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Nachbarregionen

Saarpfalz und Bliesgau: die Pfalz im Saarland

Vom Rheinkreis zum Saarland: Homburg, Blieskastel und der Bliesgau

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am Saarland · Kreisstadt Homburg

Streuobstwiesen und sanfte Hügel im Frühling
Saarpfalz Streuobstwiesen im Frühling. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Saarpfalz ist der Teil der früheren bayerischen Pfalz, der 1920 zum Saargebiet kam und heute den Saarpfalz-Kreis im Saarland bildet. Kreisstadt ist Homburg; zum Kreis gehören Blieskastel und St. Ingbert sowie große Teile des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau mit seinen Streuobstwiesen.

Was ist die Saarpfalz, und gehört sie zur Pfalz?

Die Saarpfalz gehört geografisch und kulturell zur alten Pfalz, politisch aber seit 1920 zum Saarland. Der Name bezeichnet das Gebiet um Homburg, St. Ingbert und Blieskastel, das bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil der bayerischen Pfalz war. Der heutige Saarpfalz-Kreis ist Rechtsnachfolger der früheren Landkreise Homburg und St. Ingbert und entstand bei der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974; die Schreibweise „Saarpfalz-Kreis“ gilt seit 1989.

Wer von der Pfalz im Sinn dieses Portals spricht, meint die Region mit acht Städten und acht Landkreisen im Süden von Rheinland-Pfalz; die Saarpfalz zählt nicht dazu. Verbunden bleibt sie aber durch den rheinfränkischen Dialekt, die Bahnstrecke von Homburg nach Kaiserslautern und die benachbarte Stadt Zweibrücken, die in der Pfalz liegt. Alle Nachbarregionen im Überblick zeigt die Seite Nachbarregionen der Pfalz.

Wie kam die Saarpfalz zum Saarland?

Durch den Versailler Vertrag, der im Januar 1920 in Kraft trat. Zuvor gehörten die Bezirksämter Homburg und St. Ingbert zur bayerischen Pfalz; das Bezirksamt Homburg ging 1818 aus einem Landkommissariat hervor und wurde 1862 zum Bezirksamt, 1902 wurde aus Teilen des Bezirksamts Zweibrücken das Bezirksamt St. Ingbert gebildet. Der Versailler Vertrag schuf das Saargebiet unter der Verwaltung des Völkerbunds, und der bayerische Anteil aus dem Bezirksamt St. Ingbert und Teilen der Bezirksämter Homburg und Zweibrücken, ohne die Stadt Zweibrücken, mit 55 Gemeinden erhielt damals erstmals den Namen Saarpfalz.

JahrEreignisFolge
1818Landkommissariat Homburgspäter Bezirksamt, 1862
1902Bezirksamt St. Ingbert gebildetaus Teilen von Zweibrücken
1920Saargebiet unter Völkerbund, Name Saarpfalz55 bayerische Gemeinden betroffen
1935Rückkehr ins Deutsche Reich nach der SaarabstimmungName Saarland
1974GebietsreformSaarpfalz-Kreis aus Homburg und St. Ingbert
1989Schreibweise geändertaus Saar-Pfalz-Kreis wird Saarpfalz-Kreis
2009UNESCO erkennt Bliesgau anBiosphärenreservat

Nach der Saarabstimmung kam das Saargebiet am 1. März 1935 zum Deutschen Reich zurück, 1941 wurde die Bezeichnung in Westmark geändert. Nach 1945 lag das Gebiet in der französischen Besatzungszone; der Weg zum heutigen Land Saarland ist eine eigene Geschichte, die hier nicht ausgeführt wird. Die frühere Zugehörigkeit zur Pfalz und zum Königreich Bayern beschreibt die Seite zur bayerischen Pfalz, die Einordnung in die Landesgeschichte steht bei der Geschichte der Pfalz.

Eine Verbindung zum pfälzischen Aufbruch von 1832 besteht in Homburg: Das Siebenpfeifferhaus erinnert an Philipp Jakob Siebenpfeiffer, einen der Organisatoren des Hambacher Fests, und die Stadt hat dort eine rund 200 Jahre alte Druckerpresse wieder in Betrieb genommen.

Große Sandsteinhöhle mit roten und gelben Gesteinsschichten
Höhle Halle einer Sandsteinhöhle. Symbolbild

Was ist das Biosphärenreservat Bliesgau?

Ein Großschutzgebiet von rund 36.152 Hektar im Südosten des Saarlandes, von der UNESCO im Mai 2009 anerkannt. Es erstreckt sich über etwa 14 Prozent der Landesfläche, umfasst nach den Angaben des Biosphärenreservats rund 90 Prozent des Saarpfalz-Kreises und grenzt an Frankreich und Rheinland-Pfalz. Zum Reservat gehören die Gemeinden Gersheim, Mandelbachtal, Kirkel und Kleinblittersdorf, die Städte Blieskastel und St. Ingbert sowie Teile von Homburg; die Verwaltung sitzt in Blieskastel.

Die Schutzzonen sind abgestuft: Die Kernzone ist 1.201 Hektar groß und seit 2007 nicht mehr genutzt, die Pflegezone umfasst 7.243 Hektar, der Rest ist Entwicklungszone. Im Reservat leben rund 290 Menschen je Quadratkilometer, mehr als im Durchschnitt deutscher Biosphärenreservate. Besonders ist die Artenvielfalt: Etwa 80 Prozent des saarländischen Steinkauz-Bestands leben hier, auf den Kalk-Halbtrockenrasen wachsen fast die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Orchideenarten, und seit 1999 sind Biber wieder an der Blies heimisch. Prägend für die Landschaft sind Streuobstwiesen, auf die das Reservat besonders hinweist. Auskünfte, Karten und Veranstaltungen gibt der Biosphärenzweckverband mit Sitz am Paradeplatz in Blieskastel.

Was lohnt sich in Homburg?

Vor allem die Schlossberghöhlen, ein unterirdisches Gangsystem im Buntsandstein, das als größte Buntsandsteinhöhlen Europas beworben wird. Der Rundgang auf eigene Faust führt über 800 Meter durch den Berg und dauert etwa 40 bis 50 Minuten. Der Thronsaal liegt 47 Meter unter dem Schlossberghotel. Nach der Website der Homburger Schlossberghöhlen ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet (letzter Einlass 16 Uhr), von November bis März von 10 bis 16 Uhr (letzter Einlass 15 Uhr), im Dezember und Januar bleiben die Höhlen geschlossen. Erwachsene zahlen 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Familien 17 Euro, Kinder unter 6 Jahren nichts; bezahlt wird nur bar (Stand Oktober 2026). Ein Kombiticket mit dem Römermuseum Schwarzenacker kostet für Erwachsene 10 Euro. Das Römermuseum im Homburger Stadtteil Schwarzenacker widmet sich der römischen Vergangenheit der Gegend; seine Öffnungszeiten erfragen Sie bitte bei der Stadt.

Homburg ist Kreis- und Universitätsstadt mit knapp 42.500 Einwohnern und liegt rund um den Schlossberg. Von hier aus lassen sich Zweibrücken und die Pfalz auf kurzen Wegen erreichen; mehr zum Nachbarort steht auf der Seite Zweibrücken.

Was gibt es in Blieskastel und Gersheim zu sehen?

In Blieskastel eine geschlossene barocke Altstadt, in Gersheim einen archäologischen Park an der französischen Grenze. Blieskastel liegt in der Mitte des Biosphärenreservats im Tal der Blies. Der Ensemblebereich Alt-Blieskastel steht in großen Teilen unter Denkmalschutz; im Zentrum liegt der Paradeplatz mit historischen Fassaden und Brunnen. Zu den Stationen eines Rundgangs zählen das historische Rathaus, die Orangerie und die Schlosskirche. Mit dem Barock verbindet die Stadt den Namen der Gräfin Marianne von der Leyen, die ab 1775 die Altstadt prägte; der Mariannenweg ist ein Wanderweg durch die Altstadt und die Umgebung. Auf dem Weg liegen nach Wanderbeschreibungen der Gollenstein, ein vorgeschichtlicher Menhir, und der Niederwürzbacher Weiher; die Tourist-Information in Blieskastel nennt Ihnen aktuelle Stadtführungen und Wegzustände.

Der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim in Gersheim-Reinheim liegt im Biosphärenreservat unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Das Freigelände ist ganzjährig ohne Eintritt zugänglich; die Museen sind in der Saison 2026 vom 15. März bis 31. Oktober geöffnet, montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder bis 16 Jahre nichts (Stand Oktober 2026). Die Zeiten für 2027 veröffentlicht der Kulturpark.

Wie plant man einen Besuch in der Saarpfalz?

Am einfachsten als Tagesausflug aus der Westpfalz oder aus Zweibrücken. Homburg erreichen Sie per Bahn auf der Strecke Kaiserslautern–Saarbrücken; für Blieskastel, Gersheim und die Orte des Bliesgaus sind Bus und Auto die praktischere Wahl. Verbindungen prüfen Sie auf der Seite Mit Bus und Bahn durch die Pfalz, bevor Sie losfahren.

Ein Wort zur Jahreszeit: Die Schlossberghöhlen schließen im Dezember und Januar, der Kulturpark öffnet seine Museen erst wieder ab Mitte März. Im Winterhalbjahr eignen sich deshalb Altstadt und Landschaft des Bliesgaus besser; für Regentage finden Sie weitere Ziele auf der Seite Wetter und Ausflugsziele bei Regen.

Eine sinnvolle Reihenfolge: Vormittags die Schlossberghöhlen in Homburg, nachmittags die Altstadt von Blieskastel, bei mehr Zeit der Kulturpark in Reinheim. Mit dem Rad lassen sich die Täler der Blies erkunden; auf dem Bliestal-Freizeitweg radelt man naturnah.

Häufige Fragen zur Saarpfalz

Ist die Saarpfalz ein eigenes Bundesland?

Nein. Die Saarpfalz ist ein Kreis im Saarland, dessen Name an die frühere Zugehörigkeit zur Pfalz erinnert.

Wie viele Einwohner hat der Saarpfalz-Kreis?

Rund 142.000; die Arbeitskammer des Saarlandes nennt für Ende 2022 rund 142.400. Die Fläche beträgt je nach Quelle 417 bis 418 Quadratkilometer.

Was ist das Besondere am Bliesgau?

Die Kombination aus Streuobstwiesen, Kalkhalbtrockenrasen und Auen. Sie macht das Gebiet zu einem Lebensraum für Steinkauz, Orchideen und Biber.

Kann man die Schlossberghöhlen ohne Führung besichtigen?

Ja. Nach der Website der Höhlen dauert ein Rundgang auf eigene Faust etwa 40 bis 50 Minuten. Für Gruppen ab zehn Personen sind Führungen in Deutsch, Englisch und Französisch möglich; sie müssen angemeldet werden.

Wo bekomme ich Informationen zum Biosphärenreservat?

Beim Biosphärenzweckverband Bliesgau in Blieskastel, Paradeplatz 4, und auf dessen Website. Dort stehen Karten, Zahlen zu den Schutzzonen und Hinweise zu Veranstaltungen.

Quellen: Biosphärenreservat Bliesgau: Zahlen, Fakten; Saarpfalz-Kreis; Homburger Schlossberghöhlen; Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim; Stadt Blieskastel; Stadt Homburg; Arbeitskammer des Saarlandes: Kreisreport; Wikipedia: Saarpfalz-Kreis. Stand: Oktober 2026.