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Flurnamen im Pfälzerwald: Sohl, Boll, Treffnix und Speckhenrich

Was Sohl, Boll, Treffnix und Speckhenrich bedeuten: Namen aus dem Wald zwischen Johanniskreuz, Iggelbach und Hochspeyer

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am Treffnix 1859 bis 1865 · Amsohl 1874

Lehmbraune Wasserstelle auf einer Lichtung im Buchenwald, Herbstlicht spiegelt sich im trüben Wasser
Wasserstelle Wasserstelle im Wald. Symbolbild

Kurz gesagt

Wer im Pfälzerwald wandert, begegnet Namen, die zum Nachdenken bringen: Treffnix, Speckhenrich, Boll, Oberrot, Eichenkranz, Wolfskaut. Hinter ihnen stehen Schlammlöcher für Wildschweine, ein Schießstand von 1859 bis 1865, Rodungen, Eichen im Kreis und Gruben für den Wolfsfang. Beschriftete Steine des Pfälzerwald-Vereins halten diese Flurnamen im Wald fest und erklären, was Sohl, Boll und Loog bedeuten.

Warum haben Waldstellen im Pfälzerwald so seltsame Namen?

Ein Wald ohne Straßennamen braucht andere Orientierung. Förster, Fuhrleute und Jäger gaben jeder Lichtung, jedem Sattel und jeder Wasserstelle einen Namen, den alle verstanden. Diese Namen blieben im Volksmund, in alten Akten und auf Forstkarten erhalten, auch wenn die Sache, die sie bezeichneten, längst verschwunden war. Der Pfälzerwald-Verein stellte an vielen dieser Stellen Steine auf, die den Namen und oft einen Richtungspfeil tragen, die Rittersteine, die auf der Seite Rittersteine erklärt sind.

Dieser Beitrag sammelt die Namen, deren Herkunft sich aus den Beschreibungen der Steine erschließen lässt. Er ordnet sie nach Wortfamilien: Wasserstellen im Lehm, Hügelformen, Rodungen, Tiere und Menschen. Wie der Wald bewirtschaftet wurde, beschreibt die Seite Forstgeschichte im Pfälzerwald.

Was ist eine Sohl oder Suhle?

Der häufigste Wortbestandteil in den Namen des mittleren Pfälzerwaldes ist die Sohl, auch Suhle oder Sohle genannt. Gemeint ist eine Kuhle im Boden, in der sich Wasser staut, weil der lehmige Untergrund wasserundurchlässig ist. Wildschweine und Hirsche nutzen solche Stellen für ein Schlammbad: Das Wälzen im Schlamm befreit das Fell von Ungeziefer und schützt vor Stechmücken. Anschließend reiben sich die Tiere an Baumstämmen, um den überschüssigen Schlamm abzustreifen. Jäger nennen diese Bäume Malbäume und erkennen sie am Schmutz am Stamm.

Der Name des Forsthauses Schwarzsohl steckt in dieser Wortfamilie, ebenso eine Reihe von Steinen. Der Stein „Leimersohl“ liegt nördlich der alten Hochstraße von Johanniskreuz nach Schwarzsohl zwischen Legeleck und Wolfeneck. Er markiert eine alte Lehmgrube, in der sich später Wasser sammelte. Mit einem Richtungspfeil weist die Gravur den Weg zur Sohle. Die „Meisenkopfersohl“ südöstlich von Hochspeyer, an einem Forstweg zwischen Sindelsberg, Franzosenkopf und Langem Eck, bezeichnet ebenfalls eine alte Lehmgrube.

Der „Gratsohl“ liegt 200 Meter nördlich von Johanniskreuz direkt an der Bundesstraße 48 und markiert eine Sohle auf dem Berggrat, daher der Name. Nordöstlich von Fischbach liegt die „Schorlenberger Sohl“, eine Wasserstelle, aus der früher Schlamm für die Bereitung von Komposterde in den Forstgärten entnommen wurde. Auch hier ist der Name die Beschreibung: Seichte, schlammige Wasserstellen heißen Sohl oder Suhl. Den Knotenpunkt Johanniskreuz beschreibt die Seite Johanniskreuz.

Kiefernstamm im Wald mit Schlammspuren in Hüfthöhe, daneben feuchter Lehmboden
Malbaum Stamm mit Schlammspuren. Symbolbild

Was stand an der Amsohl bei Waldleiningen?

Nordwestlich der Bundesstraße 48 zwischen Hochspeyer und Johanniskreuz, südwestlich der Abzweigung nach Waldleiningen, steht ein aufrechter Sandsteinfindling mit der Inschrift „R. F. Amsohl“. Er markiert den Standort des ehemaligen Forsthauses Amsohl, das auch „Fichtenforsthaus“ genannt wurde. Im Jahr 1874 zog der Förster nach Hochspeyer, und das Forsthaus wurde abgerissen. Der Bestandteil Sohl bezeichnet auch hier die Suhle. Das Forsthaus verlor seine Aufgabe, der Name blieb im Wald.

Was ist ein Boll?

Südöstlich von Iggelbach, nördlich der Hochstraße von Heldenstein nach Taubensuhl, liegt in einer kleinen Felsengruppe ein langgestreckter Sandsteinblock mit der gelben Inschrift „BOLL“. Auf seiner Oberseite hat er eine Vertiefung. Im Volksmund nannte man runde Bergköpfe oder muldenartige Tiefschüsseln Boll, und in der Pfalz heißen auch große Schöpflöffel so. Als Flurname weist die Bezeichnung auf einen kuppenförmigen Hügel hin. Das Wort lässt sich mit dem englischen „bowl“ (Napf) zusammenstellen und geht auf das althochdeutsche „bolla“ zurück; so verzeichnet es das Pfälzische Wörterbuch.

Warum heißt eine Waldstelle bei Iggelbach Treffnix?

Nordöstlich von Iggelbach, zwischen Kurzem Eck, Mönchberg und Grünberg, steht der Stein „Treffnix“. Von 1859 bis 1865 betrieb der damalige Revierförster Hahnus von Iggelbach an dieser Stelle zum Vergnügen einen Schießstand. Im Volksmund wurde der Platz spöttisch Treffnix genannt.

Wer ist der Speckhenrich?

Zwischen Iggelbach und Eschkopf an der Kreisstraße 17 liegt die Waldabteilung, die „Speckhenrich“ oder „Dicker Heinrich“ hieß. Um den Namen ranken sich im Wald drei Erzählungen: Der Stein habe die Form eines fetten Hammels, der Name gehe auf die gutgenährte Figur eines Försters Heinrich zurück, oder er komme von den Starkholzkiefern, die dort mit bestem, fettem, harzigem Kiefernholz wuchsen.

Langgestreckter Sandsteinblock mit einer schalenförmigen Vertiefung auf der Oberseite in einer kleinen Felsengruppe im Wald
Felsblock Sandsteinblock mit Mulde. Symbolbild

Was verrät der Name Oberrot über den Wald?

Südöstlich von Blankenborn, auf dem Höhenrücken zwischen Queenberg und Spitzenberg, steht der Stein „Oberrot“. Der Name verweist auf das Roden und Urbarmachen in dieser Gegend und damit auf eine Art Waldfeldbau. Die gewonnenen Waldflächen nutzten die Menschen für den Ackerbau, gerade in Zeiten, als die Bevölkerung in vielen Dörfern wuchs und die bisherige Flur nicht mehr ausreichte, um alle zu versorgen. Später lagen viele Flächen brach, und der Wald eroberte sich das Gelände zurück. Der Name erinnert an diese Rodung. Was aus aufgegebenen Orten im Wald wurde, beschreibt die Seite Verschwundene Orte im Pfälzerwald.

Woher kommt der Name Zwiesel?

Nordwestlich von Rinnthal, an der Bundesstraße 48 an einem Wanderparkplatz, liegt der Zusammenfluss von Kaltenbach und Wellbach. Der Name Zwiesel leitet sich von „zwei“ ab, es ist die Gabelung zweier Bäche. Beide münden in die Queich. In der Nähe liegt am Kaltenbach ein Triftplatz, an dem Holz mit dem Wasser des Baches weitertransportiert wurde; das Verfahren beschreibt die Seite Holztrift im Pfälzerwald.

Warum heißt ein Wald bei Kaiserslautern Eichenkranz?

Bei Kaiserslautern liegt die Waldabteilung, in der früher Eichen in einem Kreis standen, der damals auch „Kranz“ hieß. Deshalb wurde die Gegend „Kranz-Eichen“ genannt, und der Stein trägt die Inschrift „Eichenkranz“. Eichen wachsen in dem Waldgebiet noch immer. Das Gebiet Spitzrain südöstlich des Betzenbergs ist als Naturdenkmal erfasst. Die Stadt beschreibt die Seite Kaiserslautern.

Ring aus alten Eichen auf einer Waldlichtung im goldenen Herbstlicht
Eichenkranz Eichen im Kreis. Symbolbild

Was bedeuten Loog und Stock?

Auf der Höhe „Hohe Loog“ südlich des Leinbachtals, beim Wassersteiner Berg, etwa drei Kilometer südwestlich von Frankenstein, weist der Stein „Hohlog“ auf den Höhenzug hin. Die Hohe Loog bezeichnet eine ehemalige hohe Grenzlinie, die auf dem Bergkamm verlief. Der Name kommt im Pfälzerwald noch zwei Mal vor: für einen Berg nördlich von Neidenfels und für einen Berg westlich von Neustadt-Hambach, nach dem auch eine Waldhütte benannt ist. Die Burg über dem Tal beschreibt die Seite Frankenstein.

Ein anderes Rätselwort ist der „Schwarze Stock“ östlich von Waldleiningen am Nordosthang des Wolfenecks. Als Stock bezeichnet man den Stumpf eines Baumes, der noch im Boden verankert ist. Man verstand unter dem Begriff aber auch zugehauene, mit Zeichen versehene Klötze, die als Warntafeln, als Zollstock, als Geleitstock oder als Grenzbezeichnung dienten. Ein Zollstock war die Zollschranke, ein Geleitstock die Markierung, bis zu der der Landesherr das Recht der Begleitung von Reisenden oder Waren gewährte. Solche Stöcke standen oft an Hoheitsgrenzen. Wie ein Zoll am Weg funktionierte, beschreibt die Seite Altstraßen im Pfälzerwald.

Was war eine Wolfskaut?

Im Sattel zwischen dem Mittleren und dem Großen Krebser, wenige Kilometer südlich von Kaiserslautern am Rand des Stadtwaldes, steht ein aufrechter Sandsteinfindling mit der Inschrift „WOLFSKAUT“. Er verweist auf eine ehemalige Wolfsgrube, die dem Fangen von Wölfen diente. Um das Tier in die Falle zu locken, wurde eine Grube ausgehoben, mit Reisig bedeckt und ein lebendes Tier, meist ein Schaf, als Köder darin versteckt. Der Wolf sprang in die Grube und kam nicht wieder heraus, dann war es leicht, ihn zu erlegen. Die gefangenen Tiere brachten die sogenannten Wolfsträger nach Hause und erhielten für diese hoch angesehene Leistung eine Bezahlung, das Wolfsgeld. Weitere Tiere des Waldes stellt die Seite Natur und Tiere vor.

Was zeigen die Wegweiser an der Hasselskehl und der Dunkelskehl?

Nicht jeder Name ist alt. Nordwestlich von Dahn stehen zwei Steine, die der Pfälzerwald-Verein 1979 als Orientierungspunkte und Wegweiser aufstellte. Der erste trägt die Inschrift „Grosse Hasselskehl Drei Buchen 209 üNN“, der zweite „Dunkelskehl 208 üNN“. Ein eingravierter Pfeil weist jeweils zum Tälchen, das sie benennen, der andere in Richtung Hinterweidenthal. Die Zahlen geben die Höhenlage der Steine in Metern über Normalnull an. Die Umgebung beschreibt die Seite Dahn.

Wie findet man die Namen im Gelände?

Die meisten dieser Steine stehen an markierten Wanderwegen und lassen sich auf Rundwanderungen verbinden. Boll, Treffnix und Speckhenrich liegen im Gebiet um Iggelbach und Eschkopf, Leimersohl, Gratsohl und Amsohl an der Bundesstraße 48 zwischen Johanniskreuz und Hochspeyer. Anregungen für Touren geben die Seiten Rundwanderungen und Pfälzer Waldpfad.

Häufige Fragen zu Flurnamen im Pfälzerwald

Was bedeutet Sohl im Pfälzerwald?

Eine Sohl oder Suhle ist eine Kuhle im Boden, in der sich auf lehmigem Untergrund Wasser staut. Wildschweine und Hirsche nehmen dort Schlammbäder.

Was ist ein Malbaum?

Ein Baum, an dem sich Wild nach dem Schlammbad den Schlamm vom Fell reibt. Jäger erkennen ihn am Schmutz am Stamm.

Wann gab es den Schießstand Treffnix?

Der Revierförster Hahnus von Iggelbach betrieb ihn von 1859 bis 1865.

Was heißt Boll?

Boll bezeichnet im Volksmund runde Bergköpfe oder muldenartige Tiefschüsseln, in der Pfalz auch große Schöpflöffel. Das Wort geht auf das althochdeutsche „bolla“ zurück.

Was war ein Wolfsträger?

Wolfsträger brachten gefangene Wölfe aus der Wolfsgrube nach Hause und erhielten dafür das Wolfsgeld.

Warum heißt es Eichenkranz?

Dort standen früher Eichen in einem Kreis, der auch Kranz hieß. Das Waldgebiet war deshalb als Kranz-Eichen bekannt.

Quellen: KuLaDig: Ritterstein Leimersohl; KuLaDig: Ritterstein Meisenkopfersohl; KuLaDig: Ritterstein Gratsohl; KuLaDig: Ritterstein Schorlenberger Sohl; KuLaDig: Ritterstein R. F. Amsohl; KuLaDig: Ritterstein Boll; KuLaDig: Ritterstein Treffnix; KuLaDig: Ritterstein Speckhenrich; KuLaDig: Ritterstein Oberrot; KuLaDig: Ritterstein Am Zwiesel; KuLaDig: Ritterstein Eichenkranz; KuLaDig: Ritterstein Hohlog; KuLaDig: Ritterstein Schwarzer Stock; KuLaDig: Ritterstein Wolfskaut; KuLaDig: Ritterstein Grosse Hasselskehl Drei Buchen; KuLaDig: Ritterstein Dunkelskehl. Stand: November 2026.