Land & Leute
Wolf’sche Anlagen in Haardt: Eremitage, Schweizerhaus und Dr.-Welsch-Terrasse
Landschaftspark von 5 Hektar am Herrschaftsberg: Eremitage um 1840, Schweizerhaus, Dr.-Welsch-Terrasse und Wolfsburg über dem Weindorf Haardt

Kurz gesagt
Oberhalb des Weindorfs Haardt in Neustadt an der Weinstraße liegt am Herrschaftsberg der Waldpark der Wolf’schen Anlagen: ein Landschaftspark von rund 5 Hektar aus den 1830er und 1840er Jahren mit Eremitage und Schweizerhaus, von denen Fundamente und eine Aussichtsterrasse bleiben. In der Nähe liegen die Dr.-Welsch-Terrasse und die Wolfsburg.
Was sind die Wolf’schen Anlagen am Haardtrand?
Die Wolf’schen Anlagen sind ein ehemaliger Landschaftsgarten am Steilhang oberhalb von Haardt. Der Ort liegt dort, wo der Pfälzerwald in die Rheinebene abfällt. Die Anlage gehört zum Kulturlandschaftsbereich Haardtrand Pfälzerwald, dessen Gesamtbild die Seite Haardt beschreibt. Der Park wurde in den 1830er und 1840er Jahren angelegt und orientierte sich am englischen Landschaftsgarten: Statt gerader Alleen und Beete bestimmten Waldstücke, Sichtachsen, Plätze und kleine Bauwerke das Bild, die ein Spaziergänger nacheinander entdeckte.
Die Fläche umfasst rund 5 Hektar. Sie liegt am Herrschaftsberg, einem bewaldeten Hang mit Eichen, Kastanien und Kiefern. Von den Terrassen am Hang geht der Blick über die Rheinebene. Die Anlage ist kein gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal; ein Großteil des Geländes steht als Biotop „Wärmeliebender Eichenwald“ unter Schutz.
Wie kam der Park zu seinem Namen und seinen Besitzern?
1822 erwarb der Bankier Georg Friedrich Grohe-Henrich das Anwesen mit Lustgarten, Weinberg und Waldflächen am Herrschaftsberg. 1837 heiratete seine Tochter Maria Luise den Wachenheimer Gutsbesitzer und Handelsmann Wolf. Von da an trug die Waldfläche die Bezeichnung „Wolf’sche Anlagen“. Wolf besaß ein Weingut in Wachenheim, jenem Weinort, den die Seite Wachenheim an der Weinstraße beschreibt.
1882 ging das Gelände im Weg einer Schenkung an Albert Julius Anton Bürklin (1844 bis 1924) über. Der Besitzername steckt in der Bezeichnung Bürklin-Wolf’sche Anlagen. In den späteren Jahrzehnten nutzten verschiedene Einrichtungen die Gebäude, darunter ein Altenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt und eine orthopädische Fachklinik. Seit 2015 gehört das gesamte Anwesen der Stadt Neustadt an der Weinstraße.
Das Weingut Wolfs in Wachenheim gehört zur Weinwirtschaft des Haardtrandes, deren Entwicklung die Seite Weinbau in der Pfalz schildert.

Was gehörte zum Landschaftspark?
Zur Ausstattung zählten der Lindenplatz als wichtigster Freiraum, ein Wasserfall, eine Bodenplatte mit neun Metallflächen, ein Eiskeller, eine Grotte, ein Wasserbehälter, ein kleiner Steinbruch und zwei Bauwerke, die Eremitage und das Schweizerhaus.
Der Park fügte sich in eine Hanglandschaft, in der schon im Mittelalter Burgen standen. Die Wolfsburg am nahen Wolfsberg beschreibt die Seite Wolfsburg bei Neustadt.
Warum entstand um 1840 eine künstliche Einsiedelei?
Um 1840 ließ Wolf, Besitzer eines Weinguts in Wachenheim, im Park eine künstliche Einsiedelei errichten, eine Eremitage. Wozu sie gebaut wurde, ist nicht überliefert. Die Eremitage stand in der Nähe des Schweizerhauses.
Das Bauwerk hatte einen annähernd quadratischen Grundriss von etwa 5,20 mal 5 Metern. Die Wände bestanden aus Trockenmauerwerk, aufgesetzt aus grob zugehauenen Sandsteinquadern, die mit dem Hammer bearbeitet waren. Das Satteldach trug Sparren aus Birkenholz, auf dem First saß ein offener Holz-Dachreiter mit spitzem Helm und einer Glocke. Diese Bauweise belegt ein Foto von 1951. Um das Gebäude führte ein Weg, darunter lag ein Springbrunnen.
Eingerichtet war die Eremitage mit einem Bett, einer Betbank, einem Tisch und einem Stuhl, also dem Hausrat eines Einsiedlers. Überliefert ist außerdem, dass auf dem Stuhl eine Strohpuppe in Mönchsgestalt saß. Trat ein Besucher auf ein Bodenbrett, verbeugte sich die Puppe über einen Zug- und Hebelmechanismus. Ein Seil diente zum Läuten der Glocke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Nutzung: Von 1947 bis 1952 diente das Gebäude als Hühnerstall. Danach verfiel es oder wurde zerstört. Erhalten sind Fundamente, Grundmauern und Mauerreste.
Was geschah mit dem Schweizerhaus und seiner Aussichtsterrasse?
Das Schweizerhaus war ursprünglich ein Ausstellungspavillon. Um 1900 ließ Dr. Albert Bürklin es an den Haardtrand versetzen, wo sein Sommersitz unterhalb des Landschaftsparks lag. Schweizer Handwerker bauten es dort wieder auf.
Es war ein zweigeschossiger Holzbau in Blockbohlen-Leichtbauweise mit Veranda und Balkon an der Vorderseite. Das Dach bestand aus Brettern und Dachpappe, darunter lag ein Unterlüftungskeller aus Sandsteinquadern. Es stand auf einer Aussichtsterrasse von etwa 5 Metern Höhe, die Wolf um 1840 hatte anlegen lassen.
Die Nutzung wechselte: Zuerst war es ein Sommerhaus, von 1947 bis 1952 eine Notunterkunft, in der auch Bernhardiner gezüchtet wurden. Außerdem gab es ein Café Schweizerhaus. Ab 1952 stand das Haus leer. Am 15. Februar 1962 brannte es ab und wurde bis auf die Mauern des Unterlüftungskellers zerstört. Seither sind die Fundamente das, was vom Schweizerhaus bleibt. 2016 wurde der Gehölzaufwuchs entfernt und die Terrasse gereinigt. Vom Standort aus reicht der Blick über die Rheinebene bis zum Kraichgau und zum Schwarzwald, was die Lagegunst des Platzes zeigt.
Welche Pflanzen und Vögel prägen den Eichenwald?
Ein Großteil des Geländes steht nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes und § 15 des Landesnaturschutzgesetzes als „Wärmeliebender Eichenwald“ unter Biotopschutz. Auf dem Gelände wachsen 23 Baum- und 8 Straucharten. Dazu zählen Traubeneichen, Ahorn, Edelkastanien und Waldkiefern. Auffallend sind zahlreiche Eiben und rund 100 Stechpalmen.
Im EU-Vogelschutzgebiet „Haardtrand“ wurden auf dem Gelände 61 Vogelarten festgestellt, davon 42 Brutvögel.

Was zeigt die Dr.-Welsch-Terrasse am Kübelweg?
Eine zweite Hanganlage liegt am Kübelweg: die Dr.-Welsch-Terrasse. Dr. Theodor Welsch (1842 bis 1909), protestantischer Pfarrer der Ortsgemeinde Haardt, verwirklichte hier seinen Traum von einem exotischen Garten. Er vermachte der Stadt Neustadt an der Weinstraße seine rund 12.000 Quadratmeter große Terrasse. Die Anlage ist mediterran geprägt, mit südlichen Pflanzen, exotischen Bäumen, zahlreichen Kakteenarten und üppig angelegten Blumenbeeten.
Von der Terrasse blickt man über Neustadt, bei gutem Wetter bis zum Odenwald. Deshalb wird der Haardter Aussichtsrand auch „Balkon der Pfalz“ genannt; bei klarer Sicht sind der Speyerer Dom, der Königstuhl bei Heidelberg und die Hornisgrinde zu erkennen. Zwischen dem Kübelweg und der Wolfsburg verläuft der Leopold-Reitz-Weg, im Volksmund Sonnenweg. Ein Spaziergang führt von der Neustadter Innenstadt über die Terrasse und diesen Weg zur Ruine. Mehr zur Stadt unten im Tal steht auf der Seite Neustadt an der Weinstraße.
Wie hängt die Wolfsburg mit Haardt zusammen?
Die Burgruine Wolfsburg liegt auf einem Ausläufer des Wolfsbergs, etwa 150 Meter über der Talsohle. Sie überwachte das Schöntal und den Verkehrsweg durch das Hochspeyerbachtal, der den Rheingraben mit dem Reichsland um die Kaiserpfalz Kaiserslautern verband. 1256 wird die Burg erstmals erwähnt, die heutige Anlage entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die rechteckige Anlage misst rund 140 mal 30 Meter. Zwei Bergfriede besaß sie, was in der Pfalz selten ist.
Die Hauptburg liegt im Nordosten, die tiefer gelegene Vorburg im Südosten, beide umgeben zwei Ringmauern. Eine Schildmauer zum Bergrücken schützt die Wohngebäude, davor liegt ein bis zu 15 Meter tiefer Halsgraben. Die Zwingermauer hat keine Türme. Der Palas besitzt eine gotische Spitzbogenpforte. 1269 ernannte Pfalzgraf Ludwig II. der Strenge den Ministerialen Albrecht von Lichtenstein zum Burgmann und gewährte ihm ein Burglehen. 1361 verpflichtete eine Lehnsurkunde einen Neustadter Müller zu Abgaben auf der Wolfsburg: Die Burg war Verwaltungssitz und Sammelstelle für Naturalien und Geld. Im Pfälzischen Bauernkrieg wurde sie 1525 erstürmt und geplündert, 1635 brannten kaiserliche Truppen sie im Dreißigjährigen Krieg nieder, und im August 1689 befestigten französische Soldaten aus Neustadt sie im Pfälzischen Erbfolgekrieg noch einmal etwas. Danach blieb sie Ruine. Als gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal steht sie im Verzeichnis der Kulturdenkmäler der Stadt Neustadt an der Weinstraße.
Im 18. Jahrhundert diente die Ruine den Neustadtern als Steinbruch; aus ihren Steinen wurde eine Papiermühle unterhalb der Burg errichtet. 1846 machte der Neustadter Verschönerungsverein die Ruine zugänglich, und 1848 fand dort ein Erinnerungsfest an das Hambacher Fest von 1832 statt, bei dem Philipp Hepp eine Rede hielt und die schwarz-rot-goldene Fahne gehisst wurde. Das Fest selbst beschreibt die Seite Hambacher Fest 1832. 1852 kaufte die Gemeinde Haardt die Anlage.
Wie lassen sich die Anlagen auf einem Spaziergang verbinden?
Die Anlagen liegen alle am Haardtrand oberhalb des Dorfes. Wer von Haardt aus geht, kommt zur Dr.-Welsch-Terrasse am Kübelweg, von dort über den Sonnenweg zur Wolfsburg. Die Wolf’schen Anlagen mit den Fundamenten der Eremitage und der Terrasse des Schweizerhauses schließen als Waldpark am Herrschaftsberg an. Wege führen vom Ort in die Weinberge und in den Pfälzerwald. Über den Haardtrand führt der Fernwanderweg Wanderweg Deutsche Weinstraße; weitere Routen durch die Reben zeigt die Seite Weinwanderungen.
Häufige Fragen zu den Wolf’schen Anlagen in Haardt
Woher kommt der Name Wolf’sche Anlagen?
Von der Heirat 1837 zwischen Maria Luise, der Tochter des Bankiers Grohe-Henrich, und dem Wachenheimer Gutsbesitzer Wolf.
Wie groß ist der Waldpark?
Rund 5 Hektar, angelegt in den 1830er und 1840er Jahren nach dem Vorbild des englischen Landschaftsgartens.
Was ist von der Eremitage und dem Schweizerhaus erhalten?
Fundamente. Die Eremitage von um 1840 verfiel nach 1952, das Schweizerhaus brannte am 15. Februar 1962 ab.
Wem gehört das Gelände?
Seit 2015 der Stadt Neustadt an der Weinstraße.
Ist die Anlage ein Kulturdenkmal?
Nein. Ein Großteil des Geländes steht aber als Biotop „Wärmeliebender Eichenwald“ unter Schutz.
Wer legte die Dr.-Welsch-Terrasse an?
Der protestantische Pfarrer Dr. Theodor Welsch (1842 bis 1909). Er vermachte die rund 12.000 Quadratmeter große Terrasse der Stadt Neustadt.
Quellen: KuLaDig: Waldpark Wolf’sche Anlagen am Haardtrand; KuLaDig: Fundamente der Eremitage in den Wolf’schen Anlagen; KuLaDig: Fundamente des Schweizerhauses in den Wolf’schen Anlagen; KuLaDig: Burgruine Wolfsburg bei Neustadt an der Weinstraße; Stadt Neustadt an der Weinstraße: Dr.-Welsch-Terrasse; Stadt Neustadt an der Weinstraße: Haardt. Stand: November 2026.