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Gönnheim: Römergräber, Urkunde von 771 und der Ortskern von 1800

Mittelhaardt-Dorf mit römischem Gräberfeld von 2001, erster Erwähnung 771 und einem Ortskern aus Haken- und Dreiseithöfen um 1800

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am Erwähnt 771 · Römergräber

Streuobstwiese mit Nussbäumen, Kastanien und einem blühenden Mandelbaum am Rand von Weinbergen vor bewaldeten Hügeln im Herbstlicht
Streuobst Streuobstwiese am Weinbergrand. Symbolbild

Kurz gesagt

Gönnheim liegt zwischen Haardt und Rhein in der Mittelhaardt, im Landkreis Bad Dürkheim. 771 wird das Dorf als „Ginnenheim“ erstmals urkundlich erwähnt, als zwei Brüder Besitz an die Klöster Lorsch und Fulda schenkten; die Urkunde belegt schon Weinbau. Spätrömische Gräber mit Steinsärgen, ein Ortskern aus Haken- und Dreiseithöfen um 1800 und ein Wohnhaus mit der Dendro-Datierung 1492 erzählen von mehr als anderthalb Jahrtausenden.

Wo liegt Gönnheim, und wozu gehört es?

Gönnheim liegt in der Pfalz im Weinbaugebiet Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße. Der Ort gehört zur Verbandsgemeinde Wachenheim an der Weinstraße, die 1972 aus Ellerstadt, Friedelsheim, Gönnheim und der Stadt Wachenheim entstand. Die Lage zwischen dem Haardtgebirge und dem Rhein bringt ein mildes Klima: Hier gedeihen Kastanien, Mandeln, Feigen, Kiwis, Aprikosen und Pfirsiche. Mehr zum Zentralort der Verbandsgemeinde steht auf der Seite Wachenheim, die Kreisstadt beschreibt die Seite Bad Dürkheim.

Was verraten die römischen Gräber von Gönnheim?

Bodenfunde, alte Aufzeichnungen und Funde aus dem Jahr 2001 belegen spätantike Siedlungen auf der Gönnheimer Gemarkung. Bedeutende Gräber lagen in den Fluren „Auf den Wiesen“, „Rödersheimer Weg“ und vor allem „Gänsewiese“. Zu den Beigaben gehörten Keramik, etwa 30 Glasgefäße, Lampen, Fibeln aus Bronze und Silber und römische Münzen. Die Datierung reicht von der Mitte des 4. bis zum frühen 5. Jahrhundert. Ziegelbruchstücke nahe dem Friedhof weisen auf eine Siedlung in der Nähe hin.

2001 entdeckte man bei der Erschließung des Baugebiets Pferchwiesen ein Gräberfeld vom Ende des 4. beziehungsweise Anfang des 5. Jahrhunderts: 31 Bestattungen, davon neun in Sarkophagen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Archäologie Speyer, legte es unter Leitung von Prof. Dr. Bernhard frei. Sarkophage und Beigaben sind von hoher Qualität; die Bestatteten gehörten einem wohlhabenden Personenkreis an. Die Sarkophage stehen hinter der Martinskirche und in der Villa rustica in Wachenheim; die besten Funde sind im Archäologischen Schaufenster in Speyer zu sehen.

Hinter der Kirche liegt das Römergärtchen mit neun Steinsärgen aus Haardt-Sandstein, das der Heimat- und Kulturverein anlegte. Mehr zur römischen Pfalz steht auf der Seite Römer in der Pfalz.

Kleiner Bach mit klarem Wasser in einer feuchten Wiese mit Weiden und Schilf im Morgennebel
Wiesenbach Bach in der Wiese. Symbolbild

Woher kommt der Name, und was steht in der Urkunde von 771?

Nach dem Ende der römischen Rheingrenze zogen 406 Alanen, Wandalen und Sweben über den Rhein. 437 zerstörten die Hunnen das 413 gegründete Burgunderreich, 451 vollendeten sie die Verwüstung. Im 6. Jahrhundert siedelten wieder Alemannen und Franken. Drei fränkische Gräber auf der Gewann „Schelmengewann“ werden auf die Zeit um 700 datiert. Der fränkische Sippenführer Ginno gab dem Ort seinen Namen.

771 schenkten die Brüder Arnold und Volrad den Besitz ihres Vetters Irmiolf in „Ginnenheim“ je zur Hälfte den Klöstern Lorsch und Fulda. Es ist die erste urkundliche Erwähnung, und sie belegt bereits Weinbau. Zu den Klöstern der Region siehe die Seite Klöster und Abteien.

Wie überstand das Dorf Kriege, Brände und Auswanderung?

Im 16. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung: 1521 zählte das Dorf 124 Einwohner, 1592 waren es 184. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 brannte der Ort bis auf drei Häuser nieder. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 hinterließen französische Truppen verbrannte Erde; nur einige steinerne Torbögen blieben erhalten. Von 1793 bis 1795 musste die Gemeinde dem französischen Revolutionsheer Tribut zahlen und erlitt Plünderungen.

Im 18. Jahrhundert veranlassten Glaubensgründe und hohe Steuern drei Familien zur Auswanderung nach Pennsylvania und vier nach Galizien. Mehr zu den Wegen der Auswanderer steht auf der Seite Auswanderer aus der Pfalz. 1845 gründete Pfarrer Johannes Eckhard den Sing- und Leseverein; 1849 wurde er als revolutionärer Freischärler zum Tode verurteilt und floh nach Amerika.

Was zeigt das Wappen des Dorfes?

1699 siegelte die Gemeinde zum ersten Mal mit ihrem Wappen, das den heiligen Martin zeigt. Am 15. Mai 1845 genehmigte König Ludwig I. von Bayern das Wappen offiziell. Die Kirche des Ortes heißt Martinskirche, und schon die Kapelle von 1488 trug den Namen des Heiligen.

Welche Geschichte hat die evangelische Kirche?

An der Stelle der Martinskapelle von 1488 wurde 1756 die Kirche gebaut. Es ist ein spätbarocker Saalbau an der Ludwigstraße 48 mit einem Chorflankenturm, der auf spätmittelalterlichen Resten steht. Das Glockengeschoss entstand 1770, den oberen Abschluss lieferte 1899 der Speyerer Architekt Franz Schöberl. Am 6. Dezember 1942 zerstörten Brandbomben bei einem Fliegerangriff die Kirche samt Turm, drei Wohnhäuser und 42 Scheunen und Nebengebäude. Am 27. November 1979 erhielt der Kirchturm seine ursprüngliche Zwiebelturmspitze zurück und wurde feierlich eingeweiht.

Auf dem Friedhof an der Bahnhofstraße stehen Umfassungsmauern aus dem 19. Jahrhundert und ein Kriegerdenkmal für 1914/18 und 1939/45 aus Muschelkalk, das 1927 und 1954 erweitert wurde; es schuf der Speyerer Bildhauer Ludwig Kern. Zu den Grabmälern zählen Arbeiten aus Sandstein und Marmor um 1900.

Weinbergreihen und eine blühende Wiese mit Feigenbaum und Mandelbaum am Feldrand im warmen Licht
Weinberg Weinberg mit Blumenwiese. Symbolbild

Was prägt den Ortskern aus Haken- und Dreiseithöfen?

Der Ortskern in der Ausdehnung des Dorfes um 1800 ist eine Denkmalzone: eine geschlossene Bebauung aus Haken- und Dreiseithöfen des 18. und 19. Jahrhunderts, wie sie für eine vom Feldbau bestimmte Gemeinde typisch ist. Zur Zone gehört ein Scheunenkranz. Die Zone reicht über die Bahnhofstraße, die Bismarckstraße, die Ludwigstraße und die Hofgasse.

Ein spätmittelalterliches Haus steht an der Ludwigstraße 38: Das Wohnhaus hat teils Fachwerk, die Dendro-Datierung ergibt 1492; im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut, der Kellerabgang trägt die Jahreszahl 1787. Dendro-Datierung nennt man die Altersbestimmung des Holzes anhand der Jahresringe. An der Bahnhofstraße 5 und 7 steht ein Doppelwohnhaus mit teils Zierfachwerk; Nummer 7 trägt die Jahreszahl 1602, ein Wappenschild an Nummer 5 die Jahreszahl 1662. Zu dem Anwesen gehören eine frühere Gartenpforte von 1601, ein Wappenschild der früheren Torfahrt von 1683 und ein Kellerabgang von 1576. Ein Inschriftstein an der Bahnhofstraße 3 stammt von 1682.

An der Bismarckstraße 24 und 24a steht eine zweiteilige Renaissance-Toranlage von 1595 mit einem Gewölbestall. Ein spätbarocker Dreiseithof an der Bismarckstraße 33 trägt die Jahreszahl 1789, ein spätklassizistisches Wohnhaus an der Bismarckstraße 3 die Jahreszahl 1834 mit einer Toranlage von 1822. Das frühere Rat- und Schulhaus an der Bismarckstraße 19 wurde 1822 als spätklassizistischer Putzbau errichtet und prägt den Platz. An der Ludwigstraße stehen ein Dreiseithof mit einem Gründerzeitbau von 1881 und Ställen und Scheune aus Rotsandsteinquadern, ein nachbarocker Krüppelwalmdachbau von 1815, ein barockes Wohnhaus von 1786 und mehrere spätbarocke Torfahrten von 1755 und 1780.

Wie kamen Bahn, Post und Wasser ins Dorf?

1889 bestand die Strecke Bad Dürkheim–Schifferstadt. 1892 wurde Gönnheim Knotenpunkt der neuen Postkutschenstrecke Bad Dürkheim–Oggersheim. 1913 folgte der Anschluss an die Rhein-Haardt-Bahn; bei den Bauarbeiten entdeckte man Hinweise auf eine vorchristliche Besiedlung. 1928 schloss die Gemeinde sich an das Wasserversorgungsnetz der Friedelsheimer Gruppe an.

1902 gründete die Gemeinde eine Volksbibliothek nach dem Vorbild des Vereins für Volksbildung in Berlin; zum 25-jährigen Bestehen am 27. November 1927 zählte sie 500 Bücher. 1931 kaufte der Turnverein vom stillgelegten Flugplatz Lachen-Speyerdorf eine Flugzeughalle und baute in Eigenleistung eine Turnhalle von 22 mal 44 Metern.

Was veränderte sich nach 1945?

Am 11. Juli 1965 wurde das gemeinsame Schulgebäude für Gönnheim und Friedelsheim eingeweiht. 1971 feierte der Ort sein 1200-jähriges Bestehen mit Festakt und Umzug im Beisein des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl. 1972 entstand bei der Gebietsreform die Verbandsgemeinde. 1998 und 2001 erschloss die Gemeinde die Baugebiete Bannzäune West und Pferchwiesen; im Zuge der Pferchwiesen-Erschließung wurde das Naherholungsgebiet Gänsewiese angeschlossen, und kleine Flurbereinigungen wiesen dem Schwabenbach Gewässerrandstreifen und Ausgleichsflächen zu. 2003 verbesserte ein größer dimensionierter Ludwigstraßenkanal mit geänderter Fließrichtung den Hochwasserschutz für die Ortsmitte.

2007 fusionierten die Freiwilligen Feuerwehren von Friedelsheim und Gönnheim. 2009 kaufte die Gemeinde ein altes Winzerhaus von der Protestantischen Kirche und richtete darin einen Jugendtreff ein, an dessen Umbau die Jugendlichen mitwirkten. 2011 wurde die Kindertagesstätte für beide Orte eingeweiht. 2013 und 2014 gestaltete die Gemeinde die Dorfmitte und den Kerwe-Platz in der Bismarckstraße neu.

Welche Weinlagen und welche Kunst hat Gönnheim?

Bekannte Weinlagen sind Klostergarten, Sonnenberg, Martinshöhe und Mandelgarten; einen Überblick über die Lagen der Pfalz gibt die Seite Weinlagen. Mandeln gedeihen in Gönnheim; die Mandelblüte beschreibt die Seite Mandelblüte. Unter den Pfälzischen Weinköniginnen aus Gönnheim waren die von 1980/81 und die von 1990/91; die Pfälzische Weinkönigin von 1980/81 war im folgenden Jahr Deutsche Weinkönigin. Mehr zu diesem Amt steht auf der Seite Weinkönigin.

2016 fand das erste Festival WineStreetArt mit nationalen und internationalen Künstlern statt. 2017 entstanden zwei Rundwanderwege, die „Gadepädelcher“, entlang der Sehenswürdigkeiten. Im Juli 2020 wurde die Open-Air-Gallery eröffnet; sie zeigt über 30 Kunstwerke aus den WineStreetArt-Festivals seit 2016. 2021 blickte der Ort auf 1250 Jahre Geschichte zurück; die Feierlichkeiten wurden wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben. Das Maskottchen der Feiern war Ginno, der fränkische Namensgeber.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

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  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

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Häufige Fragen zu Gönnheim

Wann wurde Gönnheim erstmals erwähnt?

771 als „Ginnenheim“, in einer Schenkung zweier Brüder an die Klöster Lorsch und Fulda.

Woher kommt der Name Gönnheim?

Der fränkische Sippenführer Ginno gab dem Ort seinen Namen.

Was wurde 2001 in Gönnheim gefunden?

Bei der Erschließung des Baugebiets Pferchwiesen fand die Archäologie ein Gräberfeld vom Ende des 4. bis zum Anfang des 5. Jahrhunderts mit 31 Bestattungen, davon neun in Sarkophagen.

Seit wann gibt es die evangelische Kirche?

Die Kirche wurde 1756 an der Stelle der Martinskapelle von 1488 gebaut. 1942 zerstörten Brandbomben sie samt Turm; 1979 erhielt der Turm seine Zwiebelspitze zurück.

Welches Haus hat die Dendro-Datierung 1492?

Das Wohnhaus an der Ludwigstraße 38 hat die Dendro-Datierung 1492.

Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Gönnheim?

Zur Verbandsgemeinde Wachenheim an der Weinstraße, die 1972 aus Ellerstadt, Friedelsheim, Gönnheim und Wachenheim entstand.

Quellen: Gemeinde Gönnheim: Historie und Kulturgeschichte; Gemeinde Gönnheim: Startseite; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.