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Städte & Orte

Kallstadt: Saumagen, Wein und Auswanderer

Winzerdorf mit berühmter Lage Saumagen an der Weinstraße

Stand: · 7 Min. Lesezeit

Winzerhöfe mit Torbögen aus Sandstein an einer Dorfstraße, dahinter Weinberge
Kallstadt Torbögen der Winzerhöfe. Symbolbild

Kurz gesagt

Kallstadt ist ein Winzerdorf mit rund 1.200 Einwohnern an der Deutschen Weinstraße, fünf Kilometer nördlich von Bad Dürkheim. Der Ort ist durch die Weinlage Saumagen bekannt, durch die Saumagenkerwe im September und dadurch, dass die Vorfahren der US-Unternehmerfamilien Heinz und Trump von hier stammen. Dazu gehört ein Bismarckturm im Pfälzerwald.

Wo liegt Kallstadt und was zeichnet das Dorf aus?

Kallstadt liegt in der Vorderpfalz am Haardtrand, etwa fünf Kilometer nördlich von Bad Dürkheim. Nachbarn sind Herxheim am Berg, Freinsheim und Bad Dürkheim. Das Dorf hat rund 1.200 Einwohner und ist ein reiner Winzerort mit Weingütern, Gutsschenken und Probierstuben.

Zur Gemarkung gehören zwei Exklaven im Pfälzerwald. Im Nordwesten liegt das Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal. In einer der Exklaven erhebt sich der Peterskopf mit dem Bismarckturm. Die Gemeinde gehört zur Verbandsgemeinde Freinsheim und hat nach Angaben der Verbandsgemeinde eine Fläche von rund 787 Hektar. Die Wikipedia nennt kleinere Werte; je nachdem, ob die Exklaven mitgerechnet werden, schwankt die Angabe zwischen rund 6,6 und 7,9 Quadratkilometern.

Die Besiedlung reicht weit zurück. Der Ort lag an einer Römerstraße, und Funde belegen eine Besiedlung durch Kaufleute, ehemalige Legionäre und Weinbauern vom späten ersten Jahrhundert vor Christus bis mindestens 383. Der heutige Ort geht wohl auf eine fränkische Sippe um das Jahr 500 zurück; der Name „Cagelenstat“ erscheint 824 erstmals in einer Urkunde. Später war Kallstadt ein Reichsdorf, dann Lehen und kam im 18. Jahrhundert unter leiningische Herrschaft. Ab 1798 war es französisch, von 1816 an bayerisch, und seit 1969 gehört es zum Landkreis Bad Dürkheim.

Was bedeutet „Saumagen“ in Kallstadt?

Saumagen ist in Kallstadt zweierlei: eine Weinbergslage und ein Pfälzer Gericht. Die Lage Saumagen ist rund 51 Hektar groß und gilt als bekannteste Einzellage des Dorfs. Das Gericht, ein gefüllter Schweinemagen mit Fleisch, Kartoffeln und Gewürzen, gehört zur traditionellen Pfälzer Küche und ist über den Ort hinaus bekannt.

Auf der Gemarkung liegen die Großlage Kobnert und fünf Einzellagen: Annaberg (6,0 Hektar), Kreidkeller (41,4 Hektar), Kronenberg (65,0 Hektar), Saumagen (51,0 Hektar) und Steinacker (151,7 Hektar). Die Flächen stammen aus der Literatur und können abweichen. Was eine Einzellage von einer Großlage unterscheidet, erklärt die Seite zu den Weinlagen der Pfalz; zum Gericht und zu anderen Spezialitäten steht Näheres auf der Seite zur Pfälzer Küche.

Die Nachbardörfer necken die Kallstadter mit dem Spottnamen „Brulljesmacher“, was so viel wie Angeber und Sprücheklopfer meint. Die Saumagenkerwe ist das Fest, bei dem Wein und Gericht zusammenkommen; die Kallstadter Gastronomie hat eine lange Tradition.

Weinberghang mit herbstlich gefärbten Rebzeilen über einem kleinen Weinort
Weinberg Herbstliche Rebzeilen am Hang. Symbolbild

Warum kennt man Kallstadt auch in den USA?

Weil Vorfahren zweier bekannter US-Familien aus Kallstadt stammen: Johann Heinrich Heinz (1811 bis 1891), Vater des Ketchup-Gründers Henry John Heinz, und Friedrich Trump (1869 bis 1918), der Großvater des Unternehmers und späteren US-Präsidenten Donald Trump. Beide wanderten im 19. Jahrhundert aus. Die Familien sind miteinander verwandt.

Wer das Thema kennenlernen will, sieht im Dorf zunächst nur ein Winzerdorf wie viele andere an der Weinstraße; die Auswanderung gehört zur Ortsgeschichte. Im 19. Jahrhundert wanderten aus Kallstadt wie aus vielen pfälzischen Dörfern Menschen aus, und nach einer Darstellung waren es nicht unbedingt die Ärmsten, sondern eher Ehrgeizige, die einen Aufstieg suchten. Die Kallstadterin Simone Wendel drehte darüber 2014 den Dokumentarfilm „Kings of Kallstadt“. Für Besucher bleibt das Randthema: Ein Museum oder eine Gedenkstätte dazu nennen die offiziellen Seiten nicht. Das Hauptziel ist der Wein, nicht die Geschichte der Auswanderer.

Was ist in Kallstadt sehenswert?

Sehenswert sind die Salvatorkirche, der Löwenbrunnen, die Ruine der ehemaligen Kalkmühle und der Bismarckturm auf dem Peterskopf. Insgesamt stehen 34 Objekte unter Denkmalschutz.

  • Salvatorkirche: Das Wahrzeichen und Zentrum des Dorfs wird von der Urlaubsregion auf 1772 datiert, ihr Turm ist 36 Meter hoch, mit gotischem Unterbau und barockem Schieferdach. In der Literatur gelten die gotischen Teile als ältester Bestandteil des Ortes.
  • Bismarckturm: Er steht auf dem knapp 500 Meter hohen Peterskopf am Rand des Pfälzerwalds und wird als höchster Bismarckturm in Rheinland-Pfalz bezeichnet.
  • Römische Villa am Weilberg: Sie liegt am Südende des Dorfs mit einem Kelterhaus und gehört genau genommen zur Nachbargemeinde Ungstein.
  • Löwenbrunnen: ein historischer Brunnen mit steinernem Löwen auf einem blumengeschmückten Platz.
  • Mandelbäume: In den Weinbergen blühen sie nach Angaben der Urlaubsregion von Februar bis spätestens April.

Interessant für Wanderer ist das Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal, das sich über Teile der Gemarkungen von Bad Dürkheim, Herxheim am Berg und Kallstadt erstreckt. Es umfasst nach der Verordnung vom Dezember 1999 rund 300 Hektar. Seine Besonderheit ist die Geologie: Am Felsenberg treten tertiäre Kalkfelsbänder und Kalkfelsplatten zutage, das Berntal zeigt eine ausgeprägte Bruchstufe. Weil das Gebiet empfindlich ist, sollten Besucher auf den Wegen bleiben; nach Presseberichten leiden Pflanzen unter Trampelpfaden. Zwischen Kallstadt und Herxheim am Berg war ein Geo-Naturwanderweg in Planung, über dessen Stand die Verbandsgemeinde informiert.

Bei der Frage nach dem Namen der Lage Saumagen verweist man in Kallstadt auf den Umriss der Lage, der an den Pfälzer Saumagen erinnern soll; belegt ist diese Erklärung nicht. Wichtiger für Besucher ist der Rundgang durch die Weinberge: Der Tag der offenen Weinkeller im März führt nach örtlichen Angaben durch die Weinberge der Saumagen-Lage; Gäste können mit einem Weinpass in den teilnehmenden Weingütern probieren (2026: 21. und 22. März, 12 bis 18 Uhr, Pass 20 Euro). Wie eine Probe beim Winzer abläuft, beschreibt die Seite zur Weinprobe in der Pfalz.

Welche Feste und Veranstaltungen gibt es?

Die Saumagenkerwe am ersten Septemberwochenende ist das größte Fest, dazu kommen das Fest der 100 Weine im Frühjahr, der Tag der offenen Weinkeller und der Kallstadter Herbst. Kellerführungen mit Weinprobe und ausgeschilderte Weinwanderungen bietet die Gemeinde ganzjährig an.

Die Saumagenkerwe fand 2026 nach einem Veranstaltungskalender vom 4. bis 7. September statt; nach Angabe der Verbandsgemeinde findet sie immer am ersten Septemberwochenende statt, ein Termin für 2027 war am 29.10.2026 nicht veröffentlicht. Das Fest der 100 Weine liegt laut Verbandsgemeinde Anfang Mai. Der Tag der offenen Weinkeller fand 2026 im März statt (21. und 22. März). Überblick über Weinfeste im Land bietet der Weinfest-Kalender des Portals.

Wie komme ich nach Kallstadt und was gibt es in der Nähe?

Kallstadt liegt an der Bundesstraße 271, die hier mit der Deutschen Weinstraße zusammenfällt. Der nächste Bahnhof ist im Nachbarort Freinsheim, wo die Regionalbahn Neustadt–Grünstadt und die Strecke nach Frankenthal verkehren; auch Bad Dürkheim ist an das Netz angeschlossen.

Aus der Nachbarschaft bieten sich Freinsheim mit seiner Stadtmauer und Bad Dürkheim mit Kurpark und Riesenfass an. Wer nach Norden fährt, kommt ins Leiningerland. Zu Fuß führen Wege durch die Weinberge nach Freinsheim und in den Pfälzerwald zum Peterskopf. Die Touristinfo Freinsheim ist unter Telefon 06353 989294 zu erreichen.

Für die Planung hilft der Jahreslauf: Von Februar bis April blühen die Mandelbäume, im Frühjahr folgen der Tag der offenen Weinkeller und das Fest der 100 Weine, und im Spätsommer prägen Saumagenkerwe und Lese das Dorf, mehr dazu auf der Seite zur Weinlese in der Pfalz. Im Winter ist es ruhiger; viele Betriebe haben dann eingeschränkte Zeiten, deshalb lohnt der Blick auf die Seiten der Urlaubsregion Freinsheim.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

  • Weingut & Gästezimmer

    Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.

    Übernachten beim Winzer
  • Hotel & Ferienwohnung

    Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.

    Hotels in der Pfalz
  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zu Kallstadt

Wie viele Einwohner hat Kallstadt?

Kallstadt hat rund 1.200 Einwohner; Wikipedia nennt 1.213 für Ende 2025. Ein amtlicher Wert mit Stichtag steht beim Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz, auf das die Verbandsgemeinde verweist; im 19. Jahrhundert lebten rund 680 Menschen im Dorf (1815).

Woher kommt der Name Kallstadt?

Die erste Erwähnung 824 lautet „Cagelenstat“. Nach verbreiteter Deutung geht der Ortsname auf Chagilo zurück, das Oberhaupt einer fränkischen Sippe um das Jahr 500.

Kann man Kallstadt ohne Auto erreichen?

Ja, mit der Regionalbahn bis Freinsheim und von dort zu Fuß oder mit dem Rad durch die Weinberge. Wie weit der Weg ist und welche Busse fahren, sollte man im Fahrplan des Rhein-Neckar-Verkehrsverbunds prüfen.

Wie hoch ist der Peterskopf?

Die Quellen nennen knapp 500 Meter: 497 Meter bei der Urlaubsregion Freinsheim, 493,5 Meter bei Wikipedia. Der Gipfel liegt in einer Waldexklave der Gemarkung und trägt den Bismarckturm.

Ist Kallstadt eine Stadt?

Nein, Kallstadt ist eine Ortsgemeinde, also ein Dorf, in der Verbandsgemeinde Freinsheim. Die nächste Stadt ist Freinsheim.

Quellen: Verbandsgemeinde Freinsheim: Kallstadt; Urlaubsregion Freinsheim: Sehenswertes in Kallstadt; Urlaubsregion Freinsheim; Wikipedia: Kallstadt. Stand: Oktober 2026.