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Land & Leute

Kultur in der Pfalz: Bräuche, Musik, Literatur und Museen

Brauchtum, Wandermusikanten, Bühnen und Museen zwischen Speyer und Kusel

Stand: · 8 Min. Lesezeit

Leere Bühne mit Vorhang in einer alten Festhalle mit Holzstühlen und hohen Fenstern
Festhalle Festhalle vor der Vorstellung. Symbolbild

Kurz gesagt

Die Kultur der Pfalz reicht vom Brauchtum im Jahreslauf mit Sommertagszug, Geißbockversteigerung und Kerwe über die Westpfälzer Wandermusikanten bis zu Theatern und Museen von Rang, etwa in Speyer, Kaiserslautern und Ludwigshafen. Viele Häuser trägt der Bezirksverband Pfalz, darunter das Pfalztheater und das Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern.

Welche Bräuche prägen das Jahr in der Pfalz?

Das Brauchtumsjahr der Pfalz beginnt mit der Fastnacht und endet mit den Martinsumzügen im November; dazwischen liegen Frühlingsbräuche, Pfingstfeste und die Kerwe, die Kirchweih. Viele Bräuche hängen am Kirchenjahr, andere an alten Rechten oder am Weinbau. Die Weinfeste, die eigene Tradition haben, verzeichnet der Weinfest-Kalender der Pfalz.

ZeitBrauchWas passiert
Februar oder MärzFastnachtSitzungen, Umzüge und Kinderfastnacht in vielen Städten und Dörfern
Sonntag Laetare, drei Wochen vor OsternSommertagszug, StabausKinderumzug, bei dem der Sommer den Winter vertreibt
PfingstenGeißbockversteigerung DeidesheimLambrecht liefert einen Bock, der am Pfingstdienstag vor dem Rathaus versteigert wird
Frühjahr bis HerbstWeinfesteAusschank in Höfen und auf Plätzen, oft von Vereinen getragen
vor allem Spätsommer und HerbstKerweKirchweihfest mit Umzug, Ausschank, Fahrgeschäften und Kerweredd
um den 11. NovemberMartinsumzügeLaternenumzüge der Kinder, vielerorts mit Martinsfeuer

Der Sommertagszug ist ein Frühlingsbrauch der Kurpfalz und ihrer Nachbargebiete. Am Sonntag Laetare ziehen Kinder mit bunt beklebten Stecken durch den Ort, auf deren Spitze eine süße Sommertagsbrezel steckt; vielerorts wird zum Abschluss eine Strohfigur als Sinnbild des Winters verbrannt. Schon Liselotte von der Pfalz erwähnte in ihren Briefen das dazugehörige Lied „Stroh, Stroh, Stroh“. In der Pfalz feiern unter anderem Altrip, Bellheim, Neuleiningen, Großkarlbach und mehrere Ortsteile von Bad Dürkheim; im Leiningerland und an der Mittelhaardt heißt der Umzug oft Stabaus.

Ein Rechtsbrauch steckt hinter der Geißbockversteigerung von Deidesheim. Über Jahrhunderte musste die Stadt Lambrecht für Weiderechte im Wald des Weinorts Deidesheim jedes Jahr einen Geißbock abliefern. Heute übergibt Lambrecht den Bock am Freitag vor Pfingsten dem jüngsten Brautpaar der Stadt, das ihn beim Geißbockmarsch nach Deidesheim bringt. Am Pfingstdienstag wird er nach einem Historienspiel vor dem Historischen Rathaus versteigert, laut Stadt Deidesheim mit Beginn um 17:45 Uhr und Zuschlag mit dem letzten Glockenschlag um 18 Uhr. Seit 2025 steht die Geißbocktradition zwischen Lambrecht und Deidesheim im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Die Kerwe ist ursprünglich das Fest zum Weihetag der Dorfkirche. Gefeiert wird mit Umzug, Musik und Ausschank. Vielerorts gehört die Kerweredd dazu, eine Rede in pfälzischer Mundart, die mit Humor auf das Ortsgeschehen des vergangenen Jahres zurückblickt; in Deidesheim etwa eröffnen die Kerwebuwe die Weinkerwe mit Kerweredd und dem Stellen des Kerwebaums. Wer die kirchlichen Wurzeln der Kerwe und anderer Feste sucht, findet sie auf der Seite über Religion und Kirchen.

Wer waren die Westpfälzer Wandermusikanten?

Die Wandermusikanten waren Musiker aus den Dörfern um Kusel und Kaiserslautern, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in Kapellen um die Welt reisten, weil die Landwirtschaft zu Hause nicht genug abwarf. Nach Angaben des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde führten monatelange Tourneen nach England, in die USA, nach Brasilien, Russland und China; als „German Bands“ waren die Kapellen international bekannt. Das Pfälzer Musikantenland-Museum auf Burg Lichtenberg schätzt, dass in der Blütezeit um 1900 jährlich 2.500 bis 3.000 Musikanten unterwegs waren.

Ursachen waren Überbevölkerung, Missernten und die Realerbteilung, die die Höfe immer kleiner machte. Seit der Franzosenzeit galt Gewerbefreiheit, und ab etwa 1800 taucht in den Standesamtsakten die Berufsbezeichnung „musicien“ auf. Zentren waren Mackenbach und Jettenbach; zeitweise soll ein Viertel der Mackenbacher Einwohner als Musikant gearbeitet haben. Einige wurden bekannt, etwa Georg Drumm aus Erdesbach, der in den 1930er Jahren am Broadway in New York als Kapellmeister wirkte. Mit dem Geld aus der Fremde unterstützten die Musiker ihre Familien; in den alten Musikantendörfern stehen bis heute ihre Häuser.

Zwei Museen erzählen die Geschichte. Das Pfälzer Musikantenland-Museum auf Burg Lichtenberg bei Kusel, 1980 bis 1982 aufgebaut, ist seit Mai 2026 neu eingerichtet, mit Dokumenten, Instrumenten und Mitmachstationen. In Mackenbach widmet sich das Westpfälzer Musikantenmuseum dem Thema. Die musikalische Tradition lebt in Musikvereinen, Blaskapellen und Chören weiter, die bei Kerwe und Weinfest selbstverständlich dazugehören. Der berühmteste Musiker aus der Region ist der Tenor Fritz Wunderlich aus Kusel.

Welche Bühnen und Festivals gibt es?

Die größte Bühne der Region ist das Pfalztheater in Kaiserslautern, das einzige Dreispartentheater der Pfalz mit Oper, Schauspiel und Tanz in Trägerschaft des Bezirksverbands Pfalz. Ludwigshafen hat mit dem Theater im Pfalzbau ein großes Gastspielhaus für Schauspiel und Tanz, das auch die Festspiele Ludwigshafen ausrichtet. In Herxheim bei Landau spielt das Chawwerusch Theater, ein professionelles Kollektiv, das 1984 als Wandertheater im Odenwald begann; im eigenen Saal finden 130 Gäste Platz, im Sommer zieht es mit Freilichtaufführungen über Land.

Das bekannteste Festival ist das Festival des deutschen Films auf der Ludwigshafener Parkinsel, das seit 2005 jeden Spätsommer in Kinozelten am Rhein stattfindet. Die 22. Ausgabe lief vom 19. August bis 6. September 2026; die Veranstalter melden rund 135.000 verkaufte Tickets. Hinzu kommen Konzerte in Dom und Gedächtniskirche in Speyer, Sommerkonzerte in der Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim sowie die Bockenheimer Mundarttage, bei denen der pfälzische Dialekt auf der Bühne steht. Auf Burgen und Weingütern finden im Sommer zahlreiche Konzerte statt; die Programme ändern sich jährlich.

Welche Museen und Kunstsammlungen lohnen sich?

Die bedeutendsten Museen der Pfalz stehen in Speyer: das Historische Museum der Pfalz und das Technik Museum. Für Kunst sind Kaiserslautern, Ludwigshafen und Speyer die wichtigsten Adressen. In der Malerei hat die Pfalz eine eigene Note durch den Impressionisten Max Slevogt, der in der Südpfalz lebte, und durch Maler wie Heinrich Strieffler und Otto Dill, die Weinlandschaft und Tiere festhielten.

MuseumOrtSchwerpunkt
Historisches Museum der PfalzSpeyerLandesgeschichte, Domschatz, Weinmuseum mit dem Römerwein aus dem 4. Jahrhundert
Technik Museum SpeyerSpeyerFlugzeuge, Fahrzeuge, Raumfahrt, IMAX-Kuppelkino
Museum Pfalzgalerie (mpk)KaiserslauternMalerei und Plastik des 19. bis 21. Jahrhunderts, Grafik
Wilhelm-Hack-MuseumLudwigshafenModerne und zeitgenössische Kunst, Fassade von Joan Miró
Museum Purrmann-HausSpeyerHans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann
Schloss Villa LudwigshöheEdenkobenSommerschloss Ludwigs I., Werke von Max Slevogt
Museum für WeinkulturDeidesheimWein in Religion, Kunst und Alltag, im historischen Rathaus
Deutsches SchuhmuseumHauensteinSchuhindustrie der Südwestpfalz in einer ehemaligen Fabrik
Pfälzer Musikantenland-MuseumBurg Lichtenberg bei KuselWestpfälzer Wandermusikanten
Theodor-Zink-MuseumKaiserslauternStadtgeschichte, gegründet 1934

Das Historische Museum der Pfalz wurde 1910 eröffnet und besitzt rund eine Million Objekte. In seinem Weinmuseum steht der Römerwein von Speyer, eine 1867 gefundene Flasche, die als älteste noch gefüllte Weinflasche gilt. Das Museum Pfalzgalerie entstand 1874 als Gewerbemuseum und wird heute vom Bezirksverband Pfalz getragen. Das Wilhelm-Hack-Museum gilt als wichtigstes Haus für moderne Kunst in Rheinland-Pfalz, mit Werken von Malewitsch, Mondrian und Kandinsky; die große Keramikwand an der Fassade gestaltete Joan Miró 1980. Das Purrmann-Haus in Speyer zeigt die größte öffentliche Sammlung des Künstlerpaares Purrmann und wechselnde Ausstellungen, bis 11. April 2027 etwa zu Malerinnen der Moderne. Bei mehreren Museen lohnt ein Blick auf die Sonderausstellungen; Öffnungszeiten vor dem Besuch prüfen.

Alte Trompete, Horn und Tuba auf einem Holztisch in einem Probenraum
Musikverein Blasinstrumente im Probenraum. Symbolbild

Was hat es mit der Elwetritsch auf sich?

Die Elwetritsch ist das Fabelwesen der Pfalz, ein vogelähnliches Mischwesen, das es nur in Erzählungen gibt. Der Überlieferung nach stammt sie von Hühnern, Enten und Gänsen ab, die sich mit Kobolden und Elfen eingelassen haben; scherzhaft führt man sie unter dem pseudolateinischen Namen „Bestia palatinensis“. Ihre Verwandten anderswo heißen Wolpertinger oder Rasselbock.

Bekannt ist vor allem die Elwetritschenjagd: Ahnungslose Gäste werden mit Sack und Laterne in eine dunkle Nacht geschickt, um die scheuen Tiere zu fangen, während die Einheimischen sich nach und nach davonmachen. Manche Gemeinden verkaufen Besuchern augenzwinkernd einen Jagdschein. In Neustadt an der Weinstraße steht am Klemmhof ein Elwetritschenbrunnen des Bildhauers Gernot Rumpf, in Dahn eine Skulptur im Kurpark. Eine eigene Seite zur Elwetritsch folgt in einer späteren Ausbaustufe.

Wer trägt die Kultur in der Pfalz?

Der wichtigste Kulturträger der Region ist der Bezirksverband Pfalz, ein höherer Kommunalverband, dessen Parlament, der Bezirkstag, von den Bürgerinnen und Bürgern der Pfalz gewählt wird. Seine politischen Wurzeln reichen bis um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zurück. Zu seinen Einrichtungen und Beteiligungen zählen das Pfalztheater, das Museum Pfalzgalerie, die Pfalzbibliothek und das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim, das Historische Museum der Pfalz in Speyer, das Schuhmuseum Hauenstein und das Hambacher Schloss. Er vergibt Pfalzpreise, etwa für Literatur seit 1959 und für Musik seit 2010.

Das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde sammelt und erforscht Regionalgeschichte, Auswanderung, Flurnamen und Volkskunde; dazu gehört eine Migrationskartei, die für Familienforscher aus aller Welt interessant ist. Seine eigene Vorgeschichte arbeitet das Institut offen auf: Die Vorläufereinrichtung entstand 1936 in der NS-Zeit als „Mittelstelle Saarpfalz“, wurde 1953 als „Heimatstelle Pfalz“ neu gegründet und trägt ihren heutigen Namen seit 1986. Wie die Pfalz zu ihren Einrichtungen und Grenzen kam, zeigt die Geschichte der Pfalz.

Häufige Fragen zur Kultur in der Pfalz

Was ist ein Sommertagszug?

Ein Frühlingsbrauch der Kurpfalz und angrenzender Gebiete, in der Pfalz auch Stabaus genannt. Am Sonntag Laetare, drei Wochen vor Ostern, ziehen Kinder mit geschmückten Stecken durch den Ort, und der Winter wird symbolisch vertrieben, oft durch das Verbrennen einer Strohfigur.

Wann findet die Geißbockversteigerung in Deidesheim statt?

Immer am Dienstag nach Pfingsten vor dem Historischen Rathaus in Deidesheim. Das Programm beginnt schon am Freitag vor Pfingsten in Lambrecht; die Versteigerung selbst startet am frühen Abend und endet mit dem Glockenschlag um 18 Uhr.

Wo kann man in der Pfalz ins Theater gehen?

Das größte Haus ist das Pfalztheater in Kaiserslautern mit Oper, Schauspiel und Tanz. Dazu kommen das Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen, das Chawwerusch Theater in Herxheim und im Sommer zahlreiche Freilichtbühnen und Burgspiele.

Gibt es die Elwetritsch wirklich?

Nein, die Elwetritsch ist ein Fabelwesen und gehört zum pfälzischen Humor. Die nächtliche Elwetritschenjagd ist ein Scherz, bei dem meist Gäste die Gejagten sind. Brunnen und Skulpturen, etwa in Neustadt und Dahn, zeigen, wie man sie sich vorstellt.

Welches Museum eignet sich für einen Regentag mit Kindern?

Am beliebtesten ist das Technik Museum Speyer mit begehbaren Flugzeugen, Fahrzeugen und einem Kuppelkino. Ebenfalls gut geeignet sind das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim mit Tieren, Pflanzen und Gesteinen der Region und das Dynamikum in Pirmasens, ein Mitmachmuseum zu Naturwissenschaft und Technik.

Quellen: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde: Pfälzer Wandermusikanten; Pfälzer Musikantenland-Museum Burg Lichtenberg; Stadt Deidesheim: Geißbocktradition; Pfalztheater Kaiserslautern; Festival des deutschen Films Ludwigshafen; Stadt Speyer: Museum Purrmann-Haus; Wikipedia: Bezirksverband Pfalz. Stand: Oktober 2026.