Städte & Orte
Kindenheim: Probsthof, Dorfbefestigung, Glockenturm und jüdisches Erbe im Kinderbachtal
Dorf im Kinderbachtal mit Zehnthof des Domkapitels Lüttich, ovaler Dorfbefestigung, Martinskirche, Glockenturm von 1871/72, jüdischem Friedhof und Gemeindefriedhof

Kurz gesagt
Kindenheim liegt im Landkreis Bad Dürkheim in der Verbandsgemeinde Leiningerland im Tal des Kinderbachs. Der Ort wuchs um eine Martinskapelle auf dem Michelsberg und einen Zehnthof des Domkapitels Lüttich, den späteren Probsthof. Eine ovale Dorfbefestigung mit zwei Pforten, der Kirchenbau mit dem neugotischen Glockenturm von 1871/72 sowie Synagoge, Schulhaus und Friedhof der jüdischen Gemeinde prägen die Ortsgeschichte. Der Gemeindefriedhof besitzt den dichtesten Bestand an historischen Grabdenkmälern im Landkreis.
Wo liegt Kindenheim?
Kindenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim und gehört zur Verbandsgemeinde Leiningerland, die 2018 aus den Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim hervorging. Das Dorf liegt im Tal des Kinderbachs am Rand der Unterhaardt; die Reben der Gemarkung ziehen sich den Hang hinauf, auf dem der jüdische Friedhof und ein Weinberghaus am Judenberg stehen.
Die Nachbarschaft zu Bockenheim ist historisch belegt: Die erste Kapelle auf dem Michelsberg war Filiale des dortigen Königshofs, und die jüdische Gemeinde Kindenheims wurde um 1924 der Gemeinde in Kleinbockenheim zugeordnet. Die Kreisstadt der Gegend ist Grünstadt; Weinorte der Region stellt die Seite zur Deutschen Weinstraße vor.
Wie entstand die Siedlung am Michelsberg?
Im 7. und 8. Jahrhundert stand auf dem Reichsgut am Michelsberg eine kleine Holzkapelle. Sie war Filialkirche des Königshofs Bockenheim und diente nur sonntäglichen Gottesdiensten. Im 9. Jahrhundert entstand westlich vor den späteren Dorftoren der Probsthof, ein Zehnthof des Domkapitels Lüttich. Ein Zehnthof ist ein Hof, auf dem der Zehnte, die Abgabe von einem Zehntel der Ernte, gesammelt wurde. Im 12. Jahrhundert wird eine Martinskapelle im Dorf erwähnt.
1250 verkaufte das Domkapitel Lüttich seinen gesamten Besitz im Kinderbachtal an das Kloster Otterberg, dessen Kirche die Seite zur Abteikirche Otterberg vorstellt. Die Burgen und Klöster der Region stellt die Seite Burgengeschichte vor.
Wie war Kindenheim befestigt?
Die frühere Dorfbefestigung ist im Ortsplan noch als Oval an den schmalen Grabenwegen zu erkennen. In weiten Teilen wurde sie von zwei Mauern begleitet. Zwei Pforten sicherten die Zugänge, die Obere und die Untere Pforte. Eine genaue Datierung der Anlage ist nicht bekannt.
1470 und 1471 zerstörten Truppen des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz im Zuge der Veldenzer Fehde Dorfbefestigung und Pforten. Die Fehde wurde zwischen der Kurpfalz und dem Grafen Emich VII. von Leiningen ausgetragen. Ab etwa 1560 wurden Mauern und Tore wieder aufgebaut. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entfernte man die Pforten. Die Kurpfalz stellt die Seite Kurpfalz vor.

Was erzählt die Martinskirche?
Die protestantische Pfarrkirche in der Hauptstraße 56 ist ein Saalbau, der im Kern aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammt. Ein Südportal trägt die Jahreszahl 1514 und ist eine Spolie, ein wiederverwendetes Bauteil. Die Außentreppe und die Pforte tragen 1681, der Umbau und die Erweiterung 1729. An der Freitreppe steht ein Grabmal von etwa 1780, auf dem früheren Kirchhof das Kriegerdenkmal für 1914 bis 1918 mit einem aufgesockelten Löwen.
Die Geschichte der Kirche reicht weit hinter diese Bauten zurück. 1359 stattete Ritter Volkmar Schott von Wachenheim die Kapelle mit Grundstücken aus, damit sie einen eigenen Pfarrer bezahlen konnte. Sie erhielt das Sonderrecht, alle Sakramente außer der Taufe zu spenden. Die Wadgasser Mönche nahmen Gut und Geld, ließen aber die Kapelle verfallen und verwiesen die Bürger nach Bockenheim. Die Kriege zwischen Kurfürst Friedrich I. und Graf Emich VII. von Leiningen zerstörten die Kapelle 1460 und 1471 stark; 1496 beschrieb die „Wormser Synodale“ ihren Zustand als sehr schlecht.
1509 begannen auf massiven Druck des Grafen Emich VIII. von Leiningen umfangreiche Bauarbeiten, bei denen der Chor eingewölbt wurde. Der Schlussstein zeigt das Schweißtuch der heiligen Veronika. Seit 1576 ist die Kirche als lutherische Pfarrkirche anerkannt, nachdem Kurfürst Ludwig VI. sie dazu erhoben hatte. Zwischen 1563 und 1570 hatte der Leininger Graf die Feldkirche St. Dionysius auf dem alten Friedhof erworben, die nach einer Renovierung zum Gotteshaus der Kindenheimer wurde. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde sie nicht wieder aufgebaut, und die Gemeinde kehrte zur Martinskirche zurück. Wie sich die Konfessionen in der Pfalz verteilen, erklärt die Seite Religion.
Beim Umbau im 18. Jahrhundert blieben nur Teile der Nord- und Südmauer sowie das gotische Eingangsportal stehen. Die Kirche wurde nach Osten und Westen erweitert, barocke Korbbogenfenster ersetzten die romanischen, und der Chor erhielt einen barocken Dreiseitschluss. Kanzel und Altar stifteten die Grafen von Leiningen-Heidesheim. Erhalten ist der Pfarrstuhl, ein oben ausgeschweifter Holzverschlag mit Schiebefenstern. 1857 kam an der Südseite eine Empore hinzu, 1908 ersetzte eine Orgel der Firma Steinmeyer aus Öttingen die alte Orgel.
Warum steht der Glockenturm neben der Kirche?
Die Kirche besaß bis ins 19. Jahrhundert keinen Turm. Als das alte Rathaus mit seinem Türmchen, Uhr und Glockenschlag 1869 abgerissen wurde, ließ die Dorfgemeinde 1871 und 1872 einen eigenen Glockenturm bauen. Er ist schlank und hoch, in neugotischen Formen: Im Untergeschoss wurden Sandsteinquader verwendet, darüber Bruchstein mit Sandsteinmustern. Der Turm prägt Orts- und Landschaftsbild. 1949 wurden die Glocken durch vier neue ersetzt, gegossen von der Glockengießerei Pfeifer in Kaiserslautern.

Was ist der Probsthof?
Der Probsthof in der Hauptstraße 87 und 89 geht auf den Zehnthof des Domkapitels Lüttich aus dem 9. Jahrhundert zurück. Nach dem Verkauf an das Kloster Otterberg 1250 wurde der Hof im Bauernkrieg 1525 niedergebrannt. 1693 kaufte der Bankier Jakob de Campoing den Hof und zwei Drittel des Kindenheimer Zehnten, damit wurde der Hof Privatbesitz. 1811 verkaufte man große Teile des Gutsbesitzes an Bürger, und der Hof wurde in zwei Teile geteilt.
Beide Hälften sind Denkmäler: Die Hauptstraße 87 ist ein repräsentativer Gründerzeitbau mit höhengestaffeltem Walmdach von 1913, die Nummer 89 ein Hakenhof von 1842, im Kern ein älterer spätklassizistischer Putzbau, der 1893 verändert wurde. 2015 wurden beide Anwesen wieder zu einem Hof vereint.
Wo wohnten die Pfarrer?
Nachdem 1654 das erste Pfarrhaus gebaut worden war und der erste Pfarrer eingezogen war, schenkte 1705 Johannes von der Mühlen der Kirche ein Grundstück für ein neues. Das große Pfarrhaus in der Hauptstraße 46 wurde 1727 fertiggestellt; ein ausgesparter Sandstein mit der Jahreszahl erinnert daran. Bis 1928 bewohnten neun verschiedene Pfarrfamilien das Anwesen. 1931 ersteigerte der Ackersmann und Gastwirt Karl Michael Seyb das gesamte Areal.
Welche Häuser prägen die Hauptstraße?
Die Hauptstraße 77 ist das ehemalige Schul- und Gemeindehaus, ein dreigeschossiger spätklassizistischer Walmdachbau von 1884 mit Sandsteinsockel, Ecklisenen und auskragendem Traufgesims. Es steht gegenüber der protestantischen Pfarrkirche und prägt das Ortsbild. Früher beherbergte es eine zweiklassige Volksschule, einen Kindergarten und die Gemeindeverwaltung.
Die Hauptstraße 85 ist ein stattlicher Vierseithof, ein spätklassizistischer Putzbau von 1851, den Johann Michael Seyb II. und seine Frau Elisabetha, geborene Schneider, errichten ließen. Die Wirtschaftsbauten stammen von 1842 bis 1844 beziehungsweise 1903. Lange war hier die Gastwirtschaft „Zum grünen Baum“ untergebracht; das Haus markiert die mittelalterliche Westgrenze des Dorfes.
Am Hang oberhalb des Dorfes steht in der Hauptstraße 5 das Winzerhof-Gutshaus der Familie Kreutzenberger. Das Weingut wird 1438 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch in der Ortsmitte. Emil Kreutzenberger errichtete 1929 und 1930 das heutige Gebäude inmitten der Weinberge, ein Flachdachbau der Neuen Sachlichkeit nach Plänen des Grünstädter Architekten Otto Prott. Mehr zu Rebsorten und Lagen der Region beschreiben die Seiten zu den Rebsorten und den Weinlagen.

Was zeigt das jüdische Erbe?
Im 19. Jahrhundert gab es in Kindenheim ein reges jüdisches Gemeindeleben. Synagoge, Schulhaus und Lehrerwohnung sind Zeugen dieser Zeit. 1786 wurde die neue Synagoge im Hinterhaus der Hauptstraße 72 errichtet. Der Betsaal lag im Obergeschoss, das Erdgeschoss enthielt eine Durchfahrt und eine Küche. Der Raum maß 6,30 mal 7 Meter bei einer Höhe von 5,04 Metern und bot 86 Sitzplätze sowie einige Stehplätze; im Gebäude befand sich außerdem ein Tauchbad für die rituelle Reinigung, die Mikwe. Das Anwesen wurde 1907 verkauft. Um 1924 zählte die Gemeinde nur noch 12 Mitglieder und wurde der jüdischen Gemeinde in Kleinbockenheim zugeordnet.
Das ehemalige jüdische Schulhaus in der Galoppgasse trägt über der Tür die Jahreszahl 1832 und wurde in den 1950er Jahren aufgestockt. Von 1830 bis 1864 wohnte hier der Lehrer Heinrich Bärmann, der das Amt des Religionslehrers, Vorbeters und Schochets, des Schlachters nach den Speisegesetzen, ausübte. 1831 heiratete er Caroline Strauß; aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor. Er starb 1864.
Der jüdische Friedhof westlich des Ortes am Judenberg ist ein umfriedetes Areal mit Torbau, das 1780 erweitert wurde. Er besitzt 185 Grabsteine, der älteste stammt von 1719. Der Friedhof ist als Denkmalzone geschützt. Eine Übersicht über jüdische Friedhöfe und Synagogen der Pfalz gibt die Seite Jüdische Friedhöfe und Synagogen in der Pfalz.
Was verbirgt sich auf dem Gemeindefriedhof?
Der ältere Teil des Gemeindefriedhofs südwestlich des Ortes, südlich der Landesstraße 450, ist aus dem Kirchhof der Pfarrkirche des im 15. Jahrhundert untergegangenen Dorfes Gössesheim hervorgegangen. 1868 wurde er nach Westen erweitert; eine Bruchsteinmauer fasst ihn ein, zwei sandsteingerahmte Zugänge besitzen schmiedeeiserne Tore. Er besitzt zahlreiche Grabdenkmäler des 17. bis 20. Jahrhunderts und den dichtesten Bestand an historischen Grabdenkmälern im Landkreis. Er ist als Denkmalzone geschützt.
Was gibt es heute zu entdecken?
Kindenheim lässt sich bei einem Rundgang erschließen: Am Glockenturm beginnend führt die Hauptstraße zum Pfarrhof, zum Probsthof und zum Gutshaus am Hang. Am Judenberg öffnet sich der Blick über die Weinberge. Der Kraut-und-Rüben-Radweg verbindet die Dörfer der Gegend, und die Weinwanderungen erschließen die Hänge.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
Weingut & Gästezimmer
Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.
Übernachten beim WinzerHotel & Ferienwohnung
Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.
Hotels in der PfalzCamping & Wohnmobil
Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
Camping in der Pfalz
Hotels in der Pfalz vergleichen Partnerlink zu reise.de
Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zu Kindenheim
Wann wurde die Dorfbefestigung zerstört?
1470 und 1471 durch Truppen des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz in der Veldenzer Fehde; ab etwa 1560 wurde sie wieder aufgebaut.
Wann entstand der Glockenturm?
1871 und 1872, in neugotischen Formen, nachdem 1869 das alte Rathaus mit Türmchen abgerissen worden war.
Was ist der Probsthof?
Ein Zehnthof des Domkapitels Lüttich aus dem 9. Jahrhundert in der Hauptstraße 87 und 89.
Wie viele Grabsteine hat der jüdische Friedhof?
185 Grabsteine; der älteste stammt von 1719.
Wann wurde das Weingut Kreutzenberger erstmals erwähnt?
1438; das heutige Gutshaus entstand 1929 und 1930.
Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Kindenheim?
Zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.
Quellen: Ortsgemeinde Kindenheim: Kindenheim macht Geschichte; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.