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Kleinkarlbach: Lorscher Urkunde 770, Hallstatt-Brandgrab und die Denkmalzone Hauptstraße

Weinbaugemeinde am Eckbach mit Urkunde von 770, Brandgrab der Hallstattzeit, Murbacher Lehen der Grafen von Leiningen und einer Denkmalzone in der Hauptstraße

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am Erwähnt 770 · Hallstatt-Brandgrab

Sanft gewellte Hügel mit Weinbergen und Waldrand, blühende Obstbäume im Frühling, leichter Dunst im Morgenlicht
Hügelland Hügel mit Obstblüte. Symbolbild

Kurz gesagt

Kleinkarlbach liegt im Landkreis Bad Dürkheim in der Verbandsgemeinde Leiningerland, am Eckbach zwischen Kirchheim und den Ausläufern der Haardt. Der Ort wird 770 im Lorscher Kodex erwähnt, ein Brandgrab der Hallstattzeit belegt die Besiedlung seit der Eisenzeit. Im Mittelalter gehörte er als Murbacher Lehen zu den Dörfern der Grafen von Leiningen. Die Denkmalzone der Hauptstraße mit Kirche, Bann- und Backmühle und dem Wambolder Hof prägt das Ortsbild.

Wo liegt Kleinkarlbach?

Kleinkarlbach ist eine Weinbaugemeinde im Landkreis Bad Dürkheim und gehört zur Verbandsgemeinde Leiningerland, die zum 1. Januar 2018 aus den Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim entstand. Das Dorf liegt im Schutz der Ausläufer der Haardt, eingebettet in sanfte Hügel und Weinberge, im Herzen des Leiningerlandes. Durch den Ort fließt der Eckbach; die Häuser entlang des Bachs sind im Sommer mit Reben und Blumen geschmückt. Im Zentrum steht ein Dorfbrunnen.

Der Nachbarort im Osten ist Kirchheim an der Weinstraße, mit dem Kleinkarlbach durch einen Fuß- und Radweg und eine gemeinsame Feuerwehr verbunden ist. Am selben Bach liegen Großkarlbach flussabwärts und bachaufwärts Neuleiningen mit seiner Burg. Die Weinberge zählen zur Mittelhaardt an der Deutschen Weinstraße.

Was belegen die Gräber aus Eisenzeit und Antike?

Die Anfänge der Ortsgeschichte liegen im Dunkeln, doch die Gemarkung war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Das älteste Zeugnis ist ein Brandgrab der Hallstattzeit. Beim Roden eines neuen Weinbergs fand Leonhard Wendel es 1887 in der Gewanne „Oberer Wammesplatz“ in einer halben Meter Tiefe: eine Urne mit verbrannten Knochen, in ein mit Steinen ausgelegtes Loch gestellt und mit einer Steinplatte zugedeckt. Das Gefäß ist ein unverziertes Schrägrandgefäß mit eingezogenem Unterteil, 22 Zentimeter hoch und 26 Zentimeter breit; es wurde der dritten Stufe der Hallstattzeit zugeordnet, also der Zeit von 850 bis 700 vor Christus. Dazu kommen ein frühgeschichtlicher Bronzekelt, eine Axt, sowie römische und fränkische Grabfunde.

Beim Bau der Straße von Kirchheim nach Kleinkarlbach 1883/84 stieß man am Ortseingang auf zwei Plattengräber in 40 bis 50 Zentimetern Tiefe, die leer waren, daneben ein drittes, halb aus der Böschung ragendes. An sechs weiteren Stellen sollen nach Überlieferung Urnen und Steinsärge aufgetaucht sein. 1903 grub der Totengräber auf dem 1880 angelegten Friedhof ein Grab aus und fand ein viel älteres: Der Bericht des Historischen Vereins Speyer vom 26. Juli 1903 erkannte es als fränkisch und führte eine bronzene Gürtelschnalle, ein eisernes Messer, einen eisernen Anhänger und eine gerillte Scherbe auf. Beim Bau der Eisenbahn im selben Jahr wurde außerdem ein Römergrab entdeckt. Die Römerzeit in der Region beschreibt die Seite Römer in der Pfalz.

In fränkischer Zeit bestanden in Kleinkarlbach nur zwei Hofreiten: die eine im Oberdorf nahe der heutigen Kirche, die andere auf dem Hübel. Aus ihnen wuchs das Dorf.

Was steht in der Urkunde von 770?

Im April 770, im zweiten Regierungsjahr König Karls, schenkten Reginher und seine Frau Adela dem Kloster Lorsch ihren Besitz im Wormsgau, darunter alles, was sie in „Circhheim a.d. Eck und Karlbach“ besaßen: eine halbe Hofreite mit allen Gebäuden, dem Wohnhaus und den landwirtschaftlichen Bauten. Der Abt des Klosters hieß Gundeland; die Gabe ging an den heiligen Nazarius, dessen Leib im Kloster Lorsch ruht. Die Urkunde ist die erste schriftliche Erwähnung. Das Dorf trug damals den Namen Carlobahobe, später hieß es Obercarlenbach, bis daraus Kleinkarlbach wurde. Die Schenkungen des Lorscher Kodex für die Nachbarorte ordnet die Seite Weinbaugeschichte der Pfalz ein. Im Jahr 2025 feierte die Gemeinde die 1255. Wiederkehr dieser ersten Erwähnung.

Warum gehörte Kleinkarlbach dem Kloster Murbach?

Dem Kloster Murbach im Elsass, einer Gründung des heiligen Pirminius zu Ehren des heiligen Leodegar, gehörten sehr früh fünf Dörfer: Leistadt, Weisenheim, Bobenheim, Battenberg und Kleinkarlbach. Im April 1309 wurde die Belehnung zwischen dem Abt von Murbach, dem Grafen Gottfried von Leiningen und dessen Sohn Jodfried für 600 Pfund Heller übertragen. Durch mehrere weitere Belehnungen blieb der Besitz bis zur Säkularisation bei der Grafschaft Leiningen-Hardenburg. Die Nachbarn Weisenheim am Berg und Battenberg gehörten zu demselben Lehensverband.

Im Krieg zwischen Veldenzern und Leiningern gegen Kurfürst Friedrich I., den Siegreichen, wurden alle leiningischen Dörfer niedergebrannt. Auch Kleinkarlbach, damals noch Oberkarlbach genannt, ging in Flammen auf. Die Herrschaft der Grafen von Leiningen und ihre Burgen stellt die Seite Burgengeschichte vor.

Weinberghang im Herbst mit roten und goldenen Blättern, tiefstehende Sonne mit Lichtstrahlen im dünnen Nebel
Herbstreben Weinberge im Herbst. Symbolbild

Welche Krisen erlebte das Dorf?

1555 kam die Reformation in das Leiningerland, und Kleinkarlbach wurde lutherisch. Kurfürst Ludwig der Fromme von der Pfalz führte den Kirchensprengel später dem Calvinismus zu, was sich in der nüchternen Schlichtheit des Kirchenbaus niederschlug. Wie sich die Konfessionen in der Pfalz entwickelten, erklärt die Seite Religion.

1596 starben 48 Menschen in Kleinkarlbach an der Pest. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) starben 1625 weitere 31 Personen, und alle Einwohner waren geflohen; die Wiederansiedlung verlief sehr langsam. In der Zeit der Revolutionskriege musste die Bürgerschaft am 26. Februar 1793 unter Aufsicht der Franzosen einen Freiheitsbaum aufstellen. Am 10. April 1793 fiel der preußische Offizier Freiherr von Eickstädt in der Backmühle durch eine französische Patrouille und wurde noch in der Nacht vor dem Altar der protestantischen Kirche beigesetzt. Genau ein Jahr später, am 10. April 1794, fand bei Battenberg und Kleinkarlbach im Hartmannstal eine Schlacht zwischen Preußen und Franzosen statt.

1801 wurde die Pfalz nach dem Frieden von Lunéville französisch und gehörte als Teil des Departements Donnersberg bis 1813 zur französischen Krone. Von 1813 bis 1816 stand sie unter österreichischer Verwaltung, am 1. Mai 1816 fiel sie nach dem Wiener Kongress an Bayern und hieß bis 1945 Rheinkreis. Mehr dazu auf der Seite Bayerische Pfalz.

Was ist an der Kirche besonders?

Die protestantische Pfarrkirche in der Hauptstraße 20 steht an der Stelle einer Kapelle, die dem heiligen Nikolaus geweiht war und zur Mutterkirche in Battenberg gehörte. Über den alten Fundamenten entstand im 14. und 15. Jahrhundert eine gotische Anlage; der heutige Saalbau reicht vom 13. bis ins 15. Jahrhundert und wurde um 1723 erweitert. Vorhalle und Turm kamen 1931 hinzu, geplant von den Ludwigshafener Architekten Karl Latteyer und Hans Schneider.

Die Kirche enthält Bilder von Schlesinger und ein Fresko im Altarraum, das 1972 bei der Renovierung wiederentdeckt wurde. Auf dem früheren Kirchhof stehen barocke Grabkreuzfragmente und ein Kriegerdenkmal für 1914 bis 1918 in Gestalt eines reliefierten Sandsteinblocks von 1925. 1951 wurden für Kirche und Gemeinde drei neue Glocken geweiht, die die im Krieg abgegebenen ersetzten.

Was umfasst die Denkmalzone der Hauptstraße?

Die Denkmalzone Ortskern erstreckt sich über die Hauptstraße 12 bis 46 und 17 bis 47 samt dem Eckbach, von der Bann- und Backmühle bis zum früheren Schul- und Rathaus, einschließlich Kirche und adeligem Hof mit Schäferei. Der Abschnitt zeigt die bauliche Entwicklung des Dorfes vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Der frühere Wambolder Hof, Hauptstraße 37 und 38, besteht aus zwei im Kern mittelalterlichen Wohnhäusern; ein Kellerzugang trägt die Jahreszahl 1626. Hauptstraße 29 und 30 ist ein Putzbau mit Fachwerk und den Resten einer Galerie, im Kern von etwa 1600, umgebaut 1713, mit einem barocken Volutenstein von 1754 in der Gartenmauer. Hauptstraße 39 ist eine Hofanlage der Mitte des 18. Jahrhunderts mit spätbarockem Torhausbau, 1845 erweitert, und einem tonnengewölbten Keller von 1745. An den Häusern sitzen datierte Einzelstücke: ein Reliefstein von 1567 an der Hauptstraße 12, eine Kellerpforte von 1586 an Nr. 26, Schlusssteine von 1720 in einem früheren Portal an Nr. 41 und ein spätbarockes Portal von 1759 an Nr. 45.

Dazu gehören das Stauwehr des Mühlteichs im Bachweg und die frühere Schleifmühle, ein Dreiseithof des frühen 19. Jahrhunderts mit stattlichem Krüppelwalmdachbau von 1808 und einer Bruchsteinscheune. Das Dorf zählt sechs ehemalige Mühlen am Eckbach. Der Eckbach-Mühlenwanderweg zwischen Kleinkarlbach und Dirmstein wurde am 12. Oktober 1997 eingeweiht und verbindet die Mühlen der Dörfer entlang des Bachs, darunter die von Großkarlbach.

Ein Zweig mit weißen Kirschblüten vor weichem blauem Himmel, unscharfe grüne Hügel im Hintergrund
Kirschblüte Kirschblüte. Symbolbild

Wie entstand das Dorfgemeinschaftshaus?

Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg führten die Grafen von Leiningen-Hardenburg in wiederholten Verordnungen den Schulzwang ein. Das erste gemeindeeigene Schulhaus wurde 1791 eingerichtet. Von 1839 bis 1841 entstand das heutige Dorfgemeinschaftshaus als Schule und Rathaus, ein kubischer Walmdachbau mit Uhrtürmchen und spätklassizistischen, historisierenden Motiven, der als ortsbildprägend unter Denkmalschutz steht.

1975 wurde das alte Schulhaus zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut; 2015 wurde es nach 15 Monaten Umbau barrierefrei neu eröffnet. Die Grundschule „Burgenländchen“ erhielt 1961 ihren Grundstein und wurde am 19. Mai 1962 eingeweiht.

Wie veränderte die Bahn das Dorf?

Bevor die Straße nach Kirchheim 1861 gebaut wurde, verlief der Weg am Eckbach entlang und war bei Überschwemmungen oft nicht befahrbar. Am 31. Mai 1892 spülte ein Hochwasser den lose aufgeschütteten Damm am Eckbachweiher weg; an der damaligen Wirtschaft Meurer stand das Wasser mehr als zwei Meter hoch. In den Jahren 1983 bis 1985 wurde der Weiher als Hochwasserschutz ausgebaut.

Im Frühjahr 1903 wurde das Dorf mit der Strecke Grünstadt–Altleiningen an das Bahnnetz angeschlossen. Planungen und Verhandlungen mit den Eisenbahngesellschaften hatten sich zuvor über 40 Jahre hingezogen, auch Fuhrunternehmen leisteten Widerstand. Der Personenverkehr endete 1969, bis 2007 verkehrten Güterzüge zum Drahtzug in Altleiningen, im Sommer 2008 wurden die Gleise abgebaut. Elektrisches Licht gab es bis Weihnachten 1920 in allen Wohnungen, die Wasserleitung ging im April 1927 in Betrieb. Die Burg Altleiningen liegt am anderen Ende der früheren Strecke.

Ein Erdweg durch den Rand eines Buchenwaldes mit gesprenkeltem Sonnenlicht und frischem grünem Laub
Waldweg Weg am Waldrand. Symbolbild

Welche Rolle spielen Wein und Gewerbe?

Viele Sonnenstunden und gute Böden bilden die Grundlage für den Weinbau; mehrere Weingüter haben ihren Sitz im Dorf, darunter ein Gut mit dem alten Ortsnamen Obercarlenbach. Schon 1956/57 stellte das Dorf mit Lieselotte Senck die erste Weingräfin, 1974/75 folgte Gudrun Geißler-Gerlinger. Die Weinbergslagen und die Rebsorten der Region erklärt die Seite Weinlagen.

Die Firma GECHEM ist der größte Gewerbebetrieb des Dorfes; 2011 feierte sie ihr 150-jähriges Bestehen. Mehr als 100 Jahre lang war sie im Besitz der Familie Spiess. Konsul Dr. Dieter Spiess wurde 2004 zum Ehrenbürger ernannt, schon 1973 war Frau Dr. Spiess Ehrenbürgerin geworden und mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. 1909 hinterließ der Gutsbesitzer Georg Hammel der Gemeinde 10.000 Goldmark als Stiftungskapital; zum Georgstag bekam daraufhin jedes Schulkind eine Brezel.

Was verbindet das Dorf mit Partschins?

Am 8. Mai 1970 ging Kleinkarlbach eine Partnerschaft mit Partschins im Vinschgau ein, nahe Meran. Sie wurde durch Kontakte auf Kreisebene mit der Südtiroler Weinstraße vorbereitet. Partschins ist der Geburtsort von Peter Mitterhofer, der die erste Schreibmaschine baute und dem dort ein Museum gewidmet ist. Fremdenverkehr, Wein- und Obstanbau bilden die wirtschaftliche Basis beider Gemeinden. 1990 wurde die Schulturnhalle zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft eingeweiht.

Was gibt es heute zu entdecken?

Kleinkarlbach eignet sich für einen ruhigen Rundgang entlang des Eckbachs. Wer an der Kirche beginnt, geht die Hauptstraße entlang zur Bann- und Backmühle, sieht die Fachwerkhäuser mit Jahreszahlen von 1567 bis 1759 und kommt am Dorfbrunnen vorbei. Beschauliche Wanderwege führen in die Weinberge; Wege durch die Reben beschreibt die Seite Weinwanderungen, und der Kraut-und-Rüben-Radweg erschließt die Dörfer der Gegend mit dem Rad.

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Häufige Fragen zu Kleinkarlbach

Wann wurde Kleinkarlbach erstmals erwähnt?

770 im Lorscher Kodex, in einer Schenkung des Reginher und seiner Frau Adela an das Kloster Lorsch.

Wie alt sind die ältesten Funde?

Ein Brandgrab der Hallstattzeit aus der Zeit von 850 bis 700 vor Christus, 1887 beim Roden eines Weinbergs entdeckt.

Zu welchem Kloster gehörte das Dorf im Mittelalter?

Zum Kloster Murbach im Elsass; 1309 wurde das Lehen auf die Grafen von Leiningen übertragen.

Was steht unter Denkmalschutz?

Der Ortskern der Hauptstraße mit Kirche, Bann- und Backmühle, Wambolder Hof und früherem Schul- und Rathaus, dazu Stauwehr und Schleifmühle.

Wann bekam das Dorf einen Bahnanschluss?

Im Frühjahr 1903 mit der Strecke Grünstadt–Altleiningen; der Personenverkehr endete 1969.

Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Kleinkarlbach?

Zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.

Quellen: Ortsgemeinde Kleinkarlbach: Geschichte; Ortsgemeinde Kleinkarlbach: Kleinkarlbach stellt sich vor; Ortsgemeinde Kleinkarlbach: Weingüter; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.