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Erzbergbau im Pfälzerwald: Stollen, Gruben und Schmelzen im Wasgau

Gruben, Stollen und Schmelzen des Pfälzerwalds vom 15. Jahrhundert bis 1883, mit St.-Anna-Stollen, Silbergrube und Gienanth

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am St.-Anna-Stollen · Gienanth 1835

Bewaldeter Buntsandsteinhang im Pfälzerwald mit gewölbtem Stolleneingang aus rotem Sandstein, Farnen und Moos, Licht fällt durch Buchen
Erzbergbau Stolleneingang im Pfälzerwald. Symbolbild

Kurz gesagt

Im Pfälzerwald und im Wasgau wurden Eisen-, Blei-, Silber-, Kupfer- und Quecksilbererz abgebaut. Die ersten Urkunden sind aus dem Mittelalter überliefert, die große Welle der Erschließung begann im 16. Jahrhundert, die Blüte trug im 19. Jahrhundert die Familie Gienanth. Heute erinnern Stollen, Schmelzplätze und Rittersteine in Nothweiler, Niederschlettenbach, Bobenthal und Elmstein daran.

Warum gab es Bergbau im Pfälzerwald?

Der Pfälzerwald besteht überwiegend aus Buntsandstein. In dieses Gestein sind Erzgänge und Bänder aus Brauneisenerz eingelagert, und wo Erz vorkam, entstanden Schmelzen, Hammerwerke und Schmieden. Der Bedarf an Werkzeugen und Waffen trieb die Suche nach Bodenschätzen an, die Hüttenwerke wiederum erschlossen neue Vorkommen. Abgebaut wurden Silber-, Blei-, Kupfer- und Eisenerz sowie in Deimbach Quecksilber.

Der Abbau begann über Tage, erkennbar an Pingen, den trichterförmigen Vertiefungen im Wald. Später folgten Stollen. Das Bergrecht war im Mittelalter ein Regal, es stand also zunächst den Königen zu, später den Landesfürsten oder Grundherren. Der Abbau wurde häufig verpachtet, und oft war ein Zehnt fällig. Römische Verhüttungsreste in Form von Schlacken sind in Eisenberg belegt.

Wie entwickelte sich der Bergbau seit dem Mittelalter?

Im 15. Jahrhundert tauchen die ersten dichten Belege auf: Waldschmieden bei Annweiler sind für 1410 erwähnt, eine „Isengrube“ in Frankenstein für 1426. Das Quecksilberbergwerk Deimbach war ab 1460 in Betrieb, ein Vertrag zum Bergwerk Imsbach stammt von 1476.

Das 16. Jahrhundert brachte die erste große Welle: Bobenthal 1520, das Hüttenwerk Schönau 1545, Nothweiler 1579 und Bergzabern 1585. Im 18. Jahrhundert setzte die Familie Hacke mit Eisenschmelzen von 1720 und 1728 Impulse. Ab 1793 prägte die Familie Gienanth den Bergbau, und im 19. Jahrhundert erreichte er seine kommerzielle Blüte, als die Gienanths die Förderung erweiterten.

Wer war Ludwig von Gienanth?

Ludwig Freiherr von Gienanth (1767 bis 1848) war ein pfälzischer Industrieller. 1835 ersteigerten er und sein Bruder das Eisenhüttenwerk Schönau vom bayerischen Staat. Dazu erwarb Gienanth Erzgruben im Südwesten der Pfalz, darunter die Grube in Nothweiler und die Gruben im Staatswalddistrikt Bremmelsberg bei Niederschlettenbach. Mit seinem Tod 1848 begann der Niedergang des Erzbergbaus in der Region. Ausschlaggebend waren wirtschaftlichere Verhüttungsverfahren und der fehlende Bahnanschluss.

Das Hüttenwerk Schönau, die Schönauer Hüttenwerke AG, meldete 1883 Konkurs an.

Was zeigt der St.-Anna-Stollen in Nothweiler?

Östlich oberhalb von Nothweiler liegt die Eisenerzgrube, die vor allem durch den St.-Anna-Stollen bekannt ist. Hier schürfte man um 1579 im Nachbarort Schönau, 1582 wird das Bergwerk Nothweiler erstmals erwähnt. Um 1635 stellte man den Betrieb nach der Zerstörung der Schmelze ein. 1761 und 1762 wurde er wieder aufgenommen und lief mit Unterbrechungen bis ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. 1790 erscheint die Grube erstmals als „St. Andreas-Zug“, 1796 waren nahezu alle Erze abgebaut, ab 1810 wurde die Grube aufgelassen.

Einige Jahre danach wurde der St.-Anna-Stollen fertiggestellt und erschloss neue Erzanbrüche. 1835 erwarb Ludwig von Gienanth die Grube, 1838 ließ er die Stolleneingänge neu fassen. An den Eingängen stehen zwei Rittersteine mit der Inschrift „Glückauf L. v. G. 1838“, dem traditionellen Gruß der Bergleute und den Initialen des Eigentümers. Einer ist in das Mauerwerk des oberen Stolleneingangs eingelassen, der andere steht etwa 30 Meter vom unteren Eingang an einer Wegekreuzung im Dackental. Der untere Eingang liegt rund 50 Höhenmeter unter dem oberen. 1883 wurde die Förderung endgültig eingestellt, 1978 eröffnete man den Stollen als Besucherbergwerk. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Wegelnburg, die höchste Burg der Pfalz.

Steinerner Stolleneingang an einem Waldhang mit Schlussstein über dem Bogen, nasses Moos und Herbstlaub
Stollen Stollenmundloch. Symbolbild

Was ist am Bremmelsberg bei Niederschlettenbach erhalten?

Der Bremmelsberg wurde von insgesamt drei Stollen unterfahren. Der Ritterstein „Glück Auf L v G 1835“ ist der Schlussstein eines gemauerten Stolleneingangs, zwischen Gruß und Jahreszahl sind Schlägel und Bergeisen eingemeißelt, die wichtigsten Werkzeuge des historischen Bergmanns. Er steht am ehemaligen Steigerhaus „Erzwesche“, direkt an der Landesstraße zwischen Niederschlettenbach und Bundenthal an der Abzweigung nach Nothweiler. Wenige Zehnermeter hinter dem Haus weist ein zweiter Stein mit der Inschrift „Ehem. Eisenerzgrube“ auf den zweiten der drei Stollen hin, dessen Mundloch nur als kleine Öffnung in Sichtweite erkennbar ist.

Neben dem Haus stand ein Erzwaschhaus, das nicht mehr erhalten ist. 1840 ließ Gienanth an der Straße ein Wohnhaus für den Steiger errichten. 1871 erwarb die bayerische Staatsforstverwaltung das Steigerhaus und nutzte es als Forsthaus. Anfang des 20. Jahrhunderts und im „Dritten Reich“ scheiterten Versuche, den Bergbau wieder aufzunehmen.

Wie entstand die Silbergrube bei Bobenthal?

Auf der Gemarkung Niederschlettenbach nördlich von Bobenthal liegt der Stollen der Bleierzgrube „Johanna“, des ältesten Bergwerks für silberhaltiges Bleierz im Wasgau. Der Name „Silbergrube“ führt in die Irre, denn das Erz enthielt nur wenig Silber. Der Erzgang im Buntsandstein verläuft von Südwest nach Nordost. Zuerst baute man im Tagebau ab, dann über Pingen, ab dem Mittelalter mit Stollen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1571, Fürstbischof Marquard von Hattstein von Speyer setzte einen Werkmeister ein.

Der Betrieb lief bis 1767 und ruhte unter anderem im Dreißigjährigen Krieg. 1803 wurde die Grube wiedereröffnet, Napoleon verlieh die Nutzung an Jean Schwarz, 1810 verkaufte dieser das Nutzungsrecht an Graf de Laupespin. 1817 bis 1819 arbeiteten bis zu 70 Berg- und Hüttenleute hier. Pochwerk und Waschwerk standen an der Wieslauter, die Schmelze in Erlenbach. Eine Besonderheit war ein Pansterrad, ein Wasserrad, das an Eisenketten gehoben und gesenkt wurde, damit es Flöße auf der Wieslauter nicht behinderte.

1804 ereignete sich ein Grubenunglück durch Wassereinbruch, bei dem 29 Bergleute ums Leben kamen. An sie erinnert ein großes Flurkreuz unterhalb des Rittersteins, aufgestellt 1804. 1841 kam der Bergbau völlig zum Stillstand. Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb die Elsässische Montangesellschaft die Gruben Bobenthal und Erlenbach. Untersuchungen von 1901 bis 1903 und 1971 blieben ohne Ergebnis, im Stollen „Dreifaltigkeit“ stand Wasser. 1972 verwarf man Pläne für ein Schaubergwerk wegen des Wassers und schüttete den Zugang zu. Der Ritterstein „Ehem. Silbergrube“ wurde 1987 vom Pfälzerwald-Verein errichtet.

Was verrät der Seehofweiher bei Erlenbach?

Am Südende des Seehofweihers im Portzbachtal, unweit der Burg Berwartstein, steht der Ritterstein „Ehem. Bleierzgrube“ direkt am verschütteten Stolleneingang. Die erste schriftliche Erwähnung der Grube stammt von 1765. Spuren der Bearbeitung mit Schlägel und Eisen und kleine Schachtpingen deuten auf einen Abbau im 16. Jahrhundert hin. Von 1778 bis 1789 wurde unregelmäßig Blei gefördert, danach bis 1804 intensiver. 1804 brach Wasser in den Stollen ein; nach dem Bau eines Wasserlösungsstollens folgte eine kurzzeitige Wiederaufnahme.

Ein letzter Versuch kam 1900 mit Untersuchungen in den alten Stollen, einem neuen Schacht, einem Maschinenhaus und einem Förderturm. 1901 endete der Betrieb endgültig, trotz dampfbetriebener Pumpen. Ursachen waren der oberhalb aufgestaute Weiher, der ungünstige Verlauf des Erzgangs unter dem Talgrund und die Geologie, die nur einen Abbau oberhalb des Grundwasserspiegels erlaubte. Eine eigene Schmelze verarbeitete die Erze bis zum Ende des Erzabbaus 1820; Fundamentreste und eine Bleischlackenhalde im Waldabschnitt „Am Bleiwerk“ zeigen ihre Lage. Im Waldstück Jungfernwollust liegt ein Stollen, der im Volksmund „Weinkeller des Hans Trapp“ heißt.

Welche Gruben lagen bei Böllenborn und Bad Bergzabern?

Im Gebiet des Petronell zwischen Böllenborn und Bad Bergzabern durchzogen Brauneisenerzbänder mit hohem Mangangehalt den Buntsandstein. Ende des 16. Jahrhunderts wurde hier Erz für den Hochofen im nahen Schönau gefördert, um 1790 waren vier Gruben in Betrieb, die ständig erweitert wurden. Sie gliedern sich in Petronell Nord mit dem Cranz-Zug und Petronell Süd mit dem Hoffnungs-Zug und dem Maximilian-Joseph-Stollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprengten die Franzosen alle Grubeneingänge. Einer wurde später wieder geöffnet, vermessen und geologisch untersucht; danach kam es zu Einbrüchen, die die Fledermäuse der Anlage störten. Der sieben Meter tiefe Schacht wurde verfüllt und mit einer Stahlbetonplatte abgedeckt.

Südlich und südöstlich von Böllenborn baute die Eisenhütte Schönau ab 1764 Erz ab. Nach mehreren Unterbrechungen endete die Gewinnung 1785, das Erz wurde nach Schönau gebracht und dort verhüttet. 1937 versuchte die Saarpfalz-Erzbergbau A.G. erfolglos, die Gruben wieder in Betrieb zu nehmen. Vor Ort sind in der Waldabteilung Hermannswoog verfallene Stolleneingänge, bemooste Schutthalden und einzelne Erzbrocken zu sehen.

Waldtal mit kleinem ruhigem Weiher, bemoster dunkler Schlackenhalde und Fundamentmauern einer alten Schmelze am Rand des Buchenwalds, Nebel
Schmelze Schmelzplatz am Weiher. Symbolbild

Wo schmolz man Erz im Elmsteiner Tal?

Im Elmsteiner Tal begann der Eisenerzbergbau in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts: 1604 wurde das Bergbaurecht erteilt, zusammen mit der Erlaubnis zum Bau einer Eisenschmelze. Der Dreißigjährige Krieg beendete die Anfänge. Anfang des 18. Jahrhunderts folgte die Wiederaufnahme mit einem Antrag auf Neuerschließung von 1726, um 1790 kam der Betrieb zum Erliegen. Der Ritterstein „Erzgruben“ an der Straße zwischen Speyerbrunn und Erlenbach ist ein gewachsener Fels, die ehemaligen Gruben liegen oberhalb am Hang.

1783 entstand am heutigen Wanderparkplatz bei Elmstein, am Ausgang des Legelbachs in den Speyerbach, eine Eisenschmelze, die Erz aus mehreren Abbaustellen bei Elmstein verhüttete. 1857 wurde der Schmelzweiher zum Holztriftwoog umgebaut, der heute „Alter Schmelzwoog“ heißt; Grundablass und Umleitungsgraben sind noch zu erkennen. Die Seite Elmsteiner Tal beschreibt den Ort.

Was war die Eisenschmelze bei Stelzenberg?

Bei Stelzenberg stand die „Neue Schmelze“, auch Trippstadter Schmelz genannt. Die alte Schmelze im Aschbachertal war um 1720 entstanden. 1743 sind zwei Hochöfen erwähnt, einer davon im Karlstal. Die Erze kamen anfangs aus den Reichswaldgruben und aus einer Grube bei Siegelbach, später aus dem Langental bei Imsbach, ab etwa 1814 aus Rheinhessen. Freiherr von Gienanth pachtete die Schmelze 1771 und erwarb sie 1804; 1863 wurde der Betrieb eingestellt. Der Ritterstein „Eisenschmelze“ steht nördlich der Landesstraße 500 an der Straße von Stelzenberg.

Warum endete der Bergbau?

Die Vorkommen reichten nicht für dauerhaft tragfähige Förder- und Verarbeitungsbetriebe. Der Abtransport aus dem Waldgebiet war deutlich aufwendiger als in anderen Regionen, der fehlende Bahnanschluss beschleunigte den Niedergang. Als die Gienanths ihr letztes Bergwerk schließen wollten, war das Ende bereits absehbar. Alle Versuche, den Bergbau im 20. Jahrhundert wieder aufzunehmen, scheiterten.

An die Zeit erinnern die Rittersteine des Pfälzerwald-Vereins. Seit dem frühen 20. Jahrhundert stehen sie an Gruben, Schmelzen und Stolleneingängen; wie sie entstanden und was sie sonst markieren, erklärt die Seite Rittersteine im Pfälzerwald. Das Wanderumfeld beschreibt die Seite Wasgau.

Häufige Fragen zum Erzbergbau im Pfälzerwald

Welche Erze gab es im Pfälzerwald?

Abgebaut wurden Eisen-, Blei-, Silber- und Kupfererz, in Deimbach auch Quecksilber. Wirtschaftlich am wichtigsten war das Eisenerz für die Hüttenwerke.

Wann begann der Bergbau in Nothweiler?

Um 1579 wurde in der Nachbarschaft geschürft, 1582 erscheint das Bergwerk Nothweiler erstmals in den Quellen. Die Förderung endete 1883.

Wer war Ludwig von Gienanth?

Ein pfälzischer Industrieller (1767 bis 1848), der 1835 das Hüttenwerk Schönau und mehrere Erzgruben erwarb. Nach seinem Tod ging der Bergbau zurück.

Was bedeutet „Glückauf“ auf den Rittersteinen?

Es ist der traditionelle Gruß der Bergleute. Auf den Steinen in Nothweiler und Niederschlettenbach stehen daneben die Initialen L. v. G. für Ludwig von Gienanth.

Warum heißt die Silbergrube Silbergrube?

Der Name ist irreführend: Das Erz der Bleierzgrube bei Bobenthal enthielt nur wenig Silber.

Passend dazu: Das Eisenwerk Gienanth in Eisenberg, in dem das Erz aus dem Pfälzerwald verarbeitet wurde, stellt die Seite Eisenberg: Römervicus, Eisenwerk Gienanth und Erdekaut vor.

Quellen: KuLaDig: Spuren des Bergbaus im Pfälzerwald; KuLaDig: Ritterstein Glückauf L. v. G. 1838; KuLaDig: Ritterstein beim St.-Anna-Stollen; KuLaDig: Ritterstein Glück Auf L v G 1835; KuLaDig: Ritterstein Ehem. Eisenerzgrube; KuLaDig: Ritterstein Ehem. Silbergrube; KuLaDig: Ritterstein Ehem. Bleierzgrube; KuLaDig: Ehem. Eisenerzgruben bei Böllenborn; KuLaDig: Ehem. Eisenerzgruben bei Bad Bergzabern; KuLaDig: Ritterstein Erzgruben; KuLaDig: Ritterstein Alte Schmelz; KuLaDig: Ritterstein Eisenschmelze. Stand: November 2026.