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Land & Leute

Elwetritsche: das Fabelwesen der Pfalz

Sage, Jagd und Bronzefiguren rund um ein pfälzisches Fabeltier

Stand: · 7 Min. LesezeitFabelwesen · Brunnen in Neustadt seit 1978

Verspielter Bronzebrunnen mit Fabelvögeln auf einem Stadtplatz
Elwetritsche Brunnen mit Fabelwesen. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Elwetritsche ist das Fabelwesen der Pfalz, eine Mischung aus Huhn, Elfe und Kobold, auf die man bei Vollmond mit Sack und Laterne Jagd macht. Das bekannteste Denkmal ist der Elwetritschebrunnen auf dem Neustadter Marstallplatz, den der Bildhauer Gernot Rumpf 1978 schuf.

Was ist eine Elwetritsche?

Eine Elwetritsche ist ein sagenhaftes Wesen, das nach der Überlieferung in den Wäldern der Pfalz lebt und aussieht wie ein zu groß geratenes Huhn mit Zügen von Elfen oder Kobolden. Gesehen hat sie noch niemand, erforscht ist sie dennoch erstaunlich gut, wie es im Kulturportal des Landes ironisch heißt. Die Tourist-Information Neustadt beschreibt sie als „phantastisches Rauhfußhuhn“ mit dem Lebensraum unzugänglicher Wälder und steiler Felsen und dem Lieblingsessen Körner, Nüsse, Beeren und, wie es dort augenzwinkernd heißt, vor allem saftige Weintrauben.

Eine verbreitete Sage erzählt, wie es zur Elwetritsche kam: Bei einem schweren Gewitter verirrten sich Hühner, Gänse und Enten am Rand der Haardt im Wald und fanden nie zurück. Tief im Wald trafen sie Elfen, Kobolde und Wichtel, und aus dieser Verbindung entstanden die Elwetritsche. Die Sage wird in vielen Orten der Pfalz mit anderen Schauplätzen erzählt. In den Darstellungen erscheinen meist Vogelwesen, aber auch Otter und andere Waldtiere.

Man kennt die Elwetritsche vor allem in der Pfalz und in der Kurpfalz rechts des Rheins, aber auch in Pennsylvania, wohin Auswanderer sie im 18. Jahrhundert mitnahmen. Dort wurden „Elbetritsche“ an Scheunen angebracht, ähnlich wie Wasserspeier an mittelalterlichen Kirchen, die das Böse fernhalten sollen. Mehr zu dieser Auswanderung steht auf der Seite Pfälzer Auswanderer.

Woher kommt der Name Elwetritsche?

Sicher geklärt ist die Herkunft nicht. Die gängige Deutung leitet den ersten Wortteil von den Elfen oder Elben ab, den Waldgeistern der germanischen Mythologie. Der zweite Teil kann mehrere Wurzeln haben; bei „Tritt“ liegt der Hahnentritt nahe, der Begriff aus der Biologie für den Befruchtungspunkt im Ei. Ein „Elbentritt“ wäre demnach die Kreuzung aus Tier und Elfe. Überliefert ist auch die Vorstellung, dass der Tritt einer Elfe verrückt machen könne. Der Autor Michael Landgraf nennt diese Deutungen im Kulturportal als Möglichkeiten, nicht als gesicherte Herleitung.

Früh taucht das Wort in der Literatur auf: Joseph Victor von Scheffel erwähnt 1855 im Roman „Ekkehard“ einen „Elbentrötsch“, und Scheffel übernachtete regelmäßig bei seinem Verleger im Neustadter Scheffelhaus am Marktplatz. 1922 erschien der Gedichtband „Die Elwetrittchejagd“ von Eugen Fried, mit einer Zeichnung von Max Slevogt. Wie das Wort in der Mundart klingt und wie man die pfälzische Aussprache erklärt, zeigt die Seite zum pfälzischen Dialekt.

Schmaler Waldweg in der Dämmerung mit Nebel zwischen den Stämmen
Wald Waldweg in der Dämmerung. Symbolbild

Wie läuft die Elwetritsche-Jagd ab?

Als Gesellschaftsspiel bei Nacht, mit festen Rollen und Ruf. Bei kaltem, klarem Vollmond trifft sich die Jagdgesellschaft im Wirtshaus, hört Geschichten und trinkt ein Glas Pfälzer Wein zur Einstimmung. Danach ziehen die Fänger mit Jutesack, Laterne und Schoppen in den Wald, während die Treiber mit lautem Ruf für Unruhe sorgen. Mit dem Lockruf „uiuiui, tritsch-tritsch-tritsch“ soll die Elwetritsche gelockt werden; ob sie sich zeigt, bleibt ihr Geheimnis.

Die Jägerinnen und Jäger erhalten einen Stock und lassen sich von einer Tritschologin oder einem Tritschologen die Hintergründe erklären. Wer mitmacht, bekommt am Ende eine Jagdurkunde. Angeboten wird die Jagd an vielen Orten in der Pfalz, von verschiedenen Veranstaltern. Führungen in Neustadt buchen Sie bei der Tourist-Information am Hetzelplatz oder auf neustadt.eu; Termine ändern sich, bitte prüfen Sie diese vor der Planung.

Was zeigt der Elwetritschebrunnen in Neustadt?

Der Brunnen wurde am 22. September 1978 eröffnet und gestaltet vom Bildhauer Gernot Rumpf, der 1941 in Kaiserslautern geboren wurde und 2025 starb. Auf dem Brunnen tummeln sich 21 Tritschen aus Bronze, von Eiern über neugeborene Tiere bis zur Jagd, die durch Laterne und Sack symbolisiert wird. Keine der Figuren gleicht der anderen. Gedacht war der Brunnen auch als Zeichen für den Zusammenhalt der Stadt: Die zehn Säulen stehen für Neustadt und seine neun Weindörfer, die erst zehn Jahre vor der Einweihung eingemeindet worden waren.

Die höchste Figur soll den Oberbürgermeister darstellen, am Rand finden sich zwei Politiker-Tritschen, die einander mit Wasserstrahlen bespucken, und eine große Mutter-Tritsche, die Wasser spendet. Als Rumpfs Markenzeichen gilt die Maus. Zur Einweihung kamen nach damaligen Zeitungsberichten zwischen 1.500 und 3.000 Menschen, und aus dem Schnabel der Elwetritsche floss Wein. Die Wandertritsche, die eine Zeit lang eigene Wege ging, sitzt heute auf den Stufen des Brunnens auf dem Marktplatz gegenüber dem Rathaus und erfreut vor allem Kinder, die auf ihrem Rücken reiten. Ebenso beliebt ist die „Mutter aller Tritschen“ am Brunnen, auf der die kleinen Gäste gern Platz nehmen. Weitere Ziele der Stadt stellt die Seite zu Neustadt an der Weinstraße vor.

Wie sieht ein Elwetritsche-Rundgang durch Neustadt aus?

Er verbindet drei Stationen in der Innenstadt, die alle zu Fuß erreichbar sind. Beginnen können Sie am Rathaus, wo die Wandertritsche über das Geschehen auf dem Markt wacht, und dann zum Marstallplatz mit dem großen Brunnen gehen. Die dritte Station ist die Laustergasse mit der Figurengruppe von 2022.

  1. Station 1MarktplatzWandertritsche gegenüber dem Rathaus, Reiten erlaubt
  2. Station 2MarstallplatzElwetritschebrunnen von Gernot Rumpf, 1978
  3. Station 3LaustergasseFigurengruppe zur Entwicklungsgeschichte der Fabelwesen, seit 2022

Der Brunnen zählt nach Angaben der Tourist-Information seit seiner Inbetriebnahme 1978 zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Viele Details erschließen sich erst auf den zweiten Blick, deshalb lohnt es sich, die Figuren aus der Nähe zu betrachten: Der Brunnen erzählt, so die Tourist-Information, von Stadtpolitik, Menschlichkeit und pfälzischem Humor.

Wo gibt es weitere Elwetritsche zu sehen?

In vielen Orten der Pfalz. Gernot und Barbara Rumpf aus Lachen-Speyerdorf schufen Brunnen mit Elwetritsche-Motiven auch in Landstuhl, in Otterstadt mit den Ottertritschen, in Friedelsheim mit Apfel- und Nuss-Elwetritschen und in Hayna mit Tabak-Elwetritschen. In der Laustergasse in Neustadt zeigt seit 2022 eine Figurengruppe die Entwicklungsgeschichte der Fabelwesen. Auch in Neustadts Partnerstadt Wernigerode im Harz stehen Elwetritsche-Bronzefiguren. Zu Landstuhl, wo einer dieser Brunnen steht, gibt es die Seite Landstuhl.

Bei Dahn führt der Elwetritscheweg rund zehn Kilometer durch den Wald. Er beginnt im Kurpark Dahn am Haus des Gastes, wo ein Denkmal zwei Urzeit-Elwetritsche mit drei Zehen zeigt; sieben Schautafeln führen in das Leben der Tiere ein, der Wanderweg beginnt bei der letzten Tafel. Mehr zum Ort in der Südwestpfalz steht auf der Seite Dahn. Ausgestellt werden Elwetritsche außerdem im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim-Grethen und im Landauer Zoo; ein Elwetritsche-Museum in Speyer war nach Angaben des Kulturportals 2024 geschlossen.

Welche Rolle spielt die Elwetritsche heute?

Sie ist Maskottchen, Markenzeichen und Mundartfigur. In Landau besteht seit 1982 ein Elwetritsche-Verein, viele Gaststätten tragen den Namen, und ein Hochleistungsrechner an der Universität Kaiserslautern, ein Kräuterlikör und ein Senf heißen nach dem Fabelwesen. Krimis und Comics greifen sie auf; eine Buchreihe wie „Elwenfels“ erinnert schon im Titel an sie.

Seit 2023 gibt es in Neustadt ein Elwetritsche-Schwimm-Wettrennen. Beim Erlebnissonntag werden 1.111 schwimmfähige Elwetritsche, für die man Rennlizenzen erwerben kann, für einen gemeinnützigen Zweck am Speyerbach zu Wasser gelassen. Wer mit Kindern unterwegs ist, findet weitere Ideen auf der Seite Pfalz mit Kindern; die Einordnung in die pfälzische Volkskultur gibt die Seite zur Kultur der Pfalz.

Häufige Fragen zur Elwetritsche

Gibt es Elwetritsche wirklich?

Nein, es handelt sich um ein Fabelwesen. Sie wurden nach pfälzischem Humor zwar noch nie gesehen, sind aber „erstaunlich gut erforscht“, wie das Kulturportal des Landes schmunzelnd feststellt.

Wann findet die Elwetritsche-Jagd statt?

Traditionell bei Vollmond, doch Angebote werden das ganze Jahr über gebucht. Termine veröffentlichen Tourist-Informationen und Vereine; in Neustadt erfahren Sie sie bei der Tourist-Information am Hetzelplatz.

Wie schreibt man den Namen richtig?

Es gibt keine einheitliche Schreibung. Gebräuchlich sind Elwetritsche, Elwedritsche, Elwetrittsche, Ilwedritsche und Elbedritsche; auch die Einzahl „die Elwetritsch“ kommt vor.

Wo steht der berühmteste Elwetritschebrunnen?

In Neustadt an der Weinstraße am Marstallplatz, nur wenige Schritte von der Fußgängerzone entfernt. Er ist rund um die Uhr zugänglich, da er unter freiem Himmel steht.

Ist die Elwetritsche nur in der Pfalz bekannt?

Nein. Mit Auswanderern kam das Motiv um 1708 nach Pennsylvania, und es gibt Elwetritsche-Figuren auch in Wernigerode im Harz.

Quellen: Stadt Neustadt an der Weinstraße / Tourist-Information; Tourist-Information Neustadt: Flyer Elwetritsche; Stadt Dahn; KuLaDig (Kultur.Landschaft.Digital): Elwetritsche in der Pfalz und Elwetritschebrunnen in Neustadt, Autor Michael Landgraf; Wikipedia: Elwetritsch. Stand: Oktober 2026.