Land & Leute
Eisenberg in der Pfalz: Römervicus, Eisenwerk Gienanth und Erdekaut
Von römischen Rennöfen über das Eisenwerk Gienanth bis zu den Tongruben der Erdekaut: 2.000 Jahre Eisen und Ton in Eisenberg

Kurz gesagt
Eisenberg im Donnersbergkreis ist seit über 2.000 Jahren ein Eisen- und Tonort. Im römischen Vicus, der vom 1. Jahrhundert vor Christus bis ins 5. Jahrhundert bestand, wurde in Rennöfen Roheisen erschmolzen und exportiert. 1735 pachtete Johann Jakob Gienanth den Eisenberger Großhammer, 1800 kaufte Ludwig von Gienanth die Schmelz. Römerpark, Herrenhaus von 1826 bis 1829, Arbeiterhäuser ab 1818, Landschaftspark und das Mausoleum von 1912 zeigen die ganze Spanne. Die Tongruben der Erdekaut mit 61 Hektar lieferten den feuerfesten Rohstoff.
Was war der Vicus von Eisenberg?
Ein Vicus ist eine römische Siedlung ohne Stadtrecht, meist an einer Straße gelegen. Der Vicus von Eisenberg liegt südlich der heutigen Stadt an der B 47, die als Römerstraße bezeichnet wird. Er lag an der Fernstraße von Worms nach Metz. Sein antiker Name ist nicht überliefert. Die Siedlung bestand vom 1. Jahrhundert vor Christus bis ins 5. Jahrhundert nach Christus und bedeckte etwa 4,6 Hektar. Ihre Bedeutung lag im Eisen: Ton und Klebsand lieferten das Material für die Schmelzöfen, die Wälder die Holzkohle, und die Erze kamen aus der Region. Eisenberg wurde so zu einem Umschlagplatz für Roheisen, das exportiert wurde. Was man im Boden fand, belegt außerdem Buntmetallverarbeitung.
Die Eisenverarbeitung in der Gegend ist älter als die Römer. Schon in vorrömischer Zeit, in der Spätlatènezeit, wurde Eisenerz verhüttet; Schlackenhalden und Düsen aus feuerfestem Ton nahe dem Lauberhof zeigen es. Die Römer steigerten die Produktion deutlich. Die römische Epoche im Gesamtbild der Region beschreibt die Seite Römer in der Pfalz.
Wie wurde der Vicus entdeckt und ausgegraben?
Funde gibt es seit 1761, darunter Inschriftensteine, einen Viergötterstein (1820 und 1929) und ein Relief mit Mercur und Rosmerta (1902). Der Forscher Christian Mehlis fand Ende des 19. Jahrhunderts am Eisbach drei Rennöfen, umgeben von mehrere Meter hohen Schlackenhalden. Auch Friedrich Sprater forschte 1919 am Vicus. Die systematische Freilegung begann 1992, ausgelöst durch den Bau einer Umgehungsstraße. Die Großgrabungen dauerten bis 2000. Beteiligt waren die Landesarchäologie Speyer, die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und die Universität Koblenz-Landau. Beteiligt sind außerdem der Verein Römischer Vicus Eisenberg (Pfalz) e.V. und die Stadt Eisenberg.
Freigelegt wurden rund 300 Meter Länge der Siedlung mit 16 Gebäuden, zwei Ost-West-Hauptstraßen, zwei Nord-Süd-Nebenstraßen, einem zentralen Platz und Handwerksbereichen mit Resten von Rennöfen und Schlacken. Eine Grabung im Hof des Burgus brachte 2016 ein Skelett zutage: Der Mann war durch Stich- und Hiebverletzungen getötet worden.

Wie waren die Häuser im Vicus gebaut?
Ein Werkplatz entstand im späten 1. Jahrhundert vor Christus. Etwa hundert Jahre später wurde das Areal parzelliert und bebaut. Die meisten Häuser waren Streifenhäuser, 11 bis 18 Meter lang und 7 bis 9 Meter breit, meist zweistöckig, mit Läden und Werkstätten zur Straße und Wohnraum hinten oder oben. Zunächst baute man in Fachwerk, ab dem 2. Jahrhundert auch in Stein. Zwei größere Atriumhäuser lagen nahe dem Forum. Haus 22, das zwischen 2008 und 2015 ausgegraben wurde, zeigt bis zu fünf übereinanderliegende Gebäude.
Das Forum, in der Grabung als Haus 5 geführt, war ein bis zu dreistöckiger Bau von 40 Metern Länge. Der Innenhof misst 15 mal 15 Meter. Drei Flügel waren eingeschossige Säulenhallen, der vierte eine dreigeschossige Basilika mit Apsis. Neben ihr lagen eine Markthalle, eine Versammlungshalle und die Curia, der Raum für die Ratsversammlung. Zwei Duoviri führten den Ort, jeweils für ein Jahr, und hafteten mit ihrem Vermögen. Der Rat bestand aus freien Landbesitzern mit Vermögen. Die Benefiziarier übernahmen den Polizeidienst und sicherten die Eisentransporte.
Wie schmolzen die Römer in Eisenberg Eisen?
Das Eisen wurde in Rennöfen erzeugt. Das sind Schachtöfen aus einer Mischung von lokalem Ton und Stroh, manchmal mit Steinen. Typisch sind kegelförmig verjüngte Schächte. Antike Öfen waren etwa 0,5 bis 2 Meter hoch; die niedrigere Bauart heißt Rennherd. Im Römerpark wurden drei Varianten nachgewiesen: ein Schacht, der direkt auf dem Boden steht und bei dem die Schlacke durch ein Loch nahe der Düse abläuft; ein Schacht über einer vertieften Schlackengrube, in der sich die Schlacke sammelt; und ein Schacht in der Wand einer rechteckigen, etwa einen Meter tiefen Arbeitsgrube, bei dem rund zwei Drittel des Schachts in der Grubenwand sitzen.
Der Betrieb lief in Schichten ab. Holzkohle und geröstetes, zerkleinertes Erz wurden abwechselnd von oben eingefüllt. Luft strömte durch eine oder mehrere Tondüsen und wurde mit Blasebälgen zugeführt. Holzkohle wurde verwendet, weil sie heißer brennt als Holz. Versuche mit nachgebauten Öfen erreichten etwa 1.350 Grad. Das Produkt, das Renneisen, enthielt noch Schlacke und Holzkohlereste; durch langes Schmieden wurden sie weitgehend entfernt. Das Ergebnis war brauchbarer Stahl mit ungleichmäßigem Kohlenstoffgehalt.
Die Eisenverhüttung lässt sich im Vicus ab dem 1. Jahrhundert nach Christus belegen; für die keltische Zeit sprechen Funde und Ofenform. Zum Vergleich: In Vorderasien begann die Eisengewinnung um 1200 vor Christus, in Mitteleuropa um 800 vor Christus. Die Rekonstruktionen im Römerpark sind aus örtlichem Lösslehm gebaut, wie ihn die Römer verwendeten. Sie zerfallen im Freien, deshalb werden neue Öfen meist für Veranstaltungen errichtet.

Was geschah im 3. und 4. Jahrhundert?
Germanenangriffe zwischen 260 und 275 nach Christus hinterließen Brandschichten. Auffällig häufig sind in dieser Schicht Münzen der gallischen Usurpatoren Tetricus I. und II., die von 271 bis 274 prägten. Größere Münzfunde aus der konstantinischen Zeit zeigen, dass die Wirtschaft wieder florierte. Um 350 kam es zu alemannischen Vorstößen. Im 4. Jahrhundert erholte sich der Ort. Um 370 entstand unter Kaiser Valentinian I. ein Burgus, eine kleine spätantike Festung mit fünf kleineren Räumen, dicken Mauern und Ecktürmen. Gebaut wurde sie aus Steinen aufgegebener Häuser, aus Altären und Inschriftensteinen. Mehlis untersuchte sie 1882, Sprater 1919. Im 5. Jahrhundert wurde die Siedlung aufgegeben. Was danach in der Region geschah, erzählt die Seite Salier und Staufer.
Was zeigt der Römerpark heute?
Ein Dokumentationszentrum schützt das Haus 13. Seine Fassade besteht aus Cortenstahl und Streckmetall und stammt vom Kölner Architekturbüro arche18 (Enck und Oswald). Zu sehen sind zwei rekonstruierte Keller, zwei Backöfen, zwei Sarkophage, ein Nachbau einer Weihesteininschrift, eine nachgebaute Grillgrube und zeitweise ein Rennofen. Zeichnungen von Wolfgang Himmelmann zeigen den Vicus um 200 und um 370 nach Christus. Alle zwei Jahre findet im Park ein Römerfest statt. Zu den Funden zählen eine Merkur-Votivstatuette und ein frühchristlicher Brotstempel. Viele Stücke liegen in Speyer, einige sind im Römermuseum Haus Isenburg ausgestellt.
Weitere römische Stätten der Region stellt die Seite Römer in der Pfalz vor. Der Tonabbau, der die Gießerei mit Formsand und die Stadt mit Arbeit versorgte, wird weiter unten beschrieben.
Wie wurde aus der Römersiedlung ein Eisenwerk?
Nach der Spätantike blieben die Voraussetzungen gleich: Ton und Klebsand für Öfen und Formen, Erz vom Donnersberg und aus dem Pfälzerwald, Holz für die Holzkohle und die Wasserkraft des Eisbachs. Im Mittelalter gab es Gruben für Gebrauchstöpferei und zahlreiche Wassermühlen am Bach. Um 1700 arbeiteten am Eisbach mehrere Hammerwerke und eine Papiermühle. 1734 ließ der Graf von Nassau-Saarbrücken-Weilburg einen Stauweiher für einen Großhammer anlegen. Er war die Keimzelle der modernen Eisenherstellung in Eisenberg und ist als Hammerweiher bis heute Teil des Werksgeländes.
Am Anfang der Familiengeschichte steht das Jahr 1656: Damals wanderte der Schmied und Müller Pierre Guinand aus Cortaillod in der Schweiz ein. Ab 1729 suchte Johann Nikolaus Gienanth II. (1685 bis 1750) nach Eisenerz und fand es am Hochstein beim Donnersberg. 1735 pachtete sein Sohn Johann Jakob II. (1713 bis 1777) den Eisenberger Großhammer vom Bischof von Worms. Das war das erste Eisenberger Werk unter einem Gienanth. 1770 übernahm Franz Didier (1730 bis 1786) den Betrieb. Nach ihm ist der älteste erhaltene Bau auf dem Gelände benannt, der Didierbau von 1784, ein eingeschossiges spätbarockes Gebäude, das 1801 und 1812 erweitert wurde.
Was machte Ludwig von Gienanth aus dem Werk?
Johann Ludwig Michael von Gienanth (1767 bis 1848) kaufte 1800 die Eisenberger Schmelz, bestehend aus Hochofen mit Gießerei und Hämmern. Er war der erste Besitzer der Familie in Eisenberg. Auch im Pfälzerwald erwarb er Gruben und Hütten, darunter ab 1835 das Hüttenwerk Schönau; diese Geschichte erzählt die Seite Erzbergbau im Pfälzerwald. Die Eisenberger Schmelz lag Anfang des 19. Jahrhunderts rund 1,6 Kilometer von der Stadt entfernt am Eisbach, der an zwei Stellen aufgestaut war.
Alte Karten zeigen den Standort: Die Aufnahme von Tranchot und von Müffling aus den Jahren 1803 bis 1820 und die bayerische Topographische Aufnahme der Pfälzischen Gebiete von 1836 bis 1841 verzeichnen eine „Pappier Mühle“ und einen „Hamer“. 1837 stand am Standort ein zehn Meter hoher Hochofen, 1840 verarbeitete das Werk bis zu 5.500 Tonnen Eisenerz im Jahr.
Produziert wurden Roheisen und Gussstücke, vor allem Ofen-, Herd- und Kaminplatten, die für ihren aufwendigen Dekor bekannt waren und auf internationalen Ausstellungen ausgezeichnet wurden. Dazu kamen Wendeltreppen, Geländer, Öfen, Töpfe, Brunnen, Waffeleisen und Schrauben. Aus dem Werk stammen Gussobjekte, die heute noch in der Pfalz stehen, etwa der Trinkwasserbrunnen in Bobenthal, eine Wetterfahne vom Kriegerdenkmal in Leisbühl und der Andreasbrunnen in Deidesheim.
Wie sieht das Herrenhaus Gienanth aus?
Ludwig von Gienanth und sein Sohn Friedrich (1805 bis 1842) ließen das Herrenhaus zwischen 1826 und 1829 bauen. Es ist ein klassizistischer Bau im Empire-Stil mit rechteckigem Grundriss, Erdgeschoss, Obergeschoss, ausgebautem Dachboden und Zeltdach. Die rosa Fassade ist durch weiße Fenster, Fensterläden, Gesimse und Pilaster gegliedert; an der Front sitzen 17 Fenster. Auf beiden Seiten schließen eingeschossige Anbauten mit Zinnenabschluss an. Sie bilden gemeinsam mit einem Hofgebäude einen geschützten Innenhof.
Nach Friedrichs Tod 1842 stand das Haus lange leer. 1872 zogen Eugen von Gienanth (1846 bis 1893) und Elise Engelhorn ein. Nach Eugens Tod leitete Elise die Werke von 1893 bis 1911. Heute sitzt in dem Haus die Verwaltung des Unternehmens, im früheren Esszimmer finden Konferenzen statt.
Wie wohnten die Arbeiter der Gienanthwerke?
Die Häuserzeile mit Arbeiterwohnungen entstand ab 1818. Ein langgestreckter, zweigeschossiger Steinbau verläuft parallel zum Ufer des Hammerweihers und schließt im rechten Winkel an den Betriebsflügel an. Jede Wohnung hatte Küche, Stube, Kammer, Keller, Speicher und Stall. Zu jeder Familie gehörten anteilig ein Garten, eine Futterwiese und ein Kartoffelacker. Im Erdgeschoss standen Ställe für Kleinvieh, im Obergeschoss lagen die Wohnungen. Vorrangig wohnten Stammarbeiter und Meister mit ihren Familien hier, ledige Arbeiter fanden in Sammelunterkünften Platz.
Heute befindet sich in dem Haus die Ausbildungsstätte der Gienanth GmbH, in der unter anderem Elektronik, Gießereimechanik, Industriemechanik und technisches Modellbauen gelehrt werden. In den 1960er-Jahren waren von rund 580 Beschäftigten 148 Gastarbeiter, die die Familie aus Spanien, Jugoslawien, Portugal und der Türkei angeworben hatte. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten rund 750 Menschen im Werk.
Was bietet der Landschaftspark Friedrich von Gienanth?
Der Landschaftspark liegt unmittelbar am Werk und ist rund fünf Hektar groß. Er wurde zwischen 1826 und 1834 im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt und 1834 eröffnet. Friedrich von Gienanth gab ihn in Auftrag. Der Heidelberger Garteninspektor Metzger und der Mannheimer Hofgärtner Stiehl planten die Arbeiten von 1833 und 1834. 1877 setzte Heinrich Siesmayer, Gartendirektor aus Frankfurt, den Ausbau fort.
Im Park stehen das Herrenhaus, das 1833 gebaute und mehrfach veränderte Gärtnerhaus mit einer Treppe, die zwei Löwenfiguren flankieren, sowie die Orangerie, in der frostempfindliche Pflanzen überwinterten und im Sommer Feste stattfanden. Das Mausoleum der Familie von 1912 gleicht einem griechischen Tempel. Auf einer Insel im Hammerweiher stand ein Pavillon, der nicht mehr sichtbar ist. Der Hammerweiher selbst ist der älteste Teil der Anlage; er stammt vom Hammerwerk von 1734 und wurde in den 1820er-Jahren vergrößert. Eine Mauer mit Tor umschließt das Gelände. Ein Förderverein kümmert sich um die Pflege, und alle zwei Jahre findet im Park das Bärlauchfest statt.

Wie entwickelte sich das Werk im 20. Jahrhundert?
Das Werk überstand mehrere Krisen: die französische Besatzung der Pfalz bis 1815, den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise von 1929 und den Zweiten Weltkrieg. Zeitweise gab es Schließungen und Entlassungen, nach dem Krieg erholte sich der Betrieb. Eisenberg selbst wuchs als Industriestadt: Carl von Gienanth war die treibende Kraft beim Bau der Eisenbahn. Ab 1882 prägten Schamotte- und Tonwerke das Stadtbild fast hundert Jahre lang; ihre Rohstoffe kamen aus der Erdekaut.
Heute gehört das Unternehmen als Gienanth GmbH zur Gienanth Group, die auf Gussteile aus Eisen spezialisiert ist. Hergestellt werden unter anderem Fahrzeugteile, Motorblöcke sowie Pumpen- und Gerätegehäuse. Standorte sind Eisenberg, Fronberg in der Oberpfalz und Steyr in Österreich, dazu kommen Werke in den USA und in Indien. Von den historischen Schornsteinen ist keiner erhalten; ein weißer Holzturm mit Uhr sitzt auf einem der alten Gebäude.
Zur Stadt Eisenberg gehören die Ortsteile Steinborn und Stauf; die Burg Stauf hat eine eigene Seite. Die Landschaft rund um den Donnersberg beschreibt die Seite Donnersberg, die Hügel im Norden das Nordpfälzer Bergland.
Welche weiteren Schmelzen betrieb die Familie?
Eisenberg war nicht das einzige Werk. Im Karlstal bei Trippstadt und im Aschbachertal bei Stelzenberg standen im 18. Jahrhundert zwei Schmelzen, die alte im Aschbachertal um 1720 und die neue, die auch Trippstadter Schmelz hieß. Ein Ritterstein „Eisenschmelze“ nördlich der L 500 bei Stelzenberg erinnert an die neue Schmelze. 1743 werden zwei Hochöfen erwähnt, einer davon im Karlstal. Freiherr von Gienanth pachtete die Schmelze 1771, kaufte sie 1804, und 1863 wurde der Betrieb eingestellt. Das Erz kam zunächst aus den Reichswaldgruben und aus der Grube bei Siegelbach, später aus dem Langental bei Imsbach und ab etwa 1814 aus Rheinhessen. Die Karlstalschlucht war also nicht nur Landschaft, sondern Industriestandort.
Was ist die Erdekaut bei Eisenberg?
Der Name setzt sich aus „Erden“ und „Kauten“ zusammen. Erden sind die Tonarten, Kauten die Gruben. Die Arbeiter hießen im 18. Jahrhundert „Erdegräber“. Gemeint ist ein Gebiet, in dem über Jahrhunderte Klebsand und Tonerden abgebaut wurden, im Tagebau wie unter Tage. Ton und Klebsand dienten schon im römischen Vicus zum Bau der Schmelzöfen. Die erste nachgewiesene Abbauerlaubnis stammt von 1767: In diesem Jahr gestattete Bischof Walderdorff den Abbau.
Was ist Klebsand und warum war er wertvoll?
Klebsand ist ein Sand mit einem Tonanteil von etwa 12 Prozent. Er bindet gut und ist bis etwa 1.500 Grad feuerfest. Damit eignete er sich als Material für Gießformen, Schmelzöfen und feuerfeste Steine. Der Ton lag in Schichten, die teilweise unter bis zu zehn Metern Lehm verborgen waren; deshalb war der Tonabbau Bergbau im eigentlichen Sinn, mit Schacht und Stollen, während der Klebsand im Tagebau gewonnen wurde.
Verwendet wurden die Rohstoffe für Ziegel, für Schamotte und für die Eisenverhüttung, unter anderem in den Gienanth-Werken bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Abnehmer saßen auch in Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Schon im 17. Jahrhundert fand „Glaserden“ für Glashütten Verwendung, und 1604 sind erste Hinweise auf Töpferton überliefert. 1828 wird Klebsand erstmals in einem Handbuch erwähnt.
Wie wurde aus den Tongruben eine Industrie?
Im 19. Jahrhundert arbeiteten über 800 Arbeiter in mehr als 30 Gruben. Ab 1880 entstanden Tongruben im größeren Stil, nach 1888 folgte die Firma Schiffer und Kircher, und um 1907 gab es etwa zehn Tongrubenunternehmen. Die ersten industriell genutzten Gruben gingen 1900 in Betrieb. Die Schamotte- und Tonwerke, die ab 1882 entstanden, prägten das Stadtbild von Eisenberg fast hundert Jahre lang. Karl Ludwig Fliesen, ein Diplomingenieur, gründete mit der „Eisenberger Chamotte-Stein-Fabrik K. Fliesen“ die erste Chamotte-Fabrik.
Maschinen hielten ab 1910 Einzug: zuerst Löffelbagger, kurz danach Eimerkettenbagger. Unter Tage setzte man bis 1963 Sprengstoff ein, danach den Druckluftspatenhammer. 1951 waren noch etwa 30 Tongruben in Betrieb. Ende der 1950er-Jahre arbeiteten auf rund 25 Betriebsstätten etwa 600 Bergleute. Mit dem Konjunktureinbruch Ende der 1960er-Jahre und der Stahlkrise setzte das Grubensterben ein, und zwischen den 1970er-Jahren und dem Jahr 2000 schlossen die Chamottefabriken, was viele Arbeitsplätze kostete.
Wie arbeitete man in der Grube Riegelstein?
Die Grube Riegelstein ist eine der beiden erhaltenen Gruben der Erdekaut, die andere ist die Grube Doris. Das Grubengebäude besteht aus einer länglichen Holzbaracke mit Satteldach, aus deren Dach der etwa zehn Meter hohe Förderturm ragt. Ein kleines Steinhaus schließt an, davor liegt ein überdachter Vorbau mit dem Eingang zum Museum. Auf dem Tor steht der Schriftzug „Tongrube Riegelstein“. Holzbalken und Holzpfeiler tragen das Dach, im hinteren Teil lag der Maschinenraum, von dem aus die Förderanlage gesteuert wurde.
Der Förderschacht unter dem Turm war zwei bis drei Meter breit und rund 50 Meter tief. Daran schlossen rund 600 Meter Stollen an. Der Ton wurde in etwa 60 Metern Tiefe abgebaut. Die Stollen sicherten Holzbalken, teils auch Stahlträger. An den Stollenenden löste eine Schrämmaschine, eine fräsenartige Maschine, den Ton aus dem Erdreich. Die Bergleute füllten ihn von Hand in kleine Holzwagen, die Hunte, die auf einem Schmalschienennetz zum Schacht liefen. Waren die Wagen voll, läutete eine Glocke. Dann zog man sie nach oben, wog sie im Grubengebäude und hob sie in die Verladestation.
Die Verladestation hat zwei Ebenen. Der Inhalt der Holzwagen wurde in große Schütten gekippt, unter denen leere Wagen der Grubenbahn standen. Die Grubenbahn brachte den Ton aus dem Gebäude zur Weiterverarbeitung. Bis 1996 diente das Gebäude als Zugang zur Tonabbaustätte. 2007 und 2008 wurden Gebäude, Maschinenraum und Förderschacht saniert, seit 2008 ist hier ein Bergwerksmuseum untergebracht, das die Geschichte des Tonabbaus unter Tage vermittelt. In der nahen Grube Doris wird heute kein Ton, sondern Klebsand abgebaut.

Welche Rolle spielte die Grubenbahn?
Ein Schmalspurnetz verband alle Gruben der Erdekaut. Lokomotiven zogen Loren, die Hunte, mit dem Ton zu den Verarbeitungswerken. Die Gleise waren bis zur Mitte der 1960er-Jahre in Betrieb, danach ersetzten Lastwagen Lokomotiven und Wagen. Der Ton wurde mit einem Förderkorb nach oben geholt, gewogen und sortiert, dann entweder in große Trichter gekippt oder auf der Schiene weitertransportiert. Viele der heutigen Wege in der Erlebnislandschaft folgen der alten Gleistrasse, und an mehreren Stellen stecken noch Reste von Schienen im Boden.
Was ist nach dem Bergbau entstanden?
Nach der Aufgabe der Gruben entwickelte sich eine Bergbaufolgelandschaft. Die Gruben füllten sich teilweise mit Wasser und bilden heute Weiher. Pionierarten wie Birke, Kiefer und Robinie besiedelten die Flächen. Auf den offenen Böden und in den Gewässern findet die Gelbbauchunke einen Lebensraum. Mehr zur Tierwelt der Pfalz steht auf der Seite Natur und Tiere.
Der Weg zur Erlebnislandschaft begann 2003 mit der Gründung des Zweckverbands Erdekaut durch die Städte Eisenberg und Hettenleidelheim. 2008 wurden über zehn Hektar als Erlebnislandschaft eröffnet. Es gibt drei Rundwanderwege mit Informationstafeln und einen Sandkasten für Kinder. 2015 renovierte der NABU bei einem Pflegeeinsatz das Insektenhotel „Summsehaus“. Der Förderturm der Grube Riegelstein wurde von der Stadt Eisenberg erworben; er ist Bergbaumuseum und Informationszentrum.
Welche Zeugen der Eisenzeit prägen Eisenberg?
Der historische Kern des Werks liegt eng beieinander: Hammerweiher, Herrenhaus, Arbeiterhäuser, Orangerie und Mausoleum. Die Fabrikgebäude sind überwiegend lang gestreckte Backsteinbauten mit ein bis vier Geschossen und Satteldächern. Auf einem der alten Gebäude sitzt ein weißer Holzturm mit Uhr. Die Gruben der Tonvorkommen liegen zwischen Eisenberg und Hettenleidelheim in der Erdekaut.
Häufige Fragen zu Eisenberg und seinem Eisen
Wann wurde der Vicus ausgegraben?
Die systematischen Großgrabungen liefen von 1992 bis 2000, ausgelöst durch den Bau einer Umgehungsstraße. Einzelne Funde sind seit 1761 bekannt.
Wie groß war die Siedlung?
Die Fläche betrug rund 4,6 Hektar. Freigelegt wurden rund 300 Meter Länge und 16 Gebäude.
Wovon lebte der Ort?
Vom Eisen. In Rennöfen wurde Roheisen erschmolzen, und Eisenberg war ein Umschlagplatz für dessen Export.
Was ist ein Burgus?
Eine kleine spätantike Festung. In Eisenberg entstand sie um 370 unter Valentinian I. und hatte fünf Räume sowie eine Wehrmauer mit Türmen.
Seit wann gibt es das Eisenwerk in Eisenberg?
1734 wurde ein Stauweiher für einen Großhammer angelegt, 1735 pachtete Johann Jakob Gienanth den Eisenberger Großhammer, und 1800 kaufte Ludwig von Gienanth die Schmelz.
Was ist der älteste Bau auf dem Gelände?
Der Didierbau von 1784, ein eingeschossiges spätbarockes Gebäude.
Wann entstand das Herrenhaus?
Zwischen 1826 und 1829 im klassizistischen Empire-Stil.
Wann wurde der Landschaftspark angelegt?
Zwischen 1826 und 1834. Er wurde 1834 eröffnet und ist rund fünf Hektar groß.
Was wurde in der Erdekaut abgebaut?
Klebsand im Tagebau und feuerfester Ton unter Tage.
Wann endete der Tonabbau in der Grube Riegelstein?
1996. Die Grube war seit 1920 in Betrieb.
Quellen: KuLaDig: Abbaugebiet Erdekaut bei Eisenberg; KuLaDig: Grubengebäude Riegelstein Erdekaut; KuLaDig: Schienennetz Erdekaut; KuLaDig: Römerpark Vicus Eisenberg; KuLaDig: Rennofen im Römerpark Vicus Eisenberg; KuLaDig: Eisenwerk Gienanth Eisenberg; KuLaDig: Herrenhaus Gienanth; KuLaDig: Häuserzeile mit Arbeiterwohnungen Gienanthwerke; KuLaDig: Landschaftspark Friedrich von Gienanth; KuLaDig: Industrie- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Eisenberg; KuLaDig: Ritterstein Eisenschmelze Stelzenberg. Stand: November 2026.