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Kirchheim an der Weinstraße: Urkunde von 764, Winzerhöfe und Andreaskirche
Winzerdorf im Leiningerland mit Lorscher Urkunde von 764, Denkmalzone Weinstraße Nord mit barocken Torhausbauten, Andreaskirche und Orgel von 1750

Kurz gesagt
Kirchheim an der Weinstraße liegt an der Deutschen Weinstraße in der Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim, rund 145 Meter über dem Meeresspiegel. 764 schenkte ein Stifter dem Kloster Lorsch einen Weinberg in der Gemarkung „Kirchheim im Wormsgau“. Im 18. Jahrhundert entstand nach den Zerstörungen früherer Kriege der Ortskern an der Weinstraße Nord mit barocken Winzerhöfen, Torhausbauten, Mansarddächern und Rundbogentoren, den heute eine Denkmalzone schützt.
Wo liegt Kirchheim an der Weinstraße?
Das Dorf liegt am Rand der Vorderpfalz, wo die Weinberge der Mittelhaardt in die Ebene übergehen. Die Gemarkung umfasst rund neun Quadratkilometer. Seit 2018 gehört Kirchheim zur Verbandsgemeinde Leiningerland; zuvor war es seit 1972 Teil der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, bis 1969 gehörte es zum Landkreis Frankenthal. Die Stadt Grünstadt liegt in der Nähe, die Kreisstadt ist Bad Dürkheim. Die Region beschreibt die Seite Leiningerland, den Weinbaubereich die Seite Mittelhaardt.
Durch den Ort fließt der Eckbach von Westen nach Osten. Nach diesem Bach hieß das Dorf bis 1952 „Kirchheim an der Eck“. Dann erhielt es den Namen „Kirchheim an der Weinstraße“, weil hier seit mehr als 1200 Jahren Wein angebaut wird. Der erste Teil des Namens geht auf das Wort „Kirche“ zurück: Frühe Schreibweisen sind Cirichheim und Kyrchheim. Die erste Kirche der Umgebung stand hier an zwei alten Handelsstraßen.
Welche Spuren hinterließen Römer und Franken?
In der Gemarkung wurden Funde aus römischer Zeit gemacht, dazu fränkische Grabstätten. Eine erste rein germanische Siedlung entstand im 6. und 7. Jahrhundert. Die Römerzeit in der Pfalz beschreibt die Seite Römer in der Pfalz.

Was verrät die Schenkung an das Kloster Lorsch von 764?
764 schenkte ein Stifter dem Kloster Lorsch einen Weinberg in der Gemarkung Kirchheim im Wormsgau. Das ist die erste schriftliche Erwähnung des Ortes und zugleich ein früher Beleg für den Weinbau an der Haardt. Das Kloster Lorsch an der Bergstraße gehörte im Frühmittelalter zu den großen Grundbesitzern am Oberrhein. Die Seite Weinbaugeschichte der Pfalz ordnet diese frühen Urkunden ein.
Das Dorf war ein Lehen des Klosters Weißenburg im Elsass. 1250 gelangten Teile an die Grafen von Leiningen, 1304 der Rest. Mehr über das Geschlecht steht auf der Seite Kurpfalz und bei den Leininger Burgen.
Wie wechselte die Herrschaft zwischen Kurpfalz und Leiningen?
Die Herrschaft über Kirchheim wechselte mehrfach. 1411 erwarb die Kurpfalz Teile des Dorfes, 1467 gehörte ihr der ganze Ort. 1505 kaufte Leiningen-Westerburg Kirchheim zurück. Aus dieser Zeit stammt auch das Ortssiegel von 1509. Es zeigt das Andreaskreuz, das auf den Heiligen Andreas als Patron der Kirche verweist. Das Wappen, das auf dieses Siegel zurückgeht, wurde 1904 genehmigt.
Zwei Höfe im Ortskern tragen die Namen dieser Herrschaften: der „Leininger Hof“ an der Weinstraße Nord 24 und der „Wormsische Klosterhof“ an der Weinstraße Nord 3.
Welche Geschichte hat die protestantische Kirche?
Die protestantische Pfarrkirche an der Weinstraße Nord 6, die Andreaskirche, ist ein spätgotischer Saalbau aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts mit älteren Teilen aus dem 13. Jahrhundert. Die barocken Portale tragen die Jahreszahl 1747, der Turm ist mit 1761 bezeichnet und enthält ebenfalls ältere Teile. Der Turm prägt das Landschaftsbild. Teile der mittelalterlichen Ausstattung sind erhalten. Im Innern steht eine barocke Orgel von 1750 mit 24 Registern.
Die Kirche ist auch ein Ort für Konzerte, seit 1988. Damals gab ein Schülerkonzert des Leininger Gymnasiums den Anstoß. Ab 1990/91 trat die Kulturinitiative unter dem Namen „Kirchheimer Konzertwinter“ auf; dazu kommt der „Liedersommer“.
Das protestantische Pfarrhaus an der Weinstraße Nord 8 ist, ein spätbarocker Walmdachbau des späten 18. Jahrhunderts, teilweise aus Fachwerk. Zur Kirche gehört ein Kriegerdenkmal für 1914 bis 1918, ein reliefierter Quaderbau von 1928.

Was zeigt das Ensemble aus Rathaus und Klosterhof?
Das ehemalige Rathaus an der Weinstraße Nord 9 ist ein verputzter Bau mit teilweise sichtbarem Zierfachwerk. Er verbindet gotische und Renaissance-Motive und ist mit den Jahreszahlen 1574 und 1595 bezeichnet. Damit gehört er zu den ältesten datierten Bauten des Dorfes.
Der Wormsische Klosterhof an der Weinstraße Nord 3 ist ein Dreiseithof mit einem Treppenturm der Renaissance und einem Hoftor. Das Haupthaus wurde verändert; ein ehemals sichtbares Datum nannte 1617. Die Hofanlage an der Weinstraße Nord 1 prägt das Ortsbild. Das barocke Mansardwalmdachhaus ist mit 1737 und 1732 bezeichnet, der klassizistische Wirtschaftsbau mit 1844. Hier ist heute das Rathaus mit Dorfgemeinschaftshaus untergebracht, dazu die Volkshochschule Kirchheim-Bissersheim und die Musikschule.
Welche Winzerhöfe prägen die Weinstraße Nord?
Die Weinstraße Nord ist ein geschlossener Straßenzug, der als Denkmalzone ausgewiesen ist. Er reicht von der Hausnummer 1 bis 44 und umfasst die Kirche, das Pfarrhaus, den Klosterhof, das Rathaus, ehemalige Schulhäuser, eine Kelter und barocke Torhausbauten. Die langen Bauernhäuser mit Rundbogentoren und Mansarddächern gehen größtenteils auf den Wiederaufbau zwischen 1740 und 1790 zurück.
Einzelne Höfe verdienen einen genaueren Blick:
- Weinstraße Nord 19: der ehemalige Gasthof „Zum Weißen Ross“, ein Winzerhof mit winkelförmigem Torhausbau und Mansarddach aus dem 18. Jahrhundert. Das Rundbogentor trägt die Jahreszahl 1683, der Scheunenkeller 1769.
- Weinstraße Nord 21: eine spätbarocke Hofanlage, der Torhausbau ist mit 1736 bezeichnet, der Scheunenkeller mit 1620.
- Weinstraße Nord 23: die ehemalige Schildherberge „Zum Löwen“; der Torhausbau von 1729 zeigt am ehemaligen Stall eine barocke Spolie.
- Weinstraße Nord 24: der Leininger Hof mit zwei barocken Torhausbauten von 1756 und 1787; ein ehemaliger Grenzstein und ein Türsturz tragen die Jahreszahl 1598.
- Weinstraße Nord 26: die ehemalige Schildherberge „Zum Hirsch“ mit einem zweischiffigen Gewölbestall über Säulen aus dem Jahr 1860.
- Weinstraße Nord 39: eine großzügige Hofanlage mit einem Torhausbau von 1747 und einer Scheune von 1757.
An vielen Häusern sind kleine Zeugnisse des Handwerks erhalten. Ofensteine tragen Jahreszahlen wie 1712 (Weinstraße Nord 37), 1743 (Am Mühlbach 1) und 1749 (Hintergasse 6). Hoftore sind mit 1743 und 1783 bezeichnet, eine spätbarocke Torfahrt an der Weinstraße Nord 32 mit 1753. Ein Kellerzugang an der Weinstraße Nord 55 stammt von 1564, im Keller liegt ein Kappengewölbe der Gründerzeit.
Ein ehemaliges Kelterhaus, ein eingeschossiger Krüppelwalmdachbau um 1800, erinnert an die Weinbereitung im Dorf. Zur Geschichte der Kelter und der Lese siehe auch die Seite Weinlese.
Wie überstand das Dorf Kriege und Seuchen?
Mehrfach wurde Kirchheim zerstört. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten spanische Truppen das Dorf. 1661 folgte eine Pestwelle, 1690 zerstörten Truppen Ludwigs XIV. den Ort im Pfälzischen Erbfolgekrieg, und 1757 raffte eine Ruhrepidemie viele Menschen dahin. Das Schloss der Leininger Grafen zerstörten 1793 französische Truppen.
Aus den Trümmern entstand zwischen 1740 und 1790 das barocke Dorf, das heute den Ortskern bestimmt. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Familien aus; die Seite Pfälzer Auswanderer beschreibt diese Bewegung. In beiden Weltkriegen gab es Opfer: 58 im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg 54 Gefallene und 21 Vermisste.
Was erinnert an die jüdische Gemeinde?
An der Hintergasse 29 steht die ehemalige Synagoge mit dem jüdischen Schulhaus. Der romanisierende Walmdachbau entstand zwischen 1883 und 1890, die Schule wurde 1891 erweitert. An der Weinstraße Nord 29 zeigt ein barockes Portal von 1787 am Schlussstein hebräische Initialen.
Der jüdische Friedhof liegt südlich des Ortes an der B 271 und ist eine eigene Denkmalzone. Er wurde zwischen 1887 und 1962 belegt und hat acht Grabsteine aus den Jahren 1907 bis 1918. Weitere Orte dieser Art stellt die Seite Jüdische Friedhöfe und Synagogen in der Pfalz vor.

Was entstand im 19. und frühen 20. Jahrhundert?
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden Bauten außerhalb des alten Kerns. 1873 wurde der Bahnhof an der Bahnhofstraße 1 gebaut, ein spätklassizistischer Typenbau. In der Bissersheimer Straße entstanden zwei Villen: Nummer 2 von 1895 mit klassizistischen Motiven, Nummer 20 von 1904 im Stil des späten Historismus.
Das Schulhaus an der Kleinkarlbacher Straße 2 baute 1903/04 der Mannheimer Architekt Albert Speer, einen späthistoristischen Putzbau auf asymmetrischem Grundriss. Im Vorgarten stehen ein Kriegerdenkmal für 1866 und 1870/71 und ein Gussstein-Pfeiler von 1914.
Auf dem Friedhof liegen historische Grabmäler: ein Postament mit Urne für M. Fey (gestorben 1834), das klassizistische Grabmal für Pfarrer K. A. Neundorf (gestorben 1879) und die monumentale Familiengrabstätte Diffiné von 1909. Die Friedhofshalle stammt von 1962. Die katholische Kirche St. Johannes der Täufer am Triftweg 1 ist ein höhengestaffelter Bruchsteinbau mit gotisierenden Öffnungen, den der Frankenthaler Architekt H. Butz 1928/29 errichtete.
Was gibt es heute zu erleben?
Kirchheim ist ein Winzerdorf: Mehrere Weingüter sind ansässig, darunter ein Biobetrieb. Gastronomie und Weingüter listet die Gemeinde auf ihrer Website. Allgemeines zu Wein und Terminen steht auf den Seiten Deutsche Weinstraße und Weinprobe.
Zum Wandern eignen sich der Eckbach-Mühlen-Wanderweg, der auch mit dem Rad befahrbar ist, und ein Rundweg um Kirchheim. In der Umgebung führen der Leininger Burgenweg, der Leininger Klosterweg und der Leininger Panoramaweg durch die Hügel und Wälder. Im Dorf organisiert der Heimatverein seit vielen Jahrzehnten die Kirchheimer Kerwe; die Kerwe als Fest erklärt die Seite Kerwe. Das Heimatbuch von Heinrich Julius Keller umfasst 368 Seiten und behandelt die Ortsgeschichte ausführlich.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
Weingut & Gästezimmer
Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.
Übernachten beim WinzerHotel & Ferienwohnung
Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.
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Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
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Häufige Fragen zu Kirchheim an der Weinstraße
Wann wurde Kirchheim an der Weinstraße erstmals erwähnt?
764 in einer Schenkung eines Weinbergs an das Kloster Lorsch.
Seit wann heißt der Ort „an der Weinstraße“?
Seit 1952; vorher hieß er „Kirchheim an der Eck“ nach dem Eckbach.
Wann entstanden die barocken Winzerhöfe?
Zwischen 1740 und 1790, nach den Zerstörungen früherer Kriege.
Welche Geschichte hat die Andreaskirche?
Sie ist ein spätgotischer Saalbau aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts mit älteren Teilen aus dem 13. Jahrhundert; der Turm ist mit 1761 bezeichnet.
Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Kirchheim?
Seit 2018 zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.
Wo sitzt die Gemeindeverwaltung?
In einer barocken Hofanlage an der Weinstraße Nord 1, die zugleich Dorfgemeinschaftshaus ist.
Passend dazu: Das Nachbardorf mit romanischem Chorturm und Hakenhöfen stellt die Seite Dackenheim vor.
Passend dazu: Das Nachbardorf am Eckbach mit der Urkunde von 770 und dem Murbacher Lehen beschreibt die Seite Kleinkarlbach. Das Mühlendorf am Eckbach mit der Chorturmkirche des 13. Jahrhunderts stellt die Seite Großkarlbach vor.
Quellen: Gemeinde Kirchheim an der Weinstraße: Geschichte; Gemeinde Kirchheim an der Weinstraße: Rathaus und Dorfgemeinschaftshaus; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.