Städte & Orte
Frankenthal (Pfalz): Porzellan und Stadttore
Porzellanstadt mit kurfürstlichen Toren zwischen Worms und Ludwigshafen

Kurz gesagt
Frankenthal (Pfalz) ist eine kreisfreie Stadt mit rund 49.500 Einwohnern zwischen Ludwigshafen und Worms. Berühmt wurde sie im 18. Jahrhundert durch ihre Porzellanmanufaktur, die von 1755 bis etwa 1800 bestand. Aus jener Zeit stehen noch das Speyerer und das Wormser Tor. Dazu kommen die Erkenbert-Ruine und das größte Straßenfest der Pfalz.
Wo liegt Frankenthal und was zeichnet die Stadt aus?
Frankenthal liegt im Nordosten der Pfalz in der Oberrheinischen Tiefebene, unmittelbar südlich von Worms und nördlich von Ludwigshafen. Die Isenach fließt durch die Stadt und mündet etwa sechs Kilometer weiter im Rhein. Mit rund 49.500 Einwohnern ist Frankenthal ein Mittelzentrum für die Gemeinden des Rhein-Pfalz-Kreises. Das Klima ist trocken: Der Jahresniederschlag liegt bei rund 530 Millimetern, deutlich weniger als in den Höhenlagen des Pfälzerwalds.
Die Stadt ist deutlich jünger als Speyer oder Worms. Zwar wird das Dorf Franconodal bereits 772 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch genannt, aber zur Stadt wurde es erst, als Kurfürst Friedrich III. 1562 das Augustiner-Chorherrenstift auflöste und die Gebäude an reformierte Flüchtlinge aus Flandern gab. Unter ihnen waren Kaufleute, Goldschmiede, Gobelinwirker und Textilfabrikanten, die der Stadt eine wirtschaftliche Blüte brachten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Frankenthal zur stärksten linksrheinischen Festung der Kurpfalz ausgebaut; im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Stadt mehrfach den Besitzer.
Im 18. Jahrhundert zählte Frankenthal zu den wichtigsten Orten des Kurfürstentums und wurde dritte Hauptstadt der Kurpfalz. Es entstanden über 20 Manufakturen, und ein Kanalhafen verband die Stadt ab 1781 mit dem Rhein; der Kanal wurde 1955 zugeschüttet. Am 23. September 1943 zerstörten Bomben einen großen Teil der älteren Bebauung, sodass die Innenstadt heute vor allem von Nachkriegsarchitektur geprägt ist. Die Stadt selbst beschreibt Tore, Mauerreste und Kirchen als ihre historischen Zeugnisse.
Die Wurzeln der Stadt liegen in einem Kloster: 1119 gründete der Wormser Adlige Erkenbert ein Augustiner-Chorherrenstift, sechs Jahre später seine Frau Richlindis ein Frauenstift. Das Chorherrenstift entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum; in seinem Skriptorium entstanden wertvolle Handschriften, darunter die Frankenthaler Bibel. Das Frauenstift wurde schon 1431 aufgehoben, das Chorherrenstift 1562.
Die Industrialisierung kam mit der Maschinenfabrik Hamm, die Georg Hamm 1845 gründete und die aus einer Glockengießerei von 1774 hervorging. Aus dieser Tradition entstanden Betriebe des Maschinen- und Pumpenbaus; auch die Kaiserglocke des Kölner Doms, 26 Tonnen schwer, wurde in Frankenthal gegossen und 1875 auf dem Kanal zum Rhein gebracht. Die Stadtmauer des 18. Jahrhunderts wurde um 1900 bis auf geringe Reste beseitigt, und 1919 kamen Flomersheim, Mörsch und Studernheim hinzu.
Was ist das Frankenthaler Porzellan?
Frankenthaler Porzellan ist das Erzeugnis der kurfürstlichen Manufaktur, die 1755 gegründet wurde und nur rund 45 Jahre bestand. Ihre Figuren und Services werden bis heute als wertvolle Antiquitäten gehandelt, und die Stadt nennt das Porzellan ihr „weißes Gold“.
Das Frankenthaler Porzellan ist ein Sammlungsschwerpunkt des Erkenbert-Museums. Nach den Angaben der Stadt (Stand der Meldungen: 6. Oktober 2026) ist das Museum derzeit zur Vorbereitung einer Sanierung geschlossen und öffnet nur zeitweise für Veranstaltungen; die stadtgeschichtliche Dauerausstellung ist nicht zugänglich. Als Ersatz nennt die Stadt die Ausstellung „Frankenthal. Eine Zeitreise.“ im ersten Obergeschoss des Rathauses. Ob das Museum wieder öffnet und wann, sollten Sie vor dem Besuch auf der Seite des Erkenbert-Museums prüfen.
Porzellan prägt auch das kulturelle Leben: Seit 1981 vergibt die Stadt jährlich den Perron-Kunstpreis, dessen Schwerpunkt abwechselnd bei Grafik, Malerei, Plastik und Porzellan liegt. Wer sich für die Zeit der Kurfürsten im größeren Zusammenhang interessiert, findet sie in der Übersicht zur Geschichte der Pfalz.

Welche Bauwerke und Plätze lohnen den Rundgang?
Einen kurzen Rundgang bilden die beiden Stadttore, die Erkenbert-Ruine, die Zwölf-Apostel-Kirche und das Rathaus. Alle liegen nah beieinander in der Innenstadt.
- Wormser Tor und Speyerer Tor: Beide wurden zwischen 1770 und 1773 gebaut und sind bis heute erhalten. Im Giebel des Wormser Tors ist ein Medaillon mit dem Bildnis von Kurfürst Carl Theodor zu sehen.
- Erkenbert-Ruine: Von der Stiftskirche des 1119 gegründeten Augustiner-Chorherrenstifts blieb die Ruine erhalten. Im Winter wird sie beim „Eiszauber“ mehrere Wochen lang zur Eislaufbahn.
- Zwölf-Apostel-Kirche: Der Weinbrenner-Schüler Johann Philipp Mattlener errichtete sie zwischen 1820 und 1823 und band den historischen Turm der Erkenbert-Ruine ein.
- Dreifaltigkeitskirche: Die katholische Kirche entstand im 18. Jahrhundert, als Frankenthal Residenz war.
Im Stadtbild stehen außerdem viele bemalte Löwenskulpturen: 149 Figuren sind es seit dem Festjahr 2002; der Löwe ist das Wappentier der Stadt. Der Wochenmarkt mit seinen Zeiten ist auf der Seite der Stadt beschrieben.
Was gibt es abseits der Innenstadt zu sehen?
Die Stadt nennt neben den Altstadtzielen das Strandbad, das Hofgut Petersau und das Kunsthaus als Orte, die zu einem Besuch gehören. Am Strandbad liegt mit dem Monte Scherbelino der höchste Punkt der Stadtgemarkung: ein kleiner Hügel von rund 117 Metern, der aus einer ehemaligen Mülldeponie entstanden ist.
Frankenthal ist flach und eignet sich gut für Radausflüge. Das städtische Leihradsystem wird nach Angaben der Stadt ab dem 1. März 2027 deutlich ausgebaut. Zum Rhein sind es von der Kernstadt nur wenige Kilometer, die Isenach begleitet Spaziergänger durch die Stadt. Einen Eindruck von der Geschichte der Wasserwege vermittelt auch der Kanal, der von 1772 bis 1781 gebaut und später zugeschüttet wurde.
Welche Feste und Veranstaltungen gibt es in Frankenthal?
Das Strohhutfest ist das größte Straßenfest der Pfalz: Es dauert vier Tage im Mai oder Juni und zieht nach verbreiteten Angaben mehr als 300.000 Besucher an. Weitere Termine im Jahr sind der Frühjahrsmarkt, das Strandbadfest im Juli, das Herbstspektakel im Oktober und der Weihnachtsmarkt im November und Dezember.
Ein genaues Datum für das Strohhutfest 2027 nennt die Stadt auf ihrer Veranstaltungsseite noch nicht; die Termine des Kalenders stehen auf der Seite Veranstaltungen der Stadt Frankenthal. Termine anderer Märkte im Überblick bietet die Seite zu den Weihnachtsmärkten in der Pfalz.
Sportlich ist Frankenthal für Kletterer interessant: Das DAV-Kletterzentrum Pfalz-Rock mit rund 1.200 Quadratmetern Kletterfläche und etwa 15 Metern Höhe ist Landesleistungsstützpunkt Sportklettern. Es ersetzt keine Felsen im Pfälzerwald, ist aber bei Regen eine Alternative; die Felsen selbst stehen auf der Seite zum Klettern in der Pfalz.
Wie komme ich nach Frankenthal?
Frankenthal liegt an der Bahnstrecke Mainz–Mannheim. Am Hauptbahnhof halten halbstündlich S-Bahnen der S-Bahn Rhein-Neckar und stündlich Regionalexpress-Züge Richtung Frankfurt und Mannheim beziehungsweise Karlsruhe. Aus Ludwigshafen und Mannheim kommen Sie mit der S-Bahn direkt.
Vom Hauptbahnhof fährt außerdem halbstündlich eine Regionalbahn nach Freinsheim und weiter nach Grünstadt. Diese Verbindung führt direkt ins Weinbaugebiet: Nach Freinsheim mit seiner Stadtmauer und nach Grünstadt am Rand des Leiningerlandes kommen Sie ohne Umstieg. Die Nachbarstadt Ludwigshafen ist ein weiteres Ziel auf derselben Strecke. Mit dem Auto erreichen Sie die Stadt über die Anschlussstelle Frankenthal-Nord der A 6 oder von Süden über die B 9 aus Richtung Speyer. Stadt- und Regionalbusse treffen sich am Busbahnhof; die Buslinie 460 ersetzt die frühere Lokalbahn nach Großkarlbach, die bis 1939 fuhr. Weitere Informationen zu Fahrplänen bietet die Seite Mit Bus und Bahn durch die Pfalz.
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Häufige Fragen zu Frankenthal
Wie viele Einwohner hat Frankenthal?
Die Stadt nennt 49.560 Einwohner für den 30. Juni 2023; das Statistische Landesamt führte für Ende 2021 noch 48.773. Davon wohnen rund 38.900 in der Kernstadt, der Rest in den Ortsbezirken Mörsch, Flomersheim, Eppstein und Studernheim.
Warum gibt es in Frankenthal so viele Löwen?
Der Löwe ist das Wappentier der Stadt. Im Festjahr 2002 zum 425-jährigen Stadtjubiläum wurden bemalte Löwenfiguren aufgestellt, von denen 149 im Stadtbild stehen. Sie wurden von Privatpersonen und Firmen gekauft.
Ist das Erkenbert-Museum geöffnet?
Laut Stadt Frankenthal ist das Museum derzeit zur Vorbereitung einer Sanierung geschlossen und öffnet nur zeitweise für Veranstaltungen. Bis dahin zeigt das Rathaus die Ausstellung „Frankenthal. Eine Zeitreise.“ im ersten Obergeschoss (Stand Oktober 2026).
Gehört Frankenthal zur Pfalz?
Ja, Frankenthal ist eine der acht kreisfreien Städte der Pfalz. Worms im Norden liegt dagegen in Rheinhessen und gehört nicht zur Pfalz.
Lohnt sich ein Ausflug nach Frankenthal ohne Auto?
Ja, die Stadt ist an die S-Bahn und die Regionalbahnstrecke ins Weinbaugebiet angebunden. Für Tore, Ruine und Rathaus reichen gut zwei Stunden, mit Freinsheim als Fortsetzung wird ein Tagesausflug daraus.
Quellen: Stadt Frankenthal: Stadtporträt; Stadt Frankenthal: Erkenbert-Museum; Stadt Frankenthal: Frankenthal in Zahlen; Stadt Frankenthal: Veranstaltungen; Wikipedia: Frankenthal (Pfalz). Stand: Oktober 2026.