Land & Leute
Lautertal in Kaiserslautern: Kammgarn, Steinbruch Kaiserberg und Japanischer Garten
Von der Kammgarnspinnerei 1857 über den Sandsteinbruch Kröckel bis zur ersten Landesgartenschau 2000 und dem Japanischen Garten

Kurz gesagt
Im Lautertal westlich der Innenstadt von Kaiserslautern liegen drei Orte, die zusammen die Stadtgeschichte erzählen: die Kammgarnspinnerei von 1857, der Sandsteinbruch der Familie Kröckel am Kaiserberg und der Japanische Garten am Abendsberg. Auf dem Gelände der Spinnerei und des Schlachthofs fand im Jahr 2000 die erste Landesgartenschau von Rheinland-Pfalz statt, bei der auch die Lauter offengelegt wurde.
Was verbindet Spinnerei, Steinbruch und Gartenschau im Lautertal?
Im Lautertal am westlichen Stadtrand von Kaiserslautern gründeten 1857 Unternehmer auf dem Gelände der Ohligmühle die Kammgarnspinnerei; an der Lauterstraße gründete die Familie Kröckel 1832 einen Sandsteinbruch. Nach dem Ende der Betriebe lagen Flächen brach, die für die erste Landesgartenschau des Landes genutzt wurden. Die Stadt selbst stellt die Seite Kaiserslautern vor; hier geht es um das Tal im Westen.
Drei Schichten liegen übereinander: die Textilindustrie am Talgrund, der Steinbruch am Kaiserberg und der Villenpark am Abendsberg, der heute den Japanischen Garten trägt. Aus den Erträgen des Steinbruchs entstand die Villa Kröckel am Stadtpark, und auf dem Abendsberg legte der Bankier Karcher einen Landschaftspark an.
Wie entstand die Kammgarnspinnerei im Lautertal?
1857 gründete Regierungsrat Franz Flamin Meuth (1800 bis 1884) gemeinsam mit dem elsässischen Textilfachmann Jean Schoen (1825 bis 1887) die Kammgarnspinnerei AG Kaiserslautern. Den ersten Standort bildete die ehemalige Ohligmühle im Lautertal, damals am westlichen Stadtrand. Zum Start arbeiteten rund 50 Angestellte auf einem Betriebsgelände von 12.000 Quadratmetern. Bei der Kammgarnspinnerei wird Rohwolle gekämmt, wobei kurze Fasern und Verunreinigungen entfernt werden; anschließend entstehen im Kammgarnspinnverfahren Garne aus Schafwolle, feinen Tierhaaren, Chemiefasern oder Mischungen daraus.
1874 baute das Unternehmen Kammgarnhäuser für Arbeitnehmer. 1883 wurde der Westbahnhof gebaut, der den Anschluss an die Lauterbahn ermöglichte. 1914 beschäftigte das Werk etwa 2.000 Menschen und war der größte Industriebetrieb der Stadt, 1939 erreichte es mit rund 3.000 Beschäftigten den Höchststand. In beiden Weltkriegen stellte die Fabrik auf Granaten sowie auf Papiergespinste für Sandsäcke und Tragegurte um. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Garnherstellung durch politische Unruhen eingeschränkt, ab 1928 erholte sich das Unternehmen. Ein großer Brand im Jahr 1936 war ein Rückschlag, löste aber Ausbau und Modernisierung aus.
Gegen Kriegsende 1945 zerstörten Luftangriffe das Werk zu etwa 90 Prozent. Die ersten Spindeln liefen im Oktober 1945, 1947 erreichte der Betrieb 25 Prozent der Vorkriegsproduktion. Bis 1974 ging es aufwärts, dann fielen die Preise auf dem Wollmarkt, weil Wolle in Übersee günstiger produziert wurde und Konkurrenz aus Fernost hinzukam. 1981 wurde das Konkursverfahren eingeleitet, das 14 Jahre später abgeschlossen war. 1982 endete die Produktion, die Maschinen wurden an die Volksrepublik China verkauft.

Welche Bauten der Spinnerei sind erhalten?
Das Kraftwerk im Nordwesten des Geländes besteht aus altem und neuem Kesselhaus und der Turbinenhalle; das neue Kesselhaus ist ein Eisenklinkerbau im Geist der „Neuen Sachlichkeit“. Die Schlosserwerkstatt von 1860 ist ein Sandsteinbau im Stil der Neorenaissance, errichtet gleichzeitig mit dem alten Kesselhaus. Von der Lagerhalle um 1890, die der Schweizer Architekt Carl Arnold Séquin (1845 bis 1899) entwarf, ist vor allem die Fassade erhalten.
Nach dem Brand von 1936 entstanden sechs Gebäude neu, die alle auf den Stuttgarter Baurat Philipp Jakob Manz (1861 bis 1936) zurückgehen: Produktionshalle B mit Scheddach auf einem Stahlskelett, Produktionshalle A mit drei Stahlbetonschiffen und verglasten Firstbereichen sowie das Verwaltungsgebäude, ein zweigeschossiger Nord-Süd-Riegel mit Turm. Der Schornstein ist 62 Meter hoch und zählt zu den Wahrzeichen der Stadt. Als Firmenzeichen diente ein Widder mit Spindel.
Seit 1989 stehen der Nordriegel der Werkshallen und der ehemalige Westbahnhof unter Denkmalschutz; sie sind gesetzlich geschützte Kulturdenkmäler nach § 8 des Denkmalschutzgesetzes Rheinland-Pfalz. Ein Teil des Geländes wurde dem Gelände der Landesgartenschau zugeordnet und als Industriedenkmal erklärt.
Was entstand nach 1982 auf dem Werksgelände?
1983 kaufte das Land Rheinland-Pfalz Teile des Areals. In den Hallen A und B und den Verwaltungsbauten entstand der Campus Kammgarn der Hochschule Kaiserslautern, zunächst mit 600 Studienplätzen in vier Fachbereichen. Die Hochschulbibliothek zog 2016 ein, die Mensa folgte 2017. Im Kraftwerk und den Werkstätten eröffnete 1988 unter Leitung von Richard Müller ein Konzerthaus für Rock, Jazz, Blues und Pop, das Kulturzentrum Kammgarn. In der ehemaligen Packerei zeigt das Kammgarnmuseum die industriegeschichtliche Ausstellung „Vom Automobil bis zur Zigarette“ über 200 Jahre Industrie- und Wirtschaftsgeschichte. Vor dem Haus steht die Skulptur „Die Spindel“ von Robert Currie, außerdem erinnern eine Büste von Jean Schoen auf einem Sandsteinsockel und das Firmenzeichen KGSK an die Gründer.
Wer betrieb den Sandsteinbruch am Kaiserberg?
Der stillgelegte Steinbruch Kaiserberg, auch Kröckelscher Steinbruch genannt, liegt an der Lauterstraße. Er war ein Sandsteinbruch der Familie Kröckel und wurde von der Gründung bis zur Schließung nur von Familienmitgliedern betrieben. 1832 gründete der Vater von Carl Kröckel den Betrieb. Erst mit der beginnenden Industrialisierung unter Carl Kröckel (1842 bis 1894) gewann der Steinbruch an Bedeutung. Aus den Erträgen entstand eine Villa, die allerdings nicht am Steinbruch steht, sondern am Stadtpark von Kaiserslautern.
Unter Karl Leonhard Kröckel (1872 bis 1957), Baumeister und Kommerzienrat, wuchs der Betrieb zu einem der größten und leistungsfähigsten Steinbrüche in Westdeutschland. Da Karl Leonhard kinderlos blieb, ging der Steinbruch an seinen Neffen Hans-Friedrich Karl Mellarts (1901 bis 1971) über, der ihn bis zur Schließung weiterführte. Wenige Jahre nach der Stilllegung wurde der Steinbruch 1978 zum Naturdenkmal erklärt und steht seither unter besonderem Schutz; Grundlage ist eine Rechtsverordnung zur Sicherung von Naturdenkmälern im Stadtkreis Kaiserslautern. Rund 20 Jahre lag die Anlage danach weitgehend unbeachtet da. Auf Fotos sind eine ehemalige Abbruchstelle mit Bohrlöchern und Werkzeugspuren zu sehen. Die Gesteinsschichten des Pfälzerwaldes erklärt die Seite Geologie der Pfalz.

Wie wurde aus Brache die erste Landesgartenschau des Landes?
Im Juli 1987 rief die Landesregierung Rheinland-Pfalz zur Bewerbung für die erste Landesgartenschau des Landes auf. Die kreisfreie Stadt Kaiserslautern bewarb sich mit der Idee einer Gartenschau auf dem Gelände der früheren Kammgarnspinnerei und des städtischen Schlachthofs, das damals brachlag. Im Februar 1988 entschied die Landesregierung zugunsten Kaiserslauterns. Einen Monat später startete ein offener Ideen- und Realisierungswettbewerb, der Konzepte für das Ausstellungsjahr und für die dauerhafte Nutzung forderte. Im Juli 1988 entschied eine Jury; der Siegerentwurf bildete die Grundlage für Planung und Bau.
Über rund drei Jahre wurden die Flächen Kammgarn, Schlachthof, Kaiserberg und Neumühlepark umgestaltet. Der Alte Schlachthof wurde saniert und zu einem Veranstaltungszentrum ausgebaut. Die Bundesstraße 270, die am Gelände vorbeiführte, wurde verlegt; das war die Voraussetzung für den Baubeginn im Neumühlepark. Dabei wurde die Lauter offengelegt. Im April 2000 eröffnete die Landesgartenschau, die Schauphase dauerte sechs Monate. Danach blieb das Gelände etwa ein halbes Jahr geschlossen und öffnete nach Klärung der Nachnutzung unter städtischer Trägerschaft als Gartenschau Kaiserslautern wieder.
Die Parkanlage umfasst etwa 20 Hektar. Die Topografie teilt sie: Im Tal liegt der Neumühlepark als Herzstück, auf dem Kaiserberg der ruhigere Bereich mit Aussicht über die Stadt. Dort stehen eine Weidenkirche, ein biblischer Garten und das „Grüne Klassenzimmer“. Das Gelände liegt nordwestlich der Innenstadt an einer Engstelle des Lautertals; die Fußgängerzone ist etwa einen Kilometer entfernt.
Was gab es vor dem Japanischen Garten am Abendsberg?
Das Gelände des Japanischen Gartens war bis 1870 ein Sandsteinbruch. Etwa zehn Jahre später entstand dort der private Villenpark „Am Abendsberg“, in dem wohlhabende Bürger und Fabrikbesitzer Villen errichteten; im Volksmund hieß das Viertel „Bonzenhügel“. Nach 1890 ließ der Bankier und Kommerzienrat Franz Karl Karcher (1867 bis 1915) einen Landschaftspark im englischen Stil anlegen. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Geländes und beide Villen zerstört. Nach dem Konkurs der Kammgarn-Spinnerei, der das Gelände zwischenzeitlich gehörte, fiel es an die Stadt, die es 1980 als öffentlichen „Lautertalpark“ eröffnete. In den Folgejahren verwilderte der Park.
1988 schloss Kaiserslautern eine Städtepartnerschaft mit Bunkyo-ku, dem Universitätsstadtteil von Tokio. 1993 wurde in Japan der „Kaiserslauterer Platz“ eingeweiht. Daraus entstand die Idee, im Gegenzug einen japanischen Garten in Kaiserslautern anzulegen. Die Suche nach einem Grundstück dauerte drei Jahre, dann fiel die Wahl auf den Lautertalpark. 1997 wurde der Verein „Freunde des Japanischen Gartens Kaiserslautern e. V.“ gegründet, der die Anlage schuf. Die Bauarbeiten begannen im Juli 1998, die Eröffnung fand am 19. April 2000 statt, als der erste von fünf geplanten Bauabschnitten fertig war.
Wie ist der Japanische Garten gestaltet?
Der Garten umfasst 13.500 Quadratmeter. Zwei Teiche bilden den Kernbereich, der untere hat einen zehn Meter hohen Wasserfall, der obere bildet die Kulisse für das Teehaus. Alle Wasseranlagen sind miteinander verbunden. Das Gelände hat eine Höhendifferenz von bis zu 20 Metern, von der Lauterstraße bis zum Abendsberg. Eine Sandsteinmauer zeichnet die ursprüngliche Grenze der historischen Villengrundstücke nach und trennt die beiden Teiche.
Das Bepflanzungskonzept verbindet den erhaltenen Baumbestand des Landschaftsparks mit neuer, typisch japanischer Bepflanzung. Der über 100 Jahre alte Baumbestand umfasst Blutbuchen, Zedern und Baumeiben. Das traditionelle Tee- und Gästehaus ist über 100 Jahre alt: Es wurde um 1900 in einem Park in Tokio errichtet und diente ausländischen Besuchern und Diplomaten als Gästehaus. 1983 kaufte es ein deutscher Privatmann und brachte es nach Deutschland, 2003 erwarb die Stadt Kaiserslautern das Haus und baute es im Garten auf. 2004 kam ein Zen-Garten hinzu, 2007 der Berggarten „tsukiyama“.
Häufige Fragen zum Lautertal in Kaiserslautern
Wann wurde die Kammgarnspinnerei gegründet?
1857, auf dem Gelände der ehemaligen Ohligmühle im Lautertal. Die Produktion endete 1982.
Wie hoch ist der Schornstein der Kammgarn?
62 Meter.
Seit wann ist der Steinbruch Kaiserberg ein Naturdenkmal?
Seit 1978.
Wann fand die erste Landesgartenschau in Rheinland-Pfalz statt?
Im Jahr 2000 in Kaiserslautern. Die Schauphase dauerte sechs Monate.
Warum gibt es in Kaiserslautern einen Japanischen Garten?
Kaiserslautern schloss 1988 eine Städtepartnerschaft mit Bunkyo-ku in Tokio. Als Gegenstück zum Kaiserslauterer Platz in Japan entstand der Garten, eröffnet am 19. April 2000.
Wie groß ist der Japanische Garten?
13.500 Quadratmeter, mit zwei Teichen und einem zehn Meter hohen Wasserfall.
Quellen: KuLaDig: Werksgelände Kammgarnspinnerei in Kaiserslautern; KuLaDig: Stillgelegter Steinbruch Kaiserberg in Kaiserslautern; KuLaDig: Gelände der Gartenschau in Kaiserslautern; KuLaDig: Japanischer Garten in Kaiserslautern. Stand: November 2026.