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Land & Leute

Forst, Jagd und Weide im Pfälzerwald: Förster, Fuhrleute und Hirten

Forsthäuser, Jagdhütten, Pferdestall und Hirtenrast: wie Förster, Fuhrleute und Hirten im Pfälzerwald lebten und arbeiteten

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am Forsthaus 1832 · Gestütskauf 1426

Altes Forsthaus aus rotem Sandstein mit Satteldach und grünen Fensterläden auf einer Waldlichtung, Buchenwald dahinter, Herbstlicht
Forsthaus Forsthaus auf der Lichtung. Symbolbild

Kurz gesagt

Forsthäuser, Jagdhütten, Pferdeställe und Hirtenrastplätze prägten den Pfälzerwald, lange bevor Wanderwege ihn erschlossen. Das Forsthaus Wittgenberg von 1832 mit dem Förster Benedikt Candidus, das Stiftswalder Forsthaus von 1813, in dem 1836 Karl Albrecht von Ritter geboren wurde, der Stall am Pass bei Waldleiningen und der Rastplatz Pfälzer Unger erzählen, wie Förster, Fuhrleute und Hirten im Wald lebten und arbeiteten.

Wer lebte und arbeitete im Pfälzerwald?

Der Pfälzerwald war über Jahrhunderte ein Arbeitsraum. Förster betreuten Reviere, Jäger folgten dem Wild, Fuhrleute zogen Holz aus den Tälern, Hirten trieben ihr Vieh in den Wald, und für alle brauchte es Unterkünfte und Rastplätze. Von diesen Einrichtungen sind kaum Gebäude geblieben. Erhalten sind Mauerreste, Flurnamen und Gedenksteine, auf denen die alten Namen stehen. Im Mittelpunkt dieser Seite stehen sechs Orte, an denen sich das Leben im Wald besonders anschaulich nachvollziehen lässt.

Mehrere der Steine, die an diese Orte erinnern, gehören zu den Rittersteinen, die der Pfälzerwald-Verein ab 1910 aufstellte; ihre Entstehung beschreibt die Seite Rittersteine im Pfälzerwald. Eine Gruppe erinnert an den Forst- und Jagdbetrieb, an frühere Waldabteilungen, Hütten, Quellen oder Bäume. Pfälzische Fürsten und Herren ließen Jagdhäuser für ihre Jagdvergnügen errichten. Teils sind Forsthäuser oder ihre Ruinen erhalten.

Wer war der Förster von Wittgenberg?

Etwa zwei Kilometer nördlich von Trippstadt steht am Südwesthang des Hornungstals zwischen dem Quellbachhübel und dem Wittgenberg der Stein „R. F. Wittgenberg“, südwestlich des Candidusbrunnens. Er markiert den Standort des früheren Forsthauses Wittgenberg. Das Haus wurde 1832 errichtet.

Der letzte Förster dieses Hauses war Benedikt Candidus. Er wurde 1803 in Weilerbach geboren und stammte aus einer bekannten Familie von Pfarrern und Forstbeamten. Wegen seiner Teilnahme an den revolutionären Aufständen von 1848 versetzte man ihn von Münchweiler an der Rodalb in das abgelegene Forsthaus Wittgenberg. Dort starb er 1872. Sein Enkel August Candidus war ein Autor und bekannter Lehrer aus Rhodt. Zu Ehren des Försters wurde der Candidusbrunnen etwas weiter unten im Tal errichtet.

1873 wurde das Haus stillgelegt und abgebaut, nachdem die Gienanthschen Waldungen an Bayern gefallen waren. Die Familie Gienanth betrieb auch das Eisenwerk in Eisenberg; seine Geschichte steht auf der Seite Eisenberg: Römervicus, Eisenwerk Gienanth und Erdekaut.

Quelle mit einem kleinen gemauerten Brunnenbecken aus Sandstein in einem Waldtal, Farne und Moos
Brunnen Brunnen im Waldtal. Symbolbild

Was geschah mit dem Stiftswalder Forsthaus?

Südöstlich von Kaiserslautern steht rund 200 Meter südlich einer Bahnunterführung, westlich der Landstraße 504 nach Waldleiningen, ein aufrecht stehender Sandsteinfindling mit der Aufschrift „R.F. Stiftswald“ und darunter „Geburtsstätte des Reg.Dir.v.Ritter 1836“. Er erinnert an Karl Albrecht von Ritter, der am 10. März 1836 im Stiftswalder Forsthaus geboren wurde. Ritter war Oberforstrat und Regierungsdirektor sowie erster und später Ehrenvorsitzender des Pfälzerwald-Vereins; die Rittersteine sind nach ihm benannt. Er ließ den Stein neben der Ruine seines Elternhauses setzen.

Das erste Forsthaus, offiziell die Revierförsterei Entersweiler, entstand 1813 unter französischer Verwaltung nach einem Plan von Franz Daniel Rettig, Forstmeister und später Kreisforstrat in Kaiserslautern. Es lag etwa 200 Meter südlich der ehemaligen Entersweilermühle im Hungerbrunnental. Das Grundstück gehörte zunächst der Stadt Kaiserslautern, die Forstverwaltung kaufte es 1830. 1848 wurde das alte Forsthaus wegen baulicher und sanitärer Mängel abgerissen. Ein neues Forsthaus entstand einige hundert Meter nördlich am Südhang des Rummelbergs.

Dasselbe Tal war der Schauplatz eines gescheiterten Siedlungsversuchs: Das Axershäuschen im Hungerbrunnental ist auf der Seite Verschwundene Orte im Pfälzerwald beschrieben.

Was blieb vom Forsthaus Schorlenberg?

Nordöstlich von Fischbach nahe der A 6 im Landkreis Kaiserslautern steht der Stein „F. Schorlenberg“. Er ist ein sandsteinerner Türsturz über dem Eingang des alten Forsthauses, und das F steht für Forsthaus. Der Stein bezeichnet die ehemalige Siedlung Schorlenberg. Das Forsthaus steht auf dem Gelände dieser Wüstung. Damit gehört der Stein zugleich zur Gruppe der Steine für eingegangene Siedlungen und zu der für den Forst- und Jagdbetrieb.

Wo stand das Jagdhäuschen am Weißenberg?

Am Westhang des Weißenbergs, westlich des Luitpoldturms und nördlich von Hermersbergerhof, steht der Stein „R. Jagdhaeuschen 20 Schr.“. Er gehört zur Gemeinde Merzalben. Die Inschrift trägt neben dem Kürzel PWV einen Richtungspfeil mit der Angabe 20 Schritte. Der Pfeil weist auf die Ruine eines Jagdhäuschens, das rund 20 Schritte vom Stein entfernt stand. Das Haus diente Jägern und Jagdteilnehmern als Unterkunft und gehörte zur Gemarkung Gräfenstein. Erhalten sind nur einige Mauerreste.

Der Luitpoldturm in der Nähe gehört zu den Aussichtstürmen der Gegend, die die Seite Aussichtstürme in der Pfalz vorstellt.

Niedrige Mauerreste einer Jagdhütte am Hang im Buchenwald, überwachsen mit Moos und Efeu
Jagdhütte Mauerreste einer Jagdhütte. Symbolbild

Wozu diente der Stall am Pass bei Waldleiningen?

Am südwestlichen Eck der Kreuzung von B 48 zwischen Johanniskreuz und Hochspeyer und L 405 zwischen Waldleiningen und Kaiserslautern steht im Sattel zwischen Harterkopf und Kleinem Roßrück der Stein „Stall“. Er liegt auf dem Gebiet von Hochspeyer, Kaiserslautern und Waldleiningen. Der Name erinnert an eine Unterkunft mit Pferdestall, die hier einmal stand.

Das Zisterzienserkloster Otterberg hatte ein Gestüt gegründet. Nachdem das Kloster wirtschaftlich verfallen war, erwarb Kurfürst Ludwig III. (1378 bis 1436) im Jahr 1426 das Gestüt samt dem zugehörigen Otterberger Wald und 80 wilden Pferden. Die Pferde nutzten Ritter und Heer. Der Kurfürst erklärte den Hof zum Haupt- und Landesgestüt und ließ später an dieser Stelle ein kleines Herberghaus mit Stall bauen. Mehr zur Abtei bietet die Seite Abteikirche Otterberg.

Der Stall stand am Pass eines alten Wegs, der von der Perlenburg über Breitenau, den Espensteig und Aspach zur Otterberger Sohl und weiter zum Stall führte. Hier waren die zusätzlichen Zugpferde untergebracht, die man zum Holzfahren brauchte. Das Holz wurde im Wald östlich von Kaiserslautern gefällt und auf einem steilen alten Weg zum Pass hinaufgezogen. Bergauf brauchte ein beladener Wagen mehrere Pferde, bergab kamen zwei zurecht. Sie fuhren nach Osten zum Leinbach, wo das Holz getriftet wurde. Auch der leere Wagen kehrte mit zwei Pferden zurück. Wie die Trift funktionierte, beschreibt die Seite Holztrift im Pfälzerwald. Nach dem Niedergang der Trift riss man den Stall am Pass ab. Erhalten ist nur der Flurname „Am Stall“, Reste sind nicht zu finden.

Ende des 17. Jahrhunderts kamen viele holländische Käufer in den Pfälzerwald, die große Stämme für den Schiffbau suchten. Daran erinnern bis heute Wörter wie Holländerschlag, Holländerbäume, Holländerholz, Holländerweg und Holländerfahrer.

Steiler alter Hohlweg im Wald, tief eingeschnitten, mit Laub bedeckt, Buchen links und rechts
Hohlweg Alter Hohlweg. Symbolbild

Wo wärmten sich die Holzarbeiter am Feuerplatz?

Südlich von Helmbach und Appenthal steht an der Hochstraße zwischen Heldenstein und Taubensuhl, zwischen der Wegegabelung am Kieselecker Bild und den Abzweigungen am Kirschbaum, der Stein „Feuerplatz“. Er gehört verwaltungsmäßig zu Flemlingen und Hainfeld im Landkreis Südliche Weinstraße. Der Name geht auf einen früheren Feuerplatz für Holzarbeiter zurück. Der Stein ist ein aufrecht stehender, nach oben spitzer Sandsteinfindling von etwa 80 Zentimetern Höhe mit der Inschrift „Feuer Platz“ und dem Kürzel PWV.

Ein Waldweg führt vom Feuerplatz zum Kirschbaum, wo er wieder auf die heutige Hochstraße trifft. Dass hier ein eigener Platz für das Feuer der Holzarbeiter benannt wurde, zeigt, wie sehr die Arbeit im Wald den Alltag bestimmte: Wer im Winter Holz schlug, brauchte einen Ort zum Wärmen, und aus dem Ort wurde ein Name im Gelände. Die Grenzsteine der Umgebung beschreibt die Seite Grenzsteine im Pfälzerwald.

Was ist der Pfälzer Unger?

Nördlich von Bobenthal auf der Gemarkung Böllenborn steht an der alten Straße von Reisdorf über die Pfälzer Hütte durch das Glasbachtal ins Portzbachtal der Stein „Pfälzer Unger“. In der Nähe steht eine Schutzhütte. Der Stein ist ein aufrecht stehender, nach oben spitz zulaufender Sandsteinfindling mit der Inschrift „Pfälzer Unger“ und dem Kürzel PWV.

Er steht am Platz der einstigen Pfälzer Hütte, an der Schweinehirten rasteten. Unger bezeichnet die Mittagsrast, in der sich die Hirten vom Vieh erholten; das Wort kann auch Schlafen bedeuten. Im Pfälzerwald wurden früher große Mengen Vieh in den Wald getrieben, Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen und Schweine. Die Gemeinden Bobenthal, Niederschlettenbach, Erlenbach und Böllenborn hatten aufgrund alter Rechte das Weiderecht in den Mundatwaldungen. Die Rittersteine dieser Gruppe tragen den Namen Viehwirtschaft und Wolfsplage.

Im Leinbachtal liegen das Ungerhäuschen und der Ungerbrunnen bei der Pechhütte; mehr dazu steht auf der Seite Verschwundene Orte im Pfälzerwald.

Wie besucht man diese Orte?

Die Steine liegen an unterschiedlichen Stellen des Waldes. Das Hornungstal bei Trippstadt und das Hungerbrunnental südlich von Kaiserslautern lassen sich im Norden des Pfälzerwalds auf einer Wanderung verbinden. Der Weißenberg bei Hermersbergerhof erreicht man im Süden, den Pfälzer Unger an der alten Straße im Glasbachtal bei Böllenborn. Die Orte verbindet, dass sie ein Leben im Wald zeigen, das mit der Holzwirtschaft, der Jagd und der Weide verbunden war. Die Wege sind teilweise durch Markierungen des Pfälzerwald-Vereins gekennzeichnet, Karten und Hinweise zu Wegzeichen enthält die Seite Markierungen und Karten.

Häufige Fragen zu Forst und Jagd im Pfälzerwald

Wann wurde das Forsthaus Wittgenberg gebaut und wann endete es?

Das Forsthaus wurde 1832 errichtet und 1873 stillgelegt und abgebaut.

Wer war Benedikt Candidus?

Benedikt Candidus wurde 1803 in Weilerbach geboren und starb 1872 im Forsthaus Wittgenberg. Wegen seiner Teilnahme an den Aufständen von 1848 wurde er dorthin versetzt. Der Candidusbrunnen ist nach ihm benannt.

Wann wurde Karl Albrecht von Ritter geboren?

Am 10. März 1836 im Stiftswalder Forsthaus bei Kaiserslautern. Er war der erste Vorsitzende des Pfälzerwald-Vereins.

Was bedeutet Unger?

Das pfälzische Wort bezeichnet die Mittagsrast. Beim Pfälzer Unger rasteten Schweinehirten.

Wer hatte Weiderechte im Mundatwald?

Die Gemeinden Bobenthal, Niederschlettenbach, Erlenbach und Böllenborn hatten aufgrund alter Rechte das Weiderecht in den Mundatwaldungen.

Wozu diente der Stall bei Waldleiningen?

Er beherbergte zusätzliche Zugpferde, mit denen Holz vom Wald östlich von Kaiserslautern zum Leinbach gefahren wurde, wo man es trieb.

Passend dazu: Hirten legten am Dammbrunnen im Stiftswald Kaiserslautern einen Ringdamm mit Weiher an: Brunnen und Quellen im Pfälzerwald. Die Förster der Haingeraide wurden jährlich gewählt und übten das Amt neben ihrem Beruf aus: Haingeraiden im Pfälzerwald.

Quellen: KuLaDig: Ritterstein R. F. Wittgenberg; KuLaDig: Ritterstein R.F. Stiftswald; KuLaDig: Ritterstein F. Schorlenberg; KuLaDig: Ritterstein R. Jagdhäuschen 20 Schr.; KuLaDig: Ritterstein Stall; KuLaDig: Ritterstein Pfälzer Unger; KuLaDig: Ritterstein Feuerplatz. Stand: November 2026.