Städte & Orte
Hayna bei Herxheim: Tabakdorf mit Fachwerk und rund 104 Tabakschuppen
Straßendorf in der Rheinebene mit barocken Fachwerkhäusern und historischen Tabakschuppen

Kurz gesagt
Hayna ist ein Ortsteil von Herxheim bei Landau im Landkreis Südliche Weinstraße und liegt in der Rheinebene vor dem Pfälzerwald. 1272 erstmals als „Hegenehe“ erwähnt, besitzt das Straßendorf einen Ortskern aus Fachwerkhäusern des 18. Jahrhunderts, schmalen Hofanlagen und rund 104 historischen Tabakschuppen. Der Ortskern steht als Denkmalzone unter Schutz und zeigt, wie der Tabakanbau das Dorf prägte.
Wo liegt Hayna und wie ist der Ort aufgebaut?
Hayna liegt in der Rheinebene vor den Bergen des Pfälzerwalds und gehört zu Herxheim bei Landau im Landkreis Südliche Weinstraße. Die Landschaft beschreibt die Seite Rheinebene, die Kreisgrenzen die Seite Südliche Weinstraße; die nächste größere Stadt ist Landau. 1272 wird der Ort als „Hegenehe“ erstmals urkundlich erwähnt.
Der Verlauf der Straßen und die Form der Feldfluren stammen aus der Gründungszeit des Ortes. Als mittelalterliche Plansiedlung erhielt Hayna großgliedrige Langgewannfluren. Die Hauptstraße ist 600 Meter lang und verläuft von Norden nach Süden. Langgestreckte Höfe in West-Ost-Richtung flankieren sie und gehen in die Äcker der Feldflur über. Zwischen Höfen und Äckern verlaufen parallel zur Hauptstraße der Kapellenweg und die Friedhofstraße, die im Süden in Feld- und Kreuzstraße münden. Der Ortsgrundriss prägt das Ortsbild bis heute.
Die Denkmalzone „Ortskern Hayna“ umfasst den größten Teil der Hauptstraße, Teile der Kreuz- und Feldstraße sowie die östliche und westliche Seite der Friedhofstraße und des Kapellenwegs. Ihre Grenzen folgen der historischen Ortsstruktur, die mindestens seit dem Urkataster von 1830 besteht. Spätestens in den 1970er Jahren wurde der Denkmalwert des Ortskerns erkannt, und seitdem setzen sich Gemeinde, Politik und Denkmalpflege für die Erhaltung des Ortsbildes ein.
Wie überstand Hayna die Kriege des 17. Jahrhunderts?
Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde Hayna verwüstet und lag brach, wie viele Orte der Umgebung. In den 1660er Jahren gelang durch politisches Bestreben eine Neubesiedlung. Der bald folgende Pfälzische Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 brachte erneute Zerstörungen und den Anschluss der Pfalz an Frankreich. Danach wurde der Ort wiederaufgebaut. Das älteste bis heute erhaltene Gebäude ist das Haus Hauptstraße 97 aus dem Jahr 1701. Wie sich die Region nach den Kriegen entwickelte, schildert die Seite Kurpfalz.
Wie sehen die Fachwerkhäuser von Hayna aus?
Bis in das späte 18. Jahrhundert wurde in Hayna ausschließlich in Fachwerk gebaut. Die frühe Zeit des Wiederaufbaus brachte überwiegend kleinere Wohnhäuser mit einem Stockwerk und gegebenenfalls einem Kniestock hervor. Sie standen vorwiegend im südlichen Teil der Hauptstraße, der als der ärmlichere Ortsteil „das Dorf“ hieß. Viele dieser Häuser wurden später aufgestockt, etwa die Häuser Nummer 113, 111 und 109.
Die Entwicklung der Fachwerkformen lässt sich an den Brüstungszonen der Fassaden ablesen. Die frühen Wohnhäuser zeigen zurückhaltende Formen wie einfache, später geschweifte Andreaskreuze, die bis ins frühe 19. Jahrhundert verwendet wurden. Daneben kommen Rauten, gekreuzte Rauten und nasenbesetzte Streben vor; Besonderheiten wie Taustäbe sind selten (etwa Hauptstraße 106). Die barocken Schmuckformen wiederholten sich bis in die 1830er Jahre, und deshalb wirkt die Fassadenreihe sehr einheitlich.
Alle Fachwerkhäuser stehen auf einem Steinsockel, teilweise aus Sandstein, und kehren den Giebel zur Straße. Die Fassaden haben meist zwei bis drei Fensterachsen im Erd- und Obergeschoss und kleinere Fenster im Giebel. Weil die Dachböden als Speicher für Getreide und andere Lebensmittel dienten, besitzen viele Giebel kleine Ladeluken zum Beladen von außen. Klappläden an den Fenstern und Wetterdächer schützen vor Regen; eine große Zahl davon ist erhalten. Die vorherrschende Dachform ist das Satteldach, oft mit Aufschieblingen. Krüppelwalmdächer sind selten, etwa am barocken Wohnhaus von 1724 der Doppelhofanlage Hauptstraße 125/127, der größten Hofanlage im Ort.

Welche Hausinschriften tragen Baujahre?
Mehrere Häuser tragen ihr Baujahr. Das Haus Hauptstraße 25, ein barockes Fachwerkhaus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, trägt an einem Eckpfosten die Inschrift „Dis Haus hat erbaut Joseph Steiner und Rosina Barbara Steinern in dem Jahr 1721“ und Eckpfosten mit Taustäben. Am Haus Hauptstraße 17, einem barocken Fachwerkhaus des späten 18. Jahrhunderts, trägt eine Eckpfosteninschrift das Jahr 1781. Das Haus Hauptstraße 6 aus dem frühen 19. Jahrhundert besitzt eine Nischenfigur des heiligen Johannes und eine Inschriftentafel von 1833; das Haus Hauptstraße 8 trägt die Tafel „Erbaut 1908 Franz Metz“. Am Haus Hauptstraße 54, einem spätbarocken Fachwerkhaus vom Ende des 18. Jahrhunderts, steht eine Pietà von 1818 in einer Nische, und seine Holztoranlage ist der einzige Torbau dieser Art im Ort.
Welche Steinbauten prägen die Ortsmitte?
Das erste Steingebäude in Hayna war die Pfarrkirche von 1722, die schon nach knapp hundert Jahren durch einen Neubau ersetzt wurde. Das älteste erhaltene Steingebäude ist das 1790 in einfachem barockem Stil erbaute katholische Pfarrhaus, Hauptstraße 82; es steht als erstes Gebäude traufständig zur Hauptstraße. 1815 wurde die Pfalz bayerisch, und 1820 trat ein klassizistischer Kirchenbau an die Stelle der alten Pfarrkirche. Die Entwürfe stammen vom Bezirksbaumeister der königlichen Bauinspektion Speyer, Johann Bernhard Spatz, der auch die Pfarrkirche St. Ludwig in Bad Dürkheim schuf; über die Stadt informiert die Seite Bad Dürkheim.
Auch das Gemeindeschulhaus von 1822 stammt von Spatz und steht, wie das Pfarrhaus, traufständig zur Straße. Kirche, Schule und Pfarrhaus bilden in der Ortsmitte eine gestalterische Einheit. Nur ein weiteres Gebäude richtet sich traufständig zur Straße: der Erweiterungsbau des Gasthauses „Zum Kreuz“ von 1863. Alle anderen Steinbauten wurden als Giebelhäuser errichtet, mit gequaderten Ecklisenen und steinernen Fenstereinfassungen, vereinzelt auch sternförmigen Einfassungen. Im frühen 20. Jahrhundert entstanden giebelständige Wohnhäuser gleichen Maßstabs. Nur der Verwaltungsbau der tabakverarbeitenden Firma Metz, Hauptstraße 75, von 1938/39 hebt sich ab; er nimmt Bezug auf das Pfarrhaus und gehört zum Heimatstil.
Wie sind die Hofanlagen angelegt?
Wegen des Ortsgrundrisses und der schmalen Flurstücke reiht sich von Norden nach Süden Hofanlage an Hofanlage. Es gibt viele Hakenhöfe und vereinzelte Dreiseithöfe. Viele Höfe besitzen Wirtschaftsgebäude mit bedeutender historischer Bausubstanz. An der Straße stehen kleine Nebenhäuser mit unterschiedlicher Funktion, etwa Hauptstraße 101. Die Ziegeldächer der Wirtschaftsgebäude prägen die östliche und westliche Ortsansicht. Zur Straße waren die Höfe eingefriedet; die Toranlagen der Höfe Hauptstraße 54 und Kreuzstraße 5 sind zwei gut erhaltene Beispiele. Hinter den Ökonomiegebäuden liegen Bauerngärten, deren Nutzung der Urkatasterplan von 1830 belegt. In der Zeit des Tabakanbaus zog man hier häufig Setzlinge der Tabakpflanze.
Bis ins späte 20. Jahrhundert gab es in Hayna keine öffentliche Freifläche. Nach dem Abbruch eines Fachwerkhauses zwischen Hauptstraße 66 und 70 richtete die Ortsgemeinde in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren einen Dorfplatz mit Spielplatz ein, mit einem Brunnen des Bildhauers Gernot Rumpf.

Welche Rolle spielte der Tabak für Hayna?
Im 19. Jahrhundert war der Ackerbau in Hayna zunächst von Flachs und Hanf geprägt. Durch die industrielle Entwicklung ging der kleinflächige Privatanbau zurück. Die Bedeutung des Tabakanbaus wuchs bis zu einem Höhepunkt in den 1870er Jahren und erreichte durch Zollerhöhungen in den 1930er Jahren eine weitere Blüte, weil die pfälzische Tabakindustrie nun mit der regulierten Importware konkurrieren konnte. Das führte zur Errichtung zahlreicher Tabakschuppen, deren Größe und Technik sich weiterentwickelten. Zur Wirtschaft der Region siehe Wirtschaft in der Pfalz.
Zunächst trockneten die Bewohner den Tabak in umgenutzten Wirtschaftsgebäuden oder in kleinen, einfachen Schuppen. Spätere Schuppen verbesserten die Belüftung: Die Latten wurden auf Lücke gesetzt, im Giebel kamen Belüftungsöffnungen hinzu, und bei den jüngeren Typen wichen senkrechte Bretter einer waagerechten Verschalung mit kontrollierter Belüftung. Die kleinen Schuppen des 19. Jahrhunderts standen im Hofbereich; ihre größeren Nachfolger setzte man in die Nähe der Feldflur. So bildeten die ziegelgedeckten Schuppen eine nahezu geschlossene Reihe an den Wegen zur Feldflur, die in der südlichen Friedhofstraße und in Teilen des Kapellenwegs noch abzulesen ist.
Der älteste erhaltene Tabakschuppen Haynas stammt von 1910 und gehört zum Haus Hauptstraße 47. In den 1960er Jahren ging der Anbau durch starken Blauschimmelbefall zurück, und es wurden keine neuen Schuppen mehr gebaut. Seit dem frühen 21. Jahrhundert spielt der Tabakanbau für Hayna wirtschaftlich keine Rolle mehr. Die etwa 104 erhaltenen Schuppen zeugen von der Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und sind ausnahmslos erhaltenswert.
Viele Schuppen dienen heute als Lagerräume, andere stehen leer. Mitte der 1990er Jahre gab es Vorhaben, Schuppen als Wohnraum umzunutzen, vor allem in der Friedhofstraße. Ein zum Hof Hauptstraße 55 gehörender Schuppen wurde durch ein Wohnhaus ersetzt, das sich mit Holzverkleidung dem typischen Bild anpasst, aber die historische Substanz des Schuppens verloren hat.
Was schützt die Denkmalzone Ortskern Hayna?
Der Schutzzweck der Denkmalzone ist die Erhaltung des kennzeichnenden Straßen- und Ortsbildes und des kennzeichnenden Ortsgrundrisses. Zu den denkmalbegründenden Elementen gehören das Straßendorf mit kaum veränderter Struktur seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Hofanlagen auf schmalen Parzellen mit Wohnhaus an der Hauptstraße, Wirtschaftsgebäuden, Hausgärten und Tabakschuppen am Grundstücksende, die giebelständigen Fachwerkhäuser mit Schmuckfachwerk, die traufständigen öffentlichen Bauten in der Ortsmitte, der Scheunenkranz sowie Details wie Wetterdächer, Fensterläden, Toreinfahrten und Einfriedungen.
Für alle Baumaßnahmen in der Denkmalzone ist eine denkmalrechtliche Genehmigung nötig, die die untere Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße im Benehmen mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe erteilt. Im 20. Jahrhundert wurden viele Fachwerkbauten abgebrochen; durch Auflagen für Neubauten blieb das einheitliche Ortsbild dennoch erhalten. Ein Rundgang eignet sich gut mit dem Fahrrad, Anregungen bietet die Seite Radfahren.
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Häufige Fragen zu Hayna
Wo liegt Hayna?
Hayna ist ein Ortsteil von Herxheim bei Landau im Landkreis Südliche Weinstraße, in der Rheinebene vor dem Pfälzerwald.
Seit wann gibt es Hayna?
1272 wird der Ort als „Hegenehe“ erstmals urkundlich erwähnt.
Wie viele Tabakschuppen gibt es noch?
Rund 104 historische Tabakschuppen des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts sind erhalten. Der älteste stammt von 1910.
Was ist das älteste Haus von Hayna?
Das Haus Hauptstraße 97 aus dem Jahr 1701. Das älteste erhaltene Steingebäude ist das katholische Pfarrhaus von 1790.
Quellen: KuLaDig: Denkmalzone Ortskern Herxheim-Hayna; GDKE: Nachqualifizierung der Denkmalzone Ortskern Hayna. Stand: November 2026.