Städte & Orte
Ebertsheim: Lorscher Codex 765, romanische Kirchen, Rodenbach und renaturierter Eisbach
Dorf an Eisbach, Seltenbach und Rodenbach mit Erwähnung von 765, zwei Kirchen mit romanischem Kern, Höfen des 18. Jahrhunderts, Steinmetztradition und Hab-8-Weg

Kurz gesagt
Ebertsheim liegt im Landkreis Bad Dürkheim in der Verbandsgemeinde Leiningerland an den Bächen Eisbach, Seltenbach und Rodenbach. Der Ort erscheint 765 im Lorscher Codex, gehörte zu Leiningen-Westerburg und schloss sich 1969 mit Rodenbach zu einer Gemeinde zusammen. Zwei Kirchen mit romanischem Kern, Höfe des 18. Jahrhunderts, die Steinmetztradition und ein 1,3 Kilometer langer renaturierter Abschnitt des Eisbachs prägen das Dorf.
Wo liegt Ebertsheim?
Ebertsheim liegt im Landkreis Bad Dürkheim und gehört zur Verbandsgemeinde Leiningerland. Der Ort hat überwiegend ländlichen Charakter und liegt an drei Bächen: dem Eisbach, dem Seltenbach und dem Rodenbach. Alle drei prägen das Dorf, und der Eisbach fließt mitten durch den Ort.
Zur Gemeinde gehören zwei Ortsteile, Ebertsheim und Rodenbach. Die Gebietsreform von 1969 fügte beide zur Gemeinde Ebertsheim zusammen. Nachbarorte sind Hettenleidelheim, mit dem Ebertsheim über die Eisenbahn von 1895 verbunden war, und die Kreisstadt Bad Dürkheim; Grünstadt ist die nächste größere Stadt.
Was verrät der Lorscher Codex über den Ort?
Der Ort erscheint 765 im Codex des Klosters Lorsch als „Eberolfesheim“. Das Kloster Lorsch in Südhessen ließ im Mittelalter seine Besitzurkunden in ein großes Buch eintragen, den Lorscher Codex, der bis heute erhalten ist. Deshalb besitzen viele Dörfer des Leiningerlandes Erwähnungen aus dem 8. Jahrhundert, während die Originalurkunden nicht mehr bekannt sind. 1362 steht der Ort als „Ebertsheim“ in den Quellen.
Die Herrschaftsgeschichte der Region beschreibt die Seite Salier und Staufer. Ebertsheim gehörte später zum Besitz der gräflichen Linie Leiningen-Westerburg. Das Kloster Höningen besaß schon 1305 das Recht des Pfarrsatzes. Der Pfarrsatz ist das Recht, den Pfarrer einzusetzen, und in einer Zeit, in der die Pfarrei das Zentrum des Dorflebens war, zählte es zu den bedeutenden Rechten. Zum Kloster Höningen und zu anderen geistlichen Gründungen führt die Seite Klöster und Abteien.
Was steht auf dem Kirchhof an der Hauptstraße?
Die protestantische Pfarrkirche an der Hauptstraße 11 hat einen romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert. Sein oberstes Geschoss trägt ein Zeltdach aus dem 18. Jahrhundert. Das Schiff wurde 1746 barock überformt, ein chörleinartiger Anbau stammt aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Neben dem Südportal ist eine spätgotische Sonnenuhr in den Stein geritzt. Der frühere Kirchhof ist von einer Bruchsteinmauer mit klassizistischen Torpfeilern umgeben, es stehen dort Grabsteine des 18. Jahrhunderts, und am Turm hängt eine Grabplatte aus derselben Zeit.
Eine zweite Kirche gehört zur jüngeren Geschichte. Die katholische Kirche Vierzehn Nothelfer in der Bahnhofstraße 3 ist eine Notkirche: ein aufgesockelter, verbretterter Holzaufbau mit einem Türmchen unter Zeltdach, erbaut 1922/23 nach den Plänen von H. Prott.

Was macht Rodenbach besonders?
Der Ortsteil Rodenbach besitzt eine Kirche mit besonders alter Bausubstanz. Die protestantische Kirche an der Rathausstraße 2 ist im Kern ein romanischer Saalbau des späten 12. Jahrhunderts. Der stattliche Turm hat ein Erdgeschoss aus dem 13. Jahrhundert, seine Obergeschosse sind spätgotisch und enthalten romanische Spolien, wiederverwendete Reliefs eines älteren Baus. Der umfriedete Kirchhof birgt Grabmäler der Familie Seewaldt aus dem 19. Jahrhundert und eine barocke Grabplatte eines Pfarrers. Die Kirche prägt das Landschaftsbild.
In der Rathausstraße 16 bilden das ehemalige Rathaus und das Langhaus der katholischen Kirche eine Baugruppe. Das stattliche Rathaus hat eine Außentreppe, an der Seite schließt ein Saalbau mit Dachreiter an, bezeichnet 1765.
Die katholische Kirche St. Barbara in der Lautersheimer Straße 2 bewahrt Ausstattungsstücke der alten Pfarrkirche: eine spätgotische Holzstatue der heiligen Dorothea von etwa 1490, barocke Holzstatuetten der Heiligen Isidor und Notburga, eine Holzstatue des heiligen Josef, eine Mondsichelmadonna, zwei Leuchterengel des späten 17. Jahrhunderts, eine Pietà und einen spätgotischen Taufstein von 1520.
Welche Höfe prägen die Ortsbilder?
Beide Ortsteile besitzen geschlossene Hofanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts. In Ebertsheim steht in der Hauptstraße 26 ein Dreiseithof aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das breitgiebelige Wohnhaus mit Krüppelwalm- und Mansarddach hat ein Hoftor von 1746 und eine Stalltür von 1743. Das eingeschossige spätbarocke Haus Hauptstraße 15 trägt die Jahreszahl 1762. Zwischen den Häusern Hauptstraße 26 und 28 führt eine einbogige Sandsteinbrücke über den Eisbach.
In Rodenbach zeigt die Rathausstraße 5 einen Dreiseithof des 18. Jahrhunderts mit einem eingeschossigen spätbarocken Wohnhaus von 1774, einem Hoftor, das früher die Jahreszahl 1723 trug, und Wirtschaftsbauten von 1902. In der Scheune steckt ein wiederverwendetes Bauteil von 1792, im Schuppen eines von 1608, in der Hofmauer ein Volutenstein von 1738. In der Rathausstraße 8 steht ein spätbarocker Vierseithof mit teilweise sichtbarem Fachwerk, der Hof Rathausstraße 9 besitzt ein teilweise fachwerksichtiges Wohnhaus des 17. Jahrhunderts mit gründerzeitlichem Erdgeschoss. Das ehemalige Hofgut in der Bergstraße 6 ist eine große Anlage: Das Wohnhaus mit Außentreppe trägt die Jahreszahl 1816, die rückwärtige Scheune entstand um 1853, ein Wirtschaftsbau mit Mansarddach 1861.
An der Hauswand In den Kappesgärten 1 hängt eine Relieftafel aus Sandstein des 19. Jahrhunderts, und an der Pfarrgasse 10a steckt ein Inschriftstein des 18. Jahrhunderts. Zur Wirtschaftsgeschichte der Region führt die Seite zur Wirtschaft der Pfalz.
Was sind Dreiseithof und Krüppelwalmdach?
Die Denkmalliste der Gemeinde verwendet Begriffe, die kaum jemand im Alltag nutzt. Ein Dreiseithof besteht aus Wohnhaus, Stall und Scheune, die drei Seiten eines Hofes bilden, ein Vierseithof schließt die vierte Seite mit einer Mauer oder einem Torhaus. Ein Krüppelwalmdach hat an den Giebeln nur einen kleinen Walm, die Dachfläche ist also nicht ganz abgewalmt. Ein Mansarddach ist an beiden Seiten geknickt und schafft Raum im Dachgeschoss. Spolien sind Bauteile, die aus einem älteren Bau stammen und wiederverwendet wurden, und eine bezeichnete Jahreszahl („bez.“) steht tatsächlich am Gebäude, etwa auf einem Türsturz oder Torbogen. Mit diesen Begriffen lassen sich die Höfe in Ebertsheim und Rodenbach leicht lesen.
Warum war Ebertsheim für Steinmetze bekannt?
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Ebertsheim durch sein umfangreiches Steinmetzhandwerk bekannt. Spuren davon trägt noch das Gemeindewappen. Dass Ebertsheim viele Steinmetze hatte, passt zu den Grabmälern auf dem umfriedeten Friedhof an der Rodenbacher Straße. Dort stehen ein neugotisches Grabmal für Chr. F. Rebstock und ein klassizistisches für P. Eller (beide gestorben 1834), zwei aufgesockelte Baumkreuze der Familie Fetzer aus dem späten 19. Jahrhundert, klassizistische Urnen für S. Hahn (gestorben 1841), J. Reisinger (gestorben 1842) und G. Chr. Wahl (gestorben 1871) sowie eine abgebrochene Säule und ein abgebrochener Baumstamm für K. Decker (gestorben 1871).
Ein weiteres Zeugnis des Steinbaus ist der Kilometerstein an der Straße nach Eisenberg, ein Säulenstumpf um 1872. Wie die Gesteine der Region entstanden, beschreibt die Seite zur Geologie; beschriftete Steine im Pfälzerwald stellt die Seite zu den beschrifteten Steinen vor.

Wozu diente die Eisenbahn nach Ebertsheim?
1895 entstand die Eisenbahnstrecke zwischen Ebertsheim und Hettenleidelheim, ein Ergebnis des dortigen Tonbooms. Der Bahnhof in der Bahnhofstraße 21 ist ein Typenbau von 1876 mit spätklassizistischen und Neurenaissancemotiven. Die Strecke von Ebertsheim aus wurde in den 1980er Jahren demontiert. Zur Geschichte des Tonbergbaus, der die Bahn verursachte, führt die Seite zu Hettenleidelheim.
Wie sind Rat- und Schulhaus gebaut?
Das Rat- und Schulhaus in der Hauptstraße 13 ist ein spätklassizistischer Putzbau von 1870. Eine Kriegergedenktafel erinnert an 1870/71. In Rodenbach entstand das Schulhaus in der Rodenbacher Straße 4 im Jahr 1912 als Walmdachbau über einer erhöhten Treppenanlage mit offener Vorhalle, geplant von Peter Heisel.
Was hat das Dorf für Lebensqualität getan?
Auf der Grundlage eines Dorfentwicklungskonzeptes baute die Gemeinde die Straßen im südlichen Ortsteil neu aus und erschloss das Baugebiet „Apfelgärten“. Im Dorfmittelpunkt gestalteten Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins ein Schmuckstück. Eines der ältesten Häuser wurde saniert und steht als „Haus der Vereine“ allen Vereinen und Bürgern zur Verfügung. Für die vielfältigen Aktivitäten belegte Ebertsheim 1998 den ersten Platz beim Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“.
Mehrere Wege erschließen die Umgebung. 2001 gingen vier Kneipp-Wanderwege und ein Kneipp-Becken in Betrieb. 2004 wurde der „Hab-8-Weg“ eingeweiht, der Ebertsheim und Rodenbach wie eine Acht umgibt. Er führt am 2019 renaturierten Teilstück des Eisbachs vorbei. Der 1,3 Kilometer lange Abschnitt ist eine der größten vom Land geförderten Wasserbaumaßnahmen; ein Wasserspielplatz gehört dazu, und die Entwicklung einer Auenlandschaft lässt sich unmittelbar beobachten. Der Abschnitt ist auch Ziel von Exkursionen.
Wie lässt sich Ebertsheim erkunden?
Ein Rundgang beginnt an der protestantischen Kirche an der Hauptstraße, führt über die Eisbachbrücke zu den Höfen und endet am Kirchhof. Wer die Landschaft erleben möchte, folgt dem Hab-8-Weg um beide Ortsteile oder fährt mit dem Rad auf dem Kraut-und-Rüben-Radweg. Wanderungen in den benachbarten Pfälzerwald sind ebenfalls möglich.
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Häufige Fragen zu Ebertsheim
Wann wird Ebertsheim erstmals erwähnt?
765 im Codex des Klosters Lorsch als „Eberolfesheim“.
Seit wann gehören Ebertsheim und Rodenbach zusammen?
Seit der Gebietsreform von 1969 bilden beide Ortsteile eine Gemeinde.
An welchen Bächen liegt Ebertsheim?
Am Eisbach, am Seltenbach und am Rodenbach.
Was ist der Hab-8-Weg?
Ein 2004 eingeweihter Weg, der Ebertsheim und Rodenbach in der Form einer Acht umgibt.
Wofür war das Dorf früher bekannt?
Vor dem Zweiten Weltkrieg für sein umfangreiches Steinmetzhandwerk, das sich im Gemeindewappen spiegelt.
Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Ebertsheim?
Zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.
Quellen: Verbandsgemeinde Leiningerland: Ebertsheim; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim; Verbandsgemeinde Leiningerland: Hettenleidelheim. Stand: November 2026.