das Haus gehörte dem Metzger Johann Matthäus Kühn, geboren am 5. Februar 1656, gestorben am 30. März 1720, der 1688 und 1689 Bürgermeister war. Der Name der Gewanne kommt vom mittelhochdeutschen „imbe“ für Biene, denn hier standen früher Bienenstöcke. Früher stand der Bildstock in der südlich angrenzenden Gewanne oberhalb der Spreißelgasse, einem früheren Feldweg durch die Spreißelwiesen.
Warum steht der heilige Urban im mittleren Weinsper?
Der Bildstock im mittleren Weinsper steht an der Landesstraße 512 in einer Einfassung aus Sandsteinen. Schon 1669 wurde an dieser Stelle ein Bildstock erwähnt. Der heutige besteht aus rotem Sandstein, am Kopf ist ein Kreuz ausgehauen. In der Nische steht der heilige Urban aus bunter, glasierter Keramik, ausgestattet mit Mitra, Trauben mit Blättern und einem Kreuz als Bischofsstab. Urban ist der Schutzpatron der Winzer.
Darunter hängt eine Keramiktafel mit einem eingeritzten Gebet: „Heiliger Urban, du großer Wundermann, dich all wir rufen an. Wollst sein für uns Patron am hohen Himmelsthron. Dein Weinstock hoch behüte durch deine große Güte. Abwend schweren Hagel, Blitz, zur Zeit schicken Regen, schicken Hitz.“ Das Gebet fasst zusammen, wovon Winzer abhängen: Segen, Schutz vor Hagel und Blitz, Regen und Wärme zur rechten Zeit.
1972 trug der Bildstock ein Herz-Jesu-Bild und war 1,90 Meter hoch und farbig gefasst. 1979 ließ ihn die katholische Pfarrgemeinde restaurieren, die treibende Kraft war Urban Ziegler. Die Künstlerin Björg Megerle töpferte die Schrifttafel und den heiligen Urban. 2008 überarbeitete ihn die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Maikammer erneut. Mehr zum Anbau und zu den Lagen erzählt die Seite Deutsche Weinstraße.

Wer ließ den Bildstock am Kapellenweg in Alsterweiler errichten?
Der hohe, schmale Bildstock aus rotem Sandstein steht am Beginn des Alsterweilerer Kapellenwegs auf den Heldwiesen. Der Winzer und Gutsbesitzer Nicolaus Gros, geboren am 23. Mai 1778, gestorben am 18. September 1868, und seine Frau Clara errichteten ihn 1817. Nicolaus Gros ließ auch die Alsterweilerer Kapelle bauen. Auf der Spitze sitzt ein ausgehauenes Kreuz mit dem Monogramm IHS, von dem nur noch das gekippte H zu erkennen ist. In der Kopfnische zeigt ein Relief eine Wolke über zwei emporgestreckten Händen, ein Bild für die Sehnsucht des Menschen nach dem Himmel. 1974 stand eine Pietà in der Nische.
Die Namen der Stifter stehen in der Stele: „Zur Ehr Gottes hat es errichtet Nicolaus Gros, Clara Grosin 1817.“ Auf dem Sockel liest man „In den Himmel aufgenommen“. Die Gegend gehört zum Ortsteil, den die Seite Alsterweiler beschreibt.
Was hat der Bildstock in der oberen Sau erlebt?
Der Winzer Peter Adam Franckman, geboren am 14. August 1782 und gestorben am 30. Juni 1854, und seine Frau Anna Maria, geborene Schlosser, ließen den Bildstock 1820 errichten. Er ist aus einem einzigen Sandsteinblock gehauen und zeigt drei Abschnitte: Sockel, Stele und tabernakelartigen Aufsatz. Im Kopfteil sitzt ein Kreuz mit dem Monogramm IHS, in der mit Ölfarbe ausgemalten Nische ein Brustbild der Gottesmutter. Der Stamm trägt die Inschrift „Zur Ehr Gottes hat das Bild errichtet Petre Adam Franckman und seine Ehefrau Anna Maria Franckman im Jahre 1820“. Der Bildstock ist ein eingetragenes Einzeldenkmal.
Er stand früher in der Gewanne im Kalkofen neben dem letzten Haus der Turmstraße. Die heutige Kredenburgstraße in der oberen Sau hieß früher Saugasse. Dort trieben die Einwohner von Alsterweiler ihre Schweine auf die Weide.
Was zeigt der Bildstock im oberen Dürkheimer?
Der Andachtsbildstock aus gelbem Sandstein wurde 1880 errichtet. Er besteht aus Sockel, Stele und einem Aufsatz in der Form eines romanischen Fensters, in dessen Giebel drei weiße Rosetten sitzen. In der Nische steht ein Bild „Jesus am Ölberg“, das die Maikammerer Künstlerin Björg Megerle getöpfert hat. Bis 1975 war dort eine Figur des knienden Jesus neben einem Felsen zu sehen, auf dem ein Kelch stand, von dem nur das Fußstück erhalten war. Das heutige Bild ist dieser Darstellung nachempfunden. Im Mittelteil ist in gotischer Schrift der Vers aus dem Lukasevangelium eingemeißelt: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so nimm diesen Kelch hinweg von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Darunter sitzt eine Rosette aus Sandstein. 2020 erneuerte der Club Sellemols, die Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler, das Gittertürchen am Aufsatz.
Der Gewannenname geht auf ein Lehen des Speyerer Fürstbischofs an die Dürkheimer zurück und ist in Urkunden von 1619, 1669 und 1719 erwähnt. Die Stadt der Fürstbischöfe beschreibt die Seite Speyer.

Wie ersetzt man einen verwitterten Bildstock?
Im oberen Grund steht ein Nachbau, das Original wurde an einen anderen Platz versetzt. Der gelbe Sandsteinbildstock trägt die Jahreszahl 1882 und wurde von der Familie Kühn aus Alsterweiler aus Dankbarkeit für eine Genesung nach schwerer Krankheit errichtet. Der ursprüngliche, stark verwitterte Bildstock steht in der Hauptstraße 25. Der Nachbau, ein fast exakter, wurde von der Familie Albert und Doris Orth finanziert. Auf einem massiven Sockel erhebt sich eine zweiteilige Stele mit tabernakelartigem Aufsatz. In der Kopfnische befindet sich ein steinernes Christusbild. In gotischer Schrift steht auf der Stele „Dieses Kreuz Jesu sei meine Liebe, 300 Tage Ablass“. Der alte Bildstock hatte noch „O süßes Herz Jesu“ getragen. Zwei Zypressen und eine Einfassung aus Sandstein rahmen den kleinen Platz.
Der Name der Gewanne führt auf mittelhochdeutsch „grunt“ zurück, das grobkörnigen Sand bedeutete. Später wandelte sich die Bedeutung zu Vertiefung, Tal und Mulde. Gemeint ist der Talgrund des Wetterkreuzbergs.
Welche Bildstöcke entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg?
Der Bildstock im Heiligenberg, 1,70 Meter hoch, wurde 1947 aus Terrazzo gefertigt, einem Kunststein. Berta Müller, geboren am 8. April 1898, gestorben am 1. April 1988, stiftete ihn aus Dankbarkeit für die Heimkehr ihres Sohnes aus dem Zweiten Weltkrieg. Er ist aus einem einzigen Stein geschlagen, steht auf einer in den Boden eingelassenen Sandsteinplatte, die Stele ist gekehlt und endet in einem fensterartigen Abschluss. In der Nische sitzt eine Marienbüste im Profil, darunter steht „Maria hat geholfen“. Hergestellt hat ihn der Steinmetzbetrieb Münch aus Kirrweiler. Ursprünglich stand er in der Gewanne im Ahlberg, vom neuen Standort hat man einen weiten Blick über die Weinberge.
Der Bildstock zwischen den Wegen, ebenfalls aus Terrazzo, wurde 1952 vom Winzer Martin Schädler errichtet. Er steht in der Gemarkung von Alsterweiler direkt vor dem Alsterweilerer Tälchen, sein Bild zeigt zu den Weinbergen. Vor der Flurbereinigung stand er an der Kalmitstraße. Unter dem dachförmigen Oberteil mit eingemeißeltem Kreuz hängt in der Nische eine kupferne Platte mit sitzender Maria, auf deren Bein das Jesuskind mit Erdkugel steht; die Platte ist von dreizehn Blütenornamenten gerahmt. Anlass der Stiftung war ein Unfall. Beim Keltern hatte man im Haus Schädlers die Bretter über dem Kellerschacht geöffnet, um die Weinschläuche hindurchzubringen. Als er sein Pferd in den Stall führen wollte, löste sich ein weiteres Brett, und beide stürzten in den Keller. Mit einem Flaschenzug zog man das Pferd nach oben; es lebte noch zehn Jahre, der Winzer kam mit kleinen Blessuren davon.
1956 folgte der Bildstock auf der mittleren Heide, den der Winzer und Kellerküfer Adolf Aloys Sell aus Dankbarkeit für die Genesung seiner Frau Maria errichtete. Er ist zwei Meter hoch und besteht aus gelbem Sandstein, im dachförmigen Oberteil sitzt hinter einem Gitter eine Keramikscheibe mit der gekrönten Maria auf der Mondsichel, das Kind mit einer Erdkugel im Arm, darunter drei Engelsköpfe. Am Stamm hängt ein kleines steinernes Weihwassergefäß. Der Neustadter Bildhauer Ullmeyer schuf ihn. Der Name der Gewanne bezeichnet unbebautes Feld mit wilder Bewachsung: Ein Ödlandstreifen zog sich früher von Hambach bis über Rhodt hinaus und diente dem „kleinen Mann“ als Viehweide.

Wie findet man die Bildstöcke auf einem Spaziergang?
Die Bildstöcke stehen in den Gewannen am Ortsrand und in den Weinbergen unterhalb des Pfälzerwaldes. Wer die Wege am Wetterkreuzberg geht, kommt an mehreren vorbei. Der Berg über den Weinbergen ist auf der Seite Kalmit beschrieben, zur Zeit der Lese bietet die Seite Weinlese in der Pfalz Hintergründe zum Jahreslauf der Winzer.
Häufige Fragen zu den Bildstöcken in Maikammer und Alsterweiler
Wie alt ist der älteste Bildstock in Maikammer?
Der Bildstock im Immengarten trägt die Jahreszahl 1699. An der Stelle im mittleren Weinsper wurde schon 1669 ein Vorgänger erwähnt.
Woraus bestehen die Bildstöcke?
Aus rotem und gelbem Sandstein; die Stücke von 1947 und 1952 sind aus Terrazzo.
Warum steht der heilige Urban im Weinberg?
Urban ist ein Patron der Winzer. Das Gebet auf der Tafel bittet um Schutz vor Hagel und Blitz und um Regen und Wärme zur rechten Zeit.
Wie ist ein Bildstock aufgebaut?
Aus einem Sockel, einer Stele und einem Aufsatz mit Nische für ein Bild.
Wer sorgt für die Pflege der Bildstöcke?
Pfarrgemeinde, Vereine und Familien: 1979 die katholische Pfarrgemeinde, 2008 die KAB Maikammer, 2020 der Club Sellemols.
Was bedeutet IHS?
Das Monogramm steht für „Iesus hominum salvator“, Jesus, Erlöser der Menschen.
Quellen: KuLaDig: Bildstock im Immengarten; KuLaDig: Bildstock im mittleren Weinsper; KuLaDig: Bildstock Gros auf den Heldwiesen in Alsterweiler; KuLaDig: Bildstock in der oberen Sau; KuLaDig: Bildstock im oberen Dürkheimer; KuLaDig: Bildstock im oberen Grund; KuLaDig: Bildstock im Heiligenberg; KuLaDig: Bildstock zwischen den Wegen; KuLaDig: Bildstock auf der mittleren Heide. Stand: November 2026.