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Land & Leute

Klöster und Abteien in der Pfalz: von Hornbach bis Otterberg

Fünf Klosterorte, was erhalten ist und wie sie verbunden sind

Stand: · 8 Min. Lesezeit

Romanische und gotische Sandsteinkirche an einem kleinen Platz im Nachmittagslicht
Pfalz Klosterkirche aus Sandstein. Symbolbild

Kurz gesagt

In der Pfalz bestanden im Mittelalter mehrere bedeutende Klöster. Sichtbar erhalten sind heute die Abteikirche in Otterberg, der Klosterbezirk in Hornbach, das Westwerk in Klingenmünster, der Ostteil der Klosterkirche in Eußerthal und die Ruine Limburg bei Bad Dürkheim. Die meisten Klöster löste der Kurfürst nach der Reformation im 16. Jahrhundert auf.

Welche Klöster der Pfalz kann ich heute besuchen?

Sichtbare Reste gibt es an fünf Orten. Die Tabelle fasst sie zusammen; die Abschnitte darunter beschreiben jede Anlage.

OrtAnlageGründungHeute zu sehen
HornbachBenediktinerkloster des Pirminiusum 741Klosterbezirk, Pirminiuskapelle mit leerem Grab, Historama
KlingenmünsterBenediktinerabteinach Überlieferung 626romanisches Westwerk der Pfarrkirche St. Michael
OtterbergZisterzienserabteiStiftung 1143, Einzug der Mönche 1145Abteikirche (1168 bis 1254), Kapitelsaal
EußerthalZisterzienserabtei1148Ostteil der Klosterkirche (1262 geweiht)
Bad DürkheimKloster Limburg, Hauskloster der Salierab 1025romanische Ruine über der Stadt

Den Dom zu Speyer zählt diese Seite nicht mit: Er ist Bischofskirche und Welterbe, mehr dazu auf der Seite Speyerer Dom. Die Ruine bei Bad Dürkheim beschreibt die Seite Klosterruine Limburg.

Was ist an der Abteikirche von Otterberg besonders?

Otterberg liegt am Westrand des Pfälzerwalds nordöstlich von Kaiserslautern. Die Abteikirche dominiert das Stadtbild: Die zwischen 1168 und 1254 erbaute Kirche hat eine turmlose Fassade von 26 Metern Höhe und ist mit 74 Metern Innenlänge der zweitgrößte Sakralbau der Region. Die Stadt nennt sie die besterhaltene Klosterkirche der Pfalz; Rheinland-Pfalz Tourismus bezeichnet sie als bedeutendsten Sakralbau des Landes nach dem Speyerer Dom. Am 10. Mai 1254 weihte sie der Lütticher Weihbischof Arnold, am 7. Januar 1255 verlieh Papst Alexander IV. das Begräbnisrecht. Die Stadt nennt für die Stiftung des Klosters 1143 durch Graf Siegfried von Boyneburg-Northeim; 1145 zogen Zisterziensermönche aus Eberbach in die Otterburg auf dem heutigen Schlossberg ein, 1168 begann der Bau im Tal des Otterbachs. In der Mitte des 14. Jahrhunderts besaß das Kloster bis zu 170 Güter bis nach Boppard. 1525 plünderte man es im Bauernkrieg, 1561 löste der reformierte Kurfürst Friedrich III. es auf.

Schlichte turmlose Zisterzienserkirche aus Sandstein am Rand eines Ortes im Abendlicht
Otterberg Abteikirche aus Sandstein. Symbolbild

Seit 1708 trennte eine Wand zwischen Langhaus und Querschiff die evangelische und die katholische Gemeinde; sie wurde 1979 entfernt, und 1991 stellte man die renovierte Kirche feierlich wieder in Dienst. Heute nutzen beide Gemeinden die Kirche als Simultankirche. Sie ist in der Regel täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet (Stand Oktober 2026). Öffentliche Führungen dauern etwa 45 Minuten und finden von April bis Oktober am ersten Sonntag im Monat um 14:30 Uhr statt, Gruppen vereinbaren Termine; Kinder bis 12 Jahre sind frei, und mit der PfalzCard ist die Teilnahme kostenlos. Vom Kloster sind außerdem der Kapitelsaal, die Mauer des ehemaligen Abthauses und der Türsturz des Klosterhospitals erhalten.

Nach der Auflösung übergab Pfalzgraf Johann Casimir die verlassene Anlage 1579 wallonischen Glaubensflüchtlingen aus den Spanischen Niederlanden und sicherte ihnen Religionsfreiheit zu; 1581, am 26. März, erhielt Otterberg die Stadtrechte. Die Nachkommen leben noch heute in der Stadt. Im 17. Jahrhundert siedelten außerdem aus der Schweiz geflohene Mennoniten auf dem Messerschwanderhof. Der Dreißigjährige Krieg verringerte die Bevölkerung auf ein Viertel, 1798 wurde Otterberg Kantonshauptort, 1854 entstand eine Textilfabrik, und von 1911 bis 1980 bestand der Anschluss an die Lautertalbahn. 1631 wurde hier der Tier- und Landschaftsmaler Johann Heinrich Roos geboren. Der Rundgang der Stadt führt über 27 Stationen vom Kirchplatz bis zum Blauen Haus von 1612, darunter die Alte Apotheke von 1608, das Ferkelsche Haus von 1606, das Gasthaus Krone von 1778 und die Engelsche Mühle von 1663. Die Region um Kaiserslautern stellt die Seite Kaiserslautern vor, den Wald die Seite Pfälzerwald.

Was ist in Hornbach vom Pirminskloster zu sehen?

Hornbach liegt südlich von Zweibrücken nahe der französischen Grenze. Missionsbischof Pirminius gründete um 741 ein Benediktinerkloster; er starb 753 in Hornbach. Der Ort war im Mittelalter ein geistiger und kultureller Mittelpunkt zwischen den Bischofsstädten Speyer, Straßburg, Metz und Trier. Seine Gebeine kamen später nach Innsbruck, wo sie in einem Silberschrein in der Jesuitenkirche ruhen; in Österreich gilt er als Volksheiliger. In Hornbach steht seit 1957 die Pirminiuskapelle als Gedächtnisstätte über dem Grab, der Besucher sieht das leere Grab. Daneben steht die evangelische Klosterkirche. Die katholische Pfarrkirche St. Pirmin wurde zwischen 1926 und 1930 erbaut und birgt einen Schrein mit einer Reliquie. Das Bistum Speyer, das ihn als Apostel verehrt, feiert sein Gedenken am 3. November.

Klostergarten mit Hochbeeten voller Kräuter vor einer alten Steinmauer im Sommer
Hornbach Kräutergarten im Klostergarten. Symbolbild

Die Klosteranlage ist ein kulturhistorisch bedeutendes Baudenkmal und wird nach einer Sanierung auch als Hotel genutzt. Das Museum Historama befindet sich seit 2002 in einem Zwischenbau zwischen dem Haupthaus und dem ehemaligen linken Seitenschiff der Klosterbasilika; Multimediastationen führen in die Geschichte ein. Im Klostergarten erinnert ein Kräutergarten an Hieronymus Bock (1498 bis 1554), einen der Väter der modernen Botanik und Pharmazie; dort wachsen Küchen- und Heilkräuter, deren Wirkung Bock im 16. Jahrhundert beschrieb. Die Klosteranlage ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet, montags geschlossen, das Historama dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr (Stand Oktober 2026); Führungen gibt es nach telefonischer Vereinbarung unter 06338 809153. Der pfälzische Jakobsweg beginnt in Speyer und endet in Hornbach. Zweibrücken, die nächste Stadt, stellt die Seite Zweibrücken vor, die Region die Seite Saarpfalz und Bliesgau.

Was ist in Eußerthal erhalten?

Das Zisterzienserkloster Eußerthal im Trifelsland wurde 1148 durch eine Schenkung des Ritters Stephan von Mörlheim und seiner Frau Gepa gegründet. Mönche aus Weiler-Bettnach in Lothringen ließen sich in einem Tal nieder, in dem schon eine Kapelle stand; um 1150 ergänzten die Ritter von Auhausen-Lobdeburg den Besitz, und Papst Eugen III. bestätigte die Schenkungen 1152. 1186 nahm Kaiser Friedrich I. das Kloster in seinen Schutz. Die Klosterkirche wurde 1262 geweiht und gilt als herausragendes Beispiel für den Übergang von der Romanik zur Gotik. Im Bauernkrieg 1525 mehrfach zerstört, wurde das Kloster 1561 aufgehoben. Erhalten blieben das östliche Joch des Schiffs, das Querhaus und der Chor, die Heinrich Wilhelm von Sickingen ab 1747 wieder herrichten ließ. 1805 trug man die Konventsgebäude ab, 1820 die westlichen Langhausjoche. Das Dorf wurde 1152 erstmals erwähnt; die Mönche begründeten die Fischzucht, die es bis heute gibt. Wanderziele rund um das Dorf nennt die Seite Pfälzerwald-Hütten, die nahe Stadt die Seite Annweiler am Trifels und die Burg die Seite Reichsburg Trifels.

Was erzählt das Kloster Klingenmünster?

Das Benediktinerkloster „Clinga Monasterium“ bestand nach der Darstellung des Landeckvereins von 626 bis 1565 und gilt als Keimzelle des Ortes. Erhalten sind das romanische Westwerk mit Doppelturmanlage und Spindeltreppen und eine spätromanische Emporenkapelle der Kirche von 1100. In Klingenmünster löste die Benediktsregel im 8. Jahrhundert die Regel des heiligen Columban ab, 1567 wurde das Stift säkularisiert. Alles Weitere zum Ort, zur Burg Landeck und zu August Becker steht auf der Seite Klingenmünster.

Was unterscheidet die Benediktiner von den Zisterziensern?

Beide Orden leben nach der Regel des heiligen Benedikt, „ora et labora“, bete und arbeite. Die Benediktiner von Klingenmünster und Hornbach lebten in frühmittelalterlichen Gründungen, die als Reichsklöster auch politische Macht besaßen. Die Zisterzienser kamen im 12. Jahrhundert in die Pfalz und verzichteten bei ihren Kirchen auf Türme, wie die turmlose Fassade der Abteikirche Otterberg zeigt. Die Mönche prägten das Land wirtschaftlich: In Eußerthal begründeten sie die Fischzucht, und das Kloster Otterberg erhielt 1253 Weinberge in Deidesheim geschenkt. Mehr zu den Anfängen des Weinbaus erzählt die Seite Geschichte des Weinbaus in der Pfalz.

Warum verschwanden die Klöster?

Im Bauernkrieg um 1525 wurden Otterberg, Klingenmünster und Eußerthal geplündert oder beschädigt. Mit der Reformation löste der reformierte Kurfürst Friedrich III. die Klöster auf: Otterberg und Eußerthal 1561, Klingenmünster 1567. Später wurden Kirchen teilweise abgerissen oder umgebaut, wie die Konventsgebäude in Eußerthal 1805 und die westlichen Langhausjoche 1820. Wie sich die Konfessionen in der Pfalz entwickelten, erklärt die Seite Religion und Kirchen in der Pfalz.

Gibt es einen Weg, der mehrere Klöster verbindet?

Ja, den Pfälzer Jakobsweg. Er beginnt am Dom zu Speyer und endet in Hornbach; die Seite Pfälzer Jakobsweg beschreibt Süd- und Nordroute. Die Südroute führt über Klingenmünster und Bad Bergzabern, die Nordroute durch den Pfälzerwald. Als Tagesausflug lassen sich Otterberg bei Kaiserslautern, Eußerthal bei Annweiler und Klingenmünster mit der Burg Landeck planen, die die Seite Burg Landeck beschreibt.

Häufige Fragen zu Klöstern in der Pfalz

Welches ist das älteste Kloster der Pfalz?

Das Kloster Klingenmünster gilt dem Landeckverein als wahrscheinlich ältestes der Urklöster Deutschlands; sein Gründungsjahr 626 stützt sich auf eine Inschrift. Hornbach geht auf Pirminius um 741 zurück.

Wo sehe ich eine Simultankirche?

In Otterberg: Evangelische und katholische Gemeinde nutzen die Abteikirche gemeinsam, seit 1708 durch eine Wand getrennt, die 1979 entfernt wurde.

Kann ich in einem Kloster übernachten?

In Hornbach wird ein Teil der Klosteranlage als Hotel genutzt. Weitere Übernachtungen im Pfälzerwald beschreiben die Seiten Wanderheime und Hütten und Übernachten in der Pfalz.

Gibt es noch aktive Klöster?

Die hier beschriebenen mittelalterlichen Klöster bestehen nicht mehr als Konvente. Wallfahrts- und Gebetsorte gibt es dennoch, etwa den Wallfahrtsort Maria Rosenberg, dessen Kirche 1912 geweiht wurde.

Warum steht in Hornbach ein leeres Grab?

Die Gebeine des heiligen Pirminius kamen im 16. Jahrhundert nach Innsbruck. In Hornbach erinnert eine 1957 errichtete Kapelle über dem Grab an ihn.

Passend dazu: Ein Dominikanerinnenkloster mit erhaltenen Wandmalereien war das Kloster Lambrecht.

Passend dazu: Das Frauenkloster Kloster Rosenthal wurde 1241 gegründet und 1572 aufgelöst; Westturm und Grabplatte des Stifters sind erhalten.

Quellen: Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels: Kloster Eußerthal; Stadt Otterberg: Historische Daten; Stadt Otterberg: Abteikirche; Landeckverein Klingenmünster; Pfalz.Touristik: Klosteranlage Hornbach; Bistum Speyer; Rheinland-Pfalz Tourismus: Abteikirche Otterberg; Wikipedia: Klöster in der Pfalz. Stand: Oktober 2026.