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Land & Leute

Pfalz und Kurpfalz: der Unterschied und die gemeinsame Geschichte

Vom Kurfürstentum am Rhein zur Pfalz von heute

Stand: · 7 Min. Lesezeit

Barocke Schlossfassade über einer Flussstadt mit alter Steinbrücke im Abendlicht
Kurpfalz Schloss über der Flussstadt. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Kurpfalz war ein Kurfürstentum der Pfalzgrafen bei Rhein mit den Residenzen Heidelberg und ab 1720 Mannheim. Die heutige Pfalz entstand dagegen erst 1816 als bayerischer Rheinkreis. Beide Namen gehen auf dieselbe Wurzel zurück, bezeichnen aber Gebiete auf verschiedenen Seiten des Rheins und in verschiedenen Bundesländern.

Was ist der Unterschied zwischen der Pfalz und der Kurpfalz?

Die Kurpfalz ist ein historisches Fürstentum, die Pfalz eine heutige Region. Das Kurfürstentum der Pfalzgrafen bei Rhein bestand bis 1803 und lag zu beiden Seiten des Rheins, mit Heidelberg und Mannheim im Osten und Teilen der heutigen Vorder- und Westpfalz im Westen. Die Pfalz, wie wir sie heute kennen, wurde erst 1816 aus linksrheinischen Gebieten zusammengesetzt, von denen viele nie zur Kurpfalz gehört hatten.

Heute liegt die Pfalz im Süden von Rheinland-Pfalz, die Landschaft Kurpfalz im Norden von Baden-Württemberg. Sprachlich und kulturell hängen beide eng zusammen, weshalb das Kurpfälzische rechts des Rheins eng mit dem Vorderpfälzischen verwandt ist, wie die Seite zum pfälzischen Dialekt zeigt. Politisch jedoch trennte der Rhein die beiden Gebiete schon ab 1803, und die Grenze zwischen Bayern und Baden machte aus der Trennung für mehr als ein Jahrhundert eine Staatsgrenze.

Für Reisende heißt das: Wer „die Pfalz“ plant, fährt an die Deutsche Weinstraße, in den Pfälzerwald und zu den Burgen. Wer „die Kurpfalz“ sucht, landet in Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen. Die Stadt Heidelberg ist als Ausflug ab der Pfalz gut erreichbar, liegt aber nicht in der Pfalz.

Wie entstand die Kurpfalz, und wer regierte sie?

Am Anfang stand ein Amt, kein Land: der Pfalzgraf als Stellvertreter des Königs. Heinrich II. von Laach nannte sich 1085 als erster Pfalzgraf bei Rhein, 1214 belehnte der König die Wittelsbacher mit dem Amt, und sie behielten die pfälzischen Besitzungen in verschiedenen Linien bis 1918. Der Stauferzeit verdankt Heidelberg seinen Rang, denn Pfalzgraf Konrad verlegte um 1182 seinen Hauptsitz auf die Burg Heidelberg.

Mit der Goldenen Bulle von 1356 gehörten die Pfalzgrafen dauerhaft zu den sieben Kurfürsten, die den König wählten. Kurfürst Ruprecht I. gründete 1386 die Universität Heidelberg, die als älteste Universität auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gilt; Ruprecht III. wurde 1400 sogar zum römisch-deutschen König gewählt. Das Gebiet blieb dabei ein Flickenteppich aus Besitzungen von Bacharach am Mittelrhein bis in den Kraichgau, ergänzt um die Oberpfalz in Bayern, die bis heute im Namen an die Pfalzgrafen erinnert.

Religiös wechselte die Kurpfalz mehrfach die Seite. Kurfürst Ottheinrich führte in den 1550er Jahren das lutherische Bekenntnis ein, sein Nachfolger Friedrich III. wandte sich dem reformierten Glauben zu, und 1563 erschien der Heidelberger Katechismus. Kurfürst Friedrich V. nahm 1619 die böhmische Krone an, was als „Winterkönigtum“ in die Geschichte einging und die Kurpfalz in den Dreißigjährigen Krieg zog. Am Ende des Krieges 1648 hatte die Kurpfalz nach Angaben der Landesgeschichte annähernd die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren.

Alter Stadttorturm aus Stein mit einem Stück Stadtmauer im Nachmittagslicht
Stadttor Torturm und Stadtmauer. Symbolbild

Warum wurde die Kurpfalz 1689 verwüstet?

Weil Frankreich unter Ludwig XIV. nach dem Aussterben der Linie Pfalz-Simmern 1685 Erbansprüche auf Teile der Kurpfalz erhob und den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) begann. Im Hintergrund stand die Ehe der Pfälzer Prinzessin Elisabeth Charlotte, genannt Liselotte von der Pfalz, mit dem Bruder des französischen Königs; auf ihre Erbrechte hatte sie zwar verzichtet, doch Frankreich leitete daraus dennoch Forderungen ab.

Als die französischen Truppen vor den Reichsheeren zurückwichen, ließen sie eine „Verbrannte Erde“ zurück. Der Befehl, die Pfalz niederzubrennen, ist als „Brûlez le Palatinat“ überliefert. Mannheim und Heidelberg brannten 1688 und 1689, die Reichsstädte Worms und Speyer wurden verwüstet, und das Heidelberger Schloss wurde am 16. Februar 1689 gesprengt; 1693 wurde Heidelberg erneut schwer zerstört. Die Ruinen mehrerer Burgen entlang der Weinstraße, etwa der Madenburg und der Wachtenburg, gehen auf diese Sprengungen im Jahr 1689 zurück, mehr dazu in der Burgengeschichte der Pfalz.

Die Folgen reichten weit. Zehntausende Pfälzer verließen im frühen 18. Jahrhundert ihre Heimat, viele zogen nach Nordamerika und Preußen. Die Geschichte der Pfälzer Auswanderer beginnt in dieser Zeit.

Wie wurde aus der Kurpfalz die bayerische Pfalz?

Durch drei Schritte zwischen 1777 und 1816. Als 1777 die bayerischen Wittelsbacher ausstarben, erbte Kurfürst Karl Theodor beide Länder, und Kurpfalz und Bayern wurden vereinigt. Die Residenz wurde 1778 von Mannheim nach München verlegt, die Kurpfalz wurde zum Nebenland. Karl Theodor hatte zuvor Mannheim zu einem Zentrum der Aufklärung gemacht: 1763 wurde dort die Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften gegründet, und das Nationaltheater geht auf seine Anregung zurück.

Die Französische Revolution beendete diese Ordnung. Das linke Rheinufer wurde 1794 französisch besetzt und gehörte von 1798 bis 1814 zu Frankreich, die rechtsrheinischen Teile kamen 1803 größtenteils an Baden. Nach dem Sturz Napoleons und dem Wiener Kongress fiel 1816 das linksrheinische Gebiet als Rheinkreis an das Königreich Bayern, mit der Hauptstadt Speyer, die vorher nie kurpfälzisch gewesen war. Heidelberg und Mannheim blieben trotz bayerischer Bemühungen bei Baden. Wie es danach weiterging, erzählt die Seite zur bayerischen Pfalz von 1816 bis 1946; die großen Linien der Landesgeschichte stehen in der Geschichte der Pfalz.

JahrEreignis
1214Wittelsbacher erhalten die Pfalzgrafschaft bei Rhein
1356Goldene Bulle bestätigt die Kurwürde der Pfalzgrafen
1386Gründung der Universität Heidelberg
1563Heidelberger Katechismus
1618 bis 1648Dreißigjähriger Krieg, Verlust rund der Hälfte der Bevölkerung
1688 bis 1697Pfälzischer Erbfolgekrieg, Zerstörung Heidelbergs und Mannheims
1720Mannheim wird Residenz
1777Vereinigung mit Bayern unter Karl Theodor
1803rechtsrheinische Teile an Baden
1816linksrheinische Pfalz als Rheinkreis an Bayern

Was erinnert in der heutigen Pfalz an die Kurfürsten?

Vor allem Städte, Kirchen und Schulen, die kurpfälzische Fürsten gründeten oder förderten. In Neustadt an der Weinstraße gründete Pfalzgraf Johann Casimir 1578 das Casimirianum, eine reformierte Hochschule als Ausweichort für Lehrende, die Heidelberg verlassen mussten; sie kehrten 1583 und 1584 zurück. Die Stadt zählt zu den kurpfälzischen Orten der Region, mehr dazu bei Neustadt an der Weinstraße.

Frankenthal und Otterberg nahmen im späten 16. Jahrhundert reformierte Glaubensflüchtlinge aus Westeuropa auf, die Tuchweberei, Goldschmiedekunst und Malerei mitbrachten. Die Stadtgeschichte, zu der später auch die Frankenthaler Porzellanmanufaktur gehört, steht auf der Seite Frankenthal (Pfalz). Unter Karl Theodor entstand in Lautern, dem heutigen Kaiserslautern, eine Hohe Kameral-Schule für Verwaltungs- und Wirtschaftslehre.

Die Weinbaugeschichte spiegelt die Verbindung ebenfalls: Eine erste Sortenordnung für den Weinbau erließ 1584 Johann Casimir von Neustadt aus, wie die Geschichte des Weinbaus in der Pfalz beschreibt. Und die Mundart verrät die alte Nähe, denn Vorderpfälzisch und Kurpfälzisch sind eng verwandt.

Wo kann man die Kurpfalz heute besuchen?

Der Umzug nach Mannheim hatte einen konfessionellen Anlass. Kurfürst Karl III. Philipp aus dem katholischen Haus Pfalz-Neuburg wollte in Heidelberg die Heiliggeistkirche als Hofkirche nutzen, die Reformierte und Katholiken gemeinsam gebrauchten, und geriet darüber mit dem reformierten Kirchenrat in einen Streit. Die Residenz wanderte danach in die Quadratestadt am Rhein. Die Sommerresidenz der Kurfürsten stand in Schwetzingen, wo Schloss und Garten ebenfalls zu den Zielen einer kurpfälzischen Rundreise gehören.

Am besten in Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen, alle in Baden-Württemberg. Das Heidelberger Schloss gehörte im 16. und 17. Jahrhundert zu den prächtigsten Schlössern Europas, ist heute Ruine und zählt rund eine Million Besucher im Jahr; Führungen, Öffnungszeiten und Preise nennt die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Das barocke Mannheimer Schloss entstand zwischen 1720 und 1760 und wird heute von der Universität genutzt; Hinweise zum Besuch geben die offiziellen Seiten von Mannheim.

Wer eine Tagestour plant, findet Hinweise zu Anreise und Sehenswürdigkeiten auf der Seite Ausflug nach Heidelberg. Auf der pfälzischen Seite des Rheins zeigen die Museen in Speyer, der Stadt, die erst 1816 durch die bayerische Verwaltung zur Hauptstadt wurde, die Landesgeschichte nach dem Ende der Kurpfalz.

Häufige Fragen zu Pfalz und Kurpfalz

Gehört Heidelberg zur Pfalz?

Nein. Heidelberg liegt in Baden-Württemberg am Neckar, rechts des Rheins, und gehörte vor 1803 zur Kurpfalz, nie zur heutigen Pfalz. Dennoch war es lange die Residenz der Pfalzgrafen, deren Namen auch die Pfalz trägt.

Warum heißt die Pfalz Pfalz?

Der Name geht auf das lateinische „palatium“ zurück, den Palast oder Königshof, und auf das Amt des Pfalzgrafen. Die Pfalzgrafen bei Rhein übernahmen ihn; das 1816 an Bayern gefallene linksrheinische Gebiet hieß zunächst Rheinkreis und trägt den Namen Pfalz seit 1837 oder 1838.

Ist die Kurpfalz mit der Oberpfalz verwandt?

Historisch ja. Die Pfalzgrafen bei Rhein erhielten 1329 durch den Hausvertrag von Pavia den bayerischen Nordgau, der seither „Obere Pfalz“ oder Oberpfalz heißt. Heute gehört sie zu Bayern und liegt im Osten des Landes, weit von der Pfalz entfernt.

Was ist ein Kurfürst?

Ein Kurfürst gehörte zum kleinen Kreis der Fürsten, die im Heiligen Römischen Reich den König wählen durften. Die Pfalzgrafen bei Rhein zählten seit der Goldenen Bulle von 1356 dauerhaft dazu.

Wo sprach man Kurpfälzisch?

Kurpfälzisch spricht man bis heute rechts des Rheins um Mannheim und Heidelberg. Es ist eng mit dem Vorderpfälzischen verwandt; Fachleute zählen beide zu den rheinfränkischen Mundarten.

Quellen: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg: Schloss Heidelberg; Bezirksverband Pfalz; Stadt Mannheim; Pfalz.Touristik; Wikipedia: Kurpfalz; Wikipedia: Pfalz (Region); Wikipedia: Casimirianum. Stand: Oktober 2026.