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Land & Leute

Friedensdenkmal Edenkoben: Werderberg mit Straßburger Stein und Bismarckstein

Sieges- und Friedensdenkmal von 1899 auf dem Werderberg mit Obelisk, Bismarck-Platz, Moltkestein und Gedenksteinen

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am eingeweiht 1899 · Werderberg 370 m

Gewölbe und Pfeiler einer offenen Sandsteinhalle aus gelbem und rotem Stein mit Blick über bewaldete Hügel im Herbstlicht
Denkmalhalle Sandsteinhalle mit Aussicht. Symbolbild

Kurz gesagt

Auf dem Werderberg westlich von Edenkoben steht das Sieges- und Friedensdenkmal, eine tempelartige Halle aus gelbem und rotem Buntsandstein. Der Stadtrat beschloss 1872 ein Denkmal für den Sieg über Frankreich, gebaut wurde ab 1895, eingeweiht wurde es vom 2. bis 4. September 1899. Rund um die Halle erinnern der Straßburger Stein, der Bismarck-Platz mit Bismarckstein, der Moltkestein und der Landwehrmann-Stein an den Krieg von 1870/71.

Was ist das Friedensdenkmal bei Edenkoben?

Das Denkmal ist eine offene, tempelartige Halle mit Gewölbe, getragen von vier Pfeilern. Darüber liegt eine Aussichtsplattform mit Halterungen für Fahnenmasten, auf der ein Spruch zu lesen ist: „Die schöne Pfalz am Rhein!“. Die Rückwand ist wie eine Apsis mit Halbkuppel gestaltet, deren Mosaike italienische Mosaizisten schufen. Gebaut wurde die Anlage überwiegend aus gelbem und rotem Buntsandstein. Sie steht als Kulturdenkmal unter Schutz.

Errichtet wurde das Denkmal als Sieges- und Friedensdenkmal zur Erinnerung an den Krieg von 1870/71. Seit der 1200-Jahr-Feier der Stadt 1969 betont Edenkoben vor allem den Friedensgedanken; mehr zur Stadt steht auf der Seite Edenkoben. Das Denkmal bildet den Mittelpunkt einer Gruppe von Steinen und Plätzen, die zwischen 1871 und 1902 auf dem Berg entstanden.

Wie entstand das Denkmal zwischen 1872 und 1899?

Der Stadtrat von Edenkoben beschloss am 1. Februar 1872, ein Denkmal für den Sieg über Frankreich zu errichten. Zwischen 1871 und 1893 entstanden fünf Projektentwürfe; der letzte betonte Frieden und Einheit. Finanziert wurde das Vorhaben vom „Verein zur Errichtung eines Sieges- und Friedensdenkmals bei Edenkoben“, der sich nach der Fertigstellung auflöste. Den Denkmalwettbewerb gewann der Bildhauer August Drumm.

Die Kosten betrugen 120.000 Reichsmark. Bis 1893 kamen rund 67.500 Reichsmark an Spenden zusammen, Prinzregent Luitpold gab 32.500 Mark. Die Bauarbeiten begannen Anfang Mai 1895, den Grundstein legte man im März 1898. Zur Einweihung am 2., 3. und 4. September 1899, zur Feier des Sedantags, kamen rund 14.000 Mitglieder von Kriegervereinen in zwölf Sonderzügen, insgesamt waren es rund 40.000 Gäste.

Im „Dritten Reich“ gab es Pläne, die Anlage zu einer Feierstätte umzubauen; sie wurden nie umgesetzt. Renovierungen folgten Ende der 1920er-Jahre und Anfang der 1950er-Jahre. 1987 wurde die Waldgaststätte gebaut, danach nahm der Tourismus am Berg wieder zu.

Halbkuppel einer Apsis mit Mosaik in Gold- und Blautönen aus geometrischen Mustern, darunter Sandsteinwand
Mosaik Halbkuppel mit Mosaik. Symbolbild

Welche Figuren und Inschriften zeigt das Denkmal?

Im Zentrum sitzt ein nackter Reiter aus Bronze, der einen Ölzweig hält, das Friedenssymbol. Zwei allegorische Frauenfiguren stehen für Nord- und Süddeutschland. Drei Büsten zeigen König Ludwig II. von Bayern links, Prinzregent Luitpold rechts und in der Mitte, größer dargestellt, Kaiser Wilhelm I. Porträtmedaillons erinnern an Generalfeldmarschall Moltke, Otto von Bismarck, General von der Tann und General von Hartmann. Eine Reichseiche trägt die Wappen der deutschen Staaten, im Zentrum steht das Wappen des Deutschen Reiches.

Dazu kommen drei Raben und ein Tierfries mit Schildkröte, Schlange, Krebs, Fisch und Seepferdchen. Das Bodenmosaik ist in Schwarz, Weiß und Rot gehalten und zeigt ein Eisernes Kreuz. Zwei Tafeln nennen Daten zum Krieg 1870/71. Auf einem Mosaikband steht „Einigkeit macht stark“, auf einer Tafel „Facta loquuntur“, auf Deutsch: Die Tatsachen sprechen für sich.

Was erinnert der Straßburger Stein?

Der Obelisk „Straßburger Stein“ steht am Südrand eines früheren Steinbruchs. Der Stadtrat Edenkoben beschloss am 1. Februar 1872, ihn zu errichten, im Sommer 1872 wurde er aufgestellt. Er erinnert an die Belagerung von Straßburg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Entworfen hat ihn der Edenkobener Bildhauer Kleindienst. Ursprünglich stand er auf dem Werderplatz, wo heute das Friedensdenkmal steht, und wurde versetzt, als der Denkmalplan reifte.

Der klassizistische Obelisk aus Sandstein besteht aus drei großen Blöcken mit einer gestuften Stele; der dritte Block und die Stele sind aus einem Stein gearbeitet. Auf der Vorderseite stehen das Datum „28. September 1870“ und die Zeile „O Straßburg, O Straßburg, du wunderschöne Stadt!“. Auf der Rückseite stehen „Straßburg verloren 30. IX. 1681“ und „Wiedergewonnen 28. IX. 1870“. Ein Medaillon zeigt General Karl Friedrich Wilhelm Leopold August Graf von Werder (1808 bis 1887), den „Befreier“ von Straßburg. Ein gusseiserner Adler, der den Obelisken krönte, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gestohlen; er tauchte schwer beschädigt wieder auf und liegt im Archiv des Edenkobener Heimatmuseums.

Was gehört zum Bismarck-Platz und zum Bismarckstein?

Der Bismarck-Platz entstand zwischen 1895 und 1898. Sandsteinfindlinge begrenzen ihn, in der Mitte liegt ein kleiner aufgeworfener Hügel, auf dem zwei aufgerichtete Sandsteine einen dritten tragen. Die Fahrstraße führt in einer Kurve um den Platz zum Gipfel. Die Inschrift lautet „Bismarck-Platz ihrem großen Ehrenbürger die Stadt Edenkoben 1898“. Geehrt wird Otto von Bismarck (1815 bis 1898), Reichskanzler und Ehrenbürger der Stadt.

Der Bismarckstein steht an der Zufahrtsstraße unterhalb des Denkmals. Er ist auf das Todesjahr Bismarcks 1898 datiert, auf der Inschrift steht der 2. September 1898. Der große Sandsteinfindling trägt ein überlebensgroßes Brustbild im Relief, darunter einen Lorbeerzweig über die ganze Breite und das Stammwappen der Familie von Bismarck. Gewidmet ist er dem „Einiger der Deutschen“ vom Südwestdeutschen Landesverband Alter Herren des Akademischen Turnerbundes. Das Kürzel „TB“ rechts wurde später ergänzt, denn das Zeichen entstand erst 1908.

Klassizistischer Sandsteinobelisk auf gestuftem Sockel am Rand eines alten Steinbruchs im Wald
Obelisk Obelisk am Steinbruchrand. Symbolbild

Wofür steht der Moltkestein?

Der Moltkestein von 1902 steht ebenfalls an der Zufahrtsstraße. Ein großer roter Sandsteinfindling zeigt einen aufsteigenden Eichenzweig und einen kreuzenden Lorbeerzweig; die Eiche steht für Ewigkeit, der Lorbeer für Ruhm, Sieg und Frieden. Die Plakette unten rechts trägt den Text „Dem großen Führer zu Kampf und Sieg, durch Sieg zum Frieden 1902“, links steht in Sütterlinschrift eine Devise mit dem Namen „Gr. Moltke“.

Der Stein würdigt Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800 bis 1891), den preußischen Generalfeldmarschall, seit 1870 Graf und „Schweiger“ genannt. Er ergänzt als Denkmal des militärischen Erfolgs den politischen Erfolg, den der Bismarckstein würdigt. Den Stein schuf der Edenkobener Bildhauer Johann Kleinschmidt. Die Metallplatte mit Moltkes Bild, ein gusseisernes Medaillon, stiftete der Hüttenbesitzer Freiherr von Gienanth aus Hochstein, dessen Familie auf der Seite Eisenberg und sein Eisen vorgestellt wird. Das Medaillon ist nicht erhalten.

Was sagen Landwehrmann-Stein und Markierungsstein?

Der Gedenkstein „Zum braven Landwehrmann“ stammt von 1871. Auf einem rechteckigen, behauenen Sandstein steht die Inschrift, der Sockel besteht aus unbehauenen Lesesteinen. Die Landwehr war ein Aufgebot wehrfähiger Männer, oft Reservisten. Im Krieg 1870/71 wurden Männer aus Edenkoben zur Waffe gerufen, darunter zwei Landwehrleutnante. Der Kriegerverein Edenkoben schuf die Anlage als Ruhe- und Gedenkplatz mit Bänken. „Brav“ bedeutete damals so viel wie treu oder tapfer.

Der Markierungsstein „Werder Berg“ ist ein liegender Sandsteinfindling, dessen Schrift eine Girlande umzieht. Er erinnert daran, dass der Berg nach General von Werder benannt ist. Bis dahin hieß er Kiefernberg; so verzeichnet ihn noch die bayerische Landesaufnahme von 1836 bis 1841, und Einheimische verwenden den Namen bis heute. Der Berg ist 370 Meter hoch.

Warum zeigt ein Pfälzer Denkmal bayerische Herrscher?

Die Pfalz gehörte seit 1816 zum Königreich Bayern, die Seite Bayerische Pfalz erzählt diese Zeit. Deshalb zeigen die Büsten neben Kaiser Wilhelm I. auch die bayerischen Herrscher Ludwig II. und Prinzregent Luitpold, der mit 32.500 Mark zu den größten Spendern zählte. Die Medaillons zeigen Moltke und Bismarck sowie die bayerischen Generale von der Tann und von Hartmann. Die Reichseiche mit den Wappen aller Staaten und das Reichswappen im Zentrum bringen die Einheit der deutschen Staaten ins Bild, dazu passt der Spruch „Einigkeit macht stark“.

Dass der Tag der Einweihung der Sedantag war, ist kein Zufall: Er erinnerte an die Schlacht von Sedan am 2. September 1870, die im Kaiserreich als Gedenktag gefeiert wurde. Das Fest dauerte drei Tage.

Wer war General von Werder?

Karl Friedrich Wilhelm Leopold August Graf von Werder (1808 bis 1887) war ein preußischer General der Infanterie. Er leitete 1870 die Belagerung von Straßburg, das nach den Inschriften am Obelisken am 28. September 1870 wiedergewonnen wurde, nachdem es 1681 verloren worden war. Die Edenkobener ehrten ihn, indem sie den Kiefernberg nach ihm benannten und ihn auf dem Straßburger Stein im Medaillon zeigten.

Wie ordnet sich der Werderberg in die Steine des Pfälzerwalds ein?

Die Steine am Werderberg zählen zu den „Beschrifteten Steinen im Pfälzerwald“, die neben den Rittersteinen stehen. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem auch die Denkmäler am Steigerkopf, die Wegweiser am Kalmit-Felsenmeer und das Schoppendenkmal in Maikammer von 1984. Die größte Ansammlung von Gedenksteinen steht auf dem Steigerkopf, den die Seite Steigerkopf und Schänzel beschreibt. Die Rittersteine des Pfälzerwald-Vereins erklärt die Seite Rittersteine im Pfälzerwald.

Häufige Fragen zum Friedensdenkmal Edenkoben

Wann wurde das Friedensdenkmal eingeweiht?

Vom 2. bis 4. September 1899, zur Feier des Sedantags. Rund 40.000 Gäste kamen.

Wer gestaltete das Denkmal?

Den Wettbewerb gewann der Bildhauer August Drumm (1862 bis 1904). Die Mosaike der Halbkuppel schufen italienische Mosaizisten.

Was kostete der Bau?

Die Gesamtkosten betrugen 120.000 Reichsmark. Spenden bis 1893 brachten rund 67.500 Reichsmark.

Woher hat der Werderberg seinen Namen?

Er ist nach General August von Werder (1808 bis 1887) benannt, der die Belagerung von Straßburg 1870 leitete. Vorher hieß er Kiefernberg.

Wann entstand der Bismarckstein?

1898, im Todesjahr Otto von Bismarcks. Auf der Inschrift steht der 2. September 1898.

Warum zeigt das Denkmal bayerische Herrscher?

Die Pfalz gehörte seit 1816 zu Bayern. Die Büsten zeigen deshalb König Ludwig II. und Prinzregent Luitpold neben Kaiser Wilhelm I.

Passend dazu: Weitere beschriftete Steine im Pfälzerwald, von Wegweisern bis zur Weltachse, stellt die Seite Beschriftete Steine im Pfälzerwald vor. Im Edenkobener Tal liegt der Innungsstein mit den Hausmarken der Haingeraide: Haingeraiden im Pfälzerwald.

Quellen: KuLaDig: Friedensdenkmal bei Edenkoben; KuLaDig: Bismarck-Platz am Werderberg; KuLaDig: Bismarckstein am Werderberg; KuLaDig: Obelisk Straßburger Stein; KuLaDig: Moltkestein am Werderberg; KuLaDig: Gedenkstein Zum braven Landwehrmann; KuLaDig: Markierungsstein Werderberg; KuLaDig: Beschriftete Steine im Pfälzerwald. Stand: November 2026.