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Land & Leute

Hambacher Fest 1832: das Fest der Demokratie

Die Volksversammlung von 1832 auf dem Hambacher Schloss

Stand: · 8 Min. LesezeitNeustadt an der Weinstraße · 27. Mai 1832

Breiter Erdweg steigt durch Kastanienwald im Herbstlaub zu einer Anhöhe, Licht fällt durch die Stämme
Schlossberg Der Weg zum Schlossberg führt durch Kastanienwald. Symbolbild

Kurz gesagt

Das Hambacher Fest war eine politische Volksversammlung am 27. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt. Zwischen 20.000 und 30.000 Menschen forderten Pressefreiheit, nationale Einheit und Bürgerrechte. Die Behörden verfolgten die Organisatoren; das Fest gilt dennoch als früher Meilenstein der deutschen Demokratiegeschichte. Der Bau selbst hat eine eigene Seite.

Was war das Hambacher Fest 1832?

Das Hambacher Fest war eine Massenversammlung auf dem Gelände der Schlossruine Hambach, zu der nach Angaben der Stiftung Hambacher Schloss bis zu 30.000 Menschen kamen. Sie traten für ein geeintes Deutschland, politische Grundrechte und ein solidarisch verbundenes Europa ein. Weil in der Zeit der Restauration politische Versammlungen verboten waren, gaben die Organisatoren das Ereignis als Volksfest aus.

Die Teilnehmerzahl streut in den Quellen. Die Stiftung und die Pfalz.Touristik nennen bis zu beziehungsweise etwa 30.000, die Wikipedia gibt für das Fest 20.000 bis 30.000 Teilnehmer an und erwähnt in einem anderen Artikel etwa 25.000. Genaue Zählungen gibt es nicht, die Werte beruhen auf Schätzungen. Wir nennen deshalb die Spanne von 20.000 bis 30.000 für den Festtag auf dem Schlossberg.

Wer das Schloss besuchen möchte, findet Zeiten, Preise und Anfahrt auf der Seite zum Hambacher Schloss. Diese Seite hier erzählt das Ereignis. Verwechseln Sie es nicht mit dem Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen, der mit dem Fest nichts zu tun hat.

Warum kam es 1832 in der Pfalz zum Fest?

Die Pfalz gehörte seit 1816 als „Rheinkreis“ zu Bayern, nachdem der Wiener Kongress 1814/15 Europa neu geordnet hatte; Bayern und Österreich einigten sich im April 1816 darauf. Die Pfälzer hatten zuvor, von 1792 bis 1814, unter französischer Herrschaft gelebt und Reformen kennengelernt, die als „Rheinische Institutionen“ galten: Gleichheit vor dem Gesetz, Gewerbefreiheit, Geschworenengerichte und öffentliche Gerichtsverfahren. Die bayerische Verfassung von 1818 ließ sie formal bestehen, doch faktisch höhlte München sie in den 1820er-Jahren aus.

Dazu kamen wirtschaftliche Sorgen. Missernten und nachteilige Zollregelungen trafen die wichtigsten Exportgüter der Pfalz, Wein und Tabak; zwischen dem Rheinkreis und dem rechtsrheinischen Kernstaat Bayern gab es keine direkte Landverbindung. Soziale Not, die Verarmung („Pauperismus“) und massenhafter „Holzfrevel“, das illegale Holzsammeln, kamen hinzu. Politisch bestimmten Zensur und Bevormundung das Bild. Aus dem Ausland kamen Impulse: die Julirevolution 1830 in Paris, die belgische Revolution und der gescheiterte polnische Aufstand von 1830, nach dem rund 30.000 Polen durch Deutschland nach Frankreich zogen, eine Route führte über Neustadt.

DatumEreignis
1814/15Wiener Kongress ordnet Europa neu
April 1816Die Pfalz fällt als „Rheinkreis“ an Bayern
1830Julirevolution in Paris, polnischer Novemberaufstand
29. Januar 1832Gründung des „Deutschen Vaterlandsvereins zur Unterstützung der Freien Presse“ (Pressverein) in Zweibrücken-Bubenhausen
vor dem 27. Mai 1832Siebenpfeiffer widmet die Huldigungsfeier für die bayerische Verfassung in ein „Fest der Hoffnung“ um
27. Mai 1832Hambacher Fest
28. Juni und 5. Juli 1832Beschlüsse des Deutschen Bundes (sechs und zehn Artikel)
29. Juli bis 16. August 1833Assisenprozess in Landau

Wer organisierte das Fest?

Die organisatorische Keimzelle war der Pressverein. Er entstand am 29. Januar 1832 in Zweibrücken-Bubenhausen aus einem Fest zu Ehren des Pfälzers Friedrich Schüler, der im bayerischen Landtag gegen die Zensur gekämpft hatte. Zu den Köpfen zählten neben Schüler die Journalisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth sowie Ferdinand Geib und Joseph Savoye. Innerhalb des Deutschen Bundes hatte der Verein bald rund 5.000 Mitglieder, darunter viele Neustadter.

Siebenpfeiffer widmete ein ursprünglich für den 26. Mai als Huldigungsfeier für die bayerische Verfassung gedachtes Fest um und lud in dem Aufruf „Der Deutschen Mai“ für den 27. Mai zu einem „Fest der Hoffnung“ ein. Den Aufruf unterzeichneten 32 Neustadter Bürger, die sich fortan an der Organisation beteiligten, darunter der Arzt Johann Adam Philipp Hepp. Der Versuch der bayerischen Regierung, das Fest zu verbieten, scheiterte am Aufschrei der liberal-demokratischen Opposition und mobilisierte ungewollt weitere Unzufriedene. Der Aufruf lud ausdrücklich auch Frauen ein.

Blick über Rebzeilen im Frühsommer in die dunstige Rheinebene, Kastanienbäume im Vordergrund
Rebland Blick vom Hang über Reben in die Ebene. Symbolbild

Wie verlief der 27. Mai 1832?

Am Morgen formierte sich auf dem Marktplatz in Neustadt der Festzug, begleitet von Glockengeläut und Böllerschüssen, und zog hinauf zur Ruine; die Wikipedia nennt als Beginn 8 Uhr, eine andere Quelle 9 Uhr. Gegen 11 Uhr sammelten sich die Teilnehmer auf dem Schlossberg. Die Festleitung hisste auf den Zinnen die schwarz-rot-goldene Fahne mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“, die der Neustadter Kaufmann Johann Philipp Abresch getragen hatte; ihr Original ist heute das Herzstück der Dauerausstellung. Daneben wehte die polnische Fahne. Mittags fand ein Festessen mit rund 1.400 Gästen statt, das die Organisatoren als Veranstaltung in „geschlossener Gesellschaft“ anmeldeten, weil das Vereinsrecht Versammlungen mit mehr als 20 Personen verbot (Angaben der Wikipedia). Am 28. Mai trafen sich im Neustadter Schießhaus nochmals 500 bis 600 führende Bürger und Studenten, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Über 20 Redner sprachen, mehr als die Besucher hören konnten, denn das Gelände ist weitläufig. Hepp eröffnete für die Festordner, danach sprachen unter anderem Siebenpfeiffer und Wirth. Die Redner forderten einen deutschen Nationalstaat, Meinungs- und Pressefreiheit, mehr politische Mitwirkung des „Volkes“, womit damals der männliche, gebildete oder besitzende Teil der Bevölkerung gemeint war, und ein verbündetes Europa. Umstritten blieb, wie weit die „Volksherrschaft“ gehen und wie man die Ziele erreichen solle: Liberale wollten Reformen innerhalb der Monarchie, Demokraten einen Wechsel des Systems, einige notfalls mit Gewalt. Das Fest war deshalb kein revolutionäres Signal mit nationaler Wirkung, weil die Köpfe nach Ansicht der Stiftung nicht meinten, ein Mandat dafür zu haben.

Auch Winzer und Frauen gehörten zu den Teilnehmenden. Unter einer schwarzen Fahne mit der Aufschrift „Die Weinbauren müssen trauren!“ zogen Winzer hinauf, angeführt vom Dürkheimer Weingutsbesitzer Johannes Fitz; ihr Lied klagte über den „verdammten Zoll“. Für viele Frauen dürfte es die erste politische Versammlung gewesen sein, doch unter den Rednern war keine Frau. Zu den Gästen zählten Franzosen und Polen, darunter polnische Emigranten, sowie Studenten, unter anderem über 200 aus Heidelberg.

Was geschah nach dem Fest?

Die Reaktion der Behörden war hart. Der bayerische König schickte laut Stiftung ein Drittel seiner Armee in die Pfalz, um „Ruhe und Ordnung“ wiederherzustellen. Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit wurden weiter eingeschränkt, politische Vereine und Reden bei öffentlichen Versammlungen verboten, auch das Tragen von Schwarz-Rot-Gold war untersagt. Organisatoren und Redner wurden angeklagt und verhaftet, viele Liberale und Demokraten flohen ins Ausland.

Die Bundesversammlung des Deutschen Bundes beschloss nach der Wikipedia am 28. Juni 1832 sechs Artikel, am 5. Juli 1832 zehn weitere „zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung“, die die Karlsbader Beschlüsse von 1819 verschärften. Im Landauer Assisenprozess vom 29. Juli bis 16. August 1833 standen 13 Angeklagte vor einem Schwurgericht, die Hauptangeklagten wurden freigesprochen; es folgten weitere Verfahren in Zweibrücken und Frankenthal wegen angeblicher Beleidigungsdelikte.

Wie wird das Hambacher Fest heute gedeutet und gefeiert?

Die Deutung des Festes hat sich gewandelt. Die Stiftung nennt das Schloss eine „Stätte deutscher und europäischer Demokratiegeschichte“, der Beiname „Wiege der Demokratie“ ist eine Deutung und kein Rechtsbegriff. Bei der Revolution von 1848/49 lebte die republikanische Bewegung nach der Wikipedia wieder auf, mehrere Teilnehmer des Fests waren erneut beteiligt. Gedenkfeiern gab es 1932 zum 100. Jahrestag (Festrede Theodor Heuss, gestört von Nationalsozialisten), 1957 zum 125. und 1982 zum 150. Jahrestag mit einer Ausstellung auf dem Schloss.

Heute bewahrt die 2002 gegründete Stiftung Hambacher Schloss das Gedenken. Die Dauerausstellung „Hinauf, hinauf zum Schloss!“ mit Mitmachstationen unter dem Motto „Farbe bekennen!“ erklärt das Fest und seine Gegenwartsbezüge. Veranstaltungen wie das „Hambacher Gespräch“ am 12. November 2026 (Thema „Macht Politik!“) und das „Hambacher Fest-Bankett“ des Chawwerusch Theaters am 20. November und 5. Dezember 2026 stehen im Kalender der Stiftung (Stand 27.10.2026). Für 2027 liegen keine geprüften Termine vor. Neustadt an der Weinstraße als Stadt beschreibt die Seite Neustadt an der Weinstraße; die Zeitleiste der Region steht auf der Seite Geschichte der Pfalz.

Weitere bekannte Persönlichkeiten der Pfalz stellt die Seite Berühmte Pfälzer vor. Winzer gehörten zu den Teilnehmern; den heutigen Weinbau der Region beschreibt die Seite Weinanbaugebiet Pfalz in Zahlen.

Häufige Fragen zum Hambacher Fest

An welchem Tag fand das Hambacher Fest statt?

Hauptfesttag war der 27. Mai 1832. Die Wikipedia spricht von einem Fest vom 27. bis 30. Mai, an anderer Stelle vom „Nationalfest der Deutschen“ vom 27. Mai bis 1. Juni. Die Stiftung nennt als zentrales Datum den 27. Mai 1832.

Wer hielt die wichtigsten Reden?

Nach der Wikipedia eröffnete der Arzt Johann Adam Philipp Hepp für die Festordner; Siebenpfeiffer und Wirth waren die Hauptredner. Nach der Stiftung sprachen über 20 Redner, eine Frau war nicht darunter.

Seit wann gelten die Farben Schwarz-Rot-Gold?

Die Farben waren schon seit den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 Zeichen der Nationalbewegung. Beim Hambacher Fest führte Abresch eine Fahne mit gleich großen Streifen in Schwarz, Rot und Gold; die Stiftung nennt sie die Urfahne der Deutschlandflagge. Danach waren die Farben zeitweise verboten.

Wie viele Menschen waren dabei?

Die Quellen nennen zwischen 20.000 und 30.000; die Stiftung schreibt „bis zu 30.000“. Genaue Zählungen gab es 1832 nicht, die Angaben beruhen auf Schätzungen.

Ist das Hambacher Fest dasselbe wie der Hambacher Forst?

Nein. Der Hambacher Forst liegt im Rheinland in Nordrhein-Westfalen und hat nichts mit dem Fest oder dem Schloss in der Pfalz zu tun. Das Fest fand 1832 auf dem Schlossberg bei Neustadt statt.

Quellen: Stiftung Hambacher Schloss: Hambacher Fest; Stiftung Hambacher Schloss: Ausstellung; Pfalz.Touristik: Hambacher Schloss; Stadt Neustadt an der Weinstraße; Wikipedia: Hambacher Fest, Hambacher Schloss. Stand: Oktober 2026.