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Gleisweiler: Urkunde 1007, Kurhaus von 1844, Zehnthof und Walddusche im Hainbachtal

Weinort am Haardtrand mit Erwähnung von 1007, Denkmalzone im Ortskern, Zehnthof von 1753, Kurhaus von 1844 und der Kaltwasser-Walddusche von 1849 im Hainbachtal

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am Erwähnt 1007 · Walddusche

Weinbergreihen an einem sanften Osthang im Spätsommer mit reifenden Trauben, dahinter bewaldete Hügel und die diesige Rheinebene
Weinberg Weinberge am Haardtrand. Symbolbild

Kurz gesagt

Gleisweiler liegt am Haardtrand in der Südlichen Weinstraße und gehört zur Verbandsgemeinde Edenkoben. Der Ort wird 1007 als „Glizenwilere“ erstmals erwähnt, kam 1587 an die Kurpfalz und besitzt einen denkmalgeschützten Ortskern mit Fachwerkhöfen, Renaissance-Torbögen und einem kurpfälzischen Zehnthof von 1753. Im 19. Jahrhundert entstand hier ein Kaltwasser-Kurbetrieb mit klassizistischem Kurhaus von 1844 und einer Waldbadeanlage im Hainbachtal, die 1849 gebaut wurde.

Wo liegt Gleisweiler?

Gleisweiler liegt im Landkreis Südliche Weinstraße am Ostrand des Pfälzerwaldes, dort, wo die Haardt in die Rheinebene übergeht. Die Gemeinde gehört seit dem 1. Oktober 1972 zur Verbandsgemeinde Edenkoben. Zur Umgebung gehören Burrweiler, Gleiszellen-Gleishorbach, Rhodt unter Rietburg und die Stadt Landau in der Pfalz. Aus dem Ort führt das Hainbachtal in den Wald, in dem eine der ungewöhnlichsten Anlagen der Pfalz steht: die Walddusche, zu der ein eigener Abschnitt weiter unten führt.

Der Ort liegt mitten im Weinbaugebiet. Der Pfälzer Wein wird seit der Römerzeit an den südöstlichen Hängen des Haardtrandes angebaut, wie die Gemeinde in ihrer Ortsgeschichte festhält. Die Gesamtregion stellt die Seite Südliche Weinstraße vor, den Anbau die Seite zur Weinregion Pfalz. Wege zwischen den Reben beschreibt die Seite Weinwanderungen.

Was weiß man über die Geschichte von Gleisweiler?

Gleisweiler erscheint 1007 erstmals in einer Urkunde, als König Heinrich II. im Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Bamberg Besitz übertrug. Der Ort heißt dort „Glizenwilere“. Gleisweiler, Hochstadt und Wollmesheim kamen damals an das Domstift Speyer; das Domstift selbst stellt die Seite zum Speyerer Dom vor. 1587 verkaufte das Domstift den Ort an die Kurpfalz, die Gleisweiler fortan verwaltete. Zur Geschichte dieser Landesherrschaft führt die Seite Kurpfalz.

Die Kriege des 17. Jahrhunderts trafen den Ort hart. 1637, nach dem Dreißigjährigen Krieg, lebten in Gleisweiler nur noch 13 Männer. Kurfürst Karl Ludwig warb deshalb mit einem Einwanderungspatent vom 7. August 1650 neue Siedler an. 1685 meldete Ludwig XIV. Erbansprüche auf die Pfalz an, was zum Pfälzischen Erbfolgekrieg führte.

Mit der Französischen Revolution erreichten 1789 Kämpfe auch Gleisweiler. Im Frieden von Lunéville fiel 1801 das linke Rheinufer an Frankreich, und 1804 traten der Code civil und weitere französische Gesetze in Kraft; die Leibeigenschaft endete. Im Januar 1814 fiel das Gebiet an Deutschland zurück und stand danach unter österreichisch-bayerischer Verwaltung, bevor die Pfalz bayerisch wurde (siehe Bayerische Pfalz). Im Mai 1832 fand das Hambacher Fest statt, das die Ortsgeschichte in ihre Chronik aufnimmt.

Was steht im denkmalgeschützten Ortskern?

Der Ortskern von Gleisweiler ist eine Denkmalzone. Sie umfasst Teile der Badstraße, der Bergstraße, der Hauptstraße, der Kirchstraße, der Kronstraße und der Weinstraße. Die weitgehend geschlossene historische Baustruktur zeigt malerische Straßenbilder mit Wohnhäusern vor allem des 16. bis 18. Jahrhunderts, oft in Fachwerk, und mit Hofanlagen, die häufig Torbögen besitzen.

Einzelne Bauten lassen sich an ihren Jahreszahlen ablesen. In der Kirchstraße 2 steht eine Hofanlage des 16. bis 19. Jahrhunderts mit einem eingeschossigen Fachwerkhaus über einem Hochkeller, das 1596 bezeichnet ist. In der Kronstraße 2 steht ein barockes Fachwerkhaus über Hochkeller von 1728, in der Kronstraße 6 ein barockes Fachwerkhaus, teils massiv, das 1707 und 1708 bezeichnet ist. Die Hofanlage in der Bergstraße 17 reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, ihr eingeschossiges Wohnhaus über Hochkeller trägt die Jahreszahl 1616. In der Bergstraße 4 gehört zu einem großen barocken Wohnhaus ein Renaissance-Torbogen, dessen Nebenpforte 1619 bezeichnet ist; dazu kommen ein Garten mit Stützmauer und eine barocke Pforte.

In der Hauptstraße 3 steht ein herrschaftliches Wohnhaus, ein spätklassizistischer Mansardwalmdachbau von 1842. Die spätbarocke Hofanlage in der Hauptstraße 7 hat einen Krüppelwalmdachbau von 1755 und einen Torbogen von 1763. In der Hauptstraße 9 steht ein stattlicher barocker Walmdachbau des 18. Jahrhunderts, in der Hauptstraße 14 ein barockes Wohnhaus über Hochkeller mit einem Renaissance-Torbogen um 1600. An der Hauptstraße 5 ist ein Werkstein eines Renaissance-Torbogens um 1600 als Spolie eingebaut, an der Hauptstraße 21 ein Reliefstein von 1787. In der Badstraße 11 trägt eine Haustür die Jahreszahl 1827.

Wozu diente der kurpfälzische Zehnthof?

Der Zehnthof in der Badstraße 7 war der Sammelplatz für die Abgaben, die die Bauern an ihre Landesherren entrichten mussten. Die barocke Dreiflügelanlage von 1753 entstand nach den Plänen des Hofbaumeisters S. Zeller und diente auch als katholisches Pfarrhaus.

Der Platz zwischen den beiden Kirchen heißt seit dem 12. September 2021 Heiner-Geißler-Platz heißt. Heiner Geißler lebte von 1980 bis 2017 in Gleisweiler; er war von 1967 bis 1977 Sozialminister von Rheinland-Pfalz.

Welche Kirchen besitzt Gleisweiler?

Die katholische Pfarrkirche St. Stephan in der Hauptstraße 22 hat einen gotischen Chorturm des 14. Jahrhunderts, der zum spätbarocken Saalbau gehört. Zur Kirche gehören ein spätbarockes Steinkruzifix von 1763 und das Grabmal S. Fleischbein, ein Rokokokreuz um 1784. Das 250-jährige Jubiläum der Pfarrkirche feierte die Gemeinde im Jahr 2010.

Die protestantische Martin-Bucer-Kirche in der Badstraße 5 ist ein Sandsteinquaderbau im Heimatstil, bezeichnet 1954; die Grundsteinlegung war am 23. Mai 1954. Älter als das Gebäude sind seine Teile: Das Portalgewände trägt die Jahreszahl 1616, und ein eingeschossiges Nebengebäude besitzt Renaissancespolien von 1594. In der Badstraße steht außerdem ein Denkmal für Prinz Luitpold, ein Rotsandsteinblock mit Reliefbildnis von 1911.

Was ist das Kurhaus Bad Gleisweiler?

In der Badstraße 28 steht das Kurhaus Bad Gleisweiler, eine eigene Denkmalzone. Das spätklassizistische Hauptgebäude unter Walmdach wurde 1844 von Leo von Klenze errichtet und trägt den Namen „Sonnentempel-Sanatorium“. Es gehörte zur Kaltwasserheilanstalt von Bad Gleisweiler.

Zum Kurhaus gehört ein großer Landschaftsgarten mit Teich und exotischen Bäumen und Sträuchern. Er besteht aus zwei Teilen, die eine Brücke über einen öffentlichen Weg verbindet. Im Park steht der Gartenpavillon „Sonnentempel“ aus der Zeit um 1780. Er stand ursprünglich in Landau bei der Brauerei Schneider an der Königstraße und der Kirchstraße und wurde nach Gleisweiler versetzt. Der Pavillon öffnet sich zur Südseite in einer halbkreisförmigen Säulenstellung und trägt oben ein Belvedere mit Attikabrüstung. Weitere Gartenhäuser in Fachwerk stammen aus dem 19. Jahrhundert, am Brunnen steht die Skulptur eines Mädchens, die mit MDCCCLIX, also 1859, bezeichnet ist.

Die Geschichte des Kurhauses begleitete die Geschichte des Landes. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Kurhaus Lazarett. 1940 waren im Sanatorium und im Ort rund 500 Soldaten des IX. Armeekorps einquartiert. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1944 wurde das Sanatorium bei einem Luftangriff bombardiert; am 23. und 24. März 1945 rückten amerikanische Truppen ein, im April übergaben sie an die französische Besatzung.

Was ist die Walddusche im Hainbachtal?

Rund 1,3 Kilometer südwestlich des Ortes liegt im Hainbachtal am Ostrand des Pfälzerwaldes die Walddusche, eine Kaltwasser-Badeanlage. Der Arzt Dr. Ludwig Schneider beantragte 1847 bei der Bürgermeisterei Gleisweiler den Bau einer „Wald-Douche“ am Waldrand. Gebaut wurde sie 1848/49. Sie diente den Patienten der Kaltwasserheilanstalt Bad Gleisweiler.

Die Anlage ist ein offenes Badehaus aus gehauenen Sandsteinquadern, rund 8 mal 6,80 Meter groß. Der Baderaum ist in mehrere Becken unterteilt, dazu gehört eine Umkleidekabine; die Becken erreicht man über Stufen. Das Wasser kommt aus dem Hainbach durch eine rund 80 Meter lange Werksteinrinne mit Gefälle und fällt etwa 3 Meter tief als Strahl ins Becken. Das benutzte Wasser fließt in den Hainbach zurück. Die Temperatur liegt zwischen 8 und 12 Grad. Behandelt wurde mit „Douche“, „Sturzbad“ und „Wellenbad“; die letzte Erwähnung stammt von 1878.

Danach geriet die Anlage in Vergessenheit, und ein Hangrutsch deckte sie nach und nach mit Erde zu. 1990 wurde die ursprüngliche Wasserzuleitung zufällig gefunden. 1991 begann unter dem damaligen Bürgermeister Josef Götz mit Freiwilligen die Ausgrabung. Seit 1992 kümmert sich der Förderverein zum Wiederaufbau der ehemaligen Walddusche um die Anlage, 1996 wurde sie wieder eröffnet. Als Kulturdenkmal steht sie unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes. Wer zu Fuß dorthin will, beginnt am Waldparkplatz „Lindenallee“ im Ort.

Die Wanderung führt durch den Wald des Haardtrandes. Zu dessen Quellen und Brunnen finden Sie weitere Hinweise auf der Seite zu Brunnen und Quellen im Pfälzerwald, zu den Wegen die Seite Pfälzerwald.

Ein klarer Waldbach über rote Sandsteinblöcke in einem Buchenwaldtal, Moos, Farne und gesprenkeltes Sonnenlicht
Waldbach Waldbach im Buchenwald. Symbolbild

Welche Mühlen und Zeugnisse liegen im Hainbachtal?

Im Hainbachtal stehen zwei ehemalige Mühlen als Kulturdenkmäler. Die Mühle Hainbachtal 1 ist eine geschlossene Anlage mit Torbau aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Mühle Hainbachtal 3 ist ein spätklassizistischer Walmdachbau der Mitte des 19. Jahrhunderts.

An der Landstraße 507 steht ein spätgotischer Bildstock. Entlang der Straße liegen außerdem Sühnkreuze aus Sandstein an der Grenze zu Burrweiler. Zu den Kleindenkmälern am Haardtrand führt die Seite Wetterkreuze. Die Bildstöcke der Nachbarorte beschreibt die Seite Bildstöcke in Maikammer und Alsterweiler.

Was zeigt der Friedhof an der Landstraße?

Der Friedhof an der L 507 ist als Denkmalzone geschützt. Ein Abschnitt der spätbarocken Friedhofsmauer entlang der Straße entstand um 1760/62; die Pfeiler des Eingangs sind wie die Pfeiler der Kirchhofsmauer gestaltet, 1904 wurde der Friedhof erweitert. Er enthält zahlreiche Grabmäler des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter eine historisierende Sandsteinstele für Elisabeth Unger (1800 bis 1871) und Heinrich Unger (1875 bis 1916). Das Grabmal von J. G. Ellermann (1762 bis 1822), protestantischer Kirchenältester und Bürgermeister, ist eine klassizistische Stele mit Urnenbekrönung.

Das Grabmal von Peter Ottenat (1800 bis 1833), Pfarrer, ist klassizistisch gestaltet: Über einem Sandsteinkubus mit Inschriften und Reliefs steht eine große gusseiserne Urne. Eine neugotische Stele mit Wappen und Motto, die Landauer Steinmetze fertigten, erinnert an C. L. Johann von Barthelemy (1783 bis 1856). Dazu kommen ein barockes Friedhofskreuz des 18. Jahrhunderts mit Kruzifix und der heiligen Maria Magdalena sowie ein Grabmal für den Schultheißen Simon Fischbein (gestorben 1784) und den Schöffen Heinrich Guthmann (gestorben 1779).

Nahaufnahme eines Edelkastanienzweigs mit stacheligen grünen Fruchtbechern und goldenem Herbstlaub am Waldrand
Edelkastanie Edelkastanienzweig. Symbolbild

Was bietet Gleisweiler Weinfreunden?

Gleisweiler ist ein Weinort. 1952 wurde Anneliese Bender aus Gleisweiler zur Pfälzischen Weinkönigin gewählt; zum Amt führt die Seite Weinkönigin. Die Gemeinde gewann 1989 den Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und erhielt 2010 beim Erlebnistag Deutsche Weinstraße den ersten Preis als „Blühendster Ort“. Entlang der Deutschen Weinstraße erschließen Rad- und Wanderwege die Orte am Haardtrand; hierzu gehören die Seiten Deutsche Weinstraße und Radweg Deutsche Weinstraße.

Auf der Gemarkung steht außerdem ein Baum, der 2021 als Nationalerbe-Baum ausgezeichnet wurde: die Kastanie in der Bergstraße mit einem Stammumfang von 7,77 Metern. Edelkastanien wachsen am gesamten Haardtrand; ihre Verwendung in der Pfälzer Küche zeigt die Seite Keschde-Küche.

Wie lässt sich Gleisweiler erkunden?

Ein Spaziergang beginnt an der katholischen Kirche und führt durch die Hauptstraße zu den Fachwerkhöfen der Kronstraße und Kirchstraße, dann zum Zehnthof in der Badstraße. Von dort gelangen Sie zum Kurpark mit dem Sonnentempel. Wer länger unterwegs sein will, wandert über die Lindenallee ins Hainbachtal zur Walddusche und weiter am Haardtrand nach Burrweiler oder Rhodt. Weitere Orte in der Umgebung sind Edenkoben und Leinsweiler.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

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Häufige Fragen zu Gleisweiler

Wann wird Gleisweiler erstmals erwähnt?

1007 als „Glizenwilere“ in einer Urkunde König Heinrichs II.

Wer baute das Kurhaus Bad Gleisweiler?

Das spätklassizistische Hauptgebäude entstand 1844 nach einem Entwurf von Leo von Klenze.

Was ist die Walddusche?

Eine Kaltwasser-Badeanlage im Hainbachtal von 1849 aus Sandsteinquadern mit einer rund 80 Meter langen Zuleitung und einem Wasserfall von etwa 3 Metern.

Wann wurde die Walddusche wiederentdeckt?

1990 fand man die Wasserzuleitung zufällig, 1991 begann die Ausgrabung, 1996 wurde die Anlage wieder eröffnet.

Wozu diente der Zehnthof?

Er war ein kurpfälzischer Zehnthof und zugleich katholisches Pfarrhaus; die barocke Dreiflügelanlage entstand 1753.

Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Gleisweiler?

Zur Verbandsgemeinde Edenkoben im Landkreis Südliche Weinstraße.

Quellen: Ortsgemeinde Gleisweiler: Historisches; KuLaDig: Walddusche bei Gleisweiler; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Südliche Weinstraße. Stand: November 2026.