Land & Leute
Verschwundene Orte im Pfälzerwald: Glashütte, Pechhütte und Höfe
Glashütte, Pechhütte, Mühle, Höfe und ein Schloss: neun verschwundene Orte im Pfälzerwald und wovon die Menschen dort lebten

Kurz gesagt
Wüstungen sind Siedlungen, die verschwunden sind. Im Pfälzerwald waren es einsame Glashütten, Pechhütten, Mühlen, Höfe und ein Schloss, die zwischen dem frühen 17. Jahrhundert und 1951 aufgegeben wurden. Von den meisten blieben nur Mauerreste, Waldabteilungsnamen oder ein Gedenkstein. Neun Orte zwischen Eulental, Moosalbtal und Mundatwald zeigen, wovon die Menschen im Wald lebten und warum sie wieder gingen.
Was ist eine Wüstung im Pfälzerwald?
Eine Wüstung ist ein Ort, der einmal bewohnt oder bewirtschaftet war und heute nicht mehr besteht. Im Pfälzerwald sind es keine Dörfer im klassischen Sinn, sondern Einzelgebäude und kleine Gruppen von Häusern an abgelegenen Stellen: Hütten für ein Gewerbe, Mühlen an einem Bach, Höfe auf gerodeten Lichtungen, ein Jagdschloss am Fuß einer Burg. Das große zusammenhängende Waldgebiet bot Holz, Wasser und Sand, aber wenig fruchtbaren Boden. Wer dort dauerhaft wohnen wollte, musste vom Wald oder vom Bach leben, und wenn das Gewerbe endete, endete auch die Siedlung.
Viele dieser Orte sind auf der Landkarte nicht mehr zu finden. Dass man sie kennt, geht auf eine Reihe von Gedenksteinen zurück, die der Pfälzerwald-Verein ab 1910 aufstellte, die Rittersteine. Sie tragen als Inschrift den Namen des verschwundenen Ortes und das Kürzel PWV für den Pfälzerwald-Verein. Mehr über diese Steine, ihre Entstehung und ihre anderen Gruppen steht auf der Seite Rittersteine im Pfälzerwald. Die vorliegende Seite geht den Orten selbst nach: Was stand hier, wer arbeitete hier, und was ist übrig geblieben?
Gemeinsam ist den Orten die Lage. Sie liegen in Seitentälern, an Quellen, an Weggabelungen im Forst und weit von den Straßen entfernt, die heute durch den Wald führen. Wo einmal Gärten und Felder waren, wachsen heute Buchen und Kiefern. Mauerreste, ein Brunnen oder der Name einer Waldabteilung zeigen, dass dort einmal Menschen wohnten.
Wo stand die Glashütte bei Mölschbach?
Im Eulental südlich von Mölschbach, früher Westerbachtal genannt, erinnert ein Stein mit der Inschrift „Glashütte 1767“ an die älteste von drei Glashütten bei Mölschbach. Der Glasmacher Georg Greyner erhielt im Jahr 1602 die Erlaubnis, im Falkensteiner Waldgebiet, das zur Burg Wilenstein gehörte, für 20 Jahre eine Glashütte zu betreiben. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde die Hütte zerstört und danach wieder aufgebaut. 1767 gab man sie endgültig auf, und sie verfiel.
Der Pfälzerwald bot für dieses Gewerbe, was es brauchte: Holz in großen Mengen für die Schmelzöfen, Sand und quarzreiches Gestein als Rohstoff. Auf dem Gedenkstein sind Knollen aus quarzreichem Gestein zu sehen. Sie erinnern an den wichtigsten Bestandteil der Glasherstellung.

Was ist die Pechhütte im Leinbachtal?
Auf halber Strecke zwischen Waldleiningen und Frankenstein steht an einem Waldweg der Stein „Pechhütte“. Er liegt dort, wo das Esthaler Tal in das Ungertal mündet, ein südliches Seitental des Leinbachtals. Wenige Zehnermeter nördlich entspringt der Ungerbach, der etwa 300 Meter weiter in den Leinbach mündet.
Der Stein markiert den Standort einer Pechhütte mit Harzofen. Aus dem Harz der Kiefern wurde dort Pech gewonnen. Gegenüber dem Stein steht das Ungerhäuschen, ein kleines Massivhaus mit einer Fensteröffnung, das im Jahr 1903 als zeitweilige Unterkunft für die Baumharzernte errichtet wurde. Der Ungerbach wird im Ungerbrunnen gefasst, und in unmittelbarer Nähe des Brunnens steht eine Jagdhütte, die der Förster Schönlaub erbaut hat. Am Ungerhäuschen verläuft die Markierung Weiß-Blauer-Strich des Pfälzerwald-Vereins.
Im Leinbachtal gehören damit zwei Zeugnisse der Harznutzung zusammen: die Pechhütte mit dem Harzofen und das Ungerhäuschen von 1903, das den Erntehelfern der Baumharzernte als Unterkunft diente.
Warum scheiterte das Axershäuschen bei Kaiserslautern?
Im Hungerbrunnental westlich der Landstraße 504 zwischen Kaiserslautern und Waldleiningen lag zwischen dem Spitzrain und dem Großen Steinberg das Axershäuschen. 1811 errichtete der frühere Kaiserslauterer Brunnenmacher Christian Axer im Stiftsgut zwischen Lauterspring und Hungerbrunnen ein kleines Häuschen. Der damalige Stiftsschaffner Herscher wollte das Tal fruchtbar machen. Geplant waren das Trockenlegen der Weiher und das Abtragen mehrerer Sandhügel. Das war kaum umsetzbar, denn der Hungerbrunnen führt nur unregelmäßig Wasser und hätte keine verlässliche Bewässerung ermöglicht. Das Vorhaben scheiterte.
Bis 1813 verpachteten die Franzosen das Tal an den Hirtenmeister Johann Fuß aus Kaiserslautern, der es als Viehweide nutzte. Danach erwarb Axer sein früheres Grundstück zurück und baute 1824 auf seinem Waldgebiet ein Wohnhaus, in dem er mit seiner Familie lebte. Daher steht das Jahr 1824 im Namen des Steins. Das Klima erschwerte die Viehhaltung, und Land- und Viehwirtschaft blieben ohne Erfolg. 1864 erwarb der Staat das Grundstück von Axer. Das Gebäude diente später als Wohnung eines Schlaghüters, wie im Pfälzischen ein Waldhüter heißt.
1951 wurden die Gebäude abgerissen. Im selben Jahr wurde das Gebiet Teil der Wasserschutzzone der oberen Lauter, aus der Kaiserslautern seitdem sein Trinkwasser bezieht. Der Stein „Axershäuschen 1824–1951“ steht seit 1995 gegenüber dem Tor der Umzäunung am Wanderweg, nicht mehr am ursprünglichen Platz des Anwesens. Das nahe Axertal trägt den Namen des Brunnenmachers.
Die Geschichte zeigt, woran Siedler im Wald scheiterten: an Boden, Wasser und Klima. Wer dort Landwirtschaft betreiben wollte, brauchte mehr als ein Haus und gute Absichten. Näheres zur Stadt bietet die Seite Kaiserslautern.
| 1811 | Christian Axer baut ein kleines Häuschen im Stiftsgut |
|---|---|
| 1824 | Wohnhaus auf dem Waldgrundstück |
| 1864 | Der Staat erwirbt das Grundstück |
| 1951 | Abriss und Eingliederung in die Wasserschutzzone |
Was bedeutet die Hexlerhütte bei Erlenbach?
Der Stein „Hexlerhütte“ steht südlich der Ortslage Erlenbach, westlich der Straße und etwas verborgen im Unterholz. Es ist ein Sandsteinfindling, oben abgeflacht und seitlich rund auslaufend. Das Erlenbachtal liegt südwestlich des Dorfes Speyerbrunn. Der Name Hexlerhütte ist auf einer Karte von 1788 verzeichnet.
In der Umgebung liegen mehrere Orte, die zur Holztrift gehörten: die Hexlerklause, ein Woog beim Hof Erlenbach, die Waldabteilung Hexlereck unweit nordöstlich von Erlenbach und der Augustenwoog am Erlenbach. Wie die Wooge funktionierten und was am Erlenbach erhalten ist, beschreibt die Seite Holztrift im Pfälzerwald.
Was blieb von der Wüstmühle bei Hermersbergerhof?
An der Quelle des längsten Quellbachs des Kaltenbachs steht der Stein „R. Wüstmühle“. Der Kaltenbach fließt in den Wellbach, der zum Einzugsgebiet der Queich gehört. Der Quellbach heißt Wüstbach, nach der Wüstmühle. Hermersbergerhof liegt wenige hundert Meter Luftlinie entfernt, rund 150 Meter höher als die Quelle.
Die Ruine der Wüstmühle war eine Mahl- und Sägemühle, die bis 1845 in Betrieb war. Noch während der Mühlenzeit begann die Trift von Brennholz. Der Wüstmühlwoog, ein Damm einige hundert Meter unterhalb der Quelle, lieferte die Wasserkraft, um Holz in Richtung Annweiler und in die Rheinebene zu treiben. Der Stein wurde 1910 und 1912 erstmals aufgestellt und ist in der Liste der Rittersteine vom Juni 1912 als Stein im Kaltenbachtal verzeichnet, zugleich Pumpwerk der Wasserleitung zum Hof.
Die Quelle ist bis heute ergiebig. Schon 1912 gab es ein Pumpwerk, das Wasser rund 150 Meter hinauf nach Hermersbergerhof beförderte. Das Trinkwasser des Ortes stammt aus der Wüstmühlquelle, und auf der Lichtung stehen ein Brunnen und das Pumpwerk. Die Sandsteinplatte mit der Inschrift ist mehr als einen Meter breit und in die Vorderwand des Pumpwerks aus Sandsteinquadern eingebaut. Die Inschrift ist in der für Rittersteine typischen goldenen Farbe nachgezogen; das Kürzel PWV fehlt. Das heutige Pumpwerk wurde verändert oder erweitert: Der Sturz des Eingangs trägt die Jahreszahl 1976, ein zugemauerter früherer Eingang die Jahreszahl 1967.

Welcher Hof stand am Mosisberg?
Nördlich von Hofstätten unter dem Mosisberg bei Wilgartswiesen steht der Stein „Mosisbruch“. Er markiert die Stelle eines einsamen Hofs, von dem nur noch Mauerreste erhalten sind. Der Waldhof bestand aus zwei Häusern. Der Name leitet sich vom nahen Mosisberg ab, der früher auch Moschberg oder Mosberg hieß.
Zu Baujahr, Abriss und weiteren Gebäuden liegen keine gesicherten Angaben vor. Der Hof gehört zu den Orten, die sich nur noch am Namen und an wenigen Steinen im Boden erkennen lassen. Hauenstein und das Wilgartswiesener Land mit der Burg Falkenburg liegen in der Nähe.
Was geschah mit dem Schloss Neu-Falkenburg?
Am Fuß des Schlossbergs, östlich der Ruine der Falkenburg, steht am westlichen Ortsausgang von Wilgartswiesen der Stein „R. Neu-Falkenburg“. Er steht an der Mündung der Tiergartenstraße in die Hauptstraße. Gegenüber zweigt die Kreisstraße 38 in Richtung Hauenstein ab. Den ursprünglichen Stein ersetzte man 2008 durch einen neuen.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 zerstörten die Franzosen zahlreiche Burgen in der Pfalz. Auch die Falkenburg bei Wilgartswiesen wurde zerstört und blieb Ruine. Die Grafen von Leiningen, die früheren Burgherren, kehrten nach dem Krieg zurück und errichteten am Fuß der zerstörten Burg ein neues Schloss, Neu-Falkenburg. In den Koalitionskriegen von 1792 bis 1815, die aus der Französischen Revolution hervorgingen, zerstörten die Franzosen 1793 auch dieses Schloss. Reste sind nicht mehr vorhanden. Der Stein steht auf dem früheren Standort.
Das Beispiel zeigt eine andere Art der Wüstung als die Hütten und Höfe: einen Bau, der von Kriegen zerstört wurde und danach nicht wieder entstand. Die Geschichte der Burgen der Region schildert die Seite Burgengeschichte der Pfalz.

Warum scheiterte der Amoenenhof im Moosalbtal?
Im oberen Moosalbtal bei Trippstadt steht östlich des Gutenbrunnerhofs direkt neben einem breiten Wanderweg der Stein „R. Amoenenhof“, ein Sandsteinfindling zwischen den Eingängen zur Kurz-Dell und zur Ehe-Halde. Im 18. Jahrhundert ließ Freiherr Karl Theodor von Hacke, der 1792 starb, dort eine Hofanlage errichten. Er war der dritte und letzte kurpfälzische Oberforstjägermeister und setzte die forstlichen Interessen seines Vaters Franz Karl Josef von Hacke (1727 bis 1780) fort.
Im oberen Moosalbtal ließ er Wiesen entwässern, Wald roden und einen neuen Bauernhof anlegen. Benannt wurde der Hof nach seiner Mutter, Freiin Amöne Marie C. J. von Sturmfeder von und zu Oppenweiler (1723 bis 1752). Das Wort „amoene“ stammt aus dem Mittellatein und bedeutet lieblich oder schön. Doch Nebel, Frost sowie sumpfiger, magerer Boden machten die Landwirtschaft schwierig. Der Betrieb wurde bald eingestellt und der Hof verlassen.
Heute erinnern der Name der Waldabteilung und der Stein an den Hof. Die frühere Wiesennutzung ist im Umfeld noch andeutungsweise erkennbar. Die Familie von Hacke hinterließ im Pfälzerwald weitere Spuren, darunter einen 1737 erbauten Weg. Den Ort Trippstadt und seine Umgebung stellt die gleichnamige Seite vor.
Was war der Buchbacherhof am Guttenberg?
Südwestlich der Burgruine Guttenberg liegt im Buchbachtal mitten im Mundatwald der Stein „R. Buchbacherhof“. Der Buchbacherhof, auch die Buchbacherhäuser genannt, war ein Tagwerk, also ein kleines landwirtschaftliches Anwesen. Heute sind nur noch spärliche Überreste vorhanden. 1846 verkauften die Hofbesitzer ihre Häuser an den Staat, weil Ländereien und Häuser ertragsarm und minderwertig geworden waren.
Der Fall steht neben dem Axershäuschen und dem Amoenenhof: Immer wieder gaben die Siedler auf, weil der Waldboden nicht genug hergab. Der Staat kaufte die Gebäude und ließ die Flächen wieder zu Wald werden. Mit der Rückkehr des Waldes verschwanden die Gärten und Felder, die die Familien dort angelegt hatten.
Wie findet man die Orte heute?
Die neun Orte lassen sich auf Wanderungen im Pfälzerwald verbinden. Das Eulental bei Mölschbach, das Leinbachtal bei Waldleiningen und das Hungerbrunnental bei Kaiserslautern liegen im Norden, das Erlenbachtal bei Speyerbrunn und das Moosalbtal bei Trippstadt in der Mitte, Hermersbergerhof, Wilgartswiesen und der Mundatwald im Süden. Rundwege und markierte Strecken führen oft an den Steinen vorbei, viele stehen an Waldwegen mit den Zeichen des Pfälzerwald-Vereins. Anregungen für Touren liefern die Seiten Rundwanderungen und Johanniskreuz.
Wer die Orte besucht, findet selten mehr als Reste und einen Stein. Das Gelände ist Wald, ein Teil davon Wasserschutzgebiet. Wanderer bleiben auf den Wegen und nehmen nichts mit.
Häufige Fragen zu verschwundenen Orten im Pfälzerwald
Was ist eine Wüstung?
Eine Wüstung ist eine Siedlung, die aufgegeben wurde und nicht mehr besteht. Im Pfälzerwald sind es meist einzelne Hütten, Mühlen, Höfe oder Gebäude, von denen nur Mauerreste oder Namen blieben.
Warum wurden so viele Hofstellen im Wald aufgegeben?
Der Boden war mager, das Klima rau, Nebel und Frost erschwerten die Landwirtschaft. Beim Axershäuschen, beim Amoenenhof und beim Buchbacherhof blieb der Erfolg aus, bis die Siedler oder der Staat die Höfe aufgaben.
Wann wurde die Glashütte bei Mölschbach aufgegeben?
Georg Greyner erhielt 1602 die Erlaubnis für 20 Jahre. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Hütte zerstört und wieder aufgebaut. 1767 gab man sie endgültig auf.
Wofür brauchte man Pech?
Pech wurde aus dem Harz der Kiefern gewonnen. Im Leinbachtal stand dafür eine Pechhütte mit Harzofen, und 1903 entstand dort das Ungerhäuschen für die Baumharzernte.
Was geschah mit dem Schloss Neu-Falkenburg?
Die Grafen von Leiningen bauten es nach der Zerstörung der Falkenburg am Fuß der Burg. 1793 zerstörten die Franzosen auch dieses Schloss.
Was ist aus dem Gelände des Axershäuschens geworden?
Das Gebiet ist seit 1951 Teil der Wasserschutzzone der oberen Lauter, aus der Kaiserslautern sein Trinkwasser bezieht.
Quellen: KuLaDig: Ritterstein Glashütte 1767; KuLaDig: Ritterstein Pechhütte; KuLaDig: Ritterstein Axershäuschen; KuLaDig: Ritterstein Hexlerhütte; KuLaDig: Ritterstein R. Wüstmühle; KuLaDig: Ritterstein Mosisbruch; KuLaDig: Ritterstein R. Neu-Falkenburg; KuLaDig: Ritterstein R. Amoenenhof; KuLaDig: Ritterstein R. Buchbacherhof. Stand: November 2026.