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Land & Leute

Wetterkreuze am Haardtrand: Hahnenböhl, Heidelberg, Teufelsberg und das Kreuz von 1513

Kreuze gegen Hagel und Unwetter: sieben Wetterkreuze zwischen Forst und Burrweiler, vom Kreuz von 1513 bis zum Bischofskreuz von 1909

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am Wachenheim 1513 · Teufelsberg 1909

Terrassierte Weinberge am Haardtrand unter dunklen Gewitterwolken mit Sonnenstrahl über der Rheinebene
Haardtrand Weinberge unter Gewitterwolken. Symbolbild

Kurz gesagt

Am Ostrand des Pfälzerwaldes stehen Wetterkreuze zum Schutz der Weinberge und Ernten vor Hagel und Unwetter: das Doppelbalkenkreuz auf dem Hahnenböhl bei Forst, zwei Kreuze auf dem Heidelberg bei Hambach, das Kreuz auf dem Wetterkreuzberg bei Diedesfeld, das Maikammer-Kreuz von 1863, das Kreuz von 1513 beim Mundhardterhof und das Bischofskreuz auf dem Teufelsberg von 1909.

Was sind Wetterkreuze, und warum stehen sie am Haardtrand?

Ein Wetterkreuz ist ein Kreuz in der Flur, zu dem die Dorfgemeinschaft bei drohendem oder schon eingetretenem Unwetter betete. Am Ostrand des Haardtrandes, wo der Pfälzerwald in die Rheinebene übergeht, stehen mehrere davon. Die meisten zeigen ihre Vorderseite zur Rheinebene, denn von dort, aus der Hauptwetterrichtung, ziehen die Gewitter heran. Die meisten Unwetter kommen aus Südwesten und laufen über den Kamm der Haardt in die Weinberge.

Für die Winzer war ein Unwetter keine Nebensache. Eine vernichtete Ernte konnte den Einnahmeverlust eines ganzen Jahres bedeuten. Hagel schlägt Blüten und Trauben ab, und der Rebstock reagiert empfindlich auf Frost. Dazu kamen Hungersnöte und Teuerungen nach Missernten, Krankheiten und Seuchen. Die Menschen suchten Zuflucht im Gebet und wollten Gott gnädig stimmen. Deshalb entstanden solche Kreuze vor allem in Weinbaugebieten.

Die ersten Wetterkreuze waren aus Holz, später folgten Kreuze aus Stein. Die Wetterprozessionen, auch Hagel- oder Schauerprozessionen genannt, verbreiteten sich in der Barockzeit. Bittprozessionen zu den Wetterkreuzen gehörten zur gepflegten Frömmigkeit: Man wanderte an einem freien Tag oder abends zu einem Kreuz, betete um Hilfe gegen Unwetter und Krankheiten und erflehte Gottes Beistand. Die Kreuze regten Vorbeigehende außerdem zu Andacht, Fürbitte oder Erinnerung an. Sie dienten als Wegmarken und Grenzzeichen, als Stationen bei Prozessionen und Flurumgängen oder bezeichneten den Ort eines Unglücks.

Dieses Gebiet gehört zur Kulturlandschaft Haardtrand Pfälzerwald, die rund 80 Kilometer lang und etwa 7 Kilometer breit ist. Der Waldrand liegt dort auf rund 300 Metern über Normalnull, steile, teils terrassierte Riedel mit Lössbedeckung tragen die Weinberge. Burgruinen des 11. und 12. Jahrhunderts wie Landeck, Madenburg und Wachtenburg prägen das Bild; die Burg Wachtenburg beschreibt die Seite Wachtenburg bei Wachenheim. Typisch sind Kastanienwälder, Streuobstwiesen, Trockenmauern und Hohlwege. Der Weinbau reicht bis in die Römerzeit zurück, eine Villa rustica bei Ungstein aus dem 1. bis 4. Jahrhundert belegt es. Wie sich der Weinbau in der Pfalz entwickelte, zeigt die Seite Weinbau in der Pfalz, die Lagen am Haardtrand stellt Weinlagen in der Pfalz vor.

Wie schützt das Kreuz auf dem Hahnenböhl die Lagen bei Forst?

Das Wetterkreuz auf dem Hahnenböhl, auch Hahnenböhler Kreuz genannt, steht in Hanglage in den Weinbergen westlich oberhalb von Forst an der Weinstraße. Es gehört zur Stadt Deidesheim und liegt bei etwa 49,42 Grad Nord und 8,18 Grad Ost. Der Standort ist ein isoliert stehender Kalksteinfelsen.

Das Kreuz ist ein Doppelbalkenkreuz, auch Patriarchenkreuz genannt: Auf einem senkrechten Balken sitzen zwei Querbalken, von denen der obere kürzer ist. Es besteht aus Stahlträgern mit U-Profil und trägt am oberen Ende das Monogramm IHS, die Abkürzung für „Iesus hominum salvator“, Jesus, Erlöser der Menschen. Am Stamm ist zu lesen, dass 1803 an dieser Stelle ein hölzernes Doppelbalkenkreuz errichtet wurde; das heutige Stahlkreuz ersetzte es später.

Das Kreuz wurde zum Schutz der Weinlagen der Mittelhaardt vor Unwettern aufgestellt, des „Deidesheimer Hahnenböhl“ und des „Forster Ungeheuer“. Das Kreuz ist ein gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal und steht in der Denkmalliste des Landkreises Bad Dürkheim. Die beiden Ortschaften, zwischen denen es liegt, stellen die Seiten Deidesheim und Forst an der Weinstraße vor.

Gewitterwolken ziehen über Rebzeilen auf einem Hang im Pfälzer Weinbaugebiet
Gewitterhimmel Gewitterwolken über den Reben. Symbolbild

Was erzählt das Kreuz von 1513 beim Mundhardterhof?

Das älteste Wetterkreuz dieser Seite trägt die Jahreszahl 1513. Es steht bei Wachenheim an der Weinstraße auf einer Erhöhung gegenüber dem Mundhardterhof, östlich des Hofes und nordwestlich der Ortslage, bei etwa 49,45 Grad Nord und 8,16 Grad Ost. Die Winzer von Wachenheim errichteten es aus Sorge um ihre Weinberge. Das Kreuz besteht aus Sandstein und ist über zwei Meter hoch.

Die Inschrift ist in gotischer Minuskelschrift ausgeführt und enthält die Namen der vier Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus; unter der Jahreszahl ist ein Steinmetzzeichen eingemeißelt. Urkundlich erwähnt ist das Kreuz erstmals 1522. In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs wurde es von einem verirrten Geschoss getroffen und stark beschädigt, 1952 wurde der obere Teil erneuert.

Das Grundstück erwarb der Drachenfelsclub Bad Dürkheim. Der Verein setzte das Kreuz instand und pflegt es bis heute. Das Kreuz ist als gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal im Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Landkreises Bad Dürkheim aufgeführt. Wie die Weinbergsflur oberhalb des Ortes aussieht, zeigt die Seite Wachenheim an der Weinstraße.

Welche zwei Kreuze stehen auf dem Heidelberg bei Hambach?

Auf dem Heidelberg im Stadtteil Hambach von Neustadt an der Weinstraße stehen zwei Wetterkreuze. Das eine liegt nahe dem Gipfel, das andere etwa 300 Meter davon entfernt; sie heißen Heidelberg Nord und Heidelberg Süd. Die Koordinaten liegen bei 49,33 Grad Nord und 8,12 Grad Ost. Beide Kreuze blicken zur Rheinebene und liegen so versteckt, dass sie schwer zu finden sind. Das Umfeld des südlichen Kreuzes gehört zum Naturschutzgebiet „Haardtrand – Am Heidelberg“.

Das nördliche Kreuz ist aus Stein gehauen. Der Sockel ist etwa 70 Zentimeter hoch und ruht auf einem in den Boden eingelassenen Standstein; im Kreuz ist eine Bildnische eingebaut. Am Sockel steht die Jahreszahl 1712. Daneben sind Schriftzeichen eingemeißelt, eine Buchstabenfolge, deren Bedeutung im Lauf der Zeit verloren ging. Auch das südliche Kreuz steht auf einem etwa 70 Zentimeter hohen Sockel über einem eingelassenen Standstein und besitzt eine Bildnische.

Beide Kreuze sind Einzeldenkmäler in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz und gesetzlich geschützte Kulturdenkmäler. Zu den Kreuzen auf dem Heidelberg führt am 1. Mai jedes Jahres eine Prozession. Hambach selbst ist durch das Hambacher Fest bekannt, das die Seite Hambacher Fest 1832 beschreibt; die Stadt, zu der der Ort gehört, stellt die Seite Neustadt an der Weinstraße vor.

Was steht auf dem Wetterkreuzberg bei Diedesfeld?

Das Wetterkreuz von Diedesfeld, einem Stadtteil von Neustadt an der Weinstraße, steht auf einem auslaufenden Sporn des Sommerbergs und ist von Kiefernwald umgeben. Es liegt bei 49,32 Grad Nord und 8,11 Grad Ost. Von hier geht der Blick über die Weinberge von Diedesfeld, Maikammer mit Alsterweiler und Sankt Martin. Es wurde zum Schutz der Weinberge der Diedesfelder Winzer vor Wetter- und anderen Schäden aufgestellt.

Der Aufbau ist genau beschrieben: Ein Tischsockel, knapp einen Meter breit und 1,10 Meter hoch, steht auf zwei Stufen und endet in einer Platte. In ihr sitzt der gut zwei Meter hohe Kreuzstamm aus Stein, der Querbalken ist in den Stamm eingelassen, was die Rückseite zeigt. Kreuz und Tisch sind mit Eisenstangen gesichert. Der Körper Christi ist als Drei-Nagel-Typus gearbeitet, und über ihm steht der Titulus „I.N. / R.I.“ in einer Rolle, die Abkürzung für „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“, Jesus von Nazaret, König der Juden.

Vier Inschriften sind eher unbeholfen aufgetragen. Auf der Vorderseite des Sockels steht das Wort aus dem Johannesevangelium „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben. Niemand komt zum Vater außer durch mich“, auf der Südseite „Es ist Vollbracht“ mit dem Verweis auf Johannes 19,30. Die Nordseite verzeichnet als Stifter die Pfarrgemeinde Diedesfeld. Am Kreuzstamm ist nach Osten die Inschrift „Neu Errichtet 1869“ eingemeißelt. In der Nähe stehen eine Gedenktafel, ein Holzkreuz und am Weg zum Kreuz ein Marienbild; Holzkreuz und Marienbild erinnern an die Tradition der Wetterkreuzprozessionen. Das Kreuz ist ein gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal und als Einzeldenkmal in der Denkmalliste der Stadt Neustadt an der Weinstraße eingetragen.

Wie steht das Kreuz auf dem Kapellenberg bei Maikammer?

Auf der Gemarkung Maikammer trägt der Wetterkreuzberg auch den Namen Kapellenberg. Das Kreuz steht dort zusammen mit der Maria-Schutz-Kapelle auf einem eigens angelegten Platz oberhalb des Steinbruchs von Maikammer. Auf dem rund 200 Meter langen Weg von der Kalmitstraße zur Kapelle und zum Wetterkreuz stehen fünf Stationen eines Kreuzweges. Von oben bietet sich ein Ausblick auf Maikammer und die Rheinebene.

Die Vorderseite des Kreuzes schaut zum Ortsteil Alsterweiler und auf die umgebende Weinbergsflur. Bei der Erbauung der Kapelle wurde das Kreuz gedreht. Es wirkt wie ein ausgebreiteter Schutzflügel für das Dorf und die gesamte Flur. Am Schaft steht: „Es sei fern von mir, dass ich mich rühme als in dem Kreuze unseres Herrn Jesus Christus. Errichtet 1863.“ Auf der Vorderseite des Sockels ist das Lamm Gottes abgebildet, darunter steht: „Sihe das Lamb Gottes welches hin nimt die Sind der Welt.“

Auf der Rückseite hat sich eine Sockelplatte erhalten, die an ein älteres Kreuz erinnert. Ihre Inschrift fragt, ob man das Kreuz auch anbeten dürfe, und antwortet: Keineswegs, denn die Anbetung gebühre Gott allein. Sie schließt mit den Versen „Das Kreutzholz nicht bethe an / sondern den gehangen daran“ und der Zahl „Erneuert 1845“. 2004 restaurierte die Katholische Arbeitnehmerbewegung Maikammer das Kreuz. Das Kreuz ist ein gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal. Mehr über den Ort und seine Weinbergsflur steht auf der Seite Maikammer, die Kreuze in der Flur beschreibt Flurkreuze in Maikammer und Alsterweiler.

Blick von einem bewaldeten Hangrand mit Kiefern und Kastanien über Weinberge in die Rheinebene
Rheinebene Blick über Reben in die Rheinebene. Symbolbild

Warum heißt das Kreuz auf dem Teufelsberg Bischofskreuz?

Oberhalb von Burrweiler erhebt sich der 598 Meter hohe Teufelsberg. Auf dem Gipfel steht das höchstgelegene Wetterkreuz am Haardtrand, im Volksmund Bischofskreuz genannt. Der Speyerer Bischof Konrad von Busch (1847 bis 1910) weihte es 1909 ein, den Stein schuf der Steinmetz Johann Minges. Das Kreuz steht auf einem hügelartigen Sockel, in den ein kleines Kreuz eingemeißelt ist.

Die Inschrift lautet: „Sehet das Kreuz des Herrn! Fliehet ihr feindlichen Kräfte! Der Löwe aus Juda. Die Wurzel Davids hat gesiegt! Alleluja, Alleluja!“ Mit diesen Worten wird das Kreuz Christi gegen feindliche Mächte angerufen. Ein steiler Kreuzweg führt zur Sankt-Anna-Kapelle, einer Wallfahrtskapelle; von dort leitet ein beschilderter Wanderweg zum Wetterkreuz. Vom Gipfel öffnet sich ein weiter Blick nach Osten in die Rheinebene nördlich von Landau. Den Ort am Fuß des Berges stellt die Seite Burrweiler vor.

Wie lassen sich Wetterkreuze auf einer Wanderung verbinden?

Die Kreuze liegen von Forst im Norden bis Burrweiler im Süden entlang des Haardtrandes, also in der Region, durch die der Fernwanderweg Wanderweg Deutsche Weinstraße führt; weitere Routen durch die Reben zeigt die Seite Weinwanderungen. Wer die Wege am Wetterkreuzberg bei Diedesfeld und Maikammer geht, hat die Weinberge von Diedesfeld, Maikammer, Alsterweiler und Sankt Martin im Blick. Die Kreuze liegen teilweise so versteckt, dass sie schwer zu finden sind; auf den Heidelberg bei Hambach führt eine Prozession am 1. Mai.

Häufige Fragen zu den Wetterkreuzen am Haardtrand

Was ist ein Wetterkreuz?

Ein Kreuz in der Flur, zu dem bei Unwettern Bittprozessionen zogen. Es steht zum Schutz der Weinberge und der Ernte.

Welches Wetterkreuz ist das älteste?

Das Kreuz beim Mundhardterhof in Wachenheim trägt die Jahreszahl 1513 und ist 1522 erstmals urkundlich erwähnt.

Welches Wetterkreuz liegt am höchsten?

Das Bischofskreuz auf dem 598 Meter hohen Teufelsberg bei Burrweiler, 1909 eingeweiht.

Warum zeigen die meisten Kreuze zur Rheinebene?

Die Rheinebene ist die Hauptwetterrichtung. Die meisten Unwetter ziehen aus Südwesten heran.

Wer pflegt das Kreuz beim Mundhardterhof?

Der Drachenfelsclub Bad Dürkheim erwarb das Grundstück, setzte das Kreuz instand und pflegt es.

Wann findet die Prozession zum Heidelberg bei Hambach statt?

Am 1. Mai jedes Jahres.

Quellen: KuLaDig: Wetterkreuze am Haardtrand; KuLaDig: Haardtrand Pfälzerwald; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Hahnenböhl in Deidesheim; KuLaDig: Wetterkreuz beim Mundhardterhof in Wachenheim; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Heidelberg Nord in Hambach; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Heidelberg Süd in Hambach; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Wetterkreuzberg in Diedesfeld; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Wetterkreuz-Berg in Maikammer; KuLaDig: Wetterkreuz auf dem Teufelsberg in Burrweiler. Stand: November 2026.