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Dirmstein: Urkunde 842, bischöfliche Burg, drei Schlösser und die Simultankirche
Barockdorf der Unterhaardt mit Urkunde von 842, Burg der Wormser Bischöfe, drei Schlössern, Michelstor, Simultankirche von 1742 bis 1746 und Englischen Gärten

Kurz gesagt
Dirmstein liegt im Landkreis Bad Dürkheim in der Verbandsgemeinde Leiningerland und ist ein Barockdorf der Unterhaardt. Der Name erscheint 842 in einer Urkunde Karls des Kahlen, ausgestellt in Dirmstein. Von 1419 bis 1705 teilten sich der Bischof von Worms und die Kurpfalz den Ort, danach regierte allein das Hochstift Worms. Die Denkmalzone im Oberdorf mit der Simultankirche, drei Schlössern, zwei Gärten und Sichtfachwerk bildet ein geschlossenes spätbarockes Ortsbild.
Wo liegt Dirmstein?
Dirmstein ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim am Rand der Rheinebene, einige Kilometer südwestlich von Worms. Der Ort gehört zur Verbandsgemeinde Leiningerland, die 2018 aus den Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim hervorging, und ist innerhalb dieser Verbandsgemeinde die drittgrößte Gemeinde. Die Unterhaardt, das Hügelland zwischen Haardtrand und Rheinebene, prägt Klima und Landschaft: Hier wachsen Reben, Obst und Mandelbäume.
Nachbarorte sind Laumersheim und Großkarlbach; die Kreisstadt Grünstadt ist ebenfalls schnell erreicht. Weinorte der Region stellt die Seite zur Deutschen Weinstraße vor.
Was belegt die Urkunde von 842?
Der Ortsname erscheint erstmals 842 in einer Urkunde, die Karl der Kahle in Dirmstein ausstellte. Archäologische Funde weisen auf römische und fränkische Siedler hin, die Gemarkung war also lange vor der Urkunde besiedelt. Der Name folgt dem Muster der Orte an der Unterhaardt, die in fränkischer Zeit entstanden. Wie sich der Weinbau in dieser Epoche entwickelte, beschreibt die Seite zur Weinbaugeschichte der Pfalz.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts übertrug Kaiser Heinrich VI. die Vogtei über Dirmstein an die Wormser Kirche. Die Vogtei ist das Recht, ein Gebiet zu schützen und zu verwalten. Damit begann die lange Bindung des Ortes an den Bischof von Worms, dessen Stadt die Seite Worms vorstellt.
Wer herrschte in Dirmstein?
1419 vereinbarten Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz und Bischof Johann von Fleckenstein ein Kondominat, eine gemeinsame Herrschaft über Burg und Ort. Alle Rechte waren hälftig geteilt. Der bischöfliche Teil blieb katholisch, im kurpfälzischen Teil wechselte das Bekenntnis mit dem jeweiligen Landesherrn. Wie die Kurpfalz ihr Gebiet verwaltete, erklärt die zugehörige Seite.
1705 tauschte der Wormser Bischof im rechtsrheinischen Gebiet Rechte gegen die kurpfälzischen Rechte in Dirmstein ein. Das Kondominat endete, und Worms war bis zum Ende des Alten Reiches alleiniger Landesherr. Unter diesem Landesherrn entstanden die meisten Bauten, die heute das Ortsbild bestimmen: In den 1790er Jahren erlebte der Ort seine Blütezeit, der er den einheitlichen Barockcharakter verdankt.

Was war die Burg der Wormser Bischöfe?
In der Hauptstraße 40 und 42 stehen die Reste des früheren Schlosses der Bischöfe von Worms. Erhalten sind der Keller und ein Fragment des Treppenturms am Nordflügel aus der Zeit vor 1528, dazu das ehemalige Amtshaus, das im Kern um 1600 entstand und im 18. Jahrhundert barock überformt wurde. Der sogenannte Diebsturm trägt am Sturz des Nordfensters die Jahreszahl 1598 und diente im 18. Jahrhundert als Gefängnis.
Die Geschichte der Anlage ist gut belegt. Seit 1349 ist die Burg als „Haus Dirmstein“ bezeichnet, 1419 wurde sie Gegenstand des Kondominats. 1525 stürmten Aufständische im Bauernkrieg Burg und Ort, plünderten und brannten sie nieder. Bischof Heinrich ließ die Anlage zwischen 1523 und 1552 wiederherstellen, 1528 wurden die Obergeschosse des Nordbaus in Fachwerk erneuert. Sie diente nun als bischöfliche Sommerresidenz und verlor teilweise ihren Wehrcharakter. Zwischen 1595 und 1604 ließ Bischof Philipp von Rodenstein die Anlage weiter ausbauen.
Im Dreißigjährigen Krieg überließ der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna 1635 Burg, Amt und Kellerei dem Obristen Philipp Sadler. Von 1693 bis 1703 nutzten die Wormser Jesuiten das Schloss als Ausweichquartier, nachdem ihr Kolleg abgebrannt war. Zwischen 1708 und 1793 war es Ort der bischöflichen Hofhaltung. Die Burgen der Region stellt die Seite Burgengeschichte vor.
1803 wurde die Anlage bei der Versteigerung der Nationalgüter an den Dirmsteiner Bürger J. Roemer verkauft. Danach diente sie der Landwirtschaft, was massive Eingriffe in die Bausubstanz mit sich brachte: Der Nordteil wurde bis auf Treppenturm und Keller abgerissen. 1885 zerstörte ein Brand den Südflügel und den westlichen Eckturm.
Welche Schlösser prägen den Ort?
Dirmstein besitzt drei herrschaftliche Wohnbauten, die in der Denkmalzone gemeinsam geschützt sind. Das größte Gewicht hat das Sturmfedersche Schloss in der Marktstraße 4: ein neunachsiger Krüppelwalmdachbau mit flachem Anbau und einer aufwendigen Toranlage von 1738. Marsilius Franz Sturmfeder von Oppenweiler (1674 bis 1744) erweiterte das Hauptgebäude seines Hofguts 1736. Das Gebäude dient als Rathaus. Das Tor, das den Erzengel Michael trägt, heißt Michelstor und liegt zwischen der Marktstraße und dem Schlossplatz; Motiv und ungewöhnliche Lage deuten auf Differenzen zwischen dem Bauherrn und der Gemeinde hin. Die Marktstraße zählt zu den kürzesten Fußgängerzonen Deutschlands.
Das Koeth-Wanscheidsche Schloss in der Herrengasse 45 ist ein ausgedehnter Adelshof, ein spätbarockes Herrschaftshaus über einem Keller des frühen 17. Jahrhunderts, im frühen 19. Jahrhundert um seitliche Anbauten und eine neue Rückfassade erweitert. Ein Wintergarten kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinzu. Zur Anlage gehört ein Englischer Garten mit Teich, Grotte, einer Gloriette, einer Sonnenuhr und einem Bildstock von 1708. Eine Gloriette ist ein kleiner Gartenpavillon. Den Garten überplante der Heidelberger Gartendirektor Johann Metzger; er ist eine der englischen Gartenanlagen, von denen es im Ort einst sieben gab.
Das Quadtsche Schloss in der Straße Obertor 6 ist ein repräsentativer spätbarocker Mansardwalmdachbau von etwa 1740 mit einem gründerzeitlichen Hoftor, Wirtschaftsbauten des 19. und 20. Jahrhunderts und einem von einer Bruchsteinmauer eingefassten Garten mit Wingert. Es steht neben dem Jesuitenhof.

Was ist an der Simultankirche besonders?
Die Kirche am Mitteltor 2 ist eine Simultankirche, eine „Zweikirche“ mit gemeinsamem Dach und Turm für die katholische und die evangelische Gemeinde. Der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert, sein oberstes Geschoss mit der Welschen Haube kam 1904 hinzu. Der barocke Saalbau entstand zwischen 1742 und 1746, also nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, der den Ort 1689 weitgehend zerstört hatte. Die Gemeinden teilen sich den Bau, aber nicht den Raum: Die Konfessionen feiern in getrennten Teilen. Wie sich die Konfessionen in der Pfalz verteilen, erklärt die Seite Religion.
Die ehemalige Hospitalkapelle St. Maria Magdalena am Affenstein 2 ist im Kern ein mittelalterlicher Saalbau. Zum Gelände gehört eine Hofmauer mit einem spätromanischen Tor und Renaissance-Archivolten, die 1602 bezeichnet sind. „Bezeichnet“ heißt, dass die Jahreszahl am Bau selbst eingemeißelt ist. Die Anlage prägt den Platz und ist als bauliche Gesamtanlage geschützt.
Was verbirgt sich hinter dem Kellergarten?
Am Affenstein 21 und in der Bleichstraße 2 liegt der Sturmfedersche Kellergarten, ein von einer Bruchsteinmauer eingefasster Englischer Garten mit klassizistischer Toranlage, Teich, Brücken, Wohnhaus, Gartensaal und einem ehemaligen Badehaus. Er entstand im späten 18. Jahrhundert und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert. Die Anlage gehört zu den Denkmalzonen des Ortes. Ein Englischer Garten ahmt die freie Landschaft nach: Wege schwingen, Wasserflächen und Baumgruppen wirken wie natürlich gewachsen.
Die Bleichstraße erinnert an die frühere Nutzung des Geländes: Hier lagen Wiesen, auf denen Wäsche in der Sonne gebleicht wurde.
Welche Höfe und Häuser lohnen den Blick?
In der Herrengasse reihen sich die Höfe. Das Haus Herrengasse 24 ist ein Hakenhof des 18. Jahrhunderts mit Zierfachwerk und der Jahreszahl 1711, Herrengasse 26 besitzt einen Treppenturm um 1600 und ein Portal von 1595, am Haus Herrengasse 28 fällt das Torhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf. Herrengasse 51 ist eine spätbarocke Einfirstanlage von 1730 mit Zierfachwerk.
Das älteste erhaltene Wohnhaus des Ortes steht in der Metzgergasse 10 und ist im Kern 1596 entstanden; das Hoftor trägt die Jahreszahl 1619. Das ehemalige Gasthaus „Drei Könige“ in der Metzgergasse 1 ist ein langgestreckter Putzbau mit aufwendiger Fassade aus dem 18. Jahrhundert. In der Marktstraße 15 steht ein Vierseithof mit spätbarockem Torhaus, dessen Muschelnische in einer Ädikula 1721 bezeichnet ist; ein Kellerzugang der Scheune trägt die Jahreszahl 1805. Eine Ädikula ist ein kleiner säulengerahmter Aufsatz.
Der Jesuitenhof in der Straße Obertor 4 ist eine Hofanlage mit stattlichem Renaissance-Wohnbau aus dem 16. Jahrhundert und Treppenturm; auf dem Wingertgelände steht ein spätklassizistischer Gartenpavillon. Das Weingut führt die Lage Jesuitenhofgarten. Das katholische Pfarrhaus am Mitteltor 22 wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als Hofanlage gebaut, die Jahreszahlen 1707 und 1719 (Umbau) sind überliefert. Die frühere Mühle, die Niedermühle in der Gerolsheimer Straße 13, stammt aus dem 19. Jahrhundert; das spätklassizistische Wohnhaus datiert von 1857, die Wirtschaftsbauten entstanden 1882 und 1883. Die Spormühle im Spormühlenweg 12 ist ein Vierseithof des 18. Jahrhunderts, dessen Torbau 1757 bezeichnet ist.

Welche Friedhöfe und Wegkreuze gibt es?
Der Alte Friedhof an der Gerolsheimer Straße war der Kirchhof der abgebrochenen sogenannten Unteren Kirche und reicht bis ins Mittelalter zurück. Er wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts genutzt; Reste der Ummauerung und mehrere Grabdenkmäler des 18. und 19. Jahrhunderts sind erhalten. Der Neue Friedhof an der Friedhofstraße wurde 1857 angelegt. Der von einer Bruchsteinmauer eingefasste Teil besitzt eine Mittelallee, die Grabkapelle der Familie Camuzzi von 1857 und zahlreiche Grabdenkmäler des 19. Jahrhunderts.
In der Gemarkung verteilen sich weitere Zeugnisse. Ein Feldkreuz an der Landesstraße 455 nach Offstein trägt eine Minuskelinschrift aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Nordöstlich des Ortes steht in der Gewanne Am Schirmberg ein hohes Balkenkreuz aus rotem Sandstein mit Bronzekorpus von 1901. Ein Kilometerstein Nr. 5 an der Straße nach Obersülzen, eine Sandsteinsäule von etwa 1872, erinnert an die frühe Straßenvermessung. Das ehemalige Bahnhofsgebäude in der Obersülzer Straße 2 ist ein späthistoristischer Backsteinbau in Formen der Neurenaissance von 1890.
Was wächst in den Weinbergen?
Dirmstein zählt nach der bewirtschafteten Rebfläche zu den wichtigsten Weinbaugemeinden der Pfalz. Zu den bekannten Lagen gehören Mandelpfad, Herrgottsacker, Jesuitenhofgarten und Schwarzerde. Mehr zu Lagen und Rebsorten erklären die Seiten zu den Weinlagen und den Rebsorten. Im Frühjahr blühen am Rand der Weinberge die Mandelbäume; die Seite zur Mandelblüte beschreibt das Schauspiel an der Weinstraße, und der Pfälzer Mandelpfad führt durch die blühenden Hänge.
Wirtschaftlich war Dirmstein bis ins 19. Jahrhundert ein Ort der Handwerker und Dienstleister. Bis zu 22 Adelsfamilien hatten hier zeitweise ihren Wohnsitz; Caspar Lerch (1575 bis 1642), Direktor der Oberrheinischen Ritterschaft, ist eines der bekanntesten Beispiele. Die Französische Revolution vertrieb viele Adlige über den Rhein, und die Industriearbeitsplätze in Frankenthal, Worms und Ludwigshafen führten zu einem zeitweisen Rückgang der Bevölkerung und Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte mit Weinbau und Gastronomie ein neuer Aufschwung ein. Ende des 18. Jahrhunderts ließ der Wormser Bischof zudem eine Fayencemanufaktur errichten, die nur wenige Jahre produzierte und später in den Besitz der Familie Sturmfeder kam.
Wie lässt sich Dirmstein erkunden?
Ein Rundgang beginnt am besten am Kirchplatz, folgt der Herrengasse zum Koeth-Wanscheidschen Schloss und dem öffentlichen Park und führt über die Marktstraße zum Michelstor und zum Sturmfederschen Schloss. Von dort geht es durch die Metzgergasse zurück zur Kirche. Wer weiter möchte, folgt dem Kraut-und-Rüben-Radweg oder einer der Weinwanderungen in die Weinberge.
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Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zu Dirmstein
Wann wurde Dirmstein erstmals erwähnt?
842 in einer Urkunde Karls des Kahlen, die in Dirmstein ausgestellt wurde.
Wem gehörte Dirmstein?
Dem Hochstift Worms; von 1419 bis 1705 teilte sich der Bischof die Herrschaft hälftig mit der Kurpfalz.
Was ist das Michelstor?
Die 1738 errichtete Toranlage des Sturmfederschen Hofguts zwischen Marktstraße und Schlossplatz mit dem Erzengel Michael.
Was ist eine Simultankirche?
Ein Kirchenbau, den zwei Konfessionen gemeinsam nutzen; in Dirmstein entstand der Bau von 1742 bis 1746 mit einem Turm des 13. Jahrhunderts.
Welche Weinlagen hat Dirmstein?
Mandelpfad, Herrgottsacker, Jesuitenhofgarten und Schwarzerde.
Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Dirmstein?
Zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.
Passend dazu: Auch Hettenleidelheim gehörte zum Hochstift Worms.
Quellen: GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim; Verbandsgemeinde Leiningerland: Dirmstein; KuLaDig: Burg Dirmstein. Stand: November 2026.