Städte & Orte
Gimmeldingen: das Mandeldorf an der Haardt
Weindorf unter dem Weinbiet mit rund 2.500 Mandelbäumen

Kurz gesagt
Gimmeldingen ist ein Weindorf am Haardtrand, rund drei Kilometer nördlich der Neustadter Innenstadt, und seit 1969 ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße. Bekannt ist es für rund 2.500 Mandelbäume, das Mandelblütenfest im März und die Weinlage Meerspinne. Außerhalb der Blüte ist es ein ruhiger Ausgangspunkt für Wanderungen ins Gimmeldinger Tal und aufs Weinbiet.
Wo liegt Gimmeldingen?
Gimmeldingen liegt an der Deutschen Weinstraße am Ostrand des Pfälzerwalds, dort, wo die Haardt zur Rheinebene abfällt. Der Ortskern gruppiert sich auf einem Hügel um die protestantische Kirche, das Dorf ist aber längst in die Talaue des Mußbachs und die Hänge hinauf gewachsen. Nachbarn sind im Süden die Neustadter Kernstadt und Haardt, im Norden Königsbach und im Osten Mußbach, mit dem Gimmeldingen schon im 19. Jahrhundert zusammengewachsen ist. Die gemeinsame Hauptstraße heißt heute Kurpfalzstraße.
Westlich erhebt sich das 554 m hohe Weinbiet, einer der markantesten Berge der Haardt mit Sendemast und Aussichtsturm. Im Windschatten dieses Bergs fallen nach Angaben des Ortsporträts in der Wikipedia im Jahr weniger als 500 mm Niederschlag, damit gehört Gimmeldingen zu den trockensten Gegenden Deutschlands. Dieses milde, trockene Klima erklärt, warum hier neben Reben auch Mandeln, Feigen und Esskastanien gedeihen.
Die Geschichte des Orts reicht weit zurück. Bei Bauarbeiten fand man 1926 die Grundmauern eines römischen Mithras-Heiligtums, das ein Römer namens Materninius Faustinus im Jahr 325 errichten ließ; das Relief ist im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen, eine Nachbildung an der Nikolauskirche. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Gimmeldingen zur Kurpfalz, 1751 ging das Nachbardorf Lobloch im Ort auf, ab 1816 gehörte er wie die ganze Pfalz zu Bayern. Seit 1935 trug das Dorf den Zusatz „an der Weinstraße“, 1969 wurde es in die Stadt Neustadt an der Weinstraße eingemeindet.
Was ist in Gimmeldingen sehenswert?
Vor allem das Ortsbild. Sandsteinmauern, schmale Gassen und Winzerhöfe mit Torbögen prägen den Kern, der wie die Kurpfalzstraße als Denkmalzone geschützt ist. Gimmeldingen ist staatlich anerkannter Erholungsort. Die wichtigsten Bauwerke liegen nahe beieinander und lassen sich in einem Rundgang von ein bis zwei Stunden verbinden.
- Laurentiuskirche: die protestantische Kirche am Kirchplatz, entstanden aus einem kleinen romanischen Saalbau vor 1160; der Turm mit doppelten Schallarkaden ist romanisch, das Schiff wurde 1803 umgebaut.
- Nikolauskirche: die kleine hochgotische Kirche des früheren Dorfes Lobloch mit romanischem Turm, nach langem Verfall 1957 neu geweiht, mit Glasfenstern von Erhardt Klonk.
- Loblocher Schlössel: eines der auffälligsten Gebäude an der Kurpfalzstraße.
- Alte Burg: geringe Mauerreste einer Burg aus der Salierzeit um 1100 auf dem Kieselberg am Ostrand des alten Ortskerns.
- König-Ludwig-Pavillon: ein achteckiges Weinberghäuschen auf dem Neuberg, benannt nach König Ludwig I. von Bayern, der hier gern die Aussicht genoss; ein Sandstein trägt die Inschrift „Der Garten Deutschlands – die blühende Pfalz! Ludwig I. 1856“.
- Schlösschen Hildenbrandseck: ein Renaissancebau von 1573/74 am Erlenbach zwischen Gimmeldingen und Königsbach, an der früheren Grenze zwischen Kurpfalz und Hochstift Speyer.
- Klettergarten: der ehemalige Gemeindesteinbruch im Buntsandstein, seit 2007 mit rund 60 Routen der größte Klettersteinbruch im Pfälzerwald.

Was macht den Gimmeldinger Wein aus?
Gimmeldingen ist ein Weindorf; Weinbau ist der wichtigste Zweig der Landwirtschaft, und im Ortskern reihen sich Weingüter, Weinstuben und Straußwirtschaften, saisonale Ausschänke der Winzer. Der berühmteste Name ist die Meerspinne. Ursprünglich war sie eine nur rund 7 ha große Einzellage im Norden der Gemarkung, seit 1971 ist sie eine Großlage von rund 846 ha mit 19 Einzellagen in Gimmeldingen, Königsbach, Mußbach und Neustadt. Die alte Kernlage heißt heute „Mandelgarten“. Weitere Einzellagen sind „Biengarten“, „Kapellenberg“ und „Schlössel“.
Mit Spinnen hat der Name nichts zu tun, auch wenn eine Kreuzspinne als Werbesymbol dient. Eine Deutung leitet ihn von „Mehrspänner“ ab, weil man an den Hängen ein zweites Zugtier vorspannen musste; der Heimatforscher Alfred Sitzmann verwies auf einen Flurnamen „in der merspin“ aus einem Zinsbuch von 1476. Welche Erklärung stimmt, ist offen. Die Lagen am Fuß des Weinbiets sind trocken, sandig und erwärmen sich schnell; angebaut werden unter anderem Riesling und Spätburgunder.
Wer mehr über die Arbeit im Wingert, wie der Weinberg in der Pfalz heißt, erfahren will, kann sich einer Führung anschließen. 2026 boten die Gimmeldinger Gästeführer vom 26. August bis 3. Oktober mittwochs und samstags um 14.30 Uhr einen Spaziergang ab dem Kirchplatz an, der zu einem kleinen Weingarten mit den zwölf wichtigsten Rebsorten der Pfalz und zum König-Ludwig-Pavillon führt; der Preis lag bei 15 Euro einschließlich eines Glases Wein. Die Termine für 2027 stehen noch nicht fest (Stand: 22.10.2026).
Wie erlebt man die Mandelblüte in Gimmeldingen?
Gimmeldingen hat einen der dichtesten Mandelbestände an der Weinstraße: Nach Angaben der Stadt Neustadt stehen in der Gimmeldinger Flur rund 2.500 Mandelbäume, im Dorf, an Straßen und Feldwegen und in den Weinbergen. Sie blühen meist im März, je nach Winter auch früher oder später. Ab Anfang März öffnen viele Weingüter ihre Straußwirtschaften, sodass man die Blüte auch abseits der Festtage mit einem Glas Wein erleben kann. Wann die Mandeln an der ganzen Weinstraße blühen und wo sie sonst noch stehen, erklärt die Seite über die Mandelblüte in der Pfalz.
Der klassische Spaziergang ist der Mandelblüten-Panoramaweg von rund 4,2 km über Haberackerstraße, Fürstenweg und Weinlehrpfad zum König-Ludwig-Pavillon und über die Neubergstraße zurück. Von oben sieht man über die Rheinebene und den Haardtrand bis zum Hambacher Schloss. Am nördlichen Ortsausgang Richtung Hildenbrandseck und Königsbach, an der Stelle „Motz“, steht der Mandel-Lehrpfad mit Tafeln zu den Sorten. Gimmeldingen liegt außerdem am Pfälzer Mandelpfad, der über rund 100 km von Bockenheim bis Schweigen führt.
Höhepunkt des Jahres ist das Gimmeldinger Mandelblütenfest, das seit 1934 gefeiert wird und als erstes Weinfest des Jahres in der Pfalz gilt. 2026 fand es an zwei Wochenenden statt, vom 13. bis 15. und vom 20. bis 22. März. Der Termin für 2027 ist noch nicht verkündet (Stand: 22.10.2026); er wird kurzfristig nach dem Blütenstand festgelegt.
Was kann man außerhalb der Mandelblüte unternehmen?
Wandern, Wein und Einkehr. Westlich des Dorfes führt das Gimmeldinger Tal am Mußbach entlang in den Pfälzerwald. Hier standen früher zwölf Mühlen, sechs davon auf Gimmeldinger Gebiet; ein Mühlenwanderweg mit Tafeln verbindet die Standorte. Im Tal liegt die Looganlage, ein 1913 von der Gimmeldinger Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins als Jagdhaus gebautes und heute privat bewirtschaftetes Ausflugslokal, an dem auch der Pfälzer Weinsteig vorbeiführt. Weiter oben, am Zulauf des Benjentals, steht eine kleine Pfälzerwaldhütte.
Das zweite Ziel ist das Weinbiet. Auf dem Gipfel in 554 m Höhe betreibt der Pfälzerwald-Verein das Weinbiethaus, das die 1906 gegründete Ortsgruppe Gimmeldingen 1928 aus rotem Sandstein errichtete; daneben stehen der Weinbietturm und ein Sendemast. Von Gimmeldingen führt der alte Eselspfad hinauf, ein für Autos gesperrter Versorgungsweg, aus dem Meisental bei Haardt eine Fahrstraße. Vom Ort bis zum Gipfel sind es rund 350 Höhenmeter. Öffnungszeiten der Hütten wechseln; sie stehen auf den Seiten des Pfälzerwald-Vereins.
Über das Jahr gibt es mehrere Dorffeste. Neben dem Mandelblütenfest nennt die Ortschronik in der Wikipedia den Loblocher Weinzehnt an Pfingsten, die Weinkerwe (Kerwe heißt in der Pfalz die Kirchweih) am dritten Augustwochenende und den Gimmeldinger Herbst im Oktober. Im Winter bieten Gästeführerinnen Glühweinwanderungen mit Blick über die Ebene an. Die Termine einzelner Veranstaltungen veröffentlicht die Stadt Neustadt im Veranstaltungskalender.
Wie kommt man nach Gimmeldingen?
Mit der Bahn bis zum Haltepunkt Neustadt (Weinstr)-Mußbach an der Strecke Neustadt – Bad Dürkheim – Grünstadt; von dort erreicht man den Ortskern zu Fuß. Neustadt Hauptbahnhof liegt rund drei Kilometer südlich und wird von S-Bahnen und Regionalzügen angefahren; vom Bahnhof fahren Stadtbusse in die Weindörfer, die Fahrpläne stehen beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar. Mit dem Auto führt die Anschlussstelle Neustadt-Nord der A 65 über Mußbach nach Gimmeldingen. Zu Fuß erreicht man Gimmeldingen von der Neustadter Altstadt auf dem Mandelpfad über Haardt.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
Weingut & Gästezimmer
Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.
Übernachten beim WinzerHotel & Ferienwohnung
Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.
Hotels in der PfalzCamping & Wohnmobil
Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
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Häufige Fragen zu Gimmeldingen
Gehört Gimmeldingen zu Neustadt an der Weinstraße?
Ja. Gimmeldingen war bis 1969 eine eigenständige Gemeinde und ist seitdem einer der Ortsbezirke der kreisfreien Stadt Neustadt an der Weinstraße, mit eigenem Ortsbeirat und Ortsvorsteher. Die Postleitzahl ist 67435.
Wann blühen die Mandelbäume in Gimmeldingen?
Meist im März, in milden Jahren schon Anfang März, in kalten Jahren bis in den April. Weil das Mandelblütenfest dem Blütenstand folgt, ist sein Termin der beste Anhaltspunkt; er wird kurzfristig bekannt gegeben.
Kann man in Gimmeldingen übernachten?
Ja, vor allem Winzerbetriebe vermieten Gästezimmer und Ferienwohnungen; weitere Unterkünfte gibt es in Neustadt. Zur Mandelblüte und zur Weinlese sind die Zimmer gefragt; wer zum Fest kommen will, bucht früh und möglichst stornierbar.
Warum heißt die Weinlage Meerspinne?
Das ist nicht geklärt. Eine Erklärung führt den Namen auf „Mehrspänner“ zurück, also auf Fuhrwerke mit zusätzlichem Zugtier an den steilen Hängen; eine andere auf einen alten Flurnamen aus dem 15. Jahrhundert. Mit Spinnen hat er nichts zu tun.
Ist Gimmeldingen mit Kindern einen Ausflug wert?
Ja, vor allem für eine Wanderung ins Gimmeldinger Tal mit Bach und Mühlenresten oder hinauf zum Weinbiet mit Aussichtsturm. Zum Mandelblütenfest gibt es einen Kinderbereich, an den Festwochenenden ist es aber sehr voll.
Quellen: Stadt Neustadt an der Weinstraße: Gimmeldingen; Stadt Neustadt: Tourismus und Wein in Gimmeldingen; Stadt Neustadt: Die Gimmeldinger Mandelblüte; Pfalz.Touristik: Pfälzer Mandelwochen; Pfälzerwald-Verein; Verkehrsverbund Rhein-Neckar; Wikipedia: Gimmeldingen; Wikipedia: Gimmeldinger Meerspinne; Wikipedia: Weinbiethaus. Stand: Oktober 2026.