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Land & Leute

Grenzsteine im Pfälzerwald: Dreiherrenstein, Jungfernstein und Mundat

Wappen, Jahreszahlen und Grenzumgänge: wie Herrschaften, Städte und Waldgenossenschaften den Pfälzerwald mit Steinen aufteilten

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am Dreiherrenstein 1657 · Grenzumgang 1514

Alter moosbewachsener Grenzstein aus rotem Sandstein mit verwitterten Einkerbungen am Rand eines Waldwegs im Buchenwald
Grenzstein Grenzstein im Wald. Symbolbild

Kurz gesagt

Im Pfälzerwald verliefen jahrhundertelang Grenzen zwischen Herrschaften, Waldgenossenschaften, Städten und Staaten. Davon zeugen behauene Grenzsteine mit Wappen, Initialen und Jahreszahlen, etwa der Dreiherrenstein von 1657 bei Hermersbergerhof, die Drei Steine am Eschkopf von 1760 bis 1816 und der Jungfernstein bei Kaiserslautern, an dem seit 1514 Grenzumgänge belegt sind. Am Südrand des Waldes folgte die Grenze der Wieslauter und der Mundat.

Warum gibt es im Pfälzerwald so viele Grenzsteine?

Der Pfälzerwald war nie ein einheitliches Gebiet. Er gehörte zu Herrschaften wie der Markgrafschaft Baden, Pfalz-Zweibrücken, der Kurpfalz und der Herrschaft Gräfenstein, dazu kamen Städte, Klöster und Waldgenossenschaften. Wald bedeutete Holz, Weide, Wild und Einkommen. Deshalb war es wichtig, genau festzulegen, wo der eine Besitz endete und der andere begann. Die Grenzen wurden mit Steinen markiert, die bis heute im Wald stehen.

Auf ihnen sind Wappen, Initialen, Nummern und Jahreszahlen eingehauen. Wer die Zeichen lesen kann, erfährt, wer hier Eigentümer war: „KW“ steht für Königlicher Wald aus der Zeit der bayerischen Pfalz, „CP“ für Churpfalz, „L“ für den Landauer Stadtwald, „FW“ für den Falkenburger Wald. Ein Sonnenrad ist das Zeichen der Oberhaingeraide, eines gemeinschaftlich genutzten Waldverbands. Einige dieser Steine sind zugleich Rittersteine des Pfälzerwald-Vereins und tragen das Kürzel PWV; der Hintergrund der Reihe steht auf der Seite Rittersteine im Pfälzerwald.

Was zeigt der Dreiherrenstein bei Hermersbergerhof?

Rechts neben der Forststraße zwischen Hermersbergerhof und dem Weißenberg steht der Dreiherrenstein. Er liegt an der Grenze der Gemeinden Merzalben und Wilgartswiesen im Landkreis Südwestpfalz, der Stein ist durch die Wegzeichen Blaues Kreuz, Blau-Roter Strich und Blau-Weißer Strich des Pfälzerwald-Vereins markiert. Auf der Oberseite sind zwei Wappen eingeschlagen. Das badische Wappen mit den Buchstaben M und B steht für die Markgrafschaft Baden und heute für das Forstamt Merzalben. Das Wittelsbacher Wappen mit P und Z steht für Pfalz-Zweibrücken und heute für das Forstamt Wilgartswiesen.

Dazu kommen die Jahreszahl 1657, die Nummern 84 und A 73 sowie die Buchstaben KW für den Königlichen Wald. Das Gebiet gehörte zunächst zur Herrschaft Gräfenstein und dann zur Markgrafschaft Baden. Ein anderer Teil gehörte zum Pirmansbezirk, danach zum Kloster Eußertal und schließlich zu Pfalz-Zweibrücken. Die Gebiete Obere Frankenweide und Annweiler Bürgerwald tragen auf dem Stein keine Wappen. Er markiert, dass hier drei Herrschaftsgebiete zusammentrafen und heute noch drei Forstgebiete zusammentreffen. Der Stein ist als Grenzstein eingetragen, der Waldgrenzen markiert, mit den Jahreszahlen 1657 und 1773, und gesetzlich als Kulturdenkmal geschützt.

Zur Herrschaft Gräfenstein gehörte die Burg Gräfenstein.

Waldweg-Kreuzung im Buchenwald, an der mehrere Wege zusammentreffen, im Vordergrund ein niedriger Sandsteinblock
Wegkreuzung Wegkreuzung im Forst. Symbolbild

Welche Grenzen kreuzten sich an den Drei Steinen?

Direkt an der B 48 südlich von Johanniskreuz, zwischen Johanniskreuz und Rinnthal, steht der Stein „An den drei Steinen“ an der Markierung Gelb-Roter-Strich. Er liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Elmstein, Landau und Wilgartswiesen. Der Name bezieht sich auf drei Grenzsteine am Birkeneck, etwa einen Kilometer östlich. Dort trafen der Elmsteiner Wald, die Oberhaingeraide und die Obere Frankenweide zusammen. Die Steine heißen auch Weise Steine und stammen aus den Jahren 1760, 1769 und 1816.

Der rechte Stein trägt auf seiner Nordseite die Buchstaben KW, die Nummer 790 und die Jahreszahl 1760. Auf der Ostseite stehen die Nummer 170 und CP für Churpfalz, auf der Südseite die Nummer 144. Die Westseite zeigt die Nummer 160, ein Sonnenrad als Zeichen der Oberhaingeraide und ein L für den Landauer Stadtwald. Der linke Stein trägt die Jahreszahl 1769 und auf der Ostseite CP und E für Elmstein, auf der Westseite ein F. Der mittlere Stein ist abgebrochen und zeigt auf dem Kopf nur eine kreuzähnliche Kerbung. Auf den Köpfen des linken und des rechten Steins ist der frühere Grenzverlauf eingemeißelt.

Was hat es mit dem Jungfernstein bei Kaiserslautern auf sich?

Rund zwei Kilometer südlich von Kaiserslautern steht am Rand des Stadtwalds im Wienerthal zwischen dem Kleinen Humberg und dem Kleinen Krebser der Jungfernstein. Das Tal hieß 1539 Wagnerthal oder Wenerthal. Der Jungfernstein ist ein alter Grenzstein zwischen dem Kaiserslauterer Stadtwald und dem Stiftswald des Prämonstratenserstifts. Vier kleinere Steine umgeben ihn. Eingemeißelt sind die Jahreszahlen 1729, 1786 und 1858. Auf einer Seite trägt der Stein das Wappen von Kaiserslautern, auf der anderen die Wolfsangel, das Zeichen des Stifts. Daneben steht als Ritterstein ein aufrechter, annähernd rechteckiger Sandsteinfindling mit der Inschrift „Jungfern Stein“ und dem Kürzel PWV. Der Jungfernstein ist als Naturdenkmal im südlichen Stadtwald verzeichnet.

Der Wald wurde regelmäßig abgeschritten, um die Grenzen im Gedächtnis zu halten. Solche Grenzumgänge sind für die Jahre 1514, 1539, 1592, 1682 und 1730 belegt. Beim Umgang von 1514 gingen Jungen im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren mit und lernten 29 Grenzsteine kennen. An wichtigen Steinen wurden sie mit einem Klöppel aus Buchenholz leicht geschlagen, gepritscht, damit sie sich die Grenze merkten. 1923 gab die Stadt Kaiserslautern Notgeld aus, das auf der Rückseite eine Szene des Grenzumgangs mit der Aufschrift „Waldumbgangk 1514“ zeigt. Die Scheine über 20 Millionen Mark vom 10. September und über 10 Billionen Mark vom 10. Oktober 1923 sind erhalten.

Warum markiert das Kunzelmannsgut eine Grenze?

Entlang der Wieslauter im Vorderen Ziegeltal nördlich von Hinterweidenthal steht der Stein „Kunzelmannsgut“, auch Wolfsangelstein genannt, an einem früheren Grenzstein an der Hochstraße zum Hermersberger Hof. Er liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Münchweiler an der Rodalb und Wilgartswiesen. Auf dem Stein sind Grenzkreuze, eine Wolfsangel und die Buchstaben FW für Falkenburger Wald und KG für Kunzelmanns Gut zu erkennen, auch wenn Moos sie teilweise verdeckt.

Der Ort hat eine dokumentierte Geschichte. 1588 ging das Gebiet, das ursprünglich dem Kloster Hornbach gehörte, an Zweibrücken. Es war an die Dahner Ritter verpachtet und gehörte zur Herrschaft Grafendahn. 1613 wird das Gut zum ersten Mal in einem Inventar des Junkers Wolff Philips von Fleckenstein erwähnt, 1663 erneut in einer Beschreibung der Herrschaft Grafendahn. Im 17. Jahrhundert besaßen die Fleckensteiner die Güter der Herrschaft. Ab 1748 stritten der Zweibrücker Hof und die Herrschaft Waldenburg wiederholt um das Eigentum. 1790 wurde der Waldbezirk zum letzten Mal förmlich begrenzt, man sagt: ausgesteint. Das Land bestand überwiegend aus Wald, geschätzt wegen Holz und Jagd, daneben gab es kleinere Äcker und Wiesen.

Wo entspringt die Wieslauter, die später zur Grenze wird?

Nordwestlich von Hinterweidenthal, nahe dem Wieslauterhof auf der Gemarkung Merzalben, steht der Stein „Wieslauter Ursprung“. Die Schrift ist hier nicht eingemeißelt, sondern auf drei Kartuschen befestigt: oben „Wieslauter“, darunter „Ursprung“ und rechts unten das Kürzel PWV. Die Wieslauter entspringt aus einer mit Sandsteinen gefassten Quelle am früheren Hofgrundbesitz des Wieslauterhofs.

Auf ihrem Weg passiert sie die Steine Vogelshütte, Kunzelmannsgut und Trifthof. Ab der Siebenteilbrücke bildet sie die Grenze. Bei St. Germanshof erreicht sie die französische Grenze und heißt von da an Lauter. Sie fließt weiter ins Elsass bis nach Weißenburg. Mehr über die Nachbarstadt steht auf der Seite Wissembourg.

Kleiner Quellbach in einer Wiese am Waldrand, die Quelle mit Sandsteinen eingefasst, Nebel über dem Tal
Quelle Gefasste Quelle am Waldrand. Symbolbild

Was erzählen Wegscheid und Mundathütte im Mundatwald?

Der Mundatwald liegt im Süden des Pfälzerwalds an der Grenze zu Frankreich. Der Stein „Wegscheid“ steht nordwestlich von Schweigen-Rechtenbach im Unterholz, kurz vor einer Wegspinne namens An der Wegscheid zwischen Pitzberg, Hohem Kopf und Kleinem Langenberg. Er ist ein aufrecht stehender Sandsteinfindling, nach oben spitz zulaufend. Hier laufen fünf Wege zusammen: nach Schweigen, nach Weiler, ins Langental, auf das ehemalige Zollsträßchen in Richtung St. Germanshof und zur Ruine Guttenberg.

Östlich von Bobenthal markiert der Stein „Mundathütte“ den Platz einer Waldhütte. An dieser Stelle verlief bis zur Einigung über den Mundatwald die deutsch-französische Grenze. Der Stein ist eine aufrecht stehende Sandsteinplatte mit der Inschrift „Mundat-Hütte“.

Am Pitzberg erinnert der Stein „Schanze 1704“ an eine Erdschanze aus dem Spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714. Der quadratische Erdwall umfasst etwa 10 bis 15 Ar und gehörte zu den Weißenburger Linien, auch Lauterlinien genannt. Er ist als Alte Schanze nordwestlich des Ortes, Ringwall mit Graben, eingetragen. Etwa einen Kilometer südöstlich liegt eine zweite eingetragene Schanze am Hasenberg.

Der höchste Punkt dieser Gegend ist die Hohe Derst mit 561 Metern, die höchste Erhebung des südöstlichen Pfälzerwalds, bei Böllenborn und Oberotterbach. Am Gipfel steht der Stein „Hohe Derst 561m üNN“, und in der Nähe erinnert ein Gedenkstein an eine Minenexplosion am 18. April 1948. Weiteres zur Landschaft bietet die Seite Wasgau.

Überwachsener quadratischer Erdwall mit Graben im Wald, Moos und Laub bedecken die Böschung
Schanze Erdwall einer Schanze. Symbolbild

Wo verlief die Grenze der Haingeraide am Feuerplatz?

Südlich von Helmbach und Appenthal steht an der Hochstraße zwischen Heldenstein und Taubensuhl der Stein „Feuerplatz“, ein aufrechter Sandsteinfindling. Er steht direkt auf der Grenze der Waldabteilungen von Flemlingen und Hainfeld, wo mehrere Waldwege zusammentreffen. In der Nähe steht ein Grenzstein, der den Verlauf der Haingeraidegrenze markiert, und weitere Grenzsteine liegen im Umkreis. Woher der Name stammt, steht auf der Seite Forst, Jagd und Weide im Pfälzerwald.

Die Haingeraide war ein Waldverband, dessen Mitglieder den Wald gemeinsam nutzten. In der Südpfalz sind ihre Grenzen bis heute an Steinen abzulesen. Ein Beispiel auf der Seite Burrweiler zeigt einen Dreimärker, der die zweite von der dritten Haingeraide trennt.

Wie erlebt man die Grenzsteine heute?

Die meisten Steine stehen an markierten Wanderwegen. Der Dreiherrenstein liegt an einem Knotenpunkt dreier Wegzeichen des Pfälzerwald-Vereins, die Drei Steine bei Johanniskreuz erreicht man von der B 48 aus, den Jungfernstein vom Kaiserslauterer Stadtwald aus. Wer mehrere Steine verbinden möchte, findet Anregungen auf den Seiten Rundwanderungen und Wanderheime. Die Zeichen auf den Steinen lassen sich gut lesen, wenn man mit Blick auf Seiten und Himmelsrichtung vor dem Stein steht: Jede Seite weist auf einen anderen Besitzer.

Häufige Fragen zu Grenzsteinen im Pfälzerwald

Was bedeutet KW auf Grenzsteinen?

KW steht für Königlicher Wald und stammt aus der Zeit der bayerischen Pfalz zwischen 1816 und 1945.

Wie alt ist der Dreiherrenstein?

Auf dem Stein steht die Jahreszahl 1657. Eingetragen ist er außerdem mit der Jahreszahl 1773.

Was ist ein Grenzumgang?

Ein Grenzumgang ist ein Gang entlang der Grenzsteine, bei dem Jungen den Verlauf der Grenze kennenlernten. Für Kaiserslautern sind Umgänge 1514, 1539, 1592, 1682 und 1730 belegt.

Was ist die Haingeraide?

Die Haingeraide ist ein gemeinschaftlich genutzter Waldverband in der Südpfalz. Das Sonnenrad ist das Zeichen der Oberhaingeraide und steht auf Grenzsteinen.

Wo entspringt die Wieslauter?

Sie entspringt nahe dem Wieslauterhof auf der Gemarkung Merzalben aus einer sandsteingefassten Quelle. Bei St. Germanshof erreicht sie die französische Grenze und heißt danach Lauter.

Was ist die höchste Erhebung im südöstlichen Pfälzerwald?

Die Hohe Derst bei Böllenborn und Oberotterbach ist mit 561 Metern die höchste Erhebung des südöstlichen Pfälzerwalds.

Passend dazu: Die Steine der Waldgenossen, vom Kanzelfelsen bis zum Innungsstein, stellt die Seite Haingeraiden im Pfälzerwald vor.

Quellen: KuLaDig: Ritterstein Dreiherrenstein; KuLaDig: Ritterstein An den drei Steinen; KuLaDig: Ritterstein Jungfernstein; KuLaDig: Ritterstein Kunzelmannsgut; KuLaDig: Ritterstein Wieslauter Ursprung; KuLaDig: Ritterstein Wegscheid; KuLaDig: Ritterstein Mundathütte; KuLaDig: Ritterstein Schanze 1704; KuLaDig: Ritterstein Hohe Derst; KuLaDig: Ritterstein Feuerplatz. Stand: November 2026.