Land & Leute
Jüdisches Speyer: Judenhof, Mikwe und SchUM-Welterbe
Mikwe, Synagogenruine und Welterbe in der Speyerer Altstadt

Kurz gesagt
Der Judenhof in Speyer mit den Resten der Synagoge von 1104, der Frauenschul und der um 1120 gebauten Mikwe gehört seit dem 27. Juli 2021 als Teil der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz zum UNESCO-Welterbe. Den Zugang bildet das Museum SchPIRA; Öffnungszeiten und Eintritt stehen im Steckbrief.
Was bedeutet SchUM, und warum sind Speyer, Worms und Mainz Welterbe?
SchUM ist ein Kürzel aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen hebräischen Namen der drei Städte: Schin für Schpira (Speyer), Waw für Warmaisa (Worms) und Mem für Magenza (Mainz). Die UNESCO nahm die Stätten am 27. Juli 2021 in die Welterbeliste auf, als erstes jüdisches Welterbe in Deutschland. Die Gemeinden der drei Städte bildeten vom 11. bis ins 13. Jahrhundert ein Zentrum des europäischen Judentums; die Stätten gelten als Wiege des mitteleuropäischen Judentums. Der Antrag war seit 2016 vorbereitet worden; getragen wird die Welterbestätte vom Verein SchUM-Städte, in dem sich die drei Städte zusammengeschlossen haben.
In Speyer umfasst das Welterbe den Judenhof mit den Überresten der Synagoge, der Frauenschul und der Mikwe; die Jeschiwa, das mittelalterliche Lehrhaus, ist als Bodendenkmal erhalten. In Worms gehören unter anderem die Synagoge und der Friedhof „Heiliger Sand“ dazu, in Mainz der alte Friedhof „Judensand“; beide Friedhöfe zählen zu den ältesten jüdischen Friedhöfen Europas. Wie ein Besuch in Worms vorbereitet werden kann, steht auf der Seite Ausflug nach Worms. Mainz gehört zu Rheinhessen und liegt außerhalb der Region; für einen Abstecher gibt es die Seite Ausflug nach Mainz.
Wie verlief die jüdische Geschichte Speyers?
Die Gemeinde entstand 1084, als Bischof Rüdiger Huzmann jüdische Familien in Speyer ansiedelte und ihnen ein Privileg ausstellte. Es gilt als eine der wichtigsten Grundlagen für die Gemeinde und wird heute in Karlsruhe aufbewahrt. Im 11. und 12. Jahrhundert wuchs in der Bischofsstadt ein Gelehrtenzentrum, das die Verbindung zu Worms und Mainz pflegte. Der Bau der Synagoge im Jahr 1104 fiel in diese Blütezeit.
Die Geschichte war aber auch von Gewalt geprägt. Eine Brandspur im Mauerwerk der Synagoge wird mit dem überlieferten Pogrom von 1196 in Verbindung gebracht, danach folgte der Wiederaufbau. Im 16. Jahrhundert endete die mittelalterliche Gemeinde: Nach der Vertreibung, die für die Zeit nach 1534 belegt ist, nutzte die Stadt das Gelände anders. Aus der Synagoge wurde ein Zeughaus, das Tauchbecken der Mikwe wurde verfüllt und der Schacht diente als Pulverdepot. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte der große Stadtbrand von 1689 zudem weitere Gebäude, darunter die Jeschiwa.
Im 19. Jahrhundert bestand in Speyer wieder eine jüdische Gemeinde. Die 1837 an der Maximilianstraße erbaute Synagoge wurde in den Novemberpogromen 1938 zerstört. Sie war ein Opfer der Verfolgung, die auch die anderen Gemeinden der Pfalz traf; wie die Einordnung in die Landesgeschichte aussieht, zeigt die Seite zur bayerischen Pfalz. Seit dem 9. November 2011 gibt es in Speyer mit der Synagoge Beith Schalom, Hebräisch für „Haus des Friedens“, wieder einen Ort des Gottesdienstes, auf dem Gelände der früheren St.-Guido-Kirche. Die Gemeinde gehört zur Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz.

Was sehen Besucher im Judenhof?
Den Mittelpunkt bildet die Synagoge, ein Saalbau mit teilweise erhaltenen Umfassungsmauern. Sie gilt als am besten erhaltene Synagoge des frühen 12. Jahrhunderts in Europa und als frühestes erhaltenes Beispiel des Saalbaus, einer Bauform, die in Aschkenas, dem mittelalterlichen jüdischen Kulturraum nördlich der Alpen, über Jahrhunderte prägend blieb. Das Gelände wurde 1998 und 1999 archäologisch erschlossen und umgestaltet. Zwei Rundbogenfenster aus der Zeit um 1200 blieben bis 1899 in der Westwand verbaut und kamen dann ins Historische Museum der Pfalz.
Südlich schließt die Frauenschul an, die um 1250 als eigener Raum für die Frauen angebaut wurde. In der Wand zur Synagoge sind sechs Hörschlitze zu sehen, durch die die Frauen den Gottesdienst mitverfolgten. Nördlich lag der Synagogenhof als Versammlungsort, östlich die Jeschiwa aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Der eindrucksvollste Teil ist die Mikwe, das rituelle Tauchbad, am östlichen Rand des Areals. Ein romanisches Portal führt in einen Vorraum, von dem eine Treppe tief hinab zum Wasserbecken geführt wird; die Tiefe wird mit rund 11 Metern angegeben. Der Bau stammt aus der Zeit um 1110 bis 1120 und gilt als die älteste erhaltene Mikwe Mitteleuropas. Wer empfindlich gegen Treppen ist oder mobilitätseingeschränkt reist, sollte sich vor dem Besuch bei der Tourist-Information Speyer nach der Zugänglichkeit erkundigen.
Was zeigt das Museum SchPIRA?
Das Museum SchPIRA wurde 2010 am Eingang zum Judenhof eröffnet. Es zeigt Fundstücke und Grabungsergebnisse aus der Blütezeit der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde und stellt die Verbindung zu den Schwestergemeinden Worms und Mainz her. Zu den Ausstellungsstücken zählen Grabsteine aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Der Zugang zum Judenhof führt durch das Museum.
Mit dem Historischen Museum der Pfalz am Domplatz, das zum Beispiel den Römerwein von Speyer zeigt, ist es nicht identisch; beide Häuser ergänzen sich bei einem Tag in der Stadt.
Welche Spuren hat jüdisches Leben in der Pfalz hinterlassen?
Sichtbar sind sie vor allem in Speyer, Worms und Mainz, hörbar aber in der Mundart. Viele pfälzische Wörter stammen aus dem Westjiddischen, etwa „Zores“ für Ärger und Streit; die Seite zum pfälzischen Dialekt erklärt, wie diese Lehnwörter in die Alltagssprache kamen. Jüdische Gemeinden bestanden nach dem Mittelalter auch in vielen Dörfern der Pfalz, ihre Geschichte lässt sich heute vor allem in Ortsarchiven, auf Friedhöfen und in Gedenkprojekten der Gemeinden verfolgen.
Wer das Thema vertiefen möchte, findet bei den SchUM-Städten ein Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Vorträgen und Kulturtagen; die Termine für das kommende Jahr nennt die Seite der SchUM-Städte, sobald sie feststehen.
Wie besucht man den Judenhof in Speyer?
Der Judenhof liegt in der Altstadt, wenige Gehminuten vom Dom entfernt, in der Kleinen Pfaffengasse 20/21. Den Eingang bildet das Museum SchPIRA. Nach den Angaben der SchUM-Städte ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis März von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr (Stand Oktober 2026). Das Entgelt beträgt für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3 Euro; Kinder bis 10 Jahre zahlen nichts, Familien 10 Euro. Gruppenführungen mit bis zu 20 Personen und rund einer Stunde Dauer kosten 87,50 Euro und werden über die Tourist-Information Speyer gebucht. Aktuelle Zeiten und Preise nennen die SchUM-Städte und die Stadt Speyer, bitte prüfen Sie diese vor der Anreise.
Speyer liegt am Rhein und ist mit Bahn und Bus aus Ludwigshafen und Mannheim erreichbar; Verbindungen und Hinweise zur Anfahrt stehen auf der Seite Anreise in die Pfalz. Der Weg in die Altstadt führt über die Maximilianstraße, die Hauptachse zwischen Altpörtel und Dom.
Eine Kombination mit dem Dom bietet sich an: Die Seite zum Speyerer Dom beschreibt das UNESCO-Welterbe von 1981, die Seite zu Speyer weitere Ziele für den Tag. Zu den Glaubensgemeinschaften der Pfalz insgesamt gibt die Seite Religion und Kirchen einen Überblick.
Häufige Fragen zum jüdischen Speyer
Ist die Mikwe in Speyer zugänglich?
Ja, sie gehört zum Rundgang durch den Judenhof. Der Abstieg erfolgt über Treppen; zur Zugänglichkeit fragen Sie bitte vorab bei der Tourist-Information Speyer nach.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Etwa eine Stunde für Museum, Judenhof und Mikwe. Wer die Texte im Museum ausführlich lesen möchte oder an einer Führung teilnimmt, braucht entsprechend länger.
Was bedeutet Judenhof?
So heißt das ehemalige Gelände der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde mit Synagoge, Frauenschul, Lehrhaus und Mikwe. Es war der religiöse Mittelpunkt des Viertels, nicht das ganze Wohngebiet.
Was heißt Mikwe?
Eine Mikwe ist ein rituelles Tauchbad im Judentum, das mit Quell- oder Grundwasser gespeist wird. In Speyer führt ein Schacht vom Eingangsbau bis hinab zum Wasserspiegel.
Welche Verbindung hat Speyer zu Worms und Mainz?
Die drei Gemeinden waren im Mittelalter eng verbunden und bildeten gemeinsam ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Die Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen ergeben das Wort SchUM, das heute für die Welterbestätte steht.
Warum heißt die Synagoge Beith Schalom?
Der hebräische Name bedeutet „Haus des Friedens“. Die Gemeinde wählte ihn für die Synagoge, die am 9. November 2011 an der Stelle der früheren St.-Guido-Kirche eröffnet wurde.
Quellen: SchUM-Städte e. V.: Besuchsinformation; Stadt Speyer; Pfalz.Touristik; UNESCO: SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz (Welterbe 2021); Wikipedia: Judenhof Speyer; Jüdische Allgemeine: Synagoge Beith Schalom. Stand: Oktober 2026.