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Lambrecht: Klosterkirche, Wandmalereien und Wolltuchweberei am Speyerbach
Ehemaliges Klosterdorf am Speyerbach mit gotischer Klosterkirche, mittelalterlichen Wandmalereien und Tuchmachertradition

Kurz gesagt
Lambrecht liegt im Landkreis Bad Dürkheim am Speyerbach, am Ausgang des Lambrechter Tals in den Pfälzerwald. Um 977 entstand hier eine Benediktinerabtei, die dem Märtyrerbischof Lambertus von Maastricht geweiht war. Ihre Kirche, im 14. Jahrhundert von Dominikanerinnen gotisch neu gebaut, besitzt fünf mittelalterliche Wandmalereien im Chor und eine Orgel von 1777. Im 16. Jahrhundert machten zugewanderte Wallonen den Ort zum Zentrum der Wolltuchweberei; fünf Walkmühlen am Speyerbach sind für das Jahr 1600 belegt.
Wo liegt Lambrecht und was prägt den Ort?
Lambrecht liegt im Landkreis Bad Dürkheim und ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Der Ort erstreckt sich im Tal des Speyerbachs, der aus dem Pfälzerwald kommt. Ins Elmsteiner Tal führt von Lambrecht aus das Kuckucksbähnel, ein historischer Dampfzug, dessen Museumsstrecke dem Speyerbach folgt. Die großen Nachbarn sind Neustadt an der Weinstraße und Bad Dürkheim. Auch das Brauchtum des Ortes reicht weit: Um Pfingsten übergibt Lambrecht der Stadt Deidesheim einen Geißbock, wie die Seite Geißbockversteigerung beschreibt.
Der Ortsname erinnert an den heiligen Lambertus, dem das Kloster geweiht war. Mit St. Lambrecht und Grevenhausen bestanden zwei benachbarte Dörfer: Für St. Lambrecht erließ ein Pfalzgraf eine Zunftordnung, für Grevenhausen ein Bischof von Speyer.
Wie entstand das Kloster Lambrecht?
Um 977 gründete der rheinfränkische Herzog Otto von Worms eine Benediktinerabtei, die dem Märtyrerbischof Lambertus von Maastricht geweiht war. Von der ersten Kirche sind schriftliche Quellen kaum erhalten. Spätestens unter Bischof Johannes I. (1090 bis 1104) entstand ein romanischer Steinbau, den unter anderem Zehnteinnahmen aus Steinweiler finanzierten. Grabungen von 1980 untersuchten die Lage dieses Baus im Grundriss der heutigen Kirche. Die Benediktiner wirkten rund 250 Jahre in Lambrecht und verließen das Kloster zwischen 1237 und 1244 unter dem Druck des Speyerer Bischofs.
Danach übernahmen Dominikanerinnen die Anlage. Sie nutzten den romanischen Vorgängerbau etwa 70 Jahre lang, dann begannen sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit einem gotischen Neubau. Der Stil heißt Reduktionsgotik: schlichte, geschlossene Baukörper ohne aufwendiges Strebewerk, Fialen, Türmchen und Bauplastik, dafür mit einem steilen Dach. Die Bauzeit betrug mehr als 23 Jahre, mehrere Priorinnen leiteten sie, darunter Marcia (1311 bis 1316), Agnes, Gezela und Kunegund von Fleckenstein. Der Grundriss ist klar gegliedert: Die Kirche besteht aus einem Langhaus mit zwölf Jochen, einem Chor im Osten und im Westen einem Nonnenchor mit Nonnenempore. Als Baumaterial diente lokaler roter Sandstein.

Was veränderte sich an der Klosterkirche seit dem Mittelalter?
Die Außenmauern zeigen unterschiedliche Bauabschnitte. An der Südseite stießen früher die Konventsgebäude an, Kragsteine zeugen noch davon. Ursprünglich gab es keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter; den heutigen Glockenturm setzte man 1922 auf. Im Westen war die Kirche ursprünglich um drei Joche länger. Diese Joche wurden 1802 abgebrochen, an ihrer Stelle steht heute die 1871 gepflanzte Friedenseiche.
1551 wurde das Kloster säkularisiert, 1553 ging es zusammen mit dem Dorf und seinen Gütern, darunter das Klosterweingut in Duttweiler, an die Universität Heidelberg über. Reformierte wallonische Glaubensflüchtlinge siedelten sich an, die Kirche wurde evangelische Pfarrkirche. Von 1707 bis zum Bau der katholischen Kirche im Jahr 1750 nutzten beide Konfessionen sie gemeinsam; das ist eine Simultankirche. 1777 baute der Saarbrücker Orgelbauer Johann Georg Geib eine barocke Schleifladenorgel in den Chorraum. Bei der Renovierung 1891 wurde sie auf die Empore über dem Eingang versetzt. 1977 überholte man sie zum 200-jährigen Orgeljubiläum und zur 1000-Jahr-Feier Lambrechts. Weitere Klosteranlagen der Pfalz stellt die Seite Klöster und Abteien vor.
Welche Wandmalereien haben sich im Chor erhalten?
Im Chor sind fünf großformatige Wandmalereien in Seccotechnik erhalten, die zwischen 1320 und der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden. Seccotechnik heißt, dass die Farben auf den trockenen Putz aufgetragen wurden. Die älteste Malerei ist die Ecclesiawand um 1320. Sie zeigt Christus und Maria in einer flammenförmigen Mandorla. Die Reliquienwand versammelt zwanzig Reliquienheilige; bei der Freilegung 1891 wurden viele Gesichter absichtlich zerstört. Erhalten sind Fragmente der Weiheinschrift und einer Grabinschrift für den Ritter Heinrich von Fleckenstein und die Gräfin Agnes von Saarwerden.
Hinter dem Altar zeigt die Quirinuswand das Leben des Pestheiligen Quirinus und gibt einen Einblick in die Kleidung des späten 14. Jahrhunderts. Die Lambertuswand stellt den Bischof Lambertus von Maastricht als Patron des Klosters dar, daneben Barbara, Katharina und Dominikus. Die Stifterwand zeigt Maria, die zwei kniende Klosterfrauen krönt. Besonders Lambertus- und Stifterwand sind im Sockelbereich stark beschädigt. Die Restaurierung von 1955 hat einige Details überdeckt.

Wie wurde Lambrecht zur Tuchmacherstadt?
Nach der Säkularisierung ließen sich im 16. Jahrhundert reformierte Wallonen in St. Lambrecht nieder und betrieben die Wolltuchweberei. Sie brauchten viele Hände: Die Einheimischen in St. Lambrecht und Grevenhausen übernahmen als Lohnarbeit das Wollschlagen und das Spinnen. Leinenweberei bestand daneben schon früher. Die Leinenweber arbeiteten in kleinen Werkstätten und gehörten nicht der Zunft von St. Lambrecht an, die sie ausschloss. Auch die Dominikanerinnen hatten Schafhöfe bei Dannstadt-Schauernheim und Worms, deren Wolle auch dem Eigenbedarf an Wolltuch diente.
1581 erließ Pfalzgraf Johann Casimir eine Ordnung für die Wolltuchmacher von St. Lambrecht. Die Tuchmacherei breitete sich nach Grevenhausen aus: Dort erließ Bischof Eberhard von Speyer 1599 eine Ordnung für die Wollweber und Färber, die der Lambrechter Ordnung von 1581 fast gleicht. Walkerde aus Alsterweiler, so überliefert es die Ortschronik von Maikammer, wurde nach Grevenhausen verkauft; mehr zu diesem Ort steht auf der Seite Alsterweiler. Walken heißt, das gewebte Tuch zu verfilzen und zu verdichten, und dazu dienten die Walkmühlen. Für das Jahr 1600 sind in St. Lambrecht fünf Walkmühlen belegt, alle vom Speyerbach angetrieben. Die Kuhbrück-Mühle westlich der Kuhbrücke ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisbar; sie war zuerst eine Grießmühle und gelangte 1910 an die Firma Häussling, deren ehemalige Fabrikbauten an der Kuhbrücke liegen. Grevenhausen hatte demnach eine eigenständige und leistungsfähige Tuchmacherei. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Pfalz beschreibt die Seite Wirtschaft.
Was zeigt der Ritterstein Breite Loog im Wald?
Südwestlich von Lambrecht steht am Wanderweg zur Hellerhütte der Ritterstein Nr. 255 „Breite Loog“. „Loog“ bedeutet Grenze. Der Stein markiert eine über tausend Jahre alte Grenzlinie, die hier durch den Wald verläuft. Sie ist in einer großen Felsplatte im Boden des Wanderwegs festgehalten, dem Loogfelsen, in den Grenzzeichen und Inschriften eingemeißelt sind. Ursprünglich trennte der Fels die Wälder von Deidesheim, Neustadt und Hambach-Lachen.
Um 1820/21 führten Waldverkäufe und Teilungen zu neuen Besitzverhältnissen, die alten Grenzzeichen verloren ihre Gültigkeit. 1825 ließ man die Markierungen anpassen und neu einmeißeln. Jede der drei Gemeinden erhielt einen eigenen Felsabschnitt mit ihrem Waldzeichen und einer Nummer: N für Neustadt, LB für Lambrecht und LCHN für Lachen. 1829 wurde der Stein renoviert; die Inschrift lautet „Renoviert in Freundschaft durch die Gemeinden Lachen, Neustadt und Lambrecht, den 28. August 1829“, darunter stehen die Namen der Bürgermeister Gros, Schoppmann und Mattil. Das Kürzel „P.W.V.“ steht für den Pfälzerwald-Verein, der den Stein mit seiner Markierung versehen hat. Der Stein gehört zur Kategorie der Orientierungspunkte, die Wanderern auf bemerkenswerte Stellen wie Grenzen, Felsen oder Quellen hinweisen. Wanderungen im Gebirge ordnet die Seite Rundwanderungen ein.
Welche Steine erzählen im Lambrechter Tal?
Im Projekt „Magische Orte – Steinerne Zeichen im Lambrechter Tal“ gestalteten Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen der Verbandsgemeinde Lambrecht gemeinsam Steine, die an Orten im Tal stehen; Partner war die Kreisentwicklung des Landkreises Bad Dürkheim. Der Wasserstein in Frankeneck an der Bahnhofstraße erinnert an die Gründung des Ortes im Jahr 1785 als Holzhauerort am Zusammenfluss von Hochspeyerbach und Speyerbach, wo auch die Kreuzbrücke entstand. Die Tafel betont die Bedeutung des Wassers für Arbeit und Verkehr: für Mühlen, Sägewerke, die Holztrift und die Papiermacherei. Sie endet mit dem Appell „Schützt das Wasser! Schützt das Leben!“.
Der „Stein des Sehens“ in Neidenfels behandelt das Sehen: Die Tafel beschreibt die Augen als Fenster zur Welt und fordert dazu auf, genau hinzuschauen und kritisch zu urteilen. Sie zitiert Goethes Gedicht „Der Türmer“. Die Burg des Ortes beschreibt die Seite Neidenfels, weitere Burgen die Übersicht Burgen.
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Häufige Fragen zu Lambrecht
Wann entstand das Kloster Lambrecht?
Um 977 gründete Herzog Otto von Worms eine Benediktinerabtei, die dem heiligen Lambertus von Maastricht geweiht war. 1551 wurde das Kloster säkularisiert.
Was ist in der Klosterkirche zu sehen?
Im Chor sind fünf mittelalterliche Wandmalereien erhalten, die älteste um 1320. Die barocke Orgel stammt von 1777.
Wann entstand die Tuchmacherei?
Im 16. Jahrhundert siedelten sich Wallonen an. 1581 erging die Ordnung für St. Lambrecht, 1600 gab es fünf Walkmühlen am Speyerbach.
Wer lebte im Kloster?
Zuerst lebten Benediktiner im Kloster, dann Dominikanerinnen. Mehrere Priorinnen leiteten den gotischen Neubau, darunter Kunegund von Fleckenstein.
Was bedeutet „Loog“?
„Loog“ bedeutet Grenze. Der Ritterstein Breite Loog steht an einer uralten Waldgrenze zwischen Lambrecht, Neustadt und Lachen.
Passend dazu: Der Ritterstein Breite Loog gehört zu mehr als dreihundert Gedenksteinen, die die Seite Rittersteine im Pfälzerwald vorstellt.
Quellen: KuLaDig: Klosterkirche Lambrecht; KuLaDig: Mittelalterliche Wandmalereien in der ehemaligen Klosterkirche Lambrecht; KuLaDig: Tuchweberei in Lambrecht; KuLaDig: Ritterstein Breite Loog; KuLaDig: Wasserstein in Frankeneck; KuLaDig: Stein des Sehens Neidenfels. Stand: November 2026.