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Forst an der Weinstraße: Spitzenlagen auf Basalt

Kleines Winzerdorf mit berühmten Rieslinglagen an der Haardt

Stand: · 7 Min. Lesezeit

Trockenmauer aus dunklem Basalt mit grünen Rebzeilen dahinter
Forst Basaltmauer vor den Rebzeilen. Symbolbild

Kurz gesagt

Forst an der Weinstraße ist mit rund 700 Einwohnern die kleinste Gemeinde der Verbandsgemeinde Deidesheim und zugleich ein Name von Rang: Lagen wie Ungeheuer, Kirchenstück, Jesuitengarten und Pechstein gehören zu den bekanntesten Rieslinglagen der Pfalz. Das Dorf liegt auf Basalt und Sandstein an der Mittelhaardt und feiert im Frühjahr das Hansel-Fingerhut-Spiel.

Was ist Forst für ein Ort?

Forst ist ein kleines Straßendorf an der Deutschen Weinstraße, das sich entlang einer rund 1,2 Kilometer langen Hauptstraße von Nord nach Süd zieht. Die Straße ist mit Naturstein gepflastert, gesäumt von alten Winzer- und Gutshäusern, Feigenbäumen und Hausreben. Nördlich schließt Wachenheim an, südlich Deidesheim.

Der Name Forst hat mit Wein zunächst nichts zu tun. Der Pfälzerwald westlich von Deidesheim wurde in Urkunden „Vorst“ oder „Forst“ genannt und blieb der fürstbischöflichen Jagd des Hochstifts Speyer vorbehalten, als der Salier Johann, Fürstbischof von Speyer, im Jahr 1100 seinen Besitz dem Hochstift schenkte. In diesem Forst liegen die Anfänge des Dorfs. Ab 1474 gehörte der Ort zum Speyerer Amt Deidesheim, bis ins späte 18. Jahrhundert blieb er beim Hochstift. Im Bauernkrieg verhandelte Kurfürst Ludwig V. am 10. Mai 1525 in Forst erfolglos mit aufständischen Bauern. Später gehörte der Ort zu Frankreich, ab 1816 zu Bayern und seit 1969 zum Landkreis Bad Dürkheim. Die Einwohnerzahl schwankt seit 200 Jahren zwischen etwa 590 und 790: 1815 waren es 695, 1835 schon 789 und 1905 nur 589.

Für Besucher heißt das: Forst ist so klein, dass ein Rundgang kaum eine Stunde dauert, die Lagen oberhalb des Dorfs sind aber weit über die Pfalz hinaus bekannt. Winzer verkaufen im Ort direkt; wie eine Probe abläuft und was sie kostet, steht auf der Seite zur Weinprobe in der Pfalz.

Welche Weinlagen hat Forst und was macht sie aus?

Auf der Gemarkung liegen acht Einzellagen, darunter Ungeheuer, Kirchenstück, Jesuitengarten, Musenhang, Pechstein, Freundstück, Elster und Bischofsgarten. Sie gehören zur Großlage Forster Mariengarten und sind zu rund 85 Prozent mit Riesling bestockt.

EinzellageFläche (Angabe in der Literatur)
Ungeheuer38,0 ha
Bischofsgarten46,7 ha
Pechstein19,0 ha
Musenhang17,7 ha
Elster8,4 ha
Jesuitengarten7,3 ha
Freundstück4,3 ha
Kirchenstück3,7 ha

Die Böden gelten als Besonderheit: Die Verbandsgemeinde nennt Basalt und verwitterten Sandstein, vermischt mit Kalk, Lehm und Ton, als Grund für die hohe Qualität. Das Basaltvorkommen stammt vom Pechsteinkopf westlich des Dorfs, einem Berg, an dem das Gestein bis ins 20. Jahrhundert abgebaut und mit einer Drahtseilbahn ins Tal gebracht wurde. Heute ist der Bereich Naturschutzgebiet. Warum sich Boden, Hang und Lage im Geschmack niederschlagen können und was die Herkunftspyramide mit Orts- und Lagenweinen meint, erklärt die Seite über die Weinlagen der Pfalz.

Eine Eigenheit ist die Namensdopplung: Eine Lage „Bischofsgarten“ führen auch die Nachbarn in Wachenheim, jeweils als eigene Einzellage der Gemarkung. Auf Etiketten gehört deshalb der Ortsname vor den Lagennamen, wie bei Forster Ungeheuer oder Wachenheimer Bischofsgarten. Im Herbst ist im Dorf besonders viel los, wenn die Trauben gelesen werden; was bei der Lese passiert und wann sie beginnt, beschreibt die Seite zur Weinlese in der Pfalz.

Die Rebfläche wird je nach Quelle mit rund 180 bis 200 Hektar angegeben; die Verbandsgemeinde nennt etwa 200 Hektar, die Literatur 180. Wer die Lagen im Gelände erkunden möchte, findet auf der Seite der Gemeinde einen Weinlagenwanderweg als Karte zum Herunterladen und eine „Weinfibel“. Am westlichen Ortsrand dient der Lagenstein mit den eingravierten Forster Weinlagen als Aussichtspunkt, und in der Lage Mariengarten steht eine Madonnenstatue. Bei Rundgängen in den Weinbergen sollten Sie die Wege nicht verlassen, denn die Reben sind Privatbesitz.

Dorfstraße mit Winzerhäusern aus Sandstein und Kirchturm, dahinter steigende Weinberge
Ortskern Winzerhäuser vor den Weinbergen. Symbolbild

Was gibt es im Dorf zu sehen?

Der Ortskern ist Denkmalzone. Besonders hübsch sind die Hauptstraße, die katholische Kirche St. Margareta und die Brunnen und Skulpturen, die auf Weinlagen und Brauchtum verweisen. Das Dorf lässt sich in einer knappen Stunde zu Fuß erkunden.

St. Margareta wurde zwischen 1716 und 1723 errichtet; ihr 40 Meter hoher Turm stammt von 1767. Am nördlichen und südlichen Ortseingang stehen die „Ungeheuer“, zwei Steinskulpturen, die auf die gleichnamige Lage anspielen: das Nördliche von Janet Weisbrodt, das Südliche von Bettina Morio. Dazu kommen der Eichbrunnen, der Pechsteinbrunnen und der Hansel-Fingerhut-Brunnen. Im Gebäude des Winzervereins erinnert das „Napoleon-Zimmer“ an eine Überlieferung, wonach Napoleon hier übernachtet haben soll.

In den Kirchenhügel wurde 1933 das Kriegerdenkmal als offene Krypta mit dreiteiligem Kreuzgewölbe gebaut. In den Weinbergen steht außerdem das Hahnenböhler Kreuz, das 1803 als hölzernes Wetterkreuz errichtet und 1886 durch ein Eisenkreuz ersetzt wurde; es steht allerdings auf der Gemarkung Deidesheim. Weiter westlich liegt am Waldrand die Bismarckhöhle, die 1885 zum 70. Geburtstag des Reichskanzlers Otto von Bismarck angelegt wurde; die Anfangsbuchstaben der Inschrift an ihrem Eingang ergeben den Namen „Bismarck“. Nahe der Gemeinde laufen der Dichterweg und der Pfälzer Weinsteig, über den Sie auch nach Wachenheim oder Deidesheim wandern können; er wird auf der Seite zum Pfälzer Weinsteig beschrieben.

Was ist das Hansel-Fingerhut-Spiel?

Das Hansel-Fingerhut-Spiel ist ein Sommertagsspiel, das seit 1721 nachweisbar ist und den Kampf zwischen Sommer und Winter darstellt. Es wird jedes Jahr am Sonntag Lätare gefeiert, drei Wochen vor Ostern. 2016 wurde es in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.

Zwei junge Männer verkörpern Sommer und Winter und stehen in kegelförmigen Häuschen aus Efeu und Stroh. Der Hansel-Fingerhut tritt als Narr in zerlumpter Kleidung mit geschwärztem Gesicht und Händen auf, treibt Schabernack und stellt den Mädchen nach. Weitere Figuren sind der Henrich-Fähnrich, der Scherer und die Nudelgret. Nach Presseberichten stammen alle Mitwirkenden aus Forst. Die Deutsche UNESCO-Kommission lobte die Einbindung der Forster Bürger und die Kontinuität durch das Engagement des Vereins.

Im Jahr 2027 fällt Ostern auf den 28. März, der Sonntag Lätare damit auf den 7. März; die Uhrzeiten und den Ablauf veröffentlicht der Brauchtumsverein Forst. Im März fällt der Termin oft in die Zeit der Mandelblüte am Haardtrand. Im Sommer lädt die Weinkerwe beim Ungeheuer am ersten Augustwochenende ein; im Dorf kommen später im Jahr Adventsangebote der Winzer dazu, 2026 etwa am 21. und 22. November und am 5. und 6. Dezember.

Wie komme ich nach Forst?

Mit dem Bus: Die Buslinie 512 verbindet Forst mit Neustadt an der Weinstraße. Der nächste Bahnhof liegt in Deidesheim, wenige Kilometer südlich; auch in Wachenheim hält die Regionalbahn. Wer die Gegend zu Fuß erkundet, geht am besten über den Weinsteig oder durch die Reben.

Mit dem Auto erreichen Sie Forst von der Bundesstraße 271 aus, die der Region seit den 1990er Jahren einen Kilometer östlich der Weinorte entlangführt; über den Anschluss Deidesheim ist die Autobahn 65 schnell erreichbar. Parken im Dorf ist begrenzt; planen Sie an Festtagen Fußwege ein. Zu den Nachbarorten gehören Deidesheim mit seinem Altstadtkern und Wachenheim mit Stadtmauer und Wachtenburg.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

  • Weingut & Gästezimmer

    Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.

    Übernachten beim Winzer
  • Hotel & Ferienwohnung

    Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.

    Hotels in der Pfalz
  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zu Forst an der Weinstraße

Wie viele Einwohner hat Forst?

Forst hat nach Angaben der Verbandsgemeinde Deidesheim rund 700 Einwohner und ist damit die kleinste Gemeinde der Urlaubsregion. Ein Stichtag wird nicht genannt; die Literatur nennt für 1997 mit 732 und für 1987 mit 669 ähnliche Werte.

Wie alt ist das Hansel-Fingerhut-Spiel?

Nachgewiesen ist das Spiel seit 1721; ältere Herkunftsgeschichten werden unterschiedlich erzählt. Eine kulturwissenschaftliche Studie der Universität Mainz hat den Brauch untersucht, ein Buch dazu ist bei Waxmann erschienen.

Kann man in Forst Wein probieren, ohne ein Weingut zu betreten?

Ja, im Forster Woiständ’l, dem Weinprobierstand der Gemeinde. Er ist nach Angaben der Gemeinde vom 15. März bis zum letzten Sonntag im Oktober an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Gibt es in Forst Hotels oder Ferienwohnungen?

Die Gemeinde führt ein Gastgeberverzeichnis. Eine Übersicht über Unterkünfte in der Region bietet die Seite Übernachten in der Pfalz.

Sind die Lagen frei zugänglich?

Die Wege durch die Weinberge sind öffentlich begehbar, die Reben selbst sind Privatbesitz. Gehen Sie nur auf den Wegen und nehmen Sie keine Trauben mit, vor allem zur Lese im Herbst.

Quellen: Ortsgemeinde Forst an der Weinstraße; Ortsgemeinde Forst: Hansel-Fingerhut-Spiel; Tourist-Information Deidesheim: Forst; Verbandsgemeinde Deidesheim: Ortsgemeinde Forst; Wikipedia: Forst an der Weinstraße. Stand: Oktober 2026.