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Edesheim: Geburtsort Holbachs, Dorfbrand 1794, Schloss von 1594 und Weinbau am Modenbach
Weinort am Eingang des Modenbachtals mit Ersterwähnung 714, Geburtsort Paul Thiry von Holbachs, Dorfbrand 1794, Schloss von 1594 und mehr als 500 Hektar Rebfläche

Kurz gesagt
Edesheim liegt am Eingang des Modenbachtals zwischen Edenkoben und Landau an der Südlichen Weinstraße. Eine Urkunde des Klosters Weißenburg weist den Ort bereits für das Jahr 714 nach, aus dem Dorf stammte der Aufklärer Paul Thiry von Holbach, und 1794 brannten französische Truppen das Dorf nieder. Mehr als 500 Hektar Weinberge machen Edesheim zu einer der größten Weinbaugemeinden Deutschlands.
Wo liegt Edesheim?
Edesheim liegt im Landkreis Südliche Weinstraße dort, wo sich das Modenbachtal zur Rheinebene öffnet. Östlich beginnt die Vorderpfälzer Tiefebene, westlich steigt der Haardtrand an, hinter dem der Pfälzerwald liegt. Die Nachbarstadt Edenkoben liegt unmittelbar benachbart, Landau acht Kilometer südlich. Seit 1972 gehört das Dorf zur Verbandsgemeinde Edenkoben, die insgesamt 16 Gemeinden umfasst.
Die Lage am Talausgang prägt das Dorf. Auf der Passhöhe des Steigerkopfs trifft das Modenbachtal auf die uralte Hochstraße des Haardtgebirges; mehr zu diesem Pass steht auf der Seite Steigerkopf und Schänzel. Außerdem liegt Edesheim an einer der strategisch wichtigen Durchgangsstraßen zwischen Straßburg und Mainz.
Heute zählt Edesheim knapp 2.500 Einwohner. Die Gemeinde ist staatlich anerkannte Fremdenverkehrsgemeinde und hat einen Bahnanschluss; die Autobahn A 65 verbindet das Dorf mit der Metropolregion Rhein-Neckar und mit Wörth und Karlsruhe. Weinberge und Fluren am Ortsrand laden zum Wandern und Radfahren ein, und der nahe Pfälzerwald ist Naturpark und Biosphärenreservat.
Seit wann gibt es Edesheim?
Der Ortsname mit der Endung „-heim“ verweist auf die fränkische Besiedlung der Zeit Karls des Großen. Bodenfunde reichen darüber hinaus bis in römische Zeit zurück. Lange galt eine Besitzurkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahr 756 als erste Nennung. Inzwischen ist der Ort bereits für 714 belegt: Eine Urkunde des Klosters Weißenburg im Elsass führt ihn als „villa Auduino“ oder „Auduinovilla“. Deshalb feierte die Gemeinde im Jahr 2014 ihr 1300-jähriges Bestehen, nachdem 1956 das 1200-jährige Jubiläum begangen worden war.
Eine weitere Urkunde von 1179 hält fest, dass das Kloster Weißenburg in Edesheim einen Herrenhof und zwei Kirchen besaß. Die Edesheimer unterscheiden bis heute zwischen Oberdorf und Unterdorf, im Sprachgebrauch wie in der Bauweise. Die Pfarrkirche im Oberdorf trägt das Patrozinium Peter und Paul. Der Petrusschlüssel auf den ältesten Gemarkungssteinen erinnert ebenso an die Bindung an die elsässische Benediktinerabtei, die den Apostelfürsten geweiht war. Auch die Weinlage „Edesheimer Ordensgut“ hält die Erinnerung an die vielen geistlichen Besitzungen in der Gemarkung wach.
Wer herrschte über Edesheim?
Bis 1482 hatten die Ochsensteiner das Dorf als Weißenburger Lehen inne. Ihr Sitz war die Burg Meistersel am Modenbachtal, die Seite Meistersel beschreibt die Anlage. Danach kam Edesheim an das Domkapitel von Speyer und fünf Jahre später an den Bischof von Speyer. Das Hochstift Speyer war nun mehr als dreihundert Jahre lang weltliches und geistliches Oberhaupt des Dorfes, das als fürstbischöflicher Amtssitz diente.
Edesheim war außerdem Gerichtsstand der dritten mittleren Haingeraide. Haingeraiden waren überörtliche Genossenschaften, die Wälder gemeinsam nutzten; ihre Ordnung stellt die Seite Haingeraiden im Pfälzerwald vor. In Edesheim erinnert der alte Gewannenname „Geraidestuhl“ an diese Gerichtsstätte.
Mit den Revolutionskriegen endete die Herrschaft des Hochstifts. Edesheim wurde für zwanzig Jahre französisch, und nach dem Wiener Kongress 1815 lag das Dorf im linksrheinischen Teil Bayerns, der Bayerischen Pfalz.
Was war der Edesheimer Kübelmarkt?
Jedes Jahr fand hier der Kübelmarkt statt, eine Verkaufsmesse für Winzerbedarf aller Art. Der Markt machte das Dorf zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt der Region.
Den Niedergang des Marktes leitete eine Bahnlinie ein. 1855 entstand die Strecke von Neustadt nach Weißenburg, die „Maximiliansbahn“. Mit der Bahn kamen auch die Einkaufsmöglichkeiten der Städte in Reichweite, und der Markt verlor allmählich an Bedeutung. Wie die Eisenbahn die Pfalz erschloss, zeigt die Seite Bus und Bahn in der Pfalz.

Wer war Paul Thiry von Holbach?
Mit der Vorgeschichte der Französischen Revolution ist der Name Edesheims eng verknüpft. 1723 wurde hier Paul Thiry geboren, der später als Baron von Holbach in Paris berühmt wurde. Zu Titel und Reichtum kam er in Paris durch seinen Edesheimer Onkel Franz Anton Holbach. Von der Hauptstadt aus wirkte der Neffe im Kreis der Enzyklopädisten, jener Gelehrten, die gemeinsam die große französische Enzyklopädie schufen.
Holbach gehört zu den bedeutendsten geistigen Wegbereitern der Revolution. Seine Werke weisen ihn als den konsequentesten Materialisten der französischen Aufklärung aus und sind bis heute Gegenstand der Forschung. Der Onkel hatte in Edesheim ein Schlösschen errichten lassen, das nach ihm „Holbach-Schlösschen“ heißt und nach einem späteren Besitzer auch „Schloss Kupperwolf“ genannt wird. Das Gebäude steht in der Luitpoldstraße 40 und ist ein barocker Mansardwalmdachbau; die Wirtschaftsgebäude daneben entstanden um 1900.
Was geschah 1794 in Edesheim?
Das Jahr 1794 brachte dem Dorf den völligen Untergang. Französische Truppen waren mit dem preußischen General Blücher in ein Scharmützel geraten. Beim Rückzug äscherten sie Edesheim ein. In den französischen Militärarchiven steht der Ort seitdem unter der Bezeichnung „village brûlé“, verbranntes Dorf.
Erhalten blieben nur wenige Gebäude: eine Handvoll Bürgerhäuser, darunter die frühere Poststation Thurn und Taxis, die stark beschädigte Kirche im Oberdorf, das ehemalige fürstbischöfliche Wasserschloss und das Holbach-Schlösschen. Diese drei Bauwerke prägen die Silhouette des Dorfes bis heute.
Schon 1685 hatte das Dorf unter den Raubzügen des Pfälzischen Erbfolgekriegs gelitten, die Ludwig XIV. führen ließ. Im 18. Jahrhundert baute Frankreich Landau zur Festung aus, und Edesheim lag nun im Vorfeld der Queichlinie. Die Folgen dieser Frontlage trug das Dorf mit: Es fehlt ihm die gewachsene Bausubstanz der weiter westlich gelegenen Dörfer des Haardtrandes.
Was ist vom Edesheimer Schloss erhalten?
Das ehemalige fürstbischöflich-speyerische Schloss liegt in der Luitpoldstraße 9. Die Wasserburg wurde 1794 weitgehend zerstört. Erhalten ist das dreigeschossige Hauptgebäude der Spätrenaissance von 1594, das im 19. Jahrhundert umgebaut wurde. Später kamen ein viergeschossiger Turm und ein eingeschossiger Anbau hinzu, außerdem gehört eine barocke Ökonomie des 18. Jahrhunderts zur Anlage. Der Schlossgarten ist von einer hohen Mauer umgeben; der Torbogen trägt die Jahreszahl 1754, die Westpforte die Zahlen 1747 und 1834. Das Ensemble ist als Denkmalzone eingetragen.
Seit dem 19. Jahrhundert ist das Schloss in Privatbesitz und dient als Weingut. Es besitzt eine eigene Weinlage, den „Edesheimer Schloss“, so wie das frühere Klostergut dem „Ordensgut“ den Namen gab. Beide Lagenamen erzählen in Kürze die Geschichte der Gemarkung: geistlicher Besitz und weltliche Herrschaft, die den Weinbau über Jahrhunderte organisierten. Eine Übersicht der Lagen der Südpfalz bietet die Seite Weinlagen der Pfalz.
Wie sehen die beiden Ortskerne aus?
In Edesheim sind zwei geschlossene Ortskerne als Denkmalzonen eingetragen. Der Ortskern Nieder-Edesheim umfasst die Hochstraße 1 bis 6, die Schloßstraße 1 bis 5 und 7 sowie die Luitpoldstraße zwischen der Staatsstraße und dem Modenbach. Er zeigt ein Straßenbild mit geschlossener historischer Bebauung aus Winzeranwesen des 18. und 19. Jahrhunderts, überwiegend eingeschossige Wohnhäuser, oft mit Krüppelwalmdach, und zahlreiche Torbögen.
Der Ortskern Ober-Edesheim reicht über die Ludwigstraße 1 bis 32. Hier stehen Haus-Hof-Anlagen im Wesentlichen des 18. und 19. Jahrhunderts, oft eingeschossige Giebelhäuser mit Krüppelwalm und seitlichem Hoftorbogen. Zum Ensemble gehören die katholische Pfarrkirche und die frühere Schule.
Auffällig sind in beiden Ortsteilen die Torbögen. Ludwigstraße 58 hat einen Renaissance-Torbogen mit Nebenpforte, an dem die Jahreszahlen 1579 und 1719 stehen. Die Luitpoldstraße zeigt barocke Torbögen von 1719, 1734 und 1832; ein Torbogen in der Staatsstraße trägt die Jahreszahl 1706.
Wie alt ist die Pfarrkirche St. Peter und Paul?
Die katholische Pfarrkirche steht in der Ludwigstraße 15. Im Kern ist sie ein barocker Saalbau, der 1742 bis 1744 entstand. Der Brand von 1794 beschädigte sie schwer; 1811 wurde sie wiederhergestellt. Der Westturm stammt von 1771, die Erweiterung von 1933 und 1934 plante der Architekt Wilhelm Schulte I. Zur Ausstattung gehören ein spätbarockes Sandsteinkruzifix von 1772 und zwei barocke Immakulata-Figuren. Das Kirchhofportal von 1759 trägt eine Skulptur des heiligen Johann Nepomuk, und im Kirchhof liegt ein Priestergrabstein aus dem 16. Jahrhundert.
Neben der Kirche steht der ehemalige katholische Pfarrhof in der Ludwigstraße 2. Das Walmdachhaus entstand 1820 und wurde 1904 erweitert; der Kellereingang zeigt ein Renaissanceprofil, hinter dem Haus liegt ein großer, eingefriedeter Pfarrgarten.

Welche Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert fallen auf?
Neben dem Barock prägen Gebäude des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Dorfbild. In der Eisenbahnstraße steht ein Wohn- und Geschäftshaus von 1904/05 im historisierenden Jugendstil, daneben ein Mansardwalmdachhaus im barockisierenden Jugendstil um 1900 und ein Gasthaus von 1860 mit Fassadenstuck, der kurz nach 1900 entstand. In der Staatsstraße 5 steht eine Villa der Neurenaissance, ein burgartig getürmter Bossenquaderbau um 1900/05.
Die Ludwigstraße 108 war eine Ölmühle. Der stattliche Walmdachbau mit Torbogen von 1813 gehört zu einer Anlage, die vom 18. bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts gewachsen ist; um 1900 kam eine Backstein-Fabrikhalle hinzu. In der Luitpoldstraße 33 steht ein spätklassizistisches Wohnhaus aus Sandsteinquadern, die Hofanlage trägt die Jahreszahlen 1856 und 1861 und war ab 1910 eine Weinhandlung. Die Erlenmühle am Modenbach ist eine große Hofanlage aus Sandstein mit einem Torbogen von 1834, ein Nebengebäude trägt 1839.
Im Dorf und in der Flur stehen barocke Wegekreuze, etwa in der Provisstraße (1718), in der Ruprechtstraße (1736) und an der Weißkreuzgasse (1753). Auf dem Friedhof stehen ein Friedhofskreuz aus rotem Sandstein von 1845 und eine spätklassizistische Grabsäule von um 1841; zwei gusseiserne Gedenktafeln von 1872 und 1894 erinnern an die Gefallenen des Krieges von 1870/71.
Warum ist Edesheim ein großer Weinort?
Mehr als 500 Hektar Rebfläche bewirtschaften die Edesheimer Winzer; damit gehört das Dorf zu den größten Weinbau treibenden Gemeinden Deutschlands. Die Flurbereinigung begann 1936 im westlichen Teil der Gemarkung, dem sogenannten „Aufbau“, und wurde im Osten unter Einbeziehung der Autobahn von Neustadt über Landau nach Karlsruhe 2001 abgeschlossen.
Über den Weinkellern, den Symbolen der ungebrochenen Tradition, erhoben sich nach 1794 allmählich wieder die Winzerhäuser. Der Verein „Südliche Weinstraße“ machte einen der stattlichen Edesheimer Weinkeller zu einem öffentlichen Weinprobierkeller und rückte das Dorf so erneut ins Bewusstsein der Weinfreunde. Die Einordnung in die Weinregion erklärt die Seite Weinregion Pfalz, die Geschichte des Anbaus die Seite Weinbau in der Pfalz.
Welche Feste prägen Edesheim?
Zum Dorfleben gehört der Jahrmarkt, der in den Winzerhöfen stattfindet. Zum Jubiläumsjahr 2014 begann er am 5. September mit der Eröffnung durch die Edesheimer Weinprinzessin und endete am 8. September; am 7. September zog ein historischer Festumzug mit Römern, Kelten, Trachten und Traditionen durch die Dorfstraßen. Der Heimat- und Kulturverein Edesheim hat die gesamte Ortsgeschichte in einem Buch aufgearbeitet.
Aus dem Jubiläumsjahr entstand ein neues Fest: „Edesheim Historic“, ein Oldtimertreffen für Automobile, Zweiräder und Traktoren. Zum Höhepunkt des Jahrmarkts kamen 2016 mehr als 200 Fahrzeuge zusammen, 2018 folgte die dritte Auflage rund um das Rathaus. Die Fahrzeuge sind bis zu hundert Jahre alt, die Edesheimer Winzer und Vereine bewirten die Gäste in den Winzerhöfen. Nachmittags fahren die Teilnehmer in einem Korso durch Edesheim und die umliegenden Gemeinden. Seitdem ist die Veranstaltung jährlich in das Oldtimerwandern an der Südlichen Weinstraße am Tag des offenen Denkmals eingebunden. Weitere Weinfeste der Region stellt die Seite Weinfeste in der Pfalz vor.
Wie lässt sich Edesheim erkunden?
Ein Rundgang beginnt am Rathaus und führt durch die Luitpoldstraße am Schloss vorbei zum Modenbach, danach durch die Ludwigstraße mit der Pfarrkirche und den Torbögen des Oberdorfs. Die Weinberge am Ortsrand laden zum Wandern und Radfahren ein; beliebte Strecken beschreiben die Seiten Wanderweg Deutsche Weinstraße und Radweg Deutsche Weinstraße. Westlich bietet sich ein Ausflug in das Modenbachtal zur Burg Meistersel an. Einen Überblick über die Region gibt die Seite Südliche Weinstraße.
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Häufige Fragen zu Edesheim
Wann wurde Edesheim erstmals erwähnt?
Im Jahr 714 in einer Urkunde des Klosters Weißenburg; 2014 feierte die Gemeinde ihr 1300-jähriges Bestehen.
Wer stammt aus Edesheim?
Paul Thiry Baron von Holbach wurde 1723 hier geboren und wirkte später in Paris im Kreis der Enzyklopädisten.
Warum heißt Edesheim „village brûlé“?
Französische Truppen äscherten das Dorf 1794 auf dem Rückzug ein; in den französischen Militärarchiven steht es seitdem als verbranntes Dorf.
Wie groß ist die Weinbaufläche?
Mehr als 500 Hektar; damit ist Edesheim eine der größten Weinbaugemeinden Deutschlands.
Welches Schloss steht in Edesheim?
Das ehemalige fürstbischöflich-speyerische Wasserschloss in der Luitpoldstraße 9 mit einem Hauptgebäude von 1594; es ist seit dem 19. Jahrhundert ein Weingut.
Wann entstand die Pfarrkirche?
Der Saalbau wurde 1742 bis 1744 errichtet, nach dem Brand von 1794 stellte man ihn 1811 wieder her.
Quellen: Gemeinde Edesheim: Ortsgeschichte; Gemeinde Edesheim: 1300-Jahrfeier; Gemeinde Edesheim: Edesheim Historic; Gemeinde Edesheim: Leben in Edesheim; Gemeinde Edesheim: Gemeindestatistik; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Südliche Weinstraße. Stand: November 2026.