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Land & Leute

Pfalz 1793: Schlacht bei Morlautern, Mäuerle und Weißenburger Linien

Vom Mäuerle bei Nothweiler über den Schlachtenturm in Morlautern bis zu den Redouten an der Lauter: der Herbst 1793 in der Pfalz

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am Schlacht 28.–30. November 1793

Herbstlicher Waldgipfel im Pfälzerwald mit Morgennebel zwischen Buchenstämmen und Waldweg mit Laub
Pfälzerwald Nebel im Pfälzerwald. Symbolbild

Kurz gesagt

Im Herbst 1793 kämpften in der Pfalz Franzosen gegen Preußen und Österreicher: im September bei Pirmasens und am Mäuerle, vom 28. bis 30. November bei Morlautern mit 40.000 Franzosen gegen 21.000 Alliierte. Vier Wochen später durchbrach General Hoche die Weißenburger Linien an der Lauter. Schlachtenturm, Rittersteine und Redouten erinnern daran.

Wie kam der Erste Koalitionskrieg in die Pfalz?

Im September 1793 kämpften Österreich und Preußen gemeinsam gegen die französische Revolutionsarmee. Die Franzosen wollten die Grenze bis an den Rhein vorverlagern. Die Pfalz wurde damit zum Kriegsschauplatz: Gefechte in den Tälern des Wasgaus bei Pirmasens, Schanzen im Pfälzerwald bei Kaiserslautern und eine Befestigungslinie im Bienwald an der Lauter zeugen davon. Der Erste Koalitionskrieg dauerte von 1792 bis 1797, die Revolutions- und Koalitionskriege insgesamt bis 1815. Die Pfalz kam nach den Napoleonischen Kriegen an Bayern; wie sie in die Bayerische Pfalz überging, zeigt die Seite Bayerische Pfalz.

Diese Seite folgt dem Jahr 1793 in der Reihenfolge der Ereignisse: den Kämpfen am Mäuerle im September, den Schanzen der Preußen bei Fischbach und Waldleiningen, der Schlacht bei Morlautern im November und der Linie an der Lauter, die Hoche vier Wochen danach durchbrach. Den Kampf um den Steigerkopf im Juli 1794 beschreibt die Seite Steigerkopf und Schänzel.

Was geschah im September 1793 am Mäuerle bei Pirmasens?

Die Kämpfe in den Wasgautälern bei Pirmasens heißen auch „Schlacht bei Pirmasens“ oder „Schlacht am Mäuerle und Bundenthal“. Bei Pirmasens schlugen die Preußen unter Herzog Karl Ferdinand von Braunschweig die französische Armee. Auf den Gipfeln des Beissenbergs und des Mäuerle lagen französische Verschanzungen.

Ein Gedenkstein erinnert an die Kämpfe: der Ritterstein Nr. 302 „Anno 1793 Schlacht am Mäuerle 1993“. Er steht nördlich von Nothweiler an einem Landwirtschaftsweg in Richtung Bundenthal. Der Stein ist ein aufrecht stehender Sandsteinfindling. In Großbuchstaben trägt er die Inschrift „ANNO 1793 SCHLACHT AM MÄUERLE“, links darunter steht das Kürzel PWV für den Pfälzerwald-Verein. Aufgestellt wurde er 1993, zweihundert Jahre nach der Schlacht. Die Gemeinde ist Bundenthal im Landkreis Südwestpfalz.

Der Stein gehört zur Kategorie „Kriegsschauplätze und Schanzen, Begebenheiten und Legenden“ der Rittersteine im Pfälzerwald. Was Rittersteine sind, erklärt die Seite Rittersteine im Pfälzerwald. Die Stadt der Schlacht stellt die Seite Pirmasens vor.

Moosbewachsener, aufrecht stehender Sandsteinfindling neben einem Waldweg im Herbst
Findling Sandsteinfindling am Waldweg. Symbolbild

Wo bauten die Preußen Schanzen bei Fischbach und Waldleiningen?

Die Schanzen bei Fischbach bei Kaiserslautern errichteten in den Revolutionskriegen die Preußen. Unter Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742 bis 1819) kamen die Truppen über den Schorlenberg und drängten die Franzosen über Fischbach, Hochspeyer und Trippstadt bis nach Pirmasens zurück. Auch die Kämpfe um das Schänzel bei Edenkoben gehören in diesen Zusammenhang; an sie erinnert der Schänzelturm auf dem Steigerkopf.

Der Ritterstein Nr. 170 „Schanze 1 1793/94“ steht nordöstlich von Fischbach, etwas westlich des Weges im Langenthal, zwischen dem Großen Kieneck und dem Krummeck. Die Inschrift lautet „Schanze 1 1793/94“, daneben steht das Kürzel P.W.V. Der Stein gehört zur selben Kategorie wie der Stein am Mäuerle. Trippstadt, durch das die Franzosen zurückgedrängt wurden, stellt die Seite Trippstadt vor.

Der Ritterstein Nr. 144 „Schanze 1793/94 360 Schr.“ steht nordwestlich von Waldleiningen, unterhalb des Harterkopfs, nördlich der Straßenkreuzung der B 48 und der L 504 („Am Stall“). Er trägt die Inschrift „Schanze 1793/94 360 Schr.“ und das Kürzel P.W.V.; ein eingravierter Richtungspfeil weist zur Schanze auf dem Westhang des Harterkopfs. Die Gemeinde ist Kaiserslautern. Der Stein verweist auf eine Schanze aus der Zeit der Revolutionskriege.

Wie verlief die Schlacht bei Morlautern vom 28. bis 30. November 1793?

Die Schlacht bei Morlautern, auch Schlacht bei Kaiserslautern genannt, war Teil des Ersten Koalitionskriegs. Sie dauerte drei Tage, vom 28. bis zum 30. November 1793. Französische Revolutionstruppen unter General Louis-Lazare Hoche (1768 bis 1797) standen den Alliierten unter Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (1735 bis 1806) und General von Kalkreut gegenüber. Rund 40.000 Franzosen kämpften gegen etwa 21.000 Alliierte. Auf französischer Seite fielen etwa 3.000 Mann, und viele Einwohner Morlauterns starben oder verloren ihren Besitz. Das Ergebnis war ein preußischer Sieg, der strategisch ohne größere Folgen blieb.

Morlautern ist heute ein Stadtteil von Kaiserslautern. Erstmals urkundlich erwähnt ist es 1215 als „Hof mit Wald in Morluter“, der zum Besitz des Prämonstratenserklosters in Kaiserslautern gehörte. Die Stadt, zu der der Ort heute gehört, stellt die Seite Kaiserslautern vor.

Was zeigt der Schlachtenturm auf dem Mühlberg?

Der Schlachtenturm steht in der Turmstraße auf dem 328 Meter hohen Mühlberg am südwestlichen Rand von Morlautern. Er wurde 1893 errichtet, im Stil des Historismus aus heimischem Sandstein. Der Turm ist achteckig und 8,50 Meter hoch. Die Aussichtsplattform liegt auf 7,50 Metern und ist über 37 Stufen erreichbar; ein innen umlaufender Treppenaufgang ist an vier Fensteröffnungen in der Außenwand erkennbar.

Ein etwa ein Meter hoher Sockel aus zwei Lagen glatter Sandsteinquader ist in den Turmschaft eingebunden. Die acht Ecken sind mit gebossten Sandsteinen betont, die aus der Wand hervortreten. Die Plattform überragt den Turmschaft und ist von acht Sandsteinsäulen umgeben, die Platten abdecken. In die Außenmauern sind rundum sechs Eisenkugeln eingelassen.

Über dem Eingang hängt eine gusseiserne Tafel mit einer Schlachtdarstellung. Ihre Inschrift lautet: „Schlacht vom 28. 29. und 30 November 1793. Nach hartnäckigen, blutigen Kämpfen werden die Franzosen unter General Hoche von den Preußen und Sachsen unter Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und General von Kalkreut in’s Thal hinabgeworfen.“ Nahe dem Turm steht ein Gedenkstein von 1993, zweihundert Jahre nach der Schlacht, mit den Worten „1793 – 1993. Den Toten zur Ehr, den Lebenden zur Mahnung: Plus jamais la guerre – Nie wieder Krieg!“ Der Turm steht als geschütztes Kulturdenkmal im Denkmalverzeichnis der Stadt Kaiserslautern und ist ein Wahrzeichen Morlauterns. Weitere Türme der Pfalz stellt die Seite Aussichtstürme in der Pfalz vor.

Flacher bewachsener Erdwall mit wassergefülltem Graben in einem Erlenwald im Herbstnebel
Bienwald Erdwall mit Wassergraben. Symbolbild

Was geschah nach Morlautern mit den Weißenburger Linien?

Vier Wochen nach Morlautern durchbrach Hoche die Weißenburger Linien und befreite damit die in Landau in der Pfalz eingeschlossenen französischen Truppen. Die Blockade von Landau endete. 1794 siegte das französische Revolutionsheer in der Pfalz. Landau, dessen Festung Sébastien de Vauban (1633 bis 1707) gebaut hatte, wurde im Spanischen Erbfolgekrieg zwischen 1702 und 1713 mehrfach belagert und besetzt; am Ende hielt Frankreich die Stadt. Sie stellt die Seite Landau in der Pfalz vor.

Die Weißenburger Linien heißen auch Lauterlinien. Sie liegen im südlichen Teil des Bienwalds zwischen Wissembourg in Frankreich und Lauterbourg, bis in die Nähe des Rheinufers, beiderseits der Lauter. Die Länge beträgt rund 15 Kilometer Luftlinie. Die Linien berühren die Gemeinden Kapsweyer, Scheibenhardt, Schweighofen und Steinfeld in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße. Seit 1681 bildet die Lauter die französisch-deutsche Grenze. Über die Stadt am Westende der Linie berichtet die Seite Wissembourg.

Wie sind die Lauterlinien aufgebaut?

Das lineare Verteidigungsbauwerk besteht aus Redouten, einem langen Erdwall und einem Grabensystem. Eine Redoute ist eine viereckige Verteidigungsanlage außerhalb von Siedlungen, mit Erdwällen an jeder Seite und einem umgebenden Wassergraben; das Wort bedeutet übersetzt Rückzugsort. Insgesamt wurden 51 Redouten angelegt, mindestens zehn sind als deutliche Relikte am Süd- und am Nordufer erhalten. Sie liegen meist nur wenige Zehnermeter von der Lauter entfernt, in Sichtweite.

Als Beispiel dient eine Redoute am Nordufer etwa zwei Kilometer westlich der Bienwaldmühle. Ihr Außenumfang beträgt rund 100 Meter, die Form ist ein Trapez mit Seiten von 40, 20, 20 und 20 Metern. Der Graben ist mit Grundwasser gefüllt, ein Querdamm führt zum Flussufer und ermöglicht den Zugang per Boot oder Brücke zu den französischen Redouten. Das Innere zeigt ein offenes Gangsystem, ähnlich den Gräben des Ersten Weltkriegs. Es ist die einzige denkmalgeschützte Redoute der Lauterlinien; das Denkmalverzeichnis führt sie als „Befestigungssystem zwischen Lauterburg und Weißenburg zur Flutung des Lautertals“.

Andere Redouten sind gut erkennbar: Die Redoute bei Altenstadt ist ein markanter Erdhügel, die Redoute südlich von Kapsweyer hat ein offenes Gangsystem, die Heckenredoute am Nordufer einen Wassergraben, und die Redoute südlich der Ziegelhütte hat einen Außenwall und einen Wassergraben. Am Südufer bildet eine Flussterrasse aus dem Pleistozän, drei bis sechs Meter hoch, die Grundlage: Sie wurde künstlich aufgeschüttet und militärisch zu einer Steilufer-Erdwall-Linie ausgebaut, die zwischen Wissembourg und Lauterbourg fast durchgehend ausgeprägt ist.

Welche Rolle spielte der Saugraben im Bienwald?

Zum Gesamtsystem gehört der Saugraben, ein künstliches Gewässer aus dem 14. Jahrhundert. Er verbindet die Lauter bei der Bienwaldmühle in Richtung Ost-Nordost mit den Bienwaldbächen Heßbach, Wiebelsbach, Heilbach und Schmerbach. Sein ursprünglicher Zweck war die ganzjährige Wasserversorgung für Viehhaltung und Schweinemast; außerdem nutzten ihn die Brennholzflößerei und die Waldbrandbekämpfung. Das Militär nutzte das System zur großflächigen Vernässung des inneren Bienwalds. Den Wald selbst, in dem die Linien liegen, beschreibt die Seite Bienwald.

In welchen Kriegen spielten die Lauterlinien eine Rolle?

Die Lauterlinien entstanden im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1713/14), in dem Frankreich und Bayern gegen die Haager Große Allianz aus Österreich, den Niederlanden und England kämpften. Kaiserliche Truppen scheiterten an dem Versuch, die Lauterlinien zu erstürmen. Nach dem Frieden kam das Umland im Süden der Pfalz an die Kurpfalz und das Fürstbistum Speyer, Landau blieb französisch.

Ihre Bewährungsprobe erlebten die Linien im Koalitionskrieg 1793, als Hoche sie durchbrach. Im Zweiten Weltkrieg dienten sie als Vorposten im Zusammenhang mit dem Westwall; dazu steht Näheres auf der Seite Westwall in der Südpfalz.

Wie lassen sich die Orte des Jahres 1793 besuchen?

Der Schlachtenturm liegt in Morlautern im Stadtgebiet von Kaiserslautern, der Ritterstein Nr. 302 am Mäuerle bei Nothweiler und die Steine von Fischbach und Waldleiningen im Pfälzerwald; die Lauterlinien liegen im Bienwald an der Grenze zu Frankreich. Wanderideen in der Region geben Wandern im Pfälzerwald und Rittersteine im Pfälzerwald.

Häufige Fragen zu den Schlachten von 1793 in der Pfalz

Wann war die Schlacht bei Morlautern?

Vom 28. bis zum 30. November 1793. Sie wird auch Schlacht bei Kaiserslautern genannt.

Wer kämpfte bei Morlautern?

Französische Revolutionstruppen unter General Hoche gegen Alliierte unter Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und General von Kalkreut.

Wie hoch ist der Schlachtenturm in Morlautern?

8,50 Meter. Die Aussichtsplattform liegt auf 7,50 Metern und ist über 37 Stufen erreichbar.

Was ist eine Redoute?

Eine viereckige Verteidigungsanlage außerhalb von Siedlungen mit Erdwällen an jeder Seite und einem Wassergraben. Das Wort bedeutet Rückzugsort.

Wie lang sind die Weißenburger Linien?

Rund 15 Kilometer Luftlinie zwischen Wissembourg und Lauterbourg, beiderseits der Lauter.

Wofür steht PWV auf den Rittersteinen?

Für den Pfälzerwald-Verein.

Quellen: KuLaDig: Schlachtenturm auf dem Mühlberg in Morlautern; KuLaDig: Ritterstein „Anno 1793 Schlacht am Mäuerle 1993“; KuLaDig: Ritterstein „Schanze 1 1793/94“ nordöstlich von Fischbach; KuLaDig: Ritterstein „Schanze 1793/94 360 Schr.“ nordwestlich von Waldleiningen; KuLaDig: Lauterlinien im Bienwald. Stand: November 2026.